Alles hat ein Ende...

19:40, 12.03.2008. Von Dorette

... ganz schoen faul war ich in den letzten zwei Wochen mit Schreiben gewesen, deshalb will ich euch jetzt mal wieder auf den Stand bringen - dies wird mein vorerst letzter Blog über Südamerika - denn tataaa ich bin schon wieder in Europa, um genau zu sein bei Martin in Salamanca :-)


Aber der Reihe nach: stehen geblieben im Erzählen bin ich ja bei der unschoenen Episode des unfrischen Obst essens ... leider hat das Jule doch etwas mehr mitgenommen als mich und so konnte sie auch nicht mit das "Valle de la Luna" in der Atacamwueste besuchen, was mal wieder einzigartig fremdartig war - sprich das sieht man so wohl selten auf der Welt... Eine Landschaft gepraegt von unendlich zerkluefteten Felskratern, sowie Sandduenen (von denen sich die sogenannten Sandborder in die Tiefe stuerzen). Hoehepunkt dieses Nachmittags war der Sonnenuntergang hoch oben auf der Duene... mit einem beeindruckenden Farb- und Schattenspiel über den Bergen.

Den Tag darauf, Freitag vor anderthalb Wochen, haben wir uns dann mal wieder in den Bus gesetzt - diesmal um die Anden zurueck nach Argentinien zu ueberqueren... die Reise war spektakulär, wenn auch leider gezeichnet von zwei hoehenkranken Frauen, die ueber laengere Zeit mit der Sauerstoffmaske versorgt werden mussten und die eine davon (ein schon ziemlich alte Omi) sogar kurzzeitig im Krankenhaus irgendwo im Nirgendwo behandelt wurde.
So kamen wir dann mit einiger Verspaetung in Jujuy, im Norden von Argentiniens an - dort hat uns Ana, eine Mitpraktikantin aus meiner Essstoerungsklinik, in Empfang genommen und bei ihrer Familie konnten wir dann vier Tage wohnen und so die argentinische Lebensart noch besser kennen lernen!
Nachdem ich vorher soviel davon gehoert hatte, wie arm der von indigener Bevoelkerung gepraegte Norden ist, waren wir sehr ueberrascht, als wir uns mehr oder weniger in einem Villenviertel wiederfanden... und unser Quartier in einem antik eingerichteten Haus mit Vorgarten, Pool, 4 Hunden und einer Hausfrau bestand - soweit kann man es in Argentinien als Rinderzuechter bringen!
Die naechsten Tage wurden wir dann voll mit in das Familienleben eingebunden. So durften wir die absolut idyllisch gelegene Viehweide kennen lernen, wo die Rinder gerade durch durch die Säuberungsanlage getrieben wurden - ein Schauspiel ein bisschen wie im Film ... aber jetzt weiss ich auch, warum das Fleisch hier definitiv mehr Geschmack hat - weil die Kuehe hier leben wie in der Milka-Werbung - auf saftigen grünen Wiesen unterm Sternenhimmel :-)
Und wie zwei echte Gaucho-Mädels haben wir uns dann auch noch die zwei Pferde geschnappt und sind einmal über die Koppel geritten bzw. um genau zu sein - die Pferde sind mit uns ausgeritten ... Jule war nicht wirklich begeistert von ihrem ersten Kontakt mit dem argentinischen Vierbeiner - genauso dominant wie die Männer hier!
An diesem Abend sowie am nächsten Mittag wurden wir auch gleich mit zu den Familienessen mitgenommen, wobei die Kommunikation ziemlich witzig ablief... Da Jule bis auf ein paar elementare Brocken wie "Estoy completa (Ich bin satt)" oder "No quiero (Ich will nicht)" nicht wirklich Spanisch spricht, habe ich immer alles lieb übersetzt und Jule musste sich darauf beschränken ihre Mimik und Gestik zu trainieren! Besonders typisch argentinisch war übrigens auch, dass das Essen eigentlich immer fast oder ganz fertig besorgt wird... Hühnchen und Kartoffelecken fertig gegrillt oder Steak-Sandwich, aber immerhin wurde für die Pizza und die Empanadas nur der Boden gekauft und der Rest dann selbst belegt... ich muss schon sagen, mit der kulinarischen Vielfältigkeit haben sie es hier nicht ganz so - nur im Steak grillen sind sie unschlagbar!
Die restlichen zwei Tage konnten wir uns von der Family ein bisschen loseisen und so haben wir mit Ana zusammen neben dem Nachtleben die Umgebung erkundet ... die heissen "Termas del Rey" in einem regenwaldähnlichem Tal, dass gleich neben einer Schlucht mit komplett konträrer, nämlich gar keiner Vegetation liegt... in dem einem Tal regnet es fast jeden Tag, in dem anderen Tal machen die Wolken am Beginn der Schlucht halt... eine Traumgegend für jeden Meterologen schätze ich mal! Diese zweite Schlucht haben wir dann am letzten Tag auch auf eigene Faust besucht - und das beeindruckendste war hier eigentlich die Vielfarbigkeit der Berge - in horizontalen Schichten wechseln sich die Farben von dunkelviolett über ziegelrot zu sandsteinfarben ab!

Die nächsten Tage haben wir etwas weiter südlich in der Provinz von Salta verbracht. Dort haben wir uns einen schicken quasi ungefahrenen Chevrolett gemietet und sind damit in drei Tagen 600 km durch die Berge und Schluchten im wahrsten Sinne des Wortes gekurvt, mit Mando Diao in der Endlosschleife! Am ersten Tag sind wir bis in das Weintal von Cafayate gefahren und auf dem Weg dahin hat mich besonders das sogenannte "Anfiteatro" begeistert. Eine kreisförmige natürliche Höhle, circa 50 Meter nach oben offen und 20 Meter im Durchmesser. Hier sass ein Folkloresänger mit seiner Gitarre und hat aufgrund der unglaublichen Akustik eine Atmosphäre wie in einer Konzerthalle erzeugt... Gänsehautfeeling pur!
Am nächsten Vormittag haben wir uns bei einem der vielen Weingüter durchgekostet - seeehr lecker, besonders der weisse - also wenn ihr argentinischen Wein im Regal seht - ist empfehlenswert! ;-)
Weiterer Programmpunkt waren die Ruinen von Quilmes ... kleiner interessanter historischer Exkurs: vor circa 350 Jahren wurde der letzte Indianerstamm dieser Region nach erbittertem Widerstand und Niederlage gegen die Spanier in die Provinz Buenos Aires "verpflanzt", um dort als billige Arbeitskräfte zu dienen. Seither verfiel die Befestigungsanlage und wurde in den letzten 10 Jahren von einem Hotelbetreiber touristisch vermarktet. Das Volk zerstreute sich in alle Winde, hat aber den Widerstand nie aufgegeben. Seit letzten November besetzten einige Nachkommen dieses Indianerstammes die Ruinen mehr oder weniger friedlich mit dem Erfolg, dass der Hotelbesitzer sich zurückgezogen hat und die Provinzregierung zumindest vorläufig dem rechtmässigen Eigentümern das Land überlassen hat. So haben seitdem die Besucher das Glück die Geschichte dieses archaeologisch sehr interessanten Ortes von echten Ureinwohnern erzählt zu bekommen.
... aber auch hier mussten wir uns irgendwann wieder loslösen, denn wir hatten noch ein hartes Stück Weg vor uns - 150 km haben wir uns im wahrsten Sinnes des Wortes über eine absolut miese Steinpiste bis zum "Etappenziel" des zweiten Tages, Cachi genannt, durckgekämpft - inklusive Auto von hinten durch den Schlamm schieben und geplatztem Reifen... auch wenn Jule der Meinung war, "Selbst ist die Frau", war ich schon echt froh, dass gerade in diesem Moment zwei Autos mit kräftigem Männern ;) auf der sonst so verlassenen Strasse vorbeikamen!
Am dritten und letzten Tag meinte es das Wetter leider nicht ganz so gut mit uns... durch dicken Nebel haben wir uns die Serpentinenstrasse von ca. 3000 auf 1000 m hinuntergeschraubt, was uns aber vielleicht auch vor manch schwindelerregendem Blick in die Tiefe bewahrt hat!

