AKTUELL

11:09, 10.01.2010. Von Felix

Jetzt auf Twitter: Presekonferenz des afrikanischen Fußballverbandes! Follow!

T_F_Hoffmann

Die Schuldfrage

19:13, 9.01.2010. Von Felix

Der afrikanische Fussballverband sagt: Die Togolesen haetten fliegen sollen. Selbst Schuld, das sie nicht auf uns gehoert haben. Die Warnungen waren da. Sicher nicht ganz falsch. Aber es ist natuerlich auch dreist, so etwas zu sagen, kurz nachdem es Tote gegeben hat.

Das die Situation in der Enklave Cabinda kompliziert ist, wussten alles bevor die Spiele angesetzt worden sind. Auch das der angolanische Staat ein grosses Interesse daran hat, dort Begegnungen austragen zu lassen. Denn vor allem in Cabinda liegt das Oel. Angola tut alles, um klarzustellen: Cabinda gehoert zu uns.

Gleichzeitig war auch klar, das es fuer die Unabhaengigkeitsbewegung, die FLEC, keine bessere Buehne fuer die Darstellung ihrer Interessen geben wuerde.

So muss sich die CAF den Vorwurf gefallen haben lassen, nicht genau genug ueber diese Problematik nachgedacht zu haben. Nicht nur das: Sie hat sich auch instrumentalisieren lassen von den politischen Interessen der angolanischen Regierung. Waere es ihr wirklich um die Sicherheit der Spieler, Funktionaere und Fans gegangen, haette sie Cabinda als Spielort abgelehnt. Alternativen haette es genug gegeben: Mehr Spiele in Luanda, oder z.B. Huambo im Sueden.

Cabinda

10:02, 9.01.2010. Von Felix

Gestern Mittag die Flugtickets nach Cabinda für Montag gebucht. Dann die Meldung von den Schüssen auf die togolesischen Mannschaftsbusse an der Grenze von der DR Kongo nach Angola. Doch noch eine Machete kaufen?

War es die FLEC, die für die Unabhängigkeit Cabindas kämpft und zuletzt nach einem Peace Arrangement keine Waffen mehr in die Hände genommen hat? Laut einer portugiesischgen Nachrichtenagentur gibt es bereits ein Bekennerschreiben. Texte müssen umgeschrieben und einmal mehr auch ein klassisches Afrika-Bild reproduziert werden: Das vom Kontinent der endlosen, blutigen Konflikte.

Hier noch eine schoene Vorab Geschichte von Kollege Christian Henkel ueber den Cup.

Teuer!

09:43, 9.01.2010. Von Felix

Wir sind umgezogen. Das Hotel neben Edis Haus ist ein Stundenhotel, da konnten wir nicht mehr bleiben. Nun wohnen wir in Journalistenappartements, die das Organisationskommitee im Medien Center eingerichtet hat. Die Nacht im Doppelzimmer kostet uns 150 Dollar. Mit der Kohle kann es so nicht weiter gehen. Der Afrika Cup frisst uns die Haare vom Kopf!

Gestern am Stammtisch schon die große Ratlosigkeit und erste Pläne zur Revolte. Wie wäre es, wenn alle europäischen Journalisten die Berichterstattung aus Angola boykottieren? Weiße Reporter streiken wegen zu hoher Kosten in Afrika – das gäbe sicherlich lustige Schlagzeilen.

Immerhin der Merchanscheiss vom Orga Komitee ist umsonst

Noch schlimmer trifft es natürlich die Kollegen aus anderen afrikanischen Ländern. Wenig Berichterstatter sind hier, geschweige denn Fans. Außer wahrscheinlich den üblichen Jubelpersern, die von den jeweiligen Verbänden bezahlt werden. Es hat deswegen viel Kritik gegeben, als die Ausrichter-Entscheidung zu Gunsten von Angola fiel. Jeder wusste: Das ist nicht zu bezahlen.

Persönlich bleibt in den nächsten Wochen nur der frustrierende Gang in den nächsten Supermarkt. Ein paar Oliven, Thunfisch und ein bisschen trockenes Brot für zehn Euro. Besser als im Restaurant: Da würde man 30 – 40 Dollar für ein Essen los werden. Das halbe Hähnchen am Straßenstand kostet sieben Dollar. Richtig knackig wird es im nahe gelegenen Shoppingcenter Bela Shopping, dem modernen Vorzeigeobjekt des Postbürgerkriegs Angola. Da kostet der doppelte Cheesburger zwölf Euro. Ein Kollege hat sich ein grosses Fresspaket aus Deuschland mitgebracht und istt jetzt seid Montag Mettwurst, Knaeckebrot und Spreewaldgurken.

