Audios

10:16, 8.02.2010. Von Felix

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Hier hört ihr:

Mohamed Zidan vor dem Halbfinale gegen Algerien, das die Ägypter mit 4:0 gewinnen konnten: "Das ist wie ein Krieg."

Suleimanou Habouba (Afrikanischer Fußballverband, CAF, Director of Communications) nach dem Anschlag auf das togolesische Team in Cabinda: "Does it mean that we live on another Planet?"

Danny Jordaan, Cheforganisator der WM in Südafrika, zum Anschlag auf das togolesische Team in Cabinda: "We cannot allow Ignorance!"

Antar Yahia nach dem 0:4 seiner Algerier gegen Ägypten im Halbfinale in Benguela: "Wir wussten, das die alles versuchen werden. Sport oder anderes..."

Kuduru, den jungen Sound of Angola. Wissenschaftlich betrachtet hier.

Coming up next

20:24, 4.02.2010. Von Felix

Zidan und seine "Kriegsspiele" im Originalton, Antar Yahia im Interview über schummelnde Ägypter, Haiti und was er den Deutschendemnächst für Schiedsrichter wünscht, Danny Jordaan und sein Kosovo-Vergleich und und und!

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Grüße aus dem Karolinenviertel!

Angola

20:00, 2.02.2010. Von Felix

Ghana – Ägypten 0:1. Dick und orange hebt sich der Vollmond über die nachtschwarzen Schattenrisse der Bäume. Sterne am klaren Himmel. Wir sind wieder im Ovamboland. Mit dem Taxi geht es nach Ondangva. Aus dem Autoradio klingen christliche Chorlieder, ein Prediger spricht in der Ovambosprache über Paulus. Unser Zelt bauen wir fast genau an derselben Stelle auf, wie in der Nacht bevor wir nach Angola gefahren sind. Der Kreis schließt sich. Auch was den Afrika-Cup angeht.

Das Finale schauen wir in der ersten Kneipe hinter der Grenze. Ein kahler Raum, in dem überall leere 0,75 Windhoek Lager Flaschen stehen. In einer Ecke stapeln sich aufgerissene Getränkekartons. „Nobody like´s Egypt“ gilt auch hier. Wir ärgern uns mit etwa 20 Männern über den Ausgang des Spiels. Afrika-Cup ist, wenn 16 (oder 15) Mannschaften gegeneinander antreten und am Ende gewinnt Ägypten. Sie sind aber auch wirklich die Deutschen des Kontinents: Erfolg durch mannschaftliche Geschlossenheit und geordnetes Spiel. Ein Team ohne Stars, ohne Glamour. Noch nicht mal Abou Treika war dabei. Zidan sieht sich zwar selbst als Star, aber was ist der Dortmunder schon gegenüber Spielern wie Essien oder Drogba? Nun haben es die Ägypter also als erstes Team geschafft, den Titel dreimal hintereinander zu gewinnen, dafür gebührt ihnen natürlich Respekt.

Unser letzter richtiger Tag in Angola zeigt uns noch mal die zwei Gesichter des Landes. Wir machen von Lubango aus einen Ausflug ins Grüne. Es geht hinauf zu einem Wasserfall und einer Schlucht. Auf dem Weg sehen wir Affen in einem Baum. Wir sind zu Fuß unterwegs, trampen. Ein Lastwagen nimmt uns mit, vollbesetzt mit Frauen in ihren bunten Kleidern, die wahrscheinlich vom Markt kommen und in ihre Dörfer zurück fahren. Sie haben Körbe mit Funge und getrockneten Fischen dabei. Ein paar Kisten N´Gola - das örtliche Bier – werden zwischendurch abgeladen. Zwei Flaschen können wir ihnen noch abkaufen. Zurück nimmt uns dann ein junges Paar in seinem Jeep in die Stadt mit. Sie richtet sich während der Fahrt die glatten Haare, er dreht die Funkmusik lauter.

Was haben wir uns nur in diesem Land geirrt! Wir hatten Chaos erwartet, die Spuren des Bürgerkriegs noch überall spürbar. Was hatten wir auch für Warnungen gehört: „Ich kenne niemanden der in Angola nicht überfallen worden ist“, sagte Freund Marcello noch vor der Abreise in Hamburg. Oder die Südafrikaner, die im Ovamboland meinten: „Ihr müsst die Grenzposten bestechen, um hinein zu kommen“ und dann sogar von einer großen Flut in Angola gesprochen hatten. Natürlich waren sie noch nie da gewesen. Auch unser Reiseführer war nicht gerade beruhigend: Beware of dies, dont´t go da.

Eine Szene gab uns schließlich den Rest. Als wir in Luanda aus unserer Illyushin aussteigen wollen, stopft sich unser angolanischer Nachbar dicke Geldbündel zur Hälfte in den Hosenstall und in den Strumpf. Als ob er auf jeden Fall überfallen wird. Spätestens da dachten wir: Hier in Luanda herrscht Wildwest, hier gibt es keine Gesetze. Hier jagen Glücksritter funkelnden Diamanten und dem schwarzen Gold hinterher und machen dabei keine Gefangenen.

Alles Quatsch. Angola ist ein gut organisiertes Land mit starkem portugiesischen und brasilianischem Einfluss. Es erinnert in vielem an Südeuropa oder an Mexiko. Dazu überall diese teuren Autos. „Ich habe noch nie so viele Hummer auf der Straße gesehen, wie hier,“ sagt Caldo. „Das hier ist nicht Afrika,“ meint Thomas Hermann, der Techniker aus der Cuca-Brauerei in Catumbela. Aber was ist schon dieses Afrika? Ägypten? Somalia? Südafrika? Trotzdem ist es oft auch unser Eindruck gewesen. Gerade im Vergleich zu Westafrika vor zwei Jahren:

An der Busstation stellen sich alle brav in eine Reihe, um sich ihr Ticket zu sichern. Was für ein Unterschied z.B. zu Ghana! Was für ein Chaos herrschte da an solchen Stationen.