So kamen wir mit einem nicht mehr ganz so glänzendem Chevrolet wieder gesund in Salta an und haben den letzten Tag meiner fast 10wöchigen Reise quer durch Argentinien, Chile und Boliven in einer Kneipe bei lecker Essen ausklingen lassen, bevor es per Nachtbus wieder in mein geliebtes Córdoba zurückging!
Hier war ich dann ziemlich damit beschäftigt alle meine sieben Sachen zusammenzusuchen, zu packen und natürlich Abschied zu nehmen...
So bin ich mit Jule noch mal in die Sierras gefahren: einen Tag Asado essen (auch grillen genannt ;) bei Carlos, einem meiner Tandempartner und einen anderen Tag sind wir nach Candonga gefahren - der Ort wo ich vor fünf Monaten meine Liebe zum Reiten (neu)entdeckt habe!
Ansonsten habe ich die Nächte damit zugebracht meine letzten Tangos zu tanzen (während sich Jule in guter Gesellschaft unserer drei verrückten Zimmergenossen des Hostels befand ;) - und worüber ich mich echt ganz besonders gefreut hatte war, dass die Leute meiner Mittwochstangoklasse eine kleine Abschiedsparty für mich organisiert haben... inklusive Vortanzen vor allen - sozusagen die ultimative Probe, ob ich was gelernt hab in all der Zeit... jetzt bin also lizensiert den argentinischen Tango in Deutschland zu promoten ;-))))

Tja und nun ist es vorbei... drei Jahre hab ich davon geträumt, sechs Monate habe ich diesen Traum gelebt und jetzt ist er (vorerst) vorbei... Was bleibt sind unvergessliche Eindrücke... von diesen besonders herzlichen und offenen Menschen, den Machos, den Gauchos, den Pferden, dem Tango, dem Mate, dem Asado... eben alles was diese Einwanderkultur letzten Endes doch zu einer ganz eigenen Kultur macht.
Und von der Landschaft brauche ich gar nicht erst zu reden... wer meinen Blog aufmerksam verfolgt hat, der hat vielleicht bemerkt, dass ich eigentlich nur geschwärmt habe, von allem, was ich hier so gesehen habe - und ich freue mich schon wirklich sehr euch eine Auswahl meiner circa 4000 Fotos zu zeigen!
Und auch wenn das Praktikum nicht ganz das war, was ich mir erhofft hatte, so denke ich doch, mich während dieser Zeit persönlich unglaublich weiterentwickelt zu haben ... ich gelernt habe Dinge so zu nehmen, wie sie kommen und dann versuchen das Beste daraus zu machen. Eine gewisse Besonnenheit und Gelassenheit ist das, was ich schon lange gesucht habe, und glaube jetzt endlich gefunden zu haben... ich denke besonders meine alltäglichen Lebensgefährten werden sich sehr darüber freuen! :-)

Jetzt befinde ich mich noch drei Wochen zwischen den Welten, habe Zeit mich auch innerlich von dieser schönen Zeit zu verabschieden und mit Herz und Seele wieder in die Heimat zurückzukehren... am 9. April!

Himmel & Hoelle

12:40, 28.02.2008. Von Dorette

...und ja meine wurden Erwartungen erfuellt! Quechua-Indianer, Vorsicht mit jeglichem Obst, Gemuese & Trinkwasser und diverse Krankheiten... im Lonely Planet steht zwar eine kurze Randbemerkung: "Aufgrund der Hoehenlage sollte man sehr viel Wasser trinken" - aber welche Auswirkungen diese Hoehenlage von 4000 bis knapp 5000 Meter auf den Organismus hat,  davon hatten wir keine Vorstellung!

Doch von vorne. Am Samstag vormittag sind wir zunaechst mit einem Kleinbus von San Pedro de Atacama auf den Grenzpass zu Bolivien hochgefahren. Der wohl einsamste Grenzposten weit und breit... ein Haeuschen im Nirgendwo, mit einer Schranke, die man ohne Probleme links und rechts weitraeumig haette  umfahren koennen!
Gemeinsam mit unseren Mitreisenden, einem franzoesischen Paerchen, einem Japaner und einem weiteren deutschen Maedel haben wir bei dem letzten leckeren Fruehstueck fuer die naechsten Tage auf unseren Jeep gewartet. Der kam dann auch mit einiger Verspaetung und spuckte seine mehr als kranken Passagiere aus, die von da kamen wo wir hinwollten - so bekamen wir schonmal den ersten Eindruck, was uns erwarten wuerde! Gegen Mittag ging es dann los, mit unserem Fahrer José, 21 Jahre alt, der an diesem Tag schon 6 Stunden Fahrt ueber Stock und Stein hinter sich hatte und mehr schlief als wach war am Steuer ... nun ja, wir leben noch.

An diesem ersten Tag erwartete uns dann auch schon eine faszinierende Landschaft nach der naechsten. Vorbei ging es Vulkanen, an der "Laguna blanca" und "Laguna verde", zu den heissen Thermen (wo ich auch mal reingesprungen bin) bis zu unserem hoechsten Punkt (ca. 4850 m), den Geysieren "Sol de Mañana", wo nach Schwefel stinkender Schlamm aus dem Boden brodelte - sehr beeindruckend und auch etwas furchteinfloessend! Denn vor einigen Jahren soll wohl mal ein Tourist zu nah rangegangen, eingebrochen und in der ueber 100º heissen Fluessigkeit verbrannt sein... von da aus fehlte dann nicht mehr viel und wir sind an unserer ersten Unterkunft, eine Siedlung von Refugios fuer die unzaehlichen Jeeptouristen, wiederum im Nirgendwo angekommen... nach einer Staerkung mit salzigem Tuetenkartoffelbrei und fritierten Wuerstchen, haben wir noch den letzten Abstecher des Tages zur "Laguna Colorada" gemacht... diese fand ich am beeindruckendsten, da sie ihrem Namen "Vielfarbigkeit" alle Ehre macht.... Die Lagune ist ganz rot, da sie von Algen durchzogen ist, die gleichzeitig die Nahrungsgrundlage fuer die unzaehligen Flamingos sind!

