Lubango

08:26, 30.01.2010. Von Felix

Spielfrei. Wir sind in Lubango. Die Stadt liegt etwa 1.600 Meter hoch, ein Teil der Häuser schmiegt sich an ein Hochplateau. Oben auf der Spitze steht eine Christus-Statue in weiß, der in Rio de Janeiro nachempfunden, bloß kleiner. Kühl wird es hier in der Nacht, ein bisschen Eingewöhnung für zu hause. Heute, am Samstag, verbringen wir unseren letzten richtigen Tag in Angola. Am Sonntag wollen wir es per Bus über die Grenze nach Namibia schaffen und am Montag in Windhoek sein.

 Hierher ging es mit einem schnellen Überlandbus. Die Fahrt hat sechs Stunden gedauert, nur ein Teil der Straße war unasphaltiert. Auf dem Weg lag ein frisch umgekippter Lastwagen, aber wir sind gut durchgekommen. Die Landschaft wieder wunderbar: dicht und grün.

Ägypten – Algerien

Der „Fußballkrieg“ ist ruhig verlaufen. Die algerischen Fans waren ziemliche Musteranhänger: Höflicch, freundlich und kaum einmal ein böses Wort über ihren Gegner. Die schienen fast alle vom Imageberater gecoacht worden zu sein. Immerhin rochen einige nach Schnaps. Aber selbst, als die rund 2.000 nach dem 0:4 in völlig überfüllte Busse verpfercht und dann gleich wieder zum Flughafen transportiert worden sind: Kein Murren. Als ein Polizist zwei Jungen auffordert, vom Dach eines Busses zu steigen, tun sie das ohne Widerstand. Stattdessen werden wir immer höflich gefragt: „Wo kommt ihr denn her? Können wir ein Foto machen?“ In der Mixed Zone verteilen Delegationsmitglieder auch noch Wasserflaschen an die wartenden Journalisten.

Die algerischen Spieler entpuppen sich allerdings als schlechte Verlierer. Bochums Antar Yahia behauptet, die Ägypter würden schon das ganze Turnier bevorteilt und wittert gar eine Verschwörung. Karim Matmour von Borussia Mönchengladbach sieht auch keinen Grund zur Selbstkritik wegen mangelnder Disziplin, der Schiedsrichter war Schuld. So machen die Jungs leider den positiven Eindruck etwas kaputt, den wir hier von ihnen bekommen hatten. Zidan sagt diesmal übrigens nix – jedenfalls zu uns nicht.

Stimmung

Das ist nach 2006 in Ägypten und 2008 in Ghana mein dritter Afrika-Cup. Bei Ägypten – Algerien habe ich es erstmals erlebt, das im Stadion so etwas wie europäische Fußballstimmung herrscht, obwohl der Gastgeber nicht spielt. Die Algerier in der einen Kurve, etwa 500 Ägypter auf der anderen Seite. Sprechchöre, Bengalos, Anfeuerungsrufe. Bei den anderen Partien blieb es immer ruhig auf den Tribünen, bei guten Szenen gab es aber natürlich ordentlich Applaus und ab und an mal eine Welle. Fans waren sonst hier aber ziemliche Fehlanzeige. Nur wenige haben den Trip von den Verbänden bezahlt bekommen. Oft sind Angolaner mit Fahnen der gegeneinander spielenden Teams ausgestattet worden, um so etwas wie Fanblöcke darzustellen. Allerdings gibt es hier deutlich mehr Zuschauer, als in Ghana oder Ägypten: Beim Halbfinale waren sicher 20.000, Elfenbeinküste – Ghana in Cabinda mit genauso vielen Besuchern ausverkauft. Die Ticketpreise sind gering, es gibt hier genug Leute die sich das locker leisten können.Und neugierig auf die neuen Stadien und die erste Großveranstaltung in Angola seit dem Krieg sind auch genügend Leute.

Cuca

Unser Bier hier,  serviert in einer kleinen, braunen Maurerpulle.. Am Tag des Halbfinals machen wir eine Brauereibesichtigung In Catumbela, bei Lobito.

Einer der technisch Verantwortlichen kommt aus der Pfalz, tingelt aber schon seit 20 Jahren durch Afrika. Er zeigt uns die Anlagen und erzählt. Cuca gehört zu der französischen Firma Castel, die fast überall in Afrika Bier braut. Wir wollen wissen, warum so viele Menschen portugiesisches Bier trinken, statt Cuca, obwohl das billiger ist. Er vermutet, es liegt am Krieg. Durch den gibt es viele Krankheiten und die Leute hätten kein Vertrauen in das angolanische Wasser gehabt, weil so viele Anlagen kaputt waren.

Hier noch drei interessante Artikel, rund um den Afrika-Cup:

Johannes Dieterich berichtet in einer Reportage ausführlich aus Cabinda und beleuchtet die politische Situation dort 

Auch Christian Putsch und Christian Henkel berichten aus der Exklave.

in der taz schreibt Christian Henkel außerdem über den chinesischen Einfluss auf den Afrika-Cup.

 

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