Wir wurden kein einziges Mal übervorteilt. Nicht mal die Geldwechsler, wie Caldo bemerkt schon immer ein anrüchiges Gewerbe, ziehen uns ab. Sie nerven nicht einmal! „Angola möchte einmal Südafrika als am besten organisiertes Land in Afrika ablösen,“ behauptet Jean-Pierre Brechét. Kann klappen. Auch wenn die Straße von Soyo nach Luanda und auch die von Lubango nach Ondjiva dringend repariert werden muss.

Nicht nur das. Die großen sozialen Probleme bleiben. Die hohe Kindersterblichkeit, die geringe Lebenserwartung, die schlechte Gesundheitsversorgung und dazu er extreme Unterschied zwischen den Lebensverhältnissenin den Städten und auf dem Land. Menschen müsen lange und teure Reisen auf beschwerlichen Wegen in Kauf nehmen, damit ihnen geholfen wird. Das haben wir in der Augenklinik in Benguela erlebt.

Nun sind wir in Windhoek. Nachher schauen wir uns hier für die Deutsche Welle ein Basketballprojekt an. Abends geht es auf eine Farm, wo wir unsere letzte Nacht vor dem Rückflug morgen Früh verbringen werden.

Der Endstand des Tippspiel:

Max 4 Punkte

Caldo 3 Punkte

Felix 3 Punkte

Bürte 2 Punkte

Ulf 1 Punkt

Steini gefühlten 1 Punkt

Damit einen dicken Glückwunsch an Max, der sich nun doppelt auf den Heimsieg gegen den KSC am Freitag freuen darf!

 

 

 

Bitte warten sie hier

08:22, 2.02.2010. Von Felix

Eigentlich sollte hier schon mein Abschlussbericht stehen. Aber weil der Computer im Hostel in Windhoek den Stick nicht versteht, muss ich es heute Nachmittag woanders probieren. Also bitte spaeter noch mal reinschauen!

Finale!

21:03, 30.01.2010. Von Felix

Das Spiel um Platz 3 ignorieren wir mal gepflegt. Hier der Zwischenstand:

Caldo 3 Punkte

Max 3 Punkte

Felix 2 Punkte

Bürte 1 Punkt (sorry!)

Ulf 1 Punkt

Steini 0 Punkte

Und der letzte Tipp:

 

Ghana – Ägypten

Caldo tippt: 2:0. Die Ägypter hatten ihren Höhepunkt und befinden sich in der postkoitalen Ruhephase.

Felix tippt: 0:2. Die Pyramiden sind einfach ein  Weltwunder.

Dem Gewinner winkt natürlich ein schöner Merchanscheiss! Also Steini, anstrengen!

 

Lubango

08:26, 30.01.2010. Von Felix

Spielfrei. Wir sind in Lubango. Die Stadt liegt etwa 1.600 Meter hoch, ein Teil der Häuser schmiegt sich an ein Hochplateau. Oben auf der Spitze steht eine Christus-Statue in weiß, der in Rio de Janeiro nachempfunden, bloß kleiner. Kühl wird es hier in der Nacht, ein bisschen Eingewöhnung für zu hause. Heute, am Samstag, verbringen wir unseren letzten richtigen Tag in Angola. Am Sonntag wollen wir es per Bus über die Grenze nach Namibia schaffen und am Montag in Windhoek sein.

 Hierher ging es mit einem schnellen Überlandbus. Die Fahrt hat sechs Stunden gedauert, nur ein Teil der Straße war unasphaltiert. Auf dem Weg lag ein frisch umgekippter Lastwagen, aber wir sind gut durchgekommen. Die Landschaft wieder wunderbar: dicht und grün.

Ägypten – Algerien

Der „Fußballkrieg“ ist ruhig verlaufen. Die algerischen Fans waren ziemliche Musteranhänger: Höflicch, freundlich und kaum einmal ein böses Wort über ihren Gegner. Die schienen fast alle vom Imageberater gecoacht worden zu sein. Immerhin rochen einige nach Schnaps. Aber selbst, als die rund 2.000 nach dem 0:4 in völlig überfüllte Busse verpfercht und dann gleich wieder zum Flughafen transportiert worden sind: Kein Murren. Als ein Polizist zwei Jungen auffordert, vom Dach eines Busses zu steigen, tun sie das ohne Widerstand. Stattdessen werden wir immer höflich gefragt: „Wo kommt ihr denn her? Können wir ein Foto machen?“ In der Mixed Zone verteilen Delegationsmitglieder auch noch Wasserflaschen an die wartenden Journalisten.

Die algerischen Spieler entpuppen sich allerdings als schlechte Verlierer. Bochums Antar Yahia behauptet, die Ägypter würden schon das ganze Turnier bevorteilt und wittert gar eine Verschwörung. Karim Matmour von Borussia Mönchengladbach sieht auch keinen Grund zur Selbstkritik wegen mangelnder Disziplin, der Schiedsrichter war Schuld. So machen die Jungs leider den positiven Eindruck etwas kaputt, den wir hier von ihnen bekommen hatten. Zidan sagt diesmal übrigens nix – jedenfalls zu uns nicht.