Naja und um nochmal auf die Symptome dieser Hoehenlage zurueckzukommen - dieser Tag war gepraegt von stechenden Kopfschmerzen, Schwindel, Uebelkeit, Durchfall und Schnellatmigkeit... Schon nach 10m Gehen hatte man das Gefuehl einen 100m-Sprint hingelegt zu haben!
Dementsprechend war die Nacht dann auch relativ schlaflos, mal abgesehen davon, dass es ECHT kalt war (ich glaube ihr in Deutschland hattet es vergangenes Wochenende definitiv waermer als wir :-)...

Am naechsten Tag ging es dann weiter durch die Steinwueste, vorbei an bizarren Felslandschaften, die durch die Erruptionen der umliegenden Vulkane in den letzten Jahrtausenden entstanden sind, und wiederrum vorbei an einigen Lagunen... Am Nachmittag kamen wir dann im ersten Dorf weit und breit an, wo eigentlich nur Minenarbeiter und deren Familien wohnen... wir fanden dann unsere Unterkunft im mehr oder weniger komfortablsten Haus, was wohl extra fuer die Touristen mit viel Kitsch eingerichtet worden war. Sogar einen Fernseher und eine Dusche gab es :-) ... und hier kamen wir auch das erste Mal in Kontakt mit der indigenen Bevoelkerung von Bolivien. Frauen, die ihre Kinder im Tuch auf den Ruecken tragen, eine Schuerze, ganz lange schwarze Zoepfe und einen "Charly-Chaplin-Hut" tragen, praegen das Strassenbild...

Nun ja, nachdem wir diese Nacht um einiges besser verbrachten als die erste, wartete am naechsten Morgen eine boese Ueberraschung auf uns. Nachdem Mugy, der Japaner, am vergangenen Tag immer noch ueber Kurzatmigkeit geklagt hatte, hatte er diesen Morgen boesen Husten und Wasser in der Lunge (auch Lungenoedem genannt)... da hiess es wirklich schnell handeln. Wir haben den einzigen "Sanitaeter" (nicht Arzt) im Dorf gerufen, der hat im eine Spritze verpasst und so war er zumindest in der Lage weiter zu reisen... naja diese letzte Etappe bis zu unserem Endziel, der Salzwueste von Uyuni, haben wir dann relativ stillschweigend verbracht, da wir alle ziemlich geschockt waren...

Aber dennoch konnten wir alle dann noch am Nachmittag dieses einzigartige Naturschauspiel erleben ... ein 12.000km2 grosser "See" nur aus Salz ... umgeben von einer Kulisse aus Bergen mit dunklen Wolken in der einen Richtung und ein Nichts bis zum Horizont mit azurblauen Himmel in die andere Richtung! Da aufgrund der Regenzeit im Januar, die Salzwueste zum Grossteil mit Wasser ueberzogen war, konnten wir nur ein kleines Stueck bis zum "Hotel de Sal" (ein Haus nur aus Salzbloecken gebaut) fahren... aber das hat auch schon gereicht, um einen unausloeschlichen Eindruck zu hinterlassen!
Auch hier gilt natuerlich, dass man das nur mit Worten kaum beschreiben kann ... Bilder werden folgen!

Vollgestopft mit Eindruecken sind wir dann zurueckgekehrt nach Uyuni, die groesste Stadt der Umgebung... letztendlich auch nicht mehr als ein Dorf aus Huetten, wo der Muell im Zentrum der Strassenkreuzungen gesammelt wird und nur die drei Strassen im Zentrum asphaltiert sind... dort war auch Endstation fuer die Franzosen und den Japaner (der sich auf zum naechsten richtigen Arzt gemacht hat), und so haben wir 3 Maedels plus ein Chilene noch am Nachmittag die Rueckreise inklusive Zwischenuebernachtung angetreten.. natuerlich wiederum ueber Pisten ohne Worte, wo der 4x4-Jeep seinem Namen alle Ehre machen konnte...

Und so sind wir am Dienstag gluecklich, zufrieden und erschoepft wieder in San Pedro angekommen! ... wo wir allerdings das gemacht haben, was wir die Tage zuvor so erfolgreich vermieden haben, naemlich Obst zu essen... natuerlich prompt mit dem Ergebnis, dass wir gestern morgen mit nem kurzen Weg zur Toilette aufwachten und quasi bis heute kaum bis gar nicht aus dem Bett aufgestanden sind! Aber auch das gehoert wohl dazu, wenn man mal in Suedamerika gewesen ist...

Kuestenwanderung

22:50, 22.02.2008. Von Dorette

"Und ich dachte ich muss neben Huehnern auf der Holzbank sitzen" ...

... vor einer Woche nun schon wieder habe ich mich mit Julia in Santiago de Chile getroffen und aehnlich wie ich vor 6 Monaten war sie sehr ueberrascht, wie modern hier doch alles ist und, dass die typischen Klischees, die wohl jeder so in seinem Kopf hat, auf den ersten Blick gar nicht so zutreffen.
So gibt es ein U-Bahn-System, ungefaehr 40 Starbucks-Cafês (fuer Insider ;), Glas-Hochhaeuser aehnlich wie am Potsdamer Platz in Berlin, riesige Supermarktketten, die alles bei uns an Groesse in den Schatten stellen - und vieles mehr, was das Leben sonst noch so angenehm macht.
Tatsaechlich ist Chile neben Brasilien mit das wohlhabendsde Land in Suedamerika, was den staatlichen Finanzhaushalt anbelangt. Dementsprechend sind die Preise auch ungefaehr doppelt so hoch wie in Argentinien. Aber das alles kann dennoch nicht darueber hinweg taeuschen, das auch hier Armut existiert, vor allem unter dem indigenen Anteil der Bevoelkerung. Diese Armut kann man natuerlich im Stadtzentrum der Hauptstadt nicht so direkt sehen, aber dennoch trifft man alle Nase lang auf bettelnde Menschen, und auch nicht selten Kinder... ich finde es ein Dilemma, wie man am besten damit umgehen soll. Denn gibt man einem Kind was, kommen noch zehn andere. Und vor allem ist klar, dass hinter der naechsten Ecke die Eltern warten und das Geld einkassieren... das Totschlagargument ist dann meist sinngemaess: "Du kommst doch aus einem reichen Land, also solltest du mir jetzt auch was geben!" ... was kann man da noch erwiedern?
Das sind dann die Momente, wo man doch wieder merkt, nicht in Europa zu sein, trotz aller modernen Fassaden des taeglichen Lebens...

Santiago als Stadt hat uns total gut gefallen. Man kann auf zwei Berge, die mitten in der Stadt stehen, mit der Seilbahn hochfahren bzw. hochlaufen und hat einen beeindruckenden Blick ueber ein Meer aus Haeusern bis zum Horizont und den Anden... fuer alle, die Athen kennen - so muesst ihr es euch vorstellen! Und ansonsten fand ich den Mix aus herrschaftlichen Haeusern aus der spanischen Kolonialzeit, neben Bunkern aus der langen Zeit der Militaerdiktatur unter Pinochet und eben den hochmodernen Hochhaeusern wirklich sehr interessant und verleiht der Stadt irgendwie einen ganz eigenen Charme!