Anrufe bei Hotels in anderen Spielstädten haben ergeben: Günstiger werden die Übernachtungen wohl nicht. Wie sollen wir das bis zum Ende finanzieren? Aber selbst Umbuchen auf einen früheren Rückflug kostet viel Geld. In Cabinda wollen wir jetzt bei einer katholischen Mission zelten. Schon wieder brauchen wir also göttlichen Beistand.

So schlägt aber auch die Medienkrise bei uns verrückten Freien, die unbedingt nach Afrika zum Fußball reisen wollen, voll ein. Weil kein Auftraggeber mehr vernünftig zahlt, löst der Trip dorthin, von wo wir gerne mit Leidenschaft berichten wollen, eine kleine Existenzkrise aus. In Ghana oder Ägypten konnte man sich mit wenig Mitteln durchschlagen und die Reisen mit seinen Aufträgen finanzieren. Hier ist das nicht möglich. Auch ich werde für diesen Trip ordentlich draufzahlen und am Ende nicht mal richtig Urlaub gemacht haben. Sicher, das Abenteuer ist es mir wert. Frustrierend ist es dennoch.
 

In Luanda

17:07, 7.01.2010. Von Felix

Dank Evgejni können wir den militärischen Teil des Flughafens durch einen speziellen Ausgang verlassen, eine Passkontrolle ist nicht nötig. Es ist bereits dunkel, etwa acht Uhr Abends. Die Familie lässt uns am Ankunftsterminal hinaus. Von nun an sind wir in der teuersten Stadt der Welt. Und auf uns allein gestellt.

Am Flughafen suchen wir eine Telefonzelle. Es gibt keine, wir leihen uns ein Handy und rufen Edi an. Er war eigentlich darauf vorbereitet, das wir erst einen Tag später kommen. Edi ist der Cousin von einer Frau von einer Kollegin von einer Freundin von mir. Wir haben wirklich Glück, er holt uns ab, fährt uns herum, zeigt uns Luanda.

Die Stadt wirkt fast ruhig. Wir haben viel mehr Chaos erwartet. Im Zentrum gibt es riesige Bürotürme, die zu Sonangol, der staatlichen Ölfirma, oder anderen Unternehmen gehören. Überall wird gebaut. Die Ilha, die geschwungene Bucht an der Meerseite, ist lebendig: Überall Kneipen, Restaurants und Lichter. Am Straßenrand wechseln sich Werbeplakate für den Afrika Cup mit Weihnachtsdekoration, wie Bilder mit Tannenbäumen und Kerzen ab.

Edi hat in London studiert und kann perfekt Englisch. Wir essen bei seinen Eltern, bekommen reichlich Bier zu trinken. Große Gastfreundschaft! Fantastisch! Er hat uns ein günstiges Hotelzimmer gleich nebenan reserviert. Der Tag endet betrunken. Ich habe wirklich keine Probleme einzuschlafen.

Die Illyushin

17:02, 7.01.2010. Von Felix

Über eine schmale Leiter entern wir unseren Flieger. In der Mitte des Flugzeugs sind bereits vier große Geländewagen, nagelneue SUV´s,  in Stellung gebracht. An der Bordwand längs der Seite sind schmale Klappsitze angebracht. Etwa 150 Angolaner sind bereits drin: Junge Männer, Familien mit Kleinkindern, Soldaten. Auch wir nehmen Platz. Das Gepäck kommt vorne auf einen großen Haufen. Sicherungen? Fehlanzeige. Immerhin die Autos sind mit dicken Ketten am Boden verankert.

An der Decke hängen überall Kabel und Schläuche. Zwei Laufkatzen sind hinter dem Cockpit an massiven Stahlträgern angebracht. Gelber Schaustoff unter der Decke verbirgt den Rest. Nur vier kleine Fenster gibt es in dem vielleicht 25 Meter langen Innenraum, vorne und hinten jeweils zwei. Wir sitzen im vorderen Drittel und starren auf den glänzenden Lack der Autos. Sie stehen so nahe, das wir die Füße auf die Reifen stellen können.