Stimmung

Das ist nach 2006 in Ägypten und 2008 in Ghana mein dritter Afrika-Cup. Bei Ägypten – Algerien habe ich es erstmals erlebt, das im Stadion so etwas wie europäische Fußballstimmung herrscht, obwohl der Gastgeber nicht spielt. Die Algerier in der einen Kurve, etwa 500 Ägypter auf der anderen Seite. Sprechchöre, Bengalos, Anfeuerungsrufe. Bei den anderen Partien blieb es immer ruhig auf den Tribünen, bei guten Szenen gab es aber natürlich ordentlich Applaus und ab und an mal eine Welle. Fans waren sonst hier aber ziemliche Fehlanzeige. Nur wenige haben den Trip von den Verbänden bezahlt bekommen. Oft sind Angolaner mit Fahnen der gegeneinander spielenden Teams ausgestattet worden, um so etwas wie Fanblöcke darzustellen. Allerdings gibt es hier deutlich mehr Zuschauer, als in Ghana oder Ägypten: Beim Halbfinale waren sicher 20.000, Elfenbeinküste – Ghana in Cabinda mit genauso vielen Besuchern ausverkauft. Die Ticketpreise sind gering, es gibt hier genug Leute die sich das locker leisten können.Und neugierig auf die neuen Stadien und die erste Großveranstaltung in Angola seit dem Krieg sind auch genügend Leute.

Cuca

Unser Bier hier,  serviert in einer kleinen, braunen Maurerpulle.. Am Tag des Halbfinals machen wir eine Brauereibesichtigung In Catumbela, bei Lobito.

Einer der technisch Verantwortlichen kommt aus der Pfalz, tingelt aber schon seit 20 Jahren durch Afrika. Er zeigt uns die Anlagen und erzählt. Cuca gehört zu der französischen Firma Castel, die fast überall in Afrika Bier braut. Wir wollen wissen, warum so viele Menschen portugiesisches Bier trinken, statt Cuca, obwohl das billiger ist. Er vermutet, es liegt am Krieg. Durch den gibt es viele Krankheiten und die Leute hätten kein Vertrauen in das angolanische Wasser gehabt, weil so viele Anlagen kaputt waren.

Hier noch drei interessante Artikel, rund um den Afrika-Cup:

Johannes Dieterich berichtet in einer Reportage ausführlich aus Cabinda und beleuchtet die politische Situation dort 

Auch Christian Putsch und Christian Henkel berichten aus der Exklave.

in der taz schreibt Christian Henkel außerdem über den chinesischen Einfluss auf den Afrika-Cup.

 

Halbfinale

13:21, 27.01.2010. Von Felix

Spielfrei. Wir bleiben noch bis zum Halbfinale in Lobito/Benguela. Der "Fußballkrieg" ist ja doch recht spannend und auch die Pechsträhne ist vorbei. Idrissou am Morgen nach dem Ausscheiden redselig, ZDF, Sportal und Deutschlandfunk wollten was zu Ägypten - Algerien wissen. 

Hier aber nun der Zwischenstand des Tippspiels nach dem Viertelfinale (Richtige Tendenz gibt einen, richtiges Ergebnis einen halben Punkt dazu):

Caldo 2 Punkte

Max 1 Punkt

Felix 1 Punkt

Und hier die Tipps fürs Halbfinale:

Ghana - Nigeria

Caldo tippt: 2:1. Die jungen Ghanaer lassen Esien vergessen. Rajevac muss über die Plätze bei der WM-Mannschaft nachdenken.

Felix tippt: 2:0. Der Teamgeist stimmt einfach bei Ghana und die Ausgangsposition auch. Die "Black Stars" können jetzt schon zufreiden sein. Die überheblichen Nigerianer brauchen schon den Titel.

Ägypten - Algerien

Caldo tippt: 0:2.  Keine Revanche. Mohamed Zidan wird verdient das Maul gestopft. Er muss stolz- und ehrlos die WM anschauen.

Felix tippt: 1:2. Dich durchgelockerten Algerier sind die Mannschaft der Stunde in Afrika und der Hunger bei den Ägyptern nicht mehr groß genug. Schon gegen Kamerun war das eigentlich zu wenig.

Nach Pogo in Togo 2008:

Wohin bloß als nächstes?

Benguela und Lobito

21:35, 25.01.2010. Von Felix

Kamerun – Ägypten 1:3. Wir sind immer noch in Lobito, haben uns an unserem kleinen Traumstand häuslich eingerichtet. Das Open-Air-Restaurant ist meist schlecht besucht, aber gut bewacht. Ein Security-Mann ist fast immer da. Wir lassen also unsere Sachen einfach im Iglu, wenn wir ins benachbarte Benguela fahren.

Lobito ist eine Kleinstadt, hat aber den wichtigsten Hafen im Land. Wenn wir morgens aufwachen, schauen wir auf die Containerschiffe, die draußen auf die Einfahrt warten. Vom Hafen führt die Restinga, eine lange, gerade Straße hinaus aus dem Ort. Viele Häuser im Kolonialstil stehen hier. Reiche Angolaner aus Luanda haben an der Restinga ihren Zweitwohnsitz.

Am Ende, wo wir wohnen, trifft sich zur Mittagszeit immer ein kleiner Stammtisch von jungen Männern in schicken Hemden. Sie trinken portugiesischen Rotwein, Whiskey und Vodka und reden über „Dollars, Dollars,“ während wir in Badehose und Latschen Backgammon spielen.

Die Nachbarstadt Benguela ist wunderbar. Ruhig, entspannt, ebenfalls mit schönen Bauten aus der Kolonialzeit. Es gibt einen lang gezogenen Sandstrand, an dem gestern, am Sonntag, halb Benguela versammelt war. Die Niederlage Angolas gegen Ghana sehen wir in einem Imbiss. Kurz vor Schluss der Partie fahren Wasserwerfer vor und Jeeps mit Polizisten partoullieren die Straßen entlang. Beim Abpfiff zerschlägt einer seine Bierflasche wütend auf dem Boden, der Rest ist Resignation. Die Party ist für Angola vorbei.

Aber uns gefällt es in diesem Land inzwischen richtig gut und es ist auch gar nicht mehr so teuer. Das zelten kostet nichts, der Burger oder das Hähnchen am Straßenrand drei Euro. Das Bier zwischen 50 Cent und 70 Cent. Außerdem gibt es hier die „besten Bananen der Welt“, wie Jean-Pierre versichert hat – und sie schmecken wirklich gut. Zwischen den Orten ist man mit Condongueros, hellblau-weißen Minibussen unterwegs. Die Fahrt schlgt mit 40 Cent zu Buche.