Aber nach einem Tag hat man eigentlich schon das wichtigste gesehen, und so sind wir letzten Samstag zwei Stunden nach Valparaiso, der Hafenstadt von Santiago, weitergefahren. Dort erwarteten uns unglaublich viele Hunde auf eher schmutzigen Strassen - aber das wirklich besondere an dieser Stadt ist, dass sie quasi auf vielen Haengen gebaut ist. Die Strassen gehen meist ziemlich steil nach oben, und so gibt es 40 Zahnradbahnen, von denen aber nur noch 15 in Betrieb sind... und diesen sieht man ihr Alter auch schon an! Meist besteht die Fahrkabine aus nicht viel mehr als 4 Bretterwaenden mit Schlitzen im Boden zum schoen in die Tiefe gucken! Auf den ersten Blick nicht wirklich vertrauenserweckend! Aber einmal oben angekommen, kann man von fast ueberall einen schoenen Blick ueber den ganzen Hafen und die Bucht, sowie ganz viele bunte kleine Haueschen werfen! Sehr suess irgendwie!
Und da alle suedamerikanischen Staedte ganz gern in die Breite wachsen, kann man eigentlich auch gar nicht mehr den Uebergang zur naechsten Stadt Viña del Mar ausmachen, was uebrigens die Topadresse fuer alle Chilenen zum Strandurlaub ist ... hoerte sich irgendwie gut an, also haben wir auch mal einen Abstecher dahin gemacht! Aber wie enttaeuschend! Parallel zum Strand ist echt alles zugebaut mit superhaesslichen Hochhauesern, was aber noch nicht mal Hotels sind ... und der gesamte Strand voll mit Menschen, die sich quasi stapelten! ... der Sinn fuer das Asthetische scheint den Chilenen echt voellig abzugehen - wuerde man nur 20 km weiter fahren, haette man eine ganze Bucht fuer sich alleine!
Aber um ehrlich zu sein, sind die Leute hier schon ganz schoen bequm ... in einem anderen Ort haben wir sogar gesehen, wie die Leute mit ihrem Auto direkt auf den Sandstrand fahren und es sich im Schatten ihrer Blechbuechse bequem machen! Direkte Folgeerscheinung der Bewegungsunlust: der Grossteil der Bevoelkerung inklusive der Kinder ist nicht wirklich wohlgeformt....

Naja und da wir also in Viña del Mar nicht das echte Pazifikfeeling geniessen konnten, haben wir auf unserem Weg nach Norden eine weitere Zwischenstation in La Serena gemacht, die laut Reisefuherer die zweitaelteste Stadt Chiles ist, aus dem 16. Jahrhundert. Und auch hier waren wir aber erstmal bei der Ankunft geschockt, da wieder weit und breit nur neue Haueser zu sehen waren ... und sich gleich in der Naehe unserer Unterkunft ein riesiger Einkaufsmarkt, Format "Elbepark" in Dresden, befand! Aber am naechsten Tag haben wir dann doch noch das historische Stadtzentrum gefunden, mit einigen Kirchen und Kloestern, und wiederum interessanter Architektur aus der Kolonialzeit ... ach aber, da ja hier nichts ohne Stilbruch geht, befand sich gleich neben dem historischen Kern ein Park im japanischen Stil mit allen dazugehoerigen Klischees!
Und hier in La Serena haben wir dann auch endlich mehr oder weniger unberuehrten Strand gefunden, endlos weit und breit und mit einer faszinierenden Brandung und sehr hohen Wellen!!!
Leider fliesst ja an der chilenischen Kueste der kalte Humboldtstrom entlang, sodass es bis Mittags immer neblig und wolkenverhangen ist und das Wasser nicht wirklich zum Reinspringen einlaedt! Aber einmal hab ich mich dann doch noch getraut ... allerdings sollte man sich nicht wirklich weit hineinwagen, da man schnell von der Kraft der Wellen unter Wasser gespuelt wird und es dann nicht schlecht ist, Boden unter den Fuessen zu haben!

Tja und nach einer weiteren insgesamt 18 Stunden Busfahrt durch die Steinwueste sind wir gestern in San Pedro de Atacama angekommen... wir konnten uns eigentlich gar nicht vorstellen, wo in so einer Einoede Menschen leben sollen, aber ploetzlich tauchte eine gruene "Oase" auf... soll heissen mitten in der Wueste stehen ploetzlich Baeume. Das Dorf selbst ist mehr oder weniger nur fuer Touristen gemacht, aber dennoch den Gegebenheiten gut angepasst. Entlang einiger weniger erdiger Strassen (nix hier mit Asphalt) stehen ganz viele rotbraune Lehm- bzw. Steinhaueser... in denen sich allerdings ein Restaurant bzw. Tourenanbieter neben dem anderen befindet.

Und auch wir werden von hier aus eine gefuehrte Tour starten. Morgen frueh gehts los mit dem Jeep Richtung Bolivien... in insgesamt vier Tagen werden wir auf circa 2500 - 4500 Metern Hoehe vorbei an Lagunen und Geysieren bis zur "Salar de Uyuni" und wieder zurueck fahren... ein riesiger jahrtausendealter Salzsee, den man normalerweise komplett mit dem Auto ueberqueren kann, wenn nicht gerade Regenzeit ist, so wie jetzt! Aber besser als nichts, denn ich habe einige Leute getroffen, die meinten, dass das mit das Beeindruckendste war, was sie in Suedamerika gesehen haben!
Also sind wir sehr gespannt, was uns erwarten wird! ... und ich glaube auf diesem Trip werden unsere Vorstellungen vom "wirklichen Suedamerika" mehr als erfuellt werden!

Berge, Seen & Schokolade

11:46, 13.02.2008. Von Dorette

... na wonach klingt das? Richtig - nach der Schweiz! Aber ich bin doch in Argentinien werdet ihr euch jetzt fragen!? Komisch, ne! Das fand ich auch... Schon als ich vom chilenischen Puerto Montt ueber die Anden zurueck nach Argentinien gefahren bin, bekam ich immer staerker das Gefuehl nach Europa zu fahren. Vorbei an vielen Seen und durch schoene gruene Waelder. Und genau das gleiche Bild erwartete mich dann auch in San Carlos de Bariloche ... ein relativ kleiner, aber sehr touristischer Ort, der erst 1902 von deutsch-schweizerischen Einwanderern gegruendet wurde. Das Paradoxe ist, das so eine schweizerische Bilderbuchstadt mit vielen Holzhaeusern und unglaublich viel Verkaufsstellen von selbstproduzierter Schokolade geschaffen wurde, in einer Region, die viele Jahrhunderte oder Jahrtausende (?) zuvor von den Mapuche bevoelkert wurde. Und so tragen noch heute viele Seen und Berge indigene Namen. Der groesste See des Nationalparks, der Lago Nahuel Huapi bedeutet "Insel des Tigers / Jaguars" und der Name der Stadt Bariloche bedeutet frei uebersetzt "Menschen hinter dem Berg", da sich die Mapuche da lange erfolgreich vor den Siedlern versteckt gehalten haben...

