„You will suffer a lot“

13:30, 18.01.2010. Von Felix

„Ihr werdet sehr leiden.“ Wie wahr diese Worte des jungen Mannes am Morgen sind, werden wir noch erfahren. Wir wollen von Soyo mit dem Bus nach Luanda fahren, etwas vom Land sehen. Es sind ca. 3 – 400 Kilometer, der Reiseführer spricht von etwa acht Stunden Reisezeit.

Die Strecke ist auf der Karte im Bradt-Guide rot-weiß eingezeichnet, gehört damit zur zweitbesten Kategorie. Aber wir wissen auch: „Roads are often in bad condition.“ Los geht es um etwa 8:30 Uhr morgens. Kaum sind wir aus dem Ort heraus, geht es auf einen breiten, matschigen, ungeteerten Weg voller Schlaglöcher, Spurrillen, Wasserlöcher. Der Bus schaukelt, kippt mal zur einen, mal zur anderen Seite. Wir schnallen uns an. Hüpfen beim nächsten Schlagloch dennoch ein ordentliches Stück in die Luft. Taschen, Ananas und Wasserflaschen aus der Ablage fliegen kreuz und quer durch unser Gefährt.

Wir fahren meist kaum schneller als 30 km/h. Ständig muss der Fahrer abbremsen, rangieren, kann kaum einmal beschleunigen. Ein ums andere Mal wundern wir uns, wie er überhaupt durchkommt. Abends ist ein geschrotteter Bus, der in die entgegengesetzte Richtung unterwegs war und leer am Straßenrand liegt, ein warnendes Beispiel.

Ein anderes Kapitel aus unserem Reiseführer wird uns auch bildlich vor Augen geführt: „Beware containers on trucks: Fatal accidents caused by containers falling off the back of lorries are depressingly common.“ Uns wird schon ein bisschen anders, als dieser grüne Lastwagen vor uns fährt und der Container hinten drauf ständig auf und ab hüpft, wie wir in unseren Anschnallgurten.

Aber die Landschaft ist unglaublich schön. Immer nur grün, Feuchtsavanne, alte, knorrige Bäume mit dicken Stämmen und dichtes Buschwerk. Kaum einmal ein Haus oder eine Siedlung. Rechts liegt das ruhige Meer mit einem breiten Sandstrand. Etosha in Natura, nur noch schöner – und leider können wir keinen Löwen entdecken. Die meisten Wildtiere sind während des Krieges aus Angola geflüchtet oder getötet worden und kommen nun erst zögerlich zurück.

Wir ruckeln uns Stück um Stück vorwärts. Ungefähr acht mal werden wir dabei von der Polizei kontrolliert. Alle müssen aussteigen, ihre Pässe vorzeigen. Gleich beim ersten Mal wird eine Kongolesin am Weiterfahren gehindert. Sie hatte keine Papiere dabei.

Eigentlich wollten wir Abends in Luanda ankommen, hatten uns bei Marie-Claude und Jean -Pierre Bréchet angekündigt. Er ist einer der Repräsentanten der Schweizer Allianz Mission in Angola, von der bald noch ausführlicher die Rede sein wird.

Nun wird es dunkel und immer später. Keiner kann uns sagen, wann wir wohl ankommen werden. Es gibt kaum Orte auf der Strecke, geschweige denn Straßenschilder oder Entfernungsangaben. Es ist halb eins in der Nacht, als der Bus eine Einfallstraße nach Luanda erreicht. Er parkt am Rand einer weiterhin erdigen, staubigen Straße. In die Stadt will er nicht mehr weiterfahren. „Too dangerous.“

So verbringen wir auch noch die Nacht im Bus – ohne Essen, ohne Wasser. Auf so einen langen Trip waren wir nicht vorbereitet. Gegen fünf Uhr morgens geht es weiter. Doch auch an der ersten Haltestation sollen wir nicht aussteigen. Im Norden Luandas treiben sich zu viele bewaffnete Gangs herum – und es ist immer noch dunkel.

Als es beginnt hell zu werden, sollen wir aber raus. Wir wagen Jean-Pierre anzurufen, obwohl es noch so früh ist. Mit der Hilfe einer angolanischen Mitreisenden schaffen wir es zu einem Treffpunkt und sind nun wieder hier, mitten in Luanda Stadt. Was für ein Trip – 22 Stunden. We really suffered a lot. Aber wir haben auch gesehen, wie Angola eben auch noch ist. Trotz eines gigantischen Straßenbauprogramms, mit dem – oh Wunder – die Chinesen beauftragt sind.

Morgen geht es nach Benguela.

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Kommentare

  1. wow... von (Anonymous)

    Hallihallo ihr Drei,
    Ohhh....wow. Schon für jemanden, der "nur" Ghana" kennt superspannend und auf die Entfernung ein echtes Abenteuer.
    Bin froh, dass noch alle so weit fit sind. Trinkt ein Bier für mich mit udn genießt weiter die Zeit!
    Liebe Grüße

    Bürte

  2. karte von (mottl)

    Moin,
    also Felix so schön langsam wär eine interaktive reisekarte von vorteil....:-)

    LG
    Matthias

  3. Unbenannter Kommentar von (hans)

    Hallo Felix,
    super spannend eure Reiseerlebnisse! Ich schaue gerade Angola - Algerien bequem vom Sofa aus. Steht noch 0-0 und ist nicht sonderlich spannend oder hochklassig. Mich würde mal die Atmo in den Stadien interessieren. Am TV macht es mit dem monotonen Dauerketröte- und Getrommel einen komischen Eindruck. Und voll scheinen die Stadien auch nicht gerade zu sein.
    Euch wünsche ich für die weitere Zeit weiterhin viel Glück und Spaß!
    Grüße sicher auch von Nina,
    Hans

  4. HSV - Freiburg von (Anonymous)

    Felix,
    vielleicht kannst Du noch Töne und Bewegtbilder des "Auf und Abhüpfens" einfügen ... Junge, Junge, Ihr erlebt was.
    Ich dagegen habe mir nur den Arsch abgefroren am Samstag für Radio Regenbogen ... aber Spaß hat´s gemacht.
    Euch weiter gutes Gelingen und viele Tore und Töne,
    Glückauf, Uli