Nur mit der Arbeit haben wir eine Pechsträhne. Rigobert Song mag nicht mit uns reden, überhaupt ist das Team Kameruns im Hotel gut abgeschirmt und lässt keinen Journalisten an sich heran. Auch Mohamadou Idrissou geht nach der Niederlage gegen Ägypten wortlos an uns vorbei. Trainer Alain Giresse war nach dem Ausscheiden Gabuns nicht mal auf der Pressekonferenz erschienen. Mohamed Zidan allerdings spricht – und redet gleich vom „Fußballkrieg“ am Donnerstag im Halbfinale gegen Algerien. Zu Beginn dieses Blogs habe ich ja schon davon berichtet.

Wie es für uns in den nächsten Tagen weiter geht – ob nach Lubango, oder woanders hin, ist noch nicht sicher. Vielleicht bleiben wir auch hier und schauen das Halbfinale noch. Das wird gleich besprochen, hier auf dem Parkplatz vor dem Stadion, wo es Ess- und Trinkbuden gibt. Auch das ist anders, als in Cabinda und Luanda. Da war vor den Stadien nichts los.

Wer Mark Harenberg kennt, sollte mal hier hinein schauen. Dieser Tausendsassa!

Viertelfinale!

10:20, 23.01.2010. Von Felix

Spielfrei. Wir lassen es uns gerade richtig gut gehen, zelten immer noch am Strand und schonen so die Reisekasse – tatsächlich ein kleines Happy End zwischendurch! Der gewünschte Stimmungsbericht folgt, aber hier erstmal unser ultimativer Vorausblick auf die anstehenden vier Partien. Wir werden Ägypten – Ghana in Benguela sehen. Die Revanche für das Finale 2008, bei dem die Nordafrikaner nach einem kapitalen Fehler von Legende Rigobert Song mit 1:0 gewinnen konnten.

Angola – Ghana

Caldo tippt: 0:2 – Angola ist hinten zu schlecht, im Sturm platzt bei Ghana endlich der Knoten und Asamoah Gyan macht ein Tor. Party für Angola endlich beendet!

Felix tippt: 5:4 n.E. - Angola gerät erstmals bei diesem Turnier in Rückstand und gleicht in der Nachspielzeit aus. Im Elfmeterschießen halten die Nerven von Flavio und Co. Gegen die Black Stars, die eigentlich Satellites sind, besser.

Elfenbeinküste – Algerien

Caldo tippt: 3:1 – Die Algerier spielen gut mit, aber die Ivorer setzen sich aufgrund ihrer technischen und physischen Überlegenheit durch.

Felix tippt: 2:1 – Drogba entscheidet ein spannendes Spiel, bei dem Algerien allzu leichtfertig mit seinen Chancen umgeht. Die Ivorer - und vor allem Drogba zu seinem Afrika-Cup Abschied - wollen dieses Jahr unbedingt den Titel. Das zahlt sich aus!

Ägypten – Kamerun

Caldo tippt: 0:1 n.V. - 17 Spiele und sechs Jahre sind genug.

Felix tippt: 2:0 – Ägyptisches Selbstbewusstsein schlägt planlose Kameruner: Der Titelverteidiger ist auch in Angola das Maß der Dinge!

Nigeria – Sambia

Caldo tippt: 3:0 – Nigeria wird mit überragender Leistung gegen taktisch unbedarfte Katongos zum Turnierfavoriten.

Felix tippt: 0:1 – Das Überraschungsteam mit seinem nächsten Coup, denn frischer Offensivdrang zahlt sich aus, gell Stani? Und überhebliche Nigerianer diskutieren doch schon jetzt über das Finale...

Wer hält dagegen?

 

Boa Vista

17:45, 22.01.2010. Von Felix

Ägypten – Benin 2:0. Am Mittag besuchen wir die Klinik Boa Vista in Benguela. Alle möglichen Augenkrankheiten werden hier behandelt. Angefangen von Kurz- oder Weitsichtigkeit, bis hin zum Auswechseln der Linse bei Blindheit. Jean Pierre Bréchet ist einer der Direktoren der Klinik und führt uns herum.

Der zweistöckige Bau ist rosa gestrichen. Drinnen befindet sich in der Mitte ein heller, offener Warteraum mit einfachen Bänken. Sie sind alle voll mit wartenden Patienten. Um den Saal gruppieren sich die Zimmer mit insgesamt 60 Betten, der Operationssaal, die Räume für die Untersuchungen.

Augenkrankheiten sind ein großes Problem in Angola. Durch den 27-jährigen Bürgerkrieg und mangelhafte Ernährung sind Krankheiten weit verbreitet, Diabetes und andere Leiden treten häufig auf. Gleichzeitig ist die medizinische Versorgung speziell auf dem Land extrem schlecht. Wer ein Krankenhaus in der Stadt aufsuchen will, braucht viel Geld für die Behandlungen. Zudem braucht es oft viel Zeit, um aus einem Dorf zu einem Hospital zu reisen, da die Straßen schlecht und der Transport schwierig und teuer ist. Wir haben das auf unserem Trip von Soyo nach Luanda ja am eigenen Leib erfahren.