Geklautes Bild

Hinten schließt sich die Ladeklappe. Gleich wird es losgehen. Keine Sauerstoffmasken bei plötzlichem Druckverlust, keine Sicherungsgurte, keine Stewardess die einen auf die Schwimmwesten unter den Sitzen hinweist. Die Turbinen heulen auf. Das ist der Moment, in dem ich kurz mit Gott rede. Ich bin nicht der einzige. Auch viele Angolaner gucken skeptisch, stützen ihre Köpfe in die Hände.

Die Maschine beschleunigt, wir können das Abheben nur ahnen, weil sich die Spitze des Fliegers hebt. Wir sehen ja nichts. Das ist der zweite Moment, wo ich kurz mit Gott rede. Aber wir fliegen. Wir fliegen nach Luanda und wir haben es auch überlebt. Es war sogar ein sehr ruhiger Flug. Wir stehen auf, schauen durch das kleine Guckloch, sehen unten aber nur ein paar Flüsse durch eine nicht weiter zu bestimmende Landschaft fließen. Trotzdem muss ich auch bei der Landung noch einmal den Herren anrufen. Es poltert mächtig, als wir auf der Landebahn aufsetzen. Die gute alte Illyushin hat einen prima Job getan. Diesmal klatsche ich bei der Landung. Es kommt aus dem Herzen.

Wir haben keine Fotos gemacht. Militärische Anlagen zu fotografieren ist absolut verboten in Angola. Wir haben auch kein Ticket, die hundert Dollar für den Flug gingen an Evgenjni, und der gab keine Quittung. Aber wir haben Gott als Zeugen. Ihm habe ich alles berichtet.

Evgejni

17:00, 7.01.2010. Von Felix

Rund 1200 Kilometer sind es noch bis dahin. Irgendwie hatten wir in den letzten Tagen so viele Horrorgeschichten von bösen Angolanern und dem wahnsinnig gefährlichen Grenzübertritt gehört, das wir die letzten Kilometer auf der Ladefläche des Pickups ganz schön dünnhäutig bestreiten. Gleichzeitig aber die Aufregung und Vorfreude: Endlich Angola!

Der Grenzübertritt verläuft fast völlig geräuschlos. Zuerst wollen uns die Grenzer wegen der fehlenden Einladung nicht hineinlassen. Ein kleines Gespräch über den Afrikacup und die „Group of Death“ in Cabinda bringt aber die Pässe zurück in unsere Hände und - schwupps - haben wir angolanischen Boden unter den Füßen. Namibia verlassen wir etwas ratlos: Ein seltsames Land. Caldo spricht von „brüchigem sozialen Frieden.“

Am Grenzposten treffen wir ein israelisches Ehepaar mit  zwei kleinen Kinder, sieben und fünf Jahre alt. Der Mann arbeitet in Luanda „an verschiedenen militärischen Projekten“, so seine bewusst vage gehaltene Auskunft. Er empfiehlt uns von Ondjiva zu fliegen, der nächst größeren Stadt. Das hatten wir sowieso überlegt. Er könne da vielleicht auch etwas für uns organisieren. Also fahren wir gemeinsam per Minibus über eine schmale Straße mit riesigen Schlaglöchern weiter. Ab Ondjiva bessert sich der Asphalt erheblich, zum Flughafen ist sie neu geteert. Der erste Eindruck aus dem Autofenster: Angola wirkt entspannt, angenehm. Hier können wir uns wohlfühlen!

Es könne dauern, sagt Evgejni. Es dauert sechseinhalb Stunden. Aber es ist die einzige Möglichkeit  weg zu kommen. Kein anderes Flugzeug geht heute. Und einer behauptet: Wegen des Afrika Cups wird sich das in den nächsten Tagen auch nicht ändern. Alle Maschinen werden gebraucht, um Teams und Funktionäre von Stadt zu Stadt zu transportieren. Auch der Reiseführer hatte uns vorgewarnt: Flüge werden manchmal einfach gestrichen oder völlig überbucht. Nur Evgejni und seinen guten Kontakten ist es zu verdanken, das wir noch einen Platz bekommen.

Wir sitzen also Stunde um Stunde in der winzigen Abflughalle und schauen schwitzend hinaus ins Grüne. Es ist tropisch heiß. Irgendwann brummt es am Himmel. Eine mächtige, graue Illyushin 76 nährt sich der Landebahn, ein etwa 30 Jahre altes, russisches Militärflugzeug. Damit also wird es gleich nach Luanda gehen.

Wir sind in Angola!

16:30, 7.01.2010. Von Felix

Erstmal vielen Dank für Eure Grüße und Wünsche zum neuen Jahr. Darüber haben wir uns sehr gefreut. Auch ueber Eure Kommentare. Ich konnte zuletzt nicht mehr schreiben. Zu krass waren die Tage. Aber lest selbst.

