Tropenregen in Cabinda

14:04, 13.01.2010. Von Felix

Benin – Mosambik 2:2. Das beste Spiel des Afrika Cups bisher in unseren Augen. Wir schauen es im Vereinsheim des FC Cabinda 007. Der heiß wirklich so. Ein Kantinenartiges Gebäude mit einem lang gezogenen Tresen. Alles ist in hellblau und weiß gehalten. Auf welchem Platz in welcher Liga der Verein im Moment steht wissen wir nicht. Diesen „Lack of Recherche“ gönne ich mir mal.

Nach dem Schlusspfiff wollen wir eigentlich gehen. Doch dann beginnt dieser ohrenbetäubende Lärm. Es ist das Prasseln des Regens auf das Wellblechdach. Ein unglaublicher Tropenregen ist das. Es schüttet und schüttet, Sturzbäche fließen die erdene Straße hinunter. Also noch ein Cucan-Bier und noch eins. Aber es hört nicht auf. Also hinaus. Im Hotel angekommen sind wir völlig durchnässt.

Cabinda ist ein angenehmer Ort. Eine Kleinstadt, im Zentrum gibt es die Feira, eine Ansammlung von Kneipen und Restaurants auf einer Art Marktplatz. Auf dem Meer sieht man Fördertürme. Polizei und Armee fahren mit ihren Wagen zwar ab und an durch die Straßen, doch viel weniger als wir erwartet haben. Wir hatten gefürchtet in eine durchüberwachte Stadt zu kommen, aber das ist überhaupt nicht so.

Unsere These: Die FLEC hat bei ihrem Überfall auf die togoische Mannschaft gar nicht das Team treffen wollen, sondern das Feuer auf die mitfahrenden Sicherheitskräfte eröffnet. Das artete dann aus. Schüsse auf die angolanische Armee und die Polizei sind in den letzten Jahren in der Provinz Cabinda öfter mal passiert. Aber der kleine militante Teil der FLEC, der noch übrig ist, scheint logistisch gar nicht in der Lage, hier irgendwelche Bomben zu zünden oder ähnliches.

Natürlich kann etwas passieren. Aber es erscheint unwahrscheinlich nach allem was wir gehört und gelesen haben. Deswegen sind wir hier auch sehr entspannt unterwegs. Genießen, das wir endlich aus dem Moloch Luanda hinaus sind. Aber dass das geklappt hat war ein kleines Wunder.

Das verrückte Eröffnungsspiel ist vorbei. Per Kleinbus geht es zurück zum Hotel. Wir stecken im Stau fest. Zwei Stunden stehen wir uns nach vorne, bis wir endlich ankommen. Schreiben und packen und die Erkenntnis: Es gibt Nachts keine Taxis und auch keine Busse. Es gibt in Luanda sowieso keine Taxis. Und Nachts sowieso sowieso nicht. Auch die netten Volunteers können uns da nicht helfen: „Die Taxifahrer schlafen Nachts.“ Ach so.

Mit Jonathan und Dave aus England stellen wir uns insgesamt zu fünft an die Straße in Luanda Sul. Es ist halb vier Uhr Nachts. Um 6:30 Uhr soll unser Flieger gehen. Alle fünf Minuten kommt mal ein Auto vorbei, aber kein Minibus. Irgendwann werden wir panisch. Die Zeit rennt uns davon. Christian hält einen vorbeifahrenden Jeep an. Eine Frau mit ihrem Sohn auf der Rückbank sitzt drin. Sie hilft uns. Wir zwängen uns in das Auto. Auf dem Beifahrersitz hängt Christian halb aus dem Fenster. Neben ihm drückt Caldo sein Knie in den Schaltknüppel. Hinten sitze ich fast auf dem Schoß der beiden Briten und pressen mein Knie in den Rücksitz der Fahrerin.

Was für ein Glück, das sie gehalten hat und nun schnell Richtung Flughafen rast. Wir schaffen es rechtzeitig, der Flug ist kurz und ruhig – und es ist ein kleines, normales Linienflugzeug. Aus dem Fenster sehen wir die Bohrinseln und den grünen Regelwald Cabindas und der benachbarten Kongos. Wie leicht wäre es, unter einer der Palmen einfach mal eine Rakete zu zünden und auf uns abzufeuern...

Aber das passiert nicht und wir kommen heil an. Ein bisschen karibisch ist es hier. Wir genießen die Zeit, wollen bis Samstag Morgen bleiben. Am Freitag wartet das Spiel Elfenbeinküste – Ghana auf uns. Vorfreude! Ich werde versuchen, die Partie per Twitter zu begleiten. Klickt rein ab kurz vor Spielbeginn!

 

 

 

 

 

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Kommentare

  1. Regelwälder von (Anonymous)

    Ja was eine aufregende Reise bisher und tolle Berichte. Auch von mir noch mal Respekt, da gehört echt Mut dazu! Und dann die Regelwälder erst :-) Viel Glück euch noch und natürlich viel Spaß beim hoffentlichen Hammerspiel am Freitag.

    Liebe Grüße aus dem (auch wenn ich der 25 zwanzigste bin der es schreibt) bitterkalten und verschneitem Hamburg.
    Matthias

  2. Torhüter in Mosambik von (Anonymous)

    ..haben es nicht leicht. Ich kann mir einfach nicht erklären, was der gute (übergewichtige) Mann da vorhatte mit seinem verunglückten Purzelbaum. War aber urkomisch.

  3. Spaß haben von (Anonymous)

    Hallo ihr Lieben,
    nur ein kurzer Gruss, verbunden mit den Wünschen für ein tolles Spiel!

    Bürte

  4. Unbenannter Kommentar von (Hinterwäldler)

    Moin Felix, schönen Gruß auch von mir, habe jetzt auch endlich rausgefunden wie man hier einen Kommentar hinterlässt. Du im Regenwald, ich im Hinterwald, na ja, so ist das Leben.
    Die Quiz-Nachfrage ist ja echt ordentlich, heute kam schon wieder was rein...
    Bin gespannt auf die weiteren Berichte eurer Abenteuertour. Gruß aus der warmen Kiezstube von

    Mirko