Boa Vista ist eine von gerade einmal drei Kliniken im ganzen Land, die auf Augenleiden spezialisiert sind. Bréchet schätzt, das ein Prozent der Bevölkerung des Landes, also etwa 180.000 Menschen, betroffen sind. Die Hälfte davon sind annährend blind. Brechet erzählt, was das im praktischen Leben der Menschen bedeutet:

„Eine Frau sagte zu mir: Ich habe Angst zu essen. Sie war sehr dünn, wog vielleicht 30 Kilo und war um die sechzig Jahre alt. Warum isst du nicht, fragte ich sie. Weil ich nicht alleine auf die Toilette gehen kann, war ihre Antwort. Das war ein Schock für mich. Als sie operiert worden war, hat sie wieder angefangen zu essen, denn sie konnte auch wieder alleine auf die Toilette gehen. Das zeigt, welchen großen Unterschied das im Leben dieser Menschen ausmacht.“

Nicht nur im Boa Vista sind die Ärzte aktiv, sie reisen auch selber in die Provinzen und führen vor Ort in den kleineren Städten Operationen durch. Dadurch erleichtern sie es Menschen aus den umliegenden Dörfern, versorgt und behandelt zu werden. Die beschwerlichen Reisen fallen weg.

Fast 30.000 Sprechstunden hat das Boa Vista 2009 abgehalten, über 3.000 Operationen durchgeführt und 5700 Brillen verschrieben und gefertigt. Es gibt einen eigenen Brillenmacher in der Klinik. Die Gläser kosten umgerechnet rund 12 Euro, eine Operation 25. Normal würden dafür etwa 1500 Euro fällig. Betrieben wird die Einrichtung von der Solidarieddade Evangélica (SOLE). Unterstützt wird sie von der Schweizer Allianz Mission und der Christoffel Blindenmission International, auch aus Deutschland.

In Zukunft sollen hier verstärkt einheimische Ärzte und weiteres Personal ausgebildet werden. Denn die Hilfe der christlichen Organisationen wird von der Regierung nicht nur positiv gesehen. So hat die regierende MPLA ausgerechnet in Benguela eine ähnliche Klinik aufgemacht, anstatt das z.B. im Norden des Landes zu tun, wo es gar keine Einrichtung gibt. „Die Regierung möchte die einzige Institution sein, die den Menschen hilft, deswegen gibt es da ein gewisses Konkurrenzdenken,“ sagt Brechét. In der staatlichen Klinik arbeiten kubanische Ärzte, die vom angolanischen Staat eingekauft worden sind. Kuba exportiert sein gut ausgebildetes Gesundheitspersonal auch hierher.

In Zukunft will SOLE 15-20 Kliniken im ganzen Land eröffnen. Boa Vista kann sich zu 87 Prozent allein finanzieren, der Rest kommt über Spenden. Der Staat zahlt keinen einzigen Kwanza.

Später besuchen wir einen Lepra-Patienten. Angola gehört zu den siebzehn Ländern auf der Welt, in denen Jahr für Jahr über 1000 neue Lepra-Erkrankungen hinzu kommen. Warum ist nicht ganz klar. SOLE unterstützt die Kranken, hat geholfen, eine Art Selbsthilfe-Gruppe aufzubauen. Zynischerweise kann man „dank des Krieges sagen, dass es in Angola viele Menschen mit körperlichen Leiden gibt. Deswegen sind die Betroffenen in der Gesellschaft nicht so geächtet. Es ist eben normal. Aber man muss die Leute motivieren, ihr Leben aktiv anzugehen und sich selbst zu helfen,“ so Bréchet.

Das Fußballspiel am Frühabend interessiert uns nicht sonderlich. Wir schauen nur die zweite Halbzeit.

 

 

Schönes Angola!

19:36, 20.01.2010. Von Felix

Ghana – Burkina Faso 1:0. Wir sehen nichts vom Spiel, weil wir auf dem Weg von Luanda nach Benguela sind. Eine fantastische Fahrt! Jean-Pierre Bréceht ist ein herrvorragender Reiseführer, zeigt uns alles und erzählt. Die Landschaften wechseln ständig, fast immer ist es grün, grün, grün. Die Straße führt über Hügel, gibt Blicke auf weite Ebenen frei. Flüsse, Seen, rechts von uns der Atlantik und kleine Orte mit den typisch afrikanischen Rundhütten und Strohdächern. Die Schulen sind orange oder rosa gestrichen.

Dann tauchen zwischendurch blaue Metallverschläge auf, in denen Chinesen wohnen, die hier die von ihnen gebaute Straße ausbessern. Nach rund der Hälfte der Strecke passieren wir Sumbe, ein Ort der während des Krieges von der Außenwelt abgeschnitten war und nur über das Meer versorgt werden konnte. Die Stadt lag zwischen den Fronten der Unita und den Regierungstruppen. An einer Brücke stecken links und rechts rot und weiß gestrichene Stöcke im Boden. Ein Zeichen, dass das Buschwerk dahinter noch nicht vollständig von Minen befreit ist. Wir passieren zwischendurch auch „Nomansland.“ „Von hier an hast du dein Herz in der Hand“ wurde früher gesagt. Auf den Hügeln hatte die Unita ihre Verstecke.

Auf dem letzten Teil der Fahrt kommen wir durch ein Gebiet, das Egitto, Ägypten, genannt wird. Wegen der spitz zulaufenden Berge, die an Pyramiden erinnern, und den Plamenoasen dazwischen. Es sind kaum Autos unterwegs, dafür liegen rechts und links immer wieder Wracks am Rand. Das viele auf und ab fordert gute Bremsen und die Aufmerksamkeit der Fahrer.

Jetzt sind wir in Lobito. Einem schmalen Küstenstreifen, rund 35 Kilometer von Benguela entfernt. Wir zelten am Strand, neben einem schönen Restaurant. Wunderbar. Nachts stolpert Caldo fast über ein schwarzes Ding im Sand. Eine riesige Meeresschildkröte. Unglaublich.

Stau

19:32, 20.01.2010. Von Felix

Angola – Algerien 0:0. Wir stehen im Stau. Um drei Uhr beginnt die Anreise zum Spiel. Viel zu spät! Der Anpfiff ist um fünf. Wir trampen, zwei junge Angolaner nehmen uns mit. Sie arbeiten im der englischen Botschaft. Ihr Chef war der Autor unseres Reiseführers, bis es ihn wieder nach London verschlagen hat.