Trotz oder vielleicht auch gerade wegen der Aehnlichkeit zur Heimat, die ja bekanntlich doch am schoensten ist :-) ... habe ich mich in der Gegend da sehr wohl gefuehlt! Ich habe mich verschiedenster Verkehrsmittel bedient und bin so zum Beispiel mit der Seilbahn auf den Cerro Otto gefahren, wo sich wie auf dem Berliner Fernsehturm ein sich um sich selbst drehendes Restaurant befindet und wo man einen unglaublich tollen Blick ueber alle umliegenden Berge und Seen geniessen kann...
(an dieser Stelle sei bemerkt, dass ich echt versucht habe, Bilder bei Studi-VZ hochzuladen, mir das aber aufgrund des Low-Speed-Internets nicht wirlich gelungen ist - also muesst ihr euch wohl noch ein bisschen gedulden mit der visuellen Unterfuetterung!)

An einem weiteren Tag habe ich mir ein doch erstaunlich gutes Mountainbike in meiner (!) Groesse samt Sturzhelm (!) ausgeliehen und bin 35 km bei ordentlich Sonne fleissig die Huegel hoch und runter geradelt.. natuerlich mit vielen Pausen und Aussichten geniessen! Total fertig kam ich abends an der Ausleihstelle wieder an ... wie deprimierend, wenn man am Ziel einen Hobbyradfahrer trifft, der das Ganze in 1,5 h absolviert hat und noch total fit und munter ist! Naja sollte dann doch mal wieder an meiner Kondition zu Hause basteln!

Mit ordentlichem Muskelkater kam es mir gerade recht, dass ich fuer den naechsten Tag sowieso schon eine Tourigondel-Busfahrt entlang der "Sieben Seen" gebucht hatte.. Leider war die Strasse grad "en construccion" und so hat man vor lauter Staub und Knochen-Durchgeschuettel nicht mehr wirklich viel von der Landschaft mitbekommen! Aber naja nachmittags gings die ueber 200 km auf der Rueckseite des Bergsattels zurueck, was das totale Kontrastprogramm war. Ploetzlich wieder alles patagonische Grasssteppe und nackte Berge ohne jegliche Vegetation... aber mindestens genauso spannend, aufgrund der abstrusen Felsformationen, in die man alles moegliche hinein interpretieren kann!

Und an meinem letzten Tag in Bariloche bin ich zusammen mit meinem Zimmernachbarn Eldad aus Israel losgezogen, um ganz entspannt ein bissl reiten und baden zu gehen. Dieser "Reisegefaehrte", der mir viel ueber die aktuelle Palaestina-Israel-Situation erzaehlt hat, soll hier besondere Erwaehnung finden, da er mich mit den israelischen Backpackern wieder etwas versoehnt hat...
Bis jetzt habe ich davon noch nicht erzaehlt gehabt, aber ein was, was im Sueden WIRKLICH nervig war, waren die Israelis! Wirklich jedes Hostel war zu 70% von Israelis bevoelkert, die alle in riesigen Gruppen von 10-15 Leuten reisen, alles in Beschlag nehmen und dabei nicht gerade leise sind... mal ganz abgesehen davon, dass sie sich regelrecht abkapseln, sich froehlich in Hebraeisch anschreien und der Grossteil nicht wirklich daran interessiert ist, Leute aus anderen Laendern kennen zu lernen...

Als Hintergrundinformation muss man wissen, dass alle jungen Leute in Israel nach der Schule dem Militaer dienen muessen, aber danach sozusagen als Entschaedigung von der Regierung eine Art Reisezuschuss bekommen, der reicht um 6-12 Monate durch BILLIGE Laender zu reisen, was mittlerweile zu einer Art Tradition geworden ist. Und so findet man sie ueberall in ganz Suedamerika, Asien und Afrika ... niemals jedoch in Europa, den USA oder Australien.
Das Anliegen dieser Weltreise finde ich durchaus verstaendlich... denn es ist nichts anderes, als der Wunsch nach Vergessen. Denn nach einem Jahr Ausbildung dienen die Jungs 2 Jahre an der Grenze und die Maedels 1 Jahr... mit allem Schrecklichen, was man sich so vorstellen kann... Gerne haette ich mich eigentlich mehr mit den Israelis ueber das Thema unterhalten, aber ich hatte immer das Gefuehl, das man das nicht einfach so mit jedem x-beliebigen ansprechen kann. Und so war ich ganz froh, dann doch noch einen alleinreisenden Israel etwas naehr kennen zu lernen, der mir das alles mal ein bisschen naeher erklaert und erzaehlt hat... vor allem wer da eigentlich mit wem und warum ein Problem hat. Irgendwie hoert man ja staendig davon im Fernsehen, aber ich persoenlich habe da total den Ueberblick verloren... Interessant fand ich auch, das man im alltaeglichen Leben gar nicht soviel von den ganzen Konfliktherden mitbekommen wuerde, im Gegensatz zu dem Bild, das von den Medien gezeichnet wird. Dennoch sei die politische Lage wohl so angespannt, das ein Krieg nur noch eine Frage der Zeit sei, da alle Kompromissangebote Israels von den Extremisten unter den Palestinaensern permanent unterlaufen und abgeblockt wuerden...

...so und wie bekomme ich jetzt die Kurve? Schwieriges Thema!
Aber ein was muss unbedingt noch Erwaehnung finden! Die Schokolade!!!! In allen Geschmacksrichtungen und garantiert handgefertigt! Ein Traum...!!!!! Wie gerne haette ich euch was mitgebracht, aber ich glaube, das wuerde als Schokaldensuppe in Deutschland ankommen! Deshalb bleibt mir nur uebrig euch den Mund waessrig zu machen ;)

Und um den zeitlichen Bogen noch zu schliessen: Die vergangenen 7 Tage habe ich Córdoba verbracht, sozusagen als kleine "Ferien von den Ferien"! Den so wochenlanges Rumreisen ist schon ganz schoen anstrengend! Und so habe ich hier ein paar meiner Freunde und meine Tandempartner wiedergetroffen, habe Tango getanzt und zwei Ausfluege in die Sierras gemacht ... also alles das, was ich in den letzten Wochen schon vermisst hatte!

So und heute Abend setze ich mich mal wieder fuer 15 Stunden in den Bus und komme morgen mittag in Santiago de Chile an, wo ich mich mit der Jule treffe!!! Gemeinsam werden wir dann den Norden von Chile und Argentinien unsicher machen... mal sehen, wo es uns so hintreibt!  