Gerade (5.1) sitze ich auf meiner Matratze in irgendeinem Hotel in Luanda und kann den vergangenen Tag kaum fassen. Aber wir können sagen: The Lord and Jesus Christ really did take care of us. In den folgenden Teilen wird von einer israelischen Familie aus Lettland, einem Cousin einer Frau einer Kollegin von einer Freundin von mir und von einer Illyushin 76 die Rede sein. Bisher ist das Happy End garantiert. Aber auch die Zwiespräche mit Gott - und das, obwohl wir Atheist und Pantheist sind.

Auf unserem Pickup

Das Reisetagebuch der letzten Tage beginnt in Tsumeb, Namibia. Da wehren wir uns am 4.1. Nachmittags zunächst gegen eine Horde wild gewordener Minibusfahrer, die uns allesamt in ihre Gefährte zerren wollen - und zwar unter körperlichem Einsatz. Dieses ist so massiv, das wir schon zu schreien anfangen und uns dann einfach in den nächstbesten Bus flüchten. Uff! Aber irgendwie auch das Gefühl: Endlich wieder Afrika, nach der ziemlich klinischen Erfahrung im Etosha-Nationalpark.

Wieder die schnurgeraden Straßen immer Richtung Norden ins Ovamboland. Die Ovambo sind die größte ethnische Gruppe in Namibia. Im Lonely Planet heißt es: "Den Ovambo, die aus einem losen Zusamenschluss von Stämmen bestehen, ist es stets gelungen, Angriffe von außen wie die von Sklavenhändlern oder deutschen Invasoren abzuwehren.Sie waren relativ aggressiv und dadurch die die geeigneten Kandidaten für die Vorreiterrolle im Kampf um die Unabhängigkeit." Die relative Aggressivität ist zumindest bei den Minibusfahrern noch gut zu beobachten.

Was sympathisch an den Ovambo ist: Sie haben viele Kneipen, die als winzig kleine Hütten die Straßen säumen, oft bunt bemalt sind und schöne Namen tragen: Back of the Moon Bar, Gangsters Paradise Bar, Budapest Bar, Island of Peace Bar oder Taliban Bar.

In Ondangwa, 60 Kilometer entfernt von der angolanischen Grenze, übernachten wir auf einem Zeltplatz. Ein südafrikanisches Ehepaar, das hier Pickups verkauft, fährt uns am kommenden Morgen zur nächsten Minibus Verteilerstation. Ihre Verabschiedung: "May the Lord and Jesus Christ take care of you." Danke, hat geholfen. Von diesem Moment beginnt das große Ungewisse an unserer Reise. Denn nun sind wir auf dem Weg nach Luanda.

Freizeitpark Namibia

12:30, 4.01.2010. Von Felix

 

Okay, wir haben einen Löwen gesehen, wie er dick und bräsig unter einem Baum lungerte, einen Geparden, der im Unterholz verschwand, Giraffen die langbeinig über die Straße schritten. Insgesamt ist dieser Nationalpark-Tourismus aber eine höchst merkwürdige Veranstaltung. Da sitzt man in seinem Auto, fährt den ganzen Tag irgendwelche Wege auf- und ab um Tiere zu spotten. Am besten noch mit Air Condition und geschlossenen Fenstern. Von „Naturerlebnis“ kann da keine Rede sein. Der Geruch, die Geräusche, der Geschmack – das bleibt alles hinter Autoscheiben verborgen.
 
Schaut man sich dann Abend im Camp um, bekommt man auch noch schnell das Gefühl wie underequipped man ist: Wir hatten jedenfalls keinen riesen Van, der durch jedes Wasserloch taucht und wahrscheinlich Tonnen von Schadstoffen in die Luft bläst, während die süßen Tierchen beobachtet werden. Unser Kleinwagen hat da immerhin ein bisschen besser abgeschnitten.
 
Außerdem braucht man natürlich eigentlich eine wahnsinns Fotokamera mit Megatele, um daheim die besten Shots vorzeigen zu können. Daran lag es aber natürlich auch nicht, das wir drei Tage wie die letzten Looser im Zelt saßen, weil wir „nur“ Giraffen und Zebras gesehen hatten, während im Campbuch (in das die Gäste eintragen, welche Tiere sie wo gesehen haben) von Zebras reißenden Löwen und einem Dinosaurier die Rede war.
 