Zur 50. Spielminute betreten wir das Stadion. Viel zu spät, denn weil Mali im Parallelspiel 2:0 gegen Malawi führt, reicht Angola und Algerien das Unentschieden. Der Nichtangriffspakt ist offensichtlich. Zwar ist die Situation mit der Schande von Gijon 1982 nicht vergleichbar, trotzdem ist es kurios, das nun einmal die Algerier die Rolle von Deutschland bzw. Österreich übernehmen.

Mit Luanda haben wir uns versöhnt, auch wenn die Rückfahrt aus dem Stadion mit dem Bus wegen des unglaublichen Staus wieder zwei Stunden dauert. Die Stadt hat was und wir haben viel zu viel Paranoia geschoben. Hier kann man sich locker bewegen. Schade, dass wir das viel zu wenig getan haben.

„You will suffer a lot“

13:30, 18.01.2010. Von Felix

„Ihr werdet sehr leiden.“ Wie wahr diese Worte des jungen Mannes am Morgen sind, werden wir noch erfahren. Wir wollen von Soyo mit dem Bus nach Luanda fahren, etwas vom Land sehen. Es sind ca. 3 – 400 Kilometer, der Reiseführer spricht von etwa acht Stunden Reisezeit.

Die Strecke ist auf der Karte im Bradt-Guide rot-weiß eingezeichnet, gehört damit zur zweitbesten Kategorie. Aber wir wissen auch: „Roads are often in bad condition.“ Los geht es um etwa 8:30 Uhr morgens. Kaum sind wir aus dem Ort heraus, geht es auf einen breiten, matschigen, ungeteerten Weg voller Schlaglöcher, Spurrillen, Wasserlöcher. Der Bus schaukelt, kippt mal zur einen, mal zur anderen Seite. Wir schnallen uns an. Hüpfen beim nächsten Schlagloch dennoch ein ordentliches Stück in die Luft. Taschen, Ananas und Wasserflaschen aus der Ablage fliegen kreuz und quer durch unser Gefährt.

Wir fahren meist kaum schneller als 30 km/h. Ständig muss der Fahrer abbremsen, rangieren, kann kaum einmal beschleunigen. Ein ums andere Mal wundern wir uns, wie er überhaupt durchkommt. Abends ist ein geschrotteter Bus, der in die entgegengesetzte Richtung unterwegs war und leer am Straßenrand liegt, ein warnendes Beispiel.

Ein anderes Kapitel aus unserem Reiseführer wird uns auch bildlich vor Augen geführt: „Beware containers on trucks: Fatal accidents caused by containers falling off the back of lorries are depressingly common.“ Uns wird schon ein bisschen anders, als dieser grüne Lastwagen vor uns fährt und der Container hinten drauf ständig auf und ab hüpft, wie wir in unseren Anschnallgurten.

Aber die Landschaft ist unglaublich schön. Immer nur grün, Feuchtsavanne, alte, knorrige Bäume mit dicken Stämmen und dichtes Buschwerk. Kaum einmal ein Haus oder eine Siedlung. Rechts liegt das ruhige Meer mit einem breiten Sandstrand. Etosha in Natura, nur noch schöner – und leider können wir keinen Löwen entdecken. Die meisten Wildtiere sind während des Krieges aus Angola geflüchtet oder getötet worden und kommen nun erst zögerlich zurück.

Wir ruckeln uns Stück um Stück vorwärts. Ungefähr acht mal werden wir dabei von der Polizei kontrolliert. Alle müssen aussteigen, ihre Pässe vorzeigen. Gleich beim ersten Mal wird eine Kongolesin am Weiterfahren gehindert. Sie hatte keine Papiere dabei.

Eigentlich wollten wir Abends in Luanda ankommen, hatten uns bei Marie-Claude und Jean -Pierre Bréchet angekündigt. Er ist einer der Repräsentanten der Schweizer Allianz Mission in Angola, von der bald noch ausführlicher die Rede sein wird.

Nun wird es dunkel und immer später. Keiner kann uns sagen, wann wir wohl ankommen werden. Es gibt kaum Orte auf der Strecke, geschweige denn Straßenschilder oder Entfernungsangaben. Es ist halb eins in der Nacht, als der Bus eine Einfallstraße nach Luanda erreicht. Er parkt am Rand einer weiterhin erdigen, staubigen Straße. In die Stadt will er nicht mehr weiterfahren. „Too dangerous.“

So verbringen wir auch noch die Nacht im Bus – ohne Essen, ohne Wasser. Auf so einen langen Trip waren wir nicht vorbereitet. Gegen fünf Uhr morgens geht es weiter. Doch auch an der ersten Haltestation sollen wir nicht aussteigen. Im Norden Luandas treiben sich zu viele bewaffnete Gangs herum – und es ist immer noch dunkel.

Als es beginnt hell zu werden, sollen wir aber raus. Wir wagen Jean-Pierre anzurufen, obwohl es noch so früh ist. Mit der Hilfe einer angolanischen Mitreisenden schaffen wir es zu einem Treffpunkt und sind nun wieder hier, mitten in Luanda Stadt. Was für ein Trip – 22 Stunden. We really suffered a lot. Aber wir haben auch gesehen, wie Angola eben auch noch ist. Trotz eines gigantischen Straßenbauprogramms, mit dem – oh Wunder – die Chinesen beauftragt sind.

Morgen geht es nach Benguela.

Soyo

13:26, 18.01.2010. Von Felix

Nigeria – Benin 1:0. Während der ersten Halbzeit stehen wir am Meer und schauen rechts auf die Mündung des Kongo-Flusses. Im Wasser planschen ein paar Kinder. Rechts von uns beginnt militärisches Sperrgebiet. Hinter uns sind ein paar weiße Römerzelte aufgebaut. Kleine Buden, bei denen es günstig Schnaps zu trinken gibt. Der kommt aus den beiden Kongos, die hier nur ein Stück weit gegenüber liegen, und wo alles nur ein Drittel kostet wie in Angola.