 

Durch die Fijorde auf die Insel

23:32, 2.02.2008. Von Dorette

So fuhr ich also vorletzten Donnerstag weg von der Magellanstrasse und meinen Pinguinen in das kleine Fischerstaedtchen Puerto Natales, wo mich die "Navimag-Faehre" in aller Groesse und Breite empfangen hat ... Doch bevor wir schaetzungsweise 150 Passagiere das Schiff gegen 22 Uhr endlich betreten konnten, habe ich den "dramatischsten" Sonnenuntergang meines kurzen Lebens geniessen duerfen - ein wirklich unglaubliches Farbenspiel zwischen Bergen und Wolken.
Meine unterste Klasse C-Kabine habe ich mir mit 3 SchweizerInnen geteilt ... aber eigentlich noch mit ungefaehr 50 anderen, denn die echt gemuetlichen  Kojen mit Vorhang waren in einem mehr oder weniger undurchsichtigen Gangsystem wie Schraenke nebeneinander gestellt, sehr lustiger Anblick.

Tja am naechsten Morgen 5.30 Uhr hat es dann 3x gegongt wie im Theater, die Leinen und der Anker wurden geloest und es ging los! 1500 Kilometer durch die Fijorde, vorbei an einem Gletscher und schneebedeckten Vulkanen, 12 Stunden durch den "Golf des Leidens" und ueber den Ozean mit ordentlichem Seegang, bis wir schliesslich wieder ueber etwas ruhigere Kanaele sicher am Montag morgen 4 Uhr in den Hafen von Puerto Montt einsegelten!

Zu den visuellen Hoehepunkten fuer mich gehoerten definitiv der Wechsel zwischen Nebellandschaften und sagenhaftem Kreuzfahrtwetter, das Sternenmeer, vor uns her schwimmende und springende Delfine, sowie zwei Walfischflossen in weiter Entfernung! Ach und an einem vor ueber hundert Jahren auf einem Fels gestrandeten Segelschiff aus England sind wir auch vorbeigekommen! Ein echtes Geisterschiff, das da immer noch genau so rumsteht! Ach und weiter noerdlich in den Fijorden schleppen die Fischer ihr kleines Haeuschen auf einem Boot einfach bis zum naechsten Ort, wo es wieder was zu fischen gibt!

Ansonsten waren die Tage gepraegt von Essen, lesen, schlafen, faul rumliegen und die Leute kennen lernen. Letztendlich gab es nicht sehr viele Aufenthaltsmoeglichkeiten und so ist man schnell uebereinander gestolpert. Zu meinem grossen Glueck war ich eine unter vielen alleinreisenden Backpackern, die sich dann auch schnell alle gefunden haben! War am Ende eine richtig nette Ferienlager-Stimmung! :-)

Und so stand ich am Montag morgen mit einem Hamburger Paerchen, jer einem Berliner, Schweizer, Italiener, Waliser und Australier auf der Pier und keiner wusste so richtig wohin. Also beschlossen wir kurzerhand uns einen Minibus zu mieten und auf Chiles groesste Insel Chiloé zu fahren, von der uns in den letzten Tagen aus allen Ecken vorgeschwaermt wurde!

Am Hafen beging ich dann eine der groessten Dummheiten, die man in Suedamerika so begehen kann - naemlich fritiertes Essen von einem Strassenverkaeufer zu kaufen - eine Empanada und auch noch mit Meeresfruechten. Die Quittung folgte recht schnell in Form von fuenf Stunden intensivsten Magenkraempfen... eine Fischvergiftung oder weitere nette Krankheiten blieben gottseidank aus.

Aber egal, von der schoenen Landschaft, die der Lueneburger Heide gar nicht mal so unaehnlich war, habe ich doch noch einiges mitbekommen.... und ich war das erste Mal am Pazifik! Wirklich unglaublich weiter breiter Strand! Und da ich ja jetzt sehr Pinguin-verliebt bin, konnte ich eine kurze Bootstour rund um 3 inselchen mit Magellan- und Humboldt-Pinguinen natuerlich nicht auslassen!
Den Rest des Tages fuhren wir gen Sueden der 250 Kilometer langen Insel und suchten verzweifelt nach einem im Lonely-Planet beschriebenen Zeltplatz und wurden von Pontius zu Pilatus geschickt... irgendwann haben wirs dann aufgegeben und sind erstmal was essen gegangen - eine riesige Platte mit Austern und Miesmuscheln (fuer Kenner: ca. 15cm im Durchmesser) - ausser fuer mich natuerlich!
Naja irgendwann nach Mitternacht haben wir dann auch noch ein Plaetzchen zum Schlafen gefunden!

Den zweiten Tag sind wir wieder durch die Gegend gekurvt, haben uns ein paar fuer die Insel typische 300 Jahre alte Holzkirchen angeguckt (diesmal sehr im Norwegen-Style)... ach und im Fischhafen haben wir noch nen Lachs und riesige Koenigskrabben eingekauft, die wir dann abends zusammen mit lecker Steack auf den Grill gehauen haben... lecker!!!!

Dieser Morgen barg dann noch eine kleine Abwechslung im naturnahen Zeltplatz-Leben: Aufgrund von menschlichen Beduerfnissen war ich gerade kurz nach halb acht munter geworden, als es irgendwie wackelte - komisch dachte ich, ich bin doch gar nicht mehr auf dem Schiff! - aber tatsaechlich hat ca. 1 Sekunde die Erde gebebt!

An diesem dritten und im Prinzip auch schon wieder letzten Tag sind die Jungs - allesamt fleissige Patagonien-Trekker - insgesamt fast 30 Kilometer den Strand hoch und runter gewandert, waehrend ich es vorgezogen habe, mich einfach in den Sand zu packen und Wellen zu gucken und hab mich sogar ins doch recht frische Wasser reingewagt, das konnt ich mir einfach nicht entgehen lassen!

Ja und am naechsten Morgen sind wir dann bei suppenkuechen-wetter (so wie es eigentlich in der Gegend ueblich ist - 6000 mm Niederschlag pro Jahr) aus dem Zelt gekrabbelt und mussten feststellen, dass gleich vier von uns die Magen-Darm-Grippe erwischt hat... dank meiner Empanada war ich selbst wohl schon resistent ;) Naja so ging es mehr schlecht als recht fast 5 Stunden nach Puerto Montt zurueck und ich hab 5 Minuten vor Abfahrt noch eins der letzten Bustickets nach Bariloche ergattert! Zum Glueck, denn ich hab mich echt schon wahnsinnig doll nach meinem Argentinien gesehnt!

Und damit ihr wieder den Durchblick bekommt, wo ich mich nach zig mal Routenaenderung eigentlich befinde, hier nochmal ne Karte...

Und als ich dann am Donnerstag abend endlich wieder in der Zivilisation angekommen bin, habe ich gleich meine Mails gecheckt, denn schon seit einer Woche hatte ich auf Nachricht aus Dresden gewartet - und tatsaechlich genau an dem Tag ein paar Stunden zuvor bin ich Tante einer kleinen gesunden Marie geworden!!!