Auf unserer letzten Fahrt konnten wir dann immerhin noch das Häkchen hinter den Lion, den Geparden, die Hyäne und den Leoparden machen. Nun aber bloß weg, Richtung Norden ins Ovamboland! 

In Namibia

09:43, 31.12.2009. Von Felix

 

 

 

Tsumeb, östlich vom Etosha-Nationalpark. Der erste halbe Liter Hansa-Drought ist fast leer. Dazu gabs ordentlich Fleisch mit „Brrratkartoffeln“, wie unsere Bedienung mit schön rollendem r betont hat. Der Lohn nach langem fahren. Es ist halb acht Uhr Abends Ortszeit.

 

Caldo ist jetzt 35 Stunden unterwegs, ich 28. Nach der Ankunft in Windhoek gings vom Flughafen vorbei an der Blumenecke an der Fidel Castro Street. Über die Hans-Dietrich-Genscher-Street, die Hindenburgstreet und die Prositstreet vorbei an der Jagdfarm Tirol.

 

Schnurgerade Straßen Richtung Norden. Zuerst durch trockene Steppe, später wurde es immer grüner. Am Ende kamen noch sanfte Hügel dazu. Von oben prasselte der warme Sommerregen. Aus dem Auto blickten wir in die verwaisten Landschaften. Kaum Menschen unterwegs, auch wenig Wagen. Ab und an eine Lodge oder Farm, dann wieder ein kleiner Ort mit großen Tankstellen. Leichtes Reisen.

 

Zur angolanischen Grenze sind es von hier aus nur noch ein paar Fahrstunden, vielleicht vier. Von Fußballfieber ist aber noch nichts zu spüren. Außer der Premier League Trikots, die hier überall getragen wertden: Liverpool, Manchester United, Arsenal.

 

Das zweite Hansa ist da. Morgen geht es per Mietwagen in den Etosha Nationalpark. Guten Rutsch!  

 

 

Auf geht es!

11:37, 29.12.2009. Von Felix

In fünf Stunden hebt der Flieger ab. Von Windhoek fahren wir nach der Ankunft weiter in den Etosha-Nationalpark - erstmal ein paar Tage entspannen und mit Elefanten und Löwen auf das neue Jahr anstoßen. Dann geht es auf dem Landweg über die Grenze. Um den 5.1. wollen wir in Luanda ankommen.

2008 im Mole Nationalpark in Ghana

Also auf - hinaus aus der Kälte. Der nächste Eintrag kommt aus Afrika! Bis dann!

Das Visum ist da

10:43, 24.12.2009. Von Felix

Kollege Christian Henkel aus Berlin hat es von der Botschaft abgeholt und per Expresspost zu mir geschickt. Es kann also los gehen!

Im CIA-Factbook wird die jüngere Geschichte des Landes kurz aufbereitet:

"Angola is rebuilding its country after the end of a 27-year civil war in 2002. Fighting between the Popular Movement for the Liberation of Angola (MPLA), led by Jose Eduardo DOS SANTOS, and the National Union for the Total Independence of Angola (UNITA), led by Jonas SAVIMBI, followed independence from Portugal in 1975. Peace seemed imminent in 1992 when Angola held national elections, but fighting picked up again by 1996. Up to 1.5 million lives may have been lost - and 4 million people displaced - in the quarter century of fighting. SAVIMBI's death in 2002 ended UNITA's insurgency and strengthened the MPLA's hold on power. President DOS SANTOS held legislative elections in September 2008, and announced plans to hold presidential elections in 2009."

Mike Stead und Sean Rorison schreiben im Bradt-Guide:

"Angola is no destination for beginners. It has no Starbucks or McDonalds, and there's only one functioning escalator in the whole country. Only seven years have passed since it emerged from three decades of armed struggle; the land is littered with 10million unexploded mines (which, interestingly, the elephants have learnt to detect and avoid) and there are few tourist facilities. But for the adventurous, this country offers over 1,000km of unspoilt beaches, excellent fishing and surfing, tropical forests and magnificent bird life."

Eine Video-Dokumentation über die Geschichte Angolas findet man hier.

 

Warten auf das Visum oder wie bereit ist Angola?

02:40, 20.12.2009. Von Felix

Drei Wochen noch bis zum Eröffnungsspiel zwischen Angola und Mali. Neun Tage noch, bis unser Flieger nach Windhoek abhebt. Aber nimmt er uns auch mit? Ohne Reisepass wird es schwierig. Und der liegt noch bei der angolanischen Botschaft in Berlin. Montag wollen sie es verschicken, hat man uns versprochen. Doch die Warnungen aus allen möglichen Richtungen dröhnen mir noch in den Ohren: "Geh dahin, lass es dir persönlich aushändigen..."