Uns reicht Bier. Es gibt gegrillten Fisch dazu mit Süßkartoffeln. Die zweite Halbzeit des Fußballspiels verfolgen wir dann in einem still gelegenen Open-Air-Kino. Die Leinwand ist eine verputzte Wand, von der die weiße Farbe abblättert. Unter dem Dach liegt eine schön schattige Kneipe mit einem großen Fernseher.

Soyo ist auch ein Öl-Ort, er war laut Reiseführer einmal ein verschlafenes Nest. Nun gibt es hier schicke, neu gebaute Häuser, wo die großen Firmen ihre Mitarbeiter unterbringen. Kinder bieten uns auf der Straße eine Banane für einen Dollar an. Abends finden wir immerhin einen Straßenstand, wo es Hähnchenkeulen für drei Dollar fünfzig gibt. Dazu essen wir das erste Mal Funje. Die traditionelle Sättigungsbeilage aus Manioc. Ein fester, etwas zäher, gräulicher Fladen, eingewickelt in einem Maisblatt.

Nach Soyo gekommen sind wir mit einer kleinen Propellermaschine von Cabinda aus. Über Land hätten wir durch den Kongo fahren müssen und es wäre unklar gewesen, ob wir mit unserem „Single Entry Visa“ dann überhaupt noch mal nach Angola hineingelassen worden wären. Elf Passagiere transportiert die Maschine. Ich sitze direkt hinter den beiden Piloten.

 

Ein wunderbarer Flug von einer halben Stunde. Es geht schnell aufwärts, über einen Streifen der DR Kongo. Wir drehen eine Schleife über das Meer und zack, geht es wieder nach unten. Am Flughafen haben wir noch die Mannschaften von Ghana und Burkina Faso getroffen. Beide auf dem Weg nach Luanda, wo sie am Dienstag das entscheidende Spiel um den Einzug ins Viertelfinale austragen. Ghana muss gewinnen, um weiter zu kommen.

„My Reporter, Christian“

13:23, 18.01.2010. Von Felix

Elfenbeinküste – Ghana 3:1. Auf der Pressetribüne schreien die ghanaischen Journalisten in ihre Handys, um das Spiel so live in die Heimat zu transportieren. Wir sind umzingelt von ihnen und hören das Spiel so stereo, ohne allerdings etwas zu verstehen.

Ein Reporter sitzt ganz nah hinter uns: Ayei Roxanne – und kaum hat sich Christian vor ihm auf seinen Platz gesetzt, wird er auch schon als Co-Kommentator eingespannt, bekommt fachmännische Fragen gestellt: „Wie siehst Du das Mittelfeld von Ghana bisher?“ Dabei war Christian zu spät und erst fünf Minuten im Stadion. Doch egal. Nun kennen ihn jedenfalls alle Hörer als „My reporter Christian.“

Big Match

15:15, 15.01.2010. Von Felix

Heute ist unser letzter richtiger tag in Cabinda. Abends gibt es den Knaller Elfenbeinküste - Ghana. Wir freuen uns daruf, sind schon mit allen ghanaischen Journalisten auf "Du". Besonders hat es uns Steve angetan, genannt "Starboy". Ein lustiger Kerl aus Accra.

Fluchen können die Jungs allerdings auch ganz gut, nämlich wenn sie nicht zu ihren Spielern gelassen werden, um Interviews zu machen. Die Sicherheisleute am Hotelanlageneingang verstehen hier nämlich überhaupt keinen Spaß.

Darunter müssen wir auch leiden. Mal eben ein nettes Interview machen läuft nicht. Man muss den Spielern und Trainern regelrecht auflauern. Bei Joanathan Pitroipa und Guy Demel (was läuft da eigentlich mit Sunderland - die Frage steht aber noch aus...) ist uns das gelungen. Aber eigentlich wollten wir ja viel mehr und hatten uns ausgemalt, das bei der geringen Anzahl von Journalisten vielleicht auch Herr Drogba zu einem kleinen Gespräch zur Verfügung gestanden hätte.

Dann eben nicht. Ab ca. 19.30 Uhr gibt es heute Abend den Live-Twitter vom Spiel, wenn alles funktioniert. Klickt rein!

Morgen dann nach Soyo. Caldo möchte unbedingt ein Bier am Kongo River trinken...

 

 

Tropenregen in Cabinda

14:04, 13.01.2010. Von Felix

Benin – Mosambik 2:2. Das beste Spiel des Afrika Cups bisher in unseren Augen. Wir schauen es im Vereinsheim des FC Cabinda 007. Der heiß wirklich so. Ein Kantinenartiges Gebäude mit einem lang gezogenen Tresen. Alles ist in hellblau und weiß gehalten. Auf welchem Platz in welcher Liga der Verein im Moment steht wissen wir nicht. Diesen „Lack of Recherche“ gönne ich mir mal.

Nach dem Schlusspfiff wollen wir eigentlich gehen. Doch dann beginnt dieser ohrenbetäubende Lärm. Es ist das Prasseln des Regens auf das Wellblechdach. Ein unglaublicher Tropenregen ist das. Es schüttet und schüttet, Sturzbäche fließen die erdene Straße hinunter. Also noch ein Cucan-Bier und noch eins. Aber es hört nicht auf. Also hinaus. Im Hotel angekommen sind wir völlig durchnässt.

Cabinda ist ein angenehmer Ort. Eine Kleinstadt, im Zentrum gibt es die Feira, eine Ansammlung von Kneipen und Restaurants auf einer Art Marktplatz. Auf dem Meer sieht man Fördertürme. Polizei und Armee fahren mit ihren Wagen zwar ab und an durch die Straßen, doch viel weniger als wir erwartet haben. Wir hatten gefürchtet in eine durchüberwachte Stadt zu kommen, aber das ist überhaupt nicht so.

