Angola

20:00, 2.02.2010. Von Felix

Ghana – Ägypten 0:1. Dick und orange hebt sich der Vollmond über die nachtschwarzen Schattenrisse der Bäume. Sterne am klaren Himmel. Wir sind wieder im Ovamboland. Mit dem Taxi geht es nach Ondangva. Aus dem Autoradio klingen christliche Chorlieder, ein Prediger spricht in der Ovambosprache über Paulus. Unser Zelt bauen wir fast genau an derselben Stelle auf, wie in der Nacht bevor wir nach Angola gefahren sind. Der Kreis schließt sich. Auch was den Afrika-Cup angeht.

Das Finale schauen wir in der ersten Kneipe hinter der Grenze. Ein kahler Raum, in dem überall leere 0,75 Windhoek Lager Flaschen stehen. In einer Ecke stapeln sich aufgerissene Getränkekartons. „Nobody like´s Egypt“ gilt auch hier. Wir ärgern uns mit etwa 20 Männern über den Ausgang des Spiels. Afrika-Cup ist, wenn 16 (oder 15) Mannschaften gegeneinander antreten und am Ende gewinnt Ägypten. Sie sind aber auch wirklich die Deutschen des Kontinents: Erfolg durch mannschaftliche Geschlossenheit und geordnetes Spiel. Ein Team ohne Stars, ohne Glamour. Noch nicht mal Abou Treika war dabei. Zidan sieht sich zwar selbst als Star, aber was ist der Dortmunder schon gegenüber Spielern wie Essien oder Drogba? Nun haben es die Ägypter also als erstes Team geschafft, den Titel dreimal hintereinander zu gewinnen, dafür gebührt ihnen natürlich Respekt.

Unser letzter richtiger Tag in Angola zeigt uns noch mal die zwei Gesichter des Landes. Wir machen von Lubango aus einen Ausflug ins Grüne. Es geht hinauf zu einem Wasserfall und einer Schlucht. Auf dem Weg sehen wir Affen in einem Baum. Wir sind zu Fuß unterwegs, trampen. Ein Lastwagen nimmt uns mit, vollbesetzt mit Frauen in ihren bunten Kleidern, die wahrscheinlich vom Markt kommen und in ihre Dörfer zurück fahren. Sie haben Körbe mit Funge und getrockneten Fischen dabei. Ein paar Kisten N´Gola - das örtliche Bier – werden zwischendurch abgeladen. Zwei Flaschen können wir ihnen noch abkaufen. Zurück nimmt uns dann ein junges Paar in seinem Jeep in die Stadt mit. Sie richtet sich während der Fahrt die glatten Haare, er dreht die Funkmusik lauter.

Was haben wir uns nur in diesem Land geirrt! Wir hatten Chaos erwartet, die Spuren des Bürgerkriegs noch überall spürbar. Was hatten wir auch für Warnungen gehört: „Ich kenne niemanden der in Angola nicht überfallen worden ist“, sagte Freund Marcello noch vor der Abreise in Hamburg. Oder die Südafrikaner, die im Ovamboland meinten: „Ihr müsst die Grenzposten bestechen, um hinein zu kommen“ und dann sogar von einer großen Flut in Angola gesprochen hatten. Natürlich waren sie noch nie da gewesen. Auch unser Reiseführer war nicht gerade beruhigend: Beware of dies, dont´t go da.

Eine Szene gab uns schließlich den Rest. Als wir in Luanda aus unserer Illyushin aussteigen wollen, stopft sich unser angolanischer Nachbar dicke Geldbündel zur Hälfte in den Hosenstall und in den Strumpf. Als ob er auf jeden Fall überfallen wird. Spätestens da dachten wir: Hier in Luanda herrscht Wildwest, hier gibt es keine Gesetze. Hier jagen Glücksritter funkelnden Diamanten und dem schwarzen Gold hinterher und machen dabei keine Gefangenen.

Alles Quatsch. Angola ist ein gut organisiertes Land mit starkem portugiesischen und brasilianischem Einfluss. Es erinnert in vielem an Südeuropa oder an Mexiko. Dazu überall diese teuren Autos. „Ich habe noch nie so viele Hummer auf der Straße gesehen, wie hier,“ sagt Caldo. „Das hier ist nicht Afrika,“ meint Thomas Hermann, der Techniker aus der Cuca-Brauerei in Catumbela. Aber was ist schon dieses Afrika? Ägypten? Somalia? Südafrika? Trotzdem ist es oft auch unser Eindruck gewesen. Gerade im Vergleich zu Westafrika vor zwei Jahren:

An der Busstation stellen sich alle brav in eine Reihe, um sich ihr Ticket zu sichern. Was für ein Unterschied z.B. zu Ghana! Was für ein Chaos herrschte da an solchen Stationen.

Wir wurden kein einziges Mal übervorteilt. Nicht mal die Geldwechsler, wie Caldo bemerkt schon immer ein anrüchiges Gewerbe, ziehen uns ab. Sie nerven nicht einmal! „Angola möchte einmal Südafrika als am besten organisiertes Land in Afrika ablösen,“ behauptet Jean-Pierre Brechét. Kann klappen. Auch wenn die Straße von Soyo nach Luanda und auch die von Lubango nach Ondjiva dringend repariert werden muss.

Nicht nur das. Die großen sozialen Probleme bleiben. Die hohe Kindersterblichkeit, die geringe Lebenserwartung, die schlechte Gesundheitsversorgung und dazu er extreme Unterschied zwischen den Lebensverhältnissenin den Städten und auf dem Land. Menschen müsen lange und teure Reisen auf beschwerlichen Wegen in Kauf nehmen, damit ihnen geholfen wird. Das haben wir in der Augenklinik in Benguela erlebt.

Nun sind wir in Windhoek. Nachher schauen wir uns hier für die Deutsche Welle ein Basketballprojekt an. Abends geht es auf eine Farm, wo wir unsere letzte Nacht vor dem Rückflug morgen Früh verbringen werden.

Der Endstand des Tippspiel:

Max 4 Punkte

Caldo 3 Punkte

Felix 3 Punkte

Bürte 2 Punkte

Ulf 1 Punkt

Steini gefühlten 1 Punkt

Damit einen dicken Glückwunsch an Max, der sich nun doppelt auf den Heimsieg gegen den KSC am Freitag freuen darf!

 

 

 

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