 

Fast am Ende der Welt

18:44, 22.01.2008. Von Dorette

Seit nunmehr 10 Tagen befinde ich mich nun schon in Patagonien, im Land der kalten Winde und habe insgesamt 6 Naechte kurz ueber 0º C im Zelt ueberlebt, was uebrigens meinen Zeltrekord darstellen duerfte. Lasch, ich weiss! :-)

Doch von vorne. Erstmal musste ich mich ja 20 Breitengrade und knapp 3000 Kilometer nach Sueden bewegen. Die Hoehepunkte dieser am Ende doch recht kurzweiligen Fahrt waren ein dauerhaft kotzendes Kind direkt hinter mir, Hollywood-Schmachtfetzen in der Dauerschleife und eine Einladung zum Mate-Trinken ins Busfahrercockpit auf den letzten 300 Kilometern... als Auslaenderin ist man doch immer wieder interessant!
Am vorletzten Samstag mittag bin ich dann schliesslich wankend aus dem Bus gestiegen und wurde auch gleich von Thomas (auch ein Dresdner, den ich in Cordoba kennen gelernt habe) in Empfang genommen. Kurzerhand beschlossen wir gleich mal das neu erstandene Zelt auf nem Minicampingplatz der oertlichen Tankstelle auszuprobieren... Der Rest des Tages bestand dann in muehseliger Suche nach allen noetigen Ausruestungsgegenstaenden fuer unser kleines Campingabenteuer, was bei Naesse und Kaelte nicht wirklich viel Spass machte... und so hatte ich mir auch gleich eine nette kleine Erkaeltung als Begleiter eingeladen.

Nun ja, am naechsten Tag gings 5 Stunden weiter gen Westen nach El Calafate, wo wir alles noetige Essen fuer die naechsten 5 Tage besorgt haben und am Montag folgte dann die letzte Etappe der Anreise - die Fahrt nach El Chalten, das juengste Dorf Argentiniens und Ausgangspunkt fuer alle Trekker ins Bergmassiv rund um den Fitz Roy...

Jetzt konnte es endlich losgehen! Von 400m stiegen wir an diesem Tag hinauf auf 1100m - aber das bemerkte ich kaum, da ich von Anfang an von der wunderschoenen Landschaft in den Bann gezogen wurde. Zunaechst wirkte alles sehr wie in den Alpen. Doch mit den Tagen zeigte sich mir vor allem die von Europa sehr verschiedene Vegetation. So liefen wir durch eine Landschaft mit sehr viel Wald, Baeume von den Winden gekruemmt, Suempfe und Flusstaeler mit riesigen Gesteinsbrocken. Ein Bild, was sich nur schwer beschreiben laesst... Und der Blick auf die Berge war natuerlich unser staendiger Begleiter. Nachdem die vergangenen Tage wohl von sehr sehr schlechtem Wetter gepraegt sein mussten, hatten wir richtig Glueck, es klarte auf und die folgenden Tage hatten wir fast konstant stahlblauen Himmel mit Zuckerwattewolken.
Ziel diesen ersten Tages war ein Gletschersee, eingerahmt von viel Eis und dem Cerro Torre - neben dem Fitz Roy der markanteste Berg der Region mit mehreren "Nadelspitzen" ... eine unvergessliche Szenerie!
Ach ja, besonders eindrucksvoll finde ich auch, dass es in diesen Breitengraden fast bis Mitternacht hell ist! Gegen 22 Uhr hat man das Gefuehl noch gut 4 Stunden Zeit zu haben bis es mal angebracht waere schlafen zu gehen! Sobald dann jedoch die Sonne verschwunden ist, sinken die Temperaturen rapide! Und so habe ich diese erste Nacht auch kaum geschlafen vor lauter Froestlichkeit... erst gegen 6 Uhr, als es langsam wieder hell wurde, fiel ich in Tiefschlaf und so habe ich leider auch einen wohl wunderschoenen Sonnenaufgang verpasst...

An diesem zweiten Tag haben wir dann wieder unsere ca. 12kg schweren Ruecksaecke geschultert und uns zum naechsten Campingplatz aufgemacht, erneut durch einen wunderschoenen Maerchenwald und vorbei an zwei Lagunen ("Mutter und Tochter" genannt). Allerdings brauchten wir erneut das doppelte der angegebenen Zeit und es war klar, das wir die angegebenen Strecken in den naechsten Tagen so nicht schaffen wuerden. Also beschlossen wir auf dem zweiten Campingplatz zu bleiben und von da aus Tagestouren zu machen - und da war ich auch gar nicht boese drueber! :-)

Am naechsten Morgen habe ich mich dann auch schon morgens um 7Uhr aus meinem warmen Nest geschaelt und ins kalte gewagt, um doch nochmal diesen einzigartigen und sehr kurzen Moment zu erleben, wenn die Sonne aufgeht und die Berge in tiefrotes Licht taucht... einmal wach, bin ich dann auch gleich aufgestiegen zu einem Gletschersee direkt unterhalb des Fitz Roy ... blaueres Wasser habe ich noch nie gesehen! Und so sass ich da fast 4 Stunden einfach nur rum und habe den Anblick genossen!

Der folgende Tag war dann doch etwas grauer, aber das hat uns nicht davon abgehalten, das Flusstal hinab zu wandern, durch eine "Endmoraene" (jaja Geographie-Unterricht laesst gruessen) ueber riesige Gesteinsbrocken zu klettern und wiedermal vor einem Gletscher zu stehen und Baukloetzer zu staunen... Auf dem Rueckweg sind wir an einer schoenen Hosteria vorbeigekommen (wie eine Art Alpenhuette) und ich war total gluecklich nach 4 Tagen mal wieder in einem warmen Zimmer auf nem bequemen Sessel zu sitzen, einen Kaffee zu trinken und Apfelkuchen zu essen! Mehr braucht der Mensch manchmal gar nicht um gluecklich zu sein!

Und dann waren die Tage auch schon wieder gezaehlt, am Freitag sind wir ins Tal abgestiegen und nach Calafate zurueckgefahren - wo ich seeeeehr gluecklich war wieder einmal eine Dusche von unten zu sehen!!!! Denn im Nationalpark waren die Campingplaetze natur pur - EINZIGER Luxus war ein Plumpsklo! Von daher war ich eigentlich ganz froh erkaeltet zu sein - denn so musste ich nicht den Gestank im Zelt ertragen, jaja :-)

Aber der Hoehepunkte noch nicht genug! Am vergangenen Samstag habe ich dann gleich noch die Tour zum fuer Argentinien sehr beruehmten Gletscher "Perito Moreno" gemacht - gigantisch!!!! Mit 5 km Breite und 60 m Hoehe ist er wirklich beeindruckend riesig... und vor allem die Geraeuschkulisse! Staendig knackt und kracht es und Eisbrocken fallen mit lautem Getoese ins Wasser...