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Immerhin ein Absatz in der Dezemberausgabe von Universo, des bunten Magazins der angolanischen Ölfirma Sonangol, macht mir Hoffnung:

"CAN will be Angolas first major post-war test in terms of visitors and there is hope that the tournament will kick-start what could become a very healthy tourism industry. Hotel staffs are being given extra training and there are moves for a more streamlined visa system to allow travelling fans to come into Angola."

Überhaupt macht das Marketing zum Turnier aus der Ferne einen guten Eindruck. Die Seite des Organisationskomitees glänzt mit Videomagazinen und Radiosendungen. Auch die offizielle Hymne von Filipe Mukenge macht richtig Lust auf das Land. Die BBC meldet dagegen Schwierigkeiten bei der Fertigstellung der Stadien und zeigt das auch in einer Bildergalerie. Und noch ist kein einziges Ticket im Land verkauft worden. Nächste Woche soll es losgehen. Die Preise beginnen bei umgerechnet zwei Euro für einen Stehplatz.

Nicht gerade beruhigend ist auch eine Meldung aus Cabinda, wo zwei amerikanische Journalisten für ein paar Stunden von der Polizei eingesperrt worden sind, weil sie das örtliche Stadion fotografiert hatten. Ist Angola also wirklich schon bereit für den Afrika-Cup?

 

 

 

 

Die Auslosung

11:15, 23.11.2009. Von Felix

Am Freitag wurden in Luanda die Gruppen für den Afrika-Cup ausgelost:

Gruppe A: Angola, Mali, Algerien, Malawi

Gruppe B: Elfenbeinküste, Ghana, Togo, Burkina Faso

Gruppe C: Ägypten, Nigeria, Benin, Mozambique

Gruppe D: Kamerun, Tunesien, Sambia, Gabun

Am interessantesten ist Gruppe B, in der eine kleine "Westafrika-Meisterschaft" ausgetragen wird. Allesamt sind es Nachbarstaaten, die da aufeinander treffen und noch dazu sind zwei der sechs afrikanischen WM-Teilnehmer vertreten.

Und genau das ist das ärgerliche für mich an dieser Auslosung. Denn ausgerechnet diese Gruppe wird ihre Spiele in Cabinda austragen. Cabinda ist die angolanische Enklave im Norden. Um sie zu erreichen, muss man einen schmalen Streifen der DR Kongo durchqueren. In unseren Reiseplänen hatten Caldo und ich eigentlich von Beginn an ausgeschlossen, dort hin zu fahren.

Cabinda ist die wichtigste Öl-Region von Angola. Die Unabhängigkeitsbewegung FLEC, Frente para a Libertação do Enclave de Cabinda (übersetzt: „Front für die Befreiung der Enklave Cabinda“) kämpfte hier seit den 60er Jahren bis 2006 gegen das Militär. Dann gab es zumindest mit einem Teil der FLEC-Bewegung ein "Memorandum of Understanding." Seitdem ist es in der Region ruhiger geworden. Im Bradt-Guide schreiben die Autoren Mike Stead und Sean Rorison: "At the time of writing (2009), the security situation in Cabinda City is calm. There have been occasional reports of violence against foreigners, but it is not known if the violence is politically motivated or of a more domestic or personal nature."

Die Stadt Cabinda, so berichten die Autoren weiter, würde immer weiter aufgehübscht werden, überall wird gebaut. Zurückzuführen ist das auf den Deal mit der FLEC. Deren Forderung war es, dass das Geld aus den Öl-Geschäften in der Region bleibt.

Interessant ist sicher auch Malongo, die "Stadt in der Stadt" in Cabinda. In dieser festungsartigen Siedlung haben die Ölfirmen ihre Mitarbeiter untergebracht. Sie ist mit riesigen Mauern und sogar einem Minenfeld abgesichert. Von hier aus fliegen die Angestellten die 20 Kilometer zu ihrem Arbeitsplatz mit dem Hubschrauber, anstatt einen Wagen zu nehmen.