Unsere These: Die FLEC hat bei ihrem Überfall auf die togoische Mannschaft gar nicht das Team treffen wollen, sondern das Feuer auf die mitfahrenden Sicherheitskräfte eröffnet. Das artete dann aus. Schüsse auf die angolanische Armee und die Polizei sind in den letzten Jahren in der Provinz Cabinda öfter mal passiert. Aber der kleine militante Teil der FLEC, der noch übrig ist, scheint logistisch gar nicht in der Lage, hier irgendwelche Bomben zu zünden oder ähnliches.

Natürlich kann etwas passieren. Aber es erscheint unwahrscheinlich nach allem was wir gehört und gelesen haben. Deswegen sind wir hier auch sehr entspannt unterwegs. Genießen, das wir endlich aus dem Moloch Luanda hinaus sind. Aber dass das geklappt hat war ein kleines Wunder.

Das verrückte Eröffnungsspiel ist vorbei. Per Kleinbus geht es zurück zum Hotel. Wir stecken im Stau fest. Zwei Stunden stehen wir uns nach vorne, bis wir endlich ankommen. Schreiben und packen und die Erkenntnis: Es gibt Nachts keine Taxis und auch keine Busse. Es gibt in Luanda sowieso keine Taxis. Und Nachts sowieso sowieso nicht. Auch die netten Volunteers können uns da nicht helfen: „Die Taxifahrer schlafen Nachts.“ Ach so.

Mit Jonathan und Dave aus England stellen wir uns insgesamt zu fünft an die Straße in Luanda Sul. Es ist halb vier Uhr Nachts. Um 6:30 Uhr soll unser Flieger gehen. Alle fünf Minuten kommt mal ein Auto vorbei, aber kein Minibus. Irgendwann werden wir panisch. Die Zeit rennt uns davon. Christian hält einen vorbeifahrenden Jeep an. Eine Frau mit ihrem Sohn auf der Rückbank sitzt drin. Sie hilft uns. Wir zwängen uns in das Auto. Auf dem Beifahrersitz hängt Christian halb aus dem Fenster. Neben ihm drückt Caldo sein Knie in den Schaltknüppel. Hinten sitze ich fast auf dem Schoß der beiden Briten und pressen mein Knie in den Rücksitz der Fahrerin.

Was für ein Glück, das sie gehalten hat und nun schnell Richtung Flughafen rast. Wir schaffen es rechtzeitig, der Flug ist kurz und ruhig – und es ist ein kleines, normales Linienflugzeug. Aus dem Fenster sehen wir die Bohrinseln und den grünen Regelwald Cabindas und der benachbarten Kongos. Wie leicht wäre es, unter einer der Palmen einfach mal eine Rakete zu zünden und auf uns abzufeuern...

Aber das passiert nicht und wir kommen heil an. Ein bisschen karibisch ist es hier. Wir genießen die Zeit, wollen bis Samstag Morgen bleiben. Am Freitag wartet das Spiel Elfenbeinküste – Ghana auf uns. Vorfreude! Ich werde versuchen, die Partie per Twitter zu begleiten. Klickt rein ab kurz vor Spielbeginn!

 

 

 

 

 

Ausgeschlafen

17:25, 12.01.2010. Von Felix

Aber auf den nächsten Text müsst ihr leider noch warten. Freut mich übrigens sehr, das so viele mitlesen...

Fühle mich immer noch sehr sicher und schicke mal ein paar Bilder. Morgen dann hoffentlich mehr, wenn ich heute Abend mal Ruhe finde zum schreiben.

In Cabinda

20:59, 11.01.2010. Von Felix

Nach einem Höllenritt und dem unglaublichen Eröffnungsspiel sind wir tatsächlich in Cabinda angekommen. Was wir gelernt haben: Man kann auch in Luanda trampen. Und zwar mitten in der Nacht um halb fünf.

Mehr von unserem Trip hierher und wie es hier aussieht gibt es demnächst. Heute Abend muss noch getextet werden und der Magen knurrt wie verrückt. Außerdem habe ich in den letzten zwei Tagen nur eine Stunde geschlafen. So wird der Afrika Cup langsam ungesund.

Aber wir sind sehr froh, aus Luanda weg zu sein. Die Stadt schafft einen wirklich. Hier ist es ländlicher, netter - und die Menschen sprechen Französisch. Wir sind fast im Kongo!

Das 0:0 hier war ja nicht der Rede wert. Burkina Faso hat mir aber gut gefallen, genau wie das Stadion. Aber jetzt ist Schluss. Ich hoffe auf eine erholsame Nacht ohne böse Malariamücken.

 

 

 

 

Da sind wir!

18:01, 10.01.2010. Von Felix

Ziel erreicht - wir sitzen im Stadion in Luanda! Ein unglaublich moderner Bau, der schwer an München erinnert. Weit draußen mitten in der Landschaft, mit einer Schale verkleidet, teilweise in rot. Alles neu hier, wie geleckt. Glas, Stahl. Respekt, ihr Chinesen, da habt ihr ganze Arbeit geleistet.

Angola will hier wirklich zeigen, das es nicht bloß kleckert, sondern hier einen perfekten Eindruck machen.

Aber nicht alles läuft: Eben ist ein Bus vollbesetzt mit CAF-Funktionären im Inneren des Stadions an einem Rolltor hängen geblieben Das gab ein Geschreie!

Auf der Tartanbahn toben bereits die bunt Kostümierten herum. Noch sind wir im riesigen Pressezentrum. Wir wollen raus!  Vielleicht twitter ich noch, sonst aber jetzt - genießen!!! Hurra!!!!!!!!!!!!