Nun bin ich seit 2 Tagen auf der chilenischen Seite von Patagonien, um genau zu sein in Punta Arenas ("Sandspitze") an der Magellanstrasse ... und habe somit den suedlichsten Punkt meiner Reise (und auch fast das sogenannte Ende der Welt in Feuerland) erreicht!
Hier gibt es eigentlich nicht sehr viel zu sehen, ausser Wasser - und PINGUINE! Heute habe ich mich mal wieder einem Touri-Ausflug angeschlossen und mit dem Motorboot ging es rasant auf die eine halbe Stunde entfernte Isla Magdalena - auf der wirklich nur Pinguine leben!!! Man steigt aus und alles bis zum Horizont ist voller schwarz-weisser Punkte!!! Und wie sueessss die sind! Gerade vor einer Woche sind die Baby-Pinguine aus ihren Erdloechern hervorgekrochen und die haben noch ganz wuschliges graues Fell! Hach, schwaerm....! Und auf der Rueckfahrt haben wir noch an einer ganz kleinen Insel gestoppt, wo es eine Kolonie von Seeloewen gibt... die tuemmeln sich da alle am Steinstrand und machen echt unglaublich viel Laerm!

So jetzt habt ihr es geschafft ! Noch ein kleiner Ausblick: Uebermorgen gehts (endlich) wieder in waermere Gefielde gen Norden - aber diesmal nicht so langweilig mit dem Bus, sondern mit dem Faehrschiff ca. 1000 km an der chilenischen Kueste hinauf nach Puerto Montt... drei schoene lange Tage auf dem Pazifik und durch die Fijorde! Ich hoffe sehr nicht seekrank zu werden! :-)

Mendoza - Adventurehauptstadt Argentiniens

22:15, 9.01.2008. Von Dorette

So jetzt wirds wieder mal Zeit nen Reisebericht abzugeben! Die vergangenen 7 Tage war ich ja in Mendoza und folglich gibts auch wieder was zu erzaehlen :-)

Allen besorgten Familienmitgliedern sei erstmal mitgeteilt, dass sich der Magenvirus in Fast-Wohlgefallen aufgeloest hat und ich nicht den Onkel Doc aufgesucht hab, obwohl ich doch sehr kurz davor war ... waere sicherlich auch eine interessante Geschichte fuer diese Kolumne geworden, aber muss ja nicht sein, ne!

Nachdem ich also 2 Tage Zeit hatte meine Schmerzen zu pflegen, habe ich Donnerstag Abend gleich meinen ersten Besuch empfangen. Der Valentin, der mit seinem kleinen Moto von Cordoba 1500 Kilometer durch die Wueste, ueber die Anden bis nach Valparaiso an der chilenischen Kueste und zurueck in 5 Tagen gefahren ist... und in Mendoza halt gemacht hat. War schoen, Besuch aus meiner "argentinischen Heimat" zu haben!

Aber auch so haette ich wahrscheinlich nicht unter Einsamkeit gelitten, da ich in dem kleinen suessen Hostel auf jede Menge interessanter Leute getroffen bin. So habe u.a. Leute aus Brasilien, Kolumbien und Israel kennengelernt (und schoneinmal fleissig Adressen fuer die naechsten Reisen gesammelt ;) ... interessante Gegensaetze: mit 22 Jahren hat man in Brasilien und Kolumbien schon einen Uniabschluss in der Tasche und arbeitet beispielsweise schon als Rechtsanwalt (Ursache: bereits mit 4 Jahren wird die Schulbank gedrueckt) - waehrend man als FRAU in Israel gerade einmal seinen 2jaehrigen Militaerdienst hinter sich gebracht hat!

Den Freitag habe ich dazu genutzt bissl durch das Stadtzentrum zu schlendern, was wirklich unendlich gruen ist. Man sagt Mendoza hat mehr Baeume als Einwohner - was auch dringend noetig ist, denn sonst wuerde man das heisse und trockenen wuestenaehnliche Klima wohl kaum aushalten. Aber gerade diese Bedingungen scheinen fuer den Weinanbau perfekt zu sein, denn rund um die Stadt steht eine Weinsiedlung neben der anderen... aber nicht etwa, dass da so suesse kleine Haenge wie in Radebeul stehen, nene das wird richtig im Massenformat betrieben ... platte Felder, so gross wie Kartoffelplantagen! Aufgrund oben genannter Problemchen habe ich mir eine Weinverkostungstour allerdings geschenkt... :-(
Noch eine kleine interessante historische Begebenheit: 1861 wurde die Stadt komplett von einem Erdbeben zerstoert, das einzige historische Ueberbleibsel, die Rathausmauern, sind heute in einem Museum unterm Glasboden konserviert...

Am Samstag morgen ist dann die Claudia, auch aus Cordoba, angekommen und wir haben uns gleich auf die Socken gemacht, sind mit dem Bus in die Vorkordilleren gefahren bis zu einem klasklaren Stausee, noch ein Stueck den Rio Mendoza entlang gelaufen ... bis wir an der Rafting-Station angekommen sind! Da hatten wir auch gleich Glueck, denn die Tour mit sieben 8er-Booten wollte gerade starten... aber erstaunlicherweise erst nach einer 15minuetigen Sicherheitsinstruktion - haett ich ja nicht erwartet!

Kleiner Einschub zum Autofahrverhalten der Argentinier: Sicherheitsgurte benutzen nur Schlappschwaenze, die Fahrschule besteht aus 3 Stunden um den Block fahren oder gleich einfach den Lappen kaufen, Babys werde vorne auf dem Schoss transportiert ... ach und auf einer etwas groesseren Vespa fahren ganze Familien mit 2 Erwachsenen und 2 Kindern - geht alles - Unfallrate ist entsprechend angemessen....

Aber naja wenigstens beim Rafting kommt man in Argentinien nicht so schnell ums Leben und unser Boot ist auch nicht gekentert - dafuer haben wir die Abgetriebenen eines anderen aufgelesen. Ich waere da auch nicht so scharf drauf gewesen - da der Fluss doch schon seeeehr schokaladenbraun war. Aber alles nur Erde - Beweis: der Fluss muendet in oben erwaehnten Stausee, wo sich aller Dreck absenkt...
Hat also Spass gemacht - aber eine Stunde ist leider viel zu schnell vorbei!
Alle anderen Risikosportarten habe ich allerdings respektvoll gemieden - wie zum Beispiel Paragliding, Klettern oder sich am Seil wie Tarzan uebers Tal schwingen! (keine Provocacione, ne Frau Schmiedel ;-) (kleiner Insider am Rande)

Am Sonntag haben wir uns dann gemueltich einer kleinen Exkursion angeschlossen und sind im Minibus ueber den Andenstrasse, durch die hohen Berge bis zum Aconcagua (mit 6959m der hoechste Berg der westlichen Hemisphaere) an der chilenischen Grenze gekutscht ... und auf 4200 Metern war die Luft dann doch schon recht duenn fuer mich. Die ueber 3000 Meter Hoehendifferenz in wenigen Stunden haben sich bei mir sehr schoen mit Kopfschmerzen und Schwindel bemerkbar gemacht! Aber dafuer war dann der Ausblick auch entsprechend gigantisch und lohnenswert.
Aber auch der Weg war das Ziel:  so sind wir durch das Tal gefahren, wo u.a. "Sieben Jahre in Tibet" und "Die Reise des jungen Che" gedreht wurden und haben die "Puente de la Inca" gesehen - eine steinerne Naturbruecke, die durch das sulfathaltige Wasser in allen moeglichen Gelbtