Der geplante Abendspaziergang fiel gestern buchstäblich ins Wasser.
Mein Blick aus dem Küchenfenster sagte mir, das gibt heute nichts! Gerade noch schien die Sonne, doch urplötzlich wurde es finster. Am Himmel herrsche Weltuntergangsstimmung. Und schon zuckten vereinzelt die ersten Blitze.
Bjonda lag seelenruhig neben mir und schlief.
Die Blitze wurde mehr und schienen sich rund um uns zu versammeln. Immer wieder grelles Licht am fast schwarzen Himmel.
Bjonda lag seelenruhig neben mir und schlief.
Aus dem anfänglich gemütlichen Donnergrollen wurde ein wahres Crescendo. Ich stellte das Radio aus, Musik konnte man nicht mehr hören.
Bjonda lag seelenruhig neben mir und schlief.
Als wenn die Natur noch eins draufsetzen wollte, kam nun auch noch orkanartiger Sturm dazu. Und durch die geschlossenen Fenster drang ohrenbetäubender Lärm.
Bjonda verlagerte ihre Liegeposition und schlief weiter.
Die Bäume auf der anderen Straßenseite wurde derart gebogen, daß sie mit ihren Wipfeln fast den Boden berührten. Es sah aus, als würden sie miteinander ringen. Dann ein lautes Ächzen und Krachen, daß alle andern Geräusche noch übertönte....eine meterhohe Buche hatte den Kampf verloren. Vor wenigen Minuten noch stand sie in ihrer Schönheit stolz aufgerichtet und nun lag sie dort am Boden....Der Aufschrei kam aus meinem Mund. Es tat richtig weh, den Baum, den ich von meinem Küchenfenster aus jahrzehntelang habe wachsen sehen, dort liegen zu sehen.
Bjonda lag immer noch friedlich neben mir und schlief.
Die Urgewalten hielten kurz den Atem an, so als ob sie eine Schweigeminute für den Baum einlegen wollten. Dann aber öffnete der Himmel alle, aber auch wirklich alle Schleusen. Das Wasser schoß nur so von oben, ein dichter Regenvorhang verschloß mir die Sicht. Dann ein Schrei aus dem Wintergarten: Anni, ich brauche Eimer, Tücher...das Wasser kommt rein!
Bjonda schlief nun nicht mehr, hier war ihr Einsatz gefordert!!! Wir stürzten gleichzeitig nach hinten, ich mit Schüsseln und Handtüchern, die ich im Vorbeilaufen greifen konnte und Bjonda mit vollem Körpereinsatz. Die Wassermassen machten keinen Halt vor den Glaselementen, drückten sich mit Gewalt durch die Glasleisten und setzten den Wintergarten innerhalb weniger Minuten unter Wasser. Während Joe und ich schöpften und mit dicken Frottetüchern das Wasser aufnahmen, legte Bjonda sich seelenruhig mitten ins Wasser und sog es so mit ihrem Fell auf.
Eine Stunde später war, dank Bjondas tatkräftigem Einsatz, von dem ganzen Chaos nichts mehr zu sehen.
Nur der umgestürzte Baum auf der anderen Straßenseite erinnerte noch an diesen Urschrei der Natur.
Nachsatz: An`s Fotografieren hat in diesen Minuten natürlich niemand gedacht!