Ob wir uns dennoch versuchen auf den Weg nach Cabinda machen, werden wir nach der Auslosung der WM-Gruppen entscheiden. Dann wird sich ergeben, ob Deutschland auf einen afrikanischen Gegner trifft. Die Wahrscheinlichkeit ist groß: Fünf der sieben Gruppen (Die Südafrika-Gruppe nicht) bekommen einen afrikanischen Teilnehmer zugelost. In der Cabinda-Gruppe B sind Ghana und die Elfenbeinküste mögliche Kandidaten.

Aber irgendwie habe ich ja die Vermutung, das Deutschland wie schon 1982 auf Algerien treffen wird. Die Nordafrikaner könnten dann Rache für die "Schande von Gijon" nehmen. Algerien spielt in Gruppe A und damit in Luanda. Dort wollten wir uns eigentlich auch nur so kurz wie möglich aufhalten.

Eigentlich wollten wir lieber mehr Zeit in Benguela und/oder Lubango verbringen. Dort würden wir vor allem die Spiele in Gruppe C und D verfolgen. Immerhin bekämen wir dann die beiden Vertreter Zentralafrikas, Kamerun und Gabun, zu sehen. Gabun ist auch Austragungsland des nächsten Afrika Cups 2012.

Den kompletten Spielplan des Afrika Cups in Angola gibt es auf der Seite des Organisationskommitees.

 

 

 

 

 

 

 

Ägypten - Algerien und "wunderbares Westafrika"

09:45, 18.11.2009. Von Felix

Fußball - Es wird ein interessanter Tag heute aus afrikanischer Fußballsicht!

Um 20.30 Uhr treffen Ägypten und Algerien in Khartum, im Stadion von Al Merreikh, dem ehemaligen Club von Aachen-Coach Michael Krüger, aufeinander. Im Stadteil Omdurman geht es dann um den letzten freien Platz bei der WM für ein afrikanisches Team.

Das Stadion von Al Merreikh

Das Spiel der beiden Länder am vergangenen Samstag (2:0 für Ägypten) machte deutlich, "das es in Afrika derzeit wohl kein brisanteres Duell als das zwischen diesen beiden Staaten" gibt, schreiben Daniel Theweleit und Julia Gerlach in der Berliner Zeitung und erklären den "sportlichen" Ursprung für die Fehde, die im Jahr 1989 liegen: "Damals besiegten die Ägypter Algerien im entscheidenden Spiel um die Teilnahme an der WM 1990. Danach gab es wilde Tumulte, in deren Verlauf Algeriens Mittelfeldspieler Lakhdar Belloumi dem Teamarzt der Ägypter eine schwere Augenverletzung mit einer abgebrochenen Flasche zugefügt haben soll." Tiefer geht die Analyse von Volkhard Windfuhr auf Spiegel Online.

Am vergangenen Samstag kam es zu Steinwürfen auf den algerischen Mannschaftsbus. Davon gibt es auch ein Video. "Wir fürchteten um unser Leben", erzählte Antar Yahia vom VfL Bochum. In ägyptischen Zeitungen wurde behauptet, die Scheiben im Mannschaftsbus seien von den Algeriern selbst eingeworfen worden. Die FIFA hält sich trotz blutender Spielerköpfe und vor Wut kochenden Funktionären in einer Stellungnahme zunächst völlig aus dem Konflikt heraus. Wahrscheinlich will sie zuerst das sportliche Ergebnis von heute Abend abwarten.

Schon im Vorfeld der Partie hatten sich Algerier und Ägypter auch im Internet bekriegt. Unter anderem mit einem Filmausschnitt, der Hitler bei einer Besprechung mit Generälen zeigt. Von ägyptischen Fans wurde er untertitelt.

In der Begegnung zwischen Ägypten und Algerien entscheidet sich auch, welches Land Nordafrika bei der WM vertreten darf. Neben Gastgeber Südafrika sind es die Staaten aus dem Westen, die ihre Mannschaften zur WM schicken: Nigeria, Kamerun, Ghana und die Elfenbeinküste. Daniel Theweleit jubelt in der taz: "Wunderbares Westafrika."

Die Elfenbeinküste ist dabei vom Kader sicher das stärkste Team aus Afrika. Zurecht verweist Theweleit auf das Champions League-Halbfinale der vorigen Saison. Dort standen "mit Mit Yaya Touré (FC Barcelona), Didier Drogba, Salomon Kalou (beide FC Chelsea), Kolo Touré und Emanuel Eboué (damals beide FC Arsenal) fünf Spieler von der Elfenbeinküste. Außerdem zeigen sich Leute wie Bakary Koné (Olympique Marseille), Ndri Romaric, Didier Zokora, Arouna Kone (alle FC Sevilla) oder Artur Boka (VfB Stuttgart) in der Königsklasse, kaum ein anderes Land der Welt ist derart massiv vertreten auf dieser allerhöchsten Ebene des Klubfußballs."

Es wird spannend zu sehen, wie sich "Les Elephants" heute in Gelsenkirchen gegen die deutsche Elf schlagen - auch wenn Didier Drogba wegen einer Rippenverletzung nicht dabei ist und Salomon Kalou und Abdoulaye Meite nach einer tätlichen Auseinandersetzung eventuell vom ivorischen Verband gesperrt werden.

 

 

 

 

 

 

Sie sind dabei

12:43, 16.11.2009. Von Felix

Fußball - Die 16 Teilnehmer beim Afrika Cup of Nations:

Angola, Kamerun, Gabun, Togo, Nigeria, Tunesien, Mosambik, Algerien, Ägypten (gewann die letzten beiden Turniere 2008 in Ghana und 2006 im eigenen Land), Sambia, Ghana, Benin, Mali, Elfenbeinküste, Burkina Faso, Malawi.

Richtig spannend wird es am Mittwoch ab 20.30 Uhr in der sudanesischen Hauptstadt Khartum. Da spielen Ägypten und Algerien den letzten Afrika-Teilnehmer für die WM aus.

Vor dem Spiel in Kairo am Samstag (2:0 für Ägypten, das entscheidende Tor das zum Entscheidungsspiel führte, fiel in der fünften von sechs angezeigten Nachspielminuten) war der algerische Mannschaftsbus mit Steinen beworfen worden. Ein Video gibt es hier (leider Bild). Vor und nach der Partie gab es wohl heftige Auschreitungen.

Die anderen WM-Teilnehmer aus Afrika:

Südafrika, Ghana, Elfenbeinküste, Nigeria, Kamerun

 

 

Vor der Reise

09:23, 16.11.2009. Von Felix

Wenn Caldo und ich am 10.1. 2010 im Estádio Cidade Universitária in Luanda sitzen, haben wir unser Ziel erreicht: Wir sind live dabei beim Eröffnungsspiel des 27. African Cup of Nations in Angola. Am 28.12. 2009 geht es auf nach Windhoek, der Hauptstadt Namibias und von dort Richtung Norden über die angolanische Grenze.

Es wird eine Reise, bei der nicht nur der Fußball im Mittelpunkt stehen soll:

Angola - ehemalige portugiesische Kolonie, bis 2002 Schauplatz eines Bürgerkrieges, der auch ein Stellvertreterkrieg war. Bis heute sind dort noch Millionen Landminen vergraben. Wie sich Waffenhändler mit Unterstützung von Politikern mit dem Krieg die Taschen vollgemacht haben, zeigt die "Angolagate" in Frankreich.

Angola ist ein Land mit riesigen Ölvorkommen, gehört in Afrika zu den drei größten Produzenten. Vor allem deswegen unterstützt China die angolanische Regierung mit riesigen Milliardensummen. Neben Öl gehören die Diamantenvorkommen zu einem der wichtigsten Wirtschaftszweige.

Öl und Diamanten machen Luanda zu der teuersten Hauptstadt der Welt. Jede Immobilie wird hier zu horrenden Preisen an Öl- und andere Firmen vermietet. Touristisch ist das Land kaum erschlossen. Erst Anfang November, also vor ein paar Tagen, ist der erste Reiseführer, der Bradt-Guide, über Angola erschienen.

Das Land befindet sich seit Ende des Bürgerkrieges im Wiederaufbau, dank der großen natürlichen Ressourcen verbessert sich die Lage stetig. Doch natürlich kommt vom Aufschwung nur wenig bei einem Großteil der Bevölkerung an. Die Lebenserwartung liegt noch immer bei nur 45 - 48 Jahren. Im Welthunger-Index 2009 nimmt Angola den 68. Rang ein, gehört damit zu den dreizehn in Afrika am schlimmsten betroffenen Ländern. Die Welthungerhilfe bezeichnet die Lage dort als "sehr ernst."

Das waren in Kürze ein paar Stichworte, die die Lage in Angola umreissen sollen. In diesem Blog werde ich in den nächsten Wochen regelmäßig Beiträge veröffentlichen, die sich mit meiner Reisevorbereitung, den oben angesprochenen Themen und natürlich Fußball beschäftigen werden.

Ich werde von nun an auch twittern. Mein Username: T_F_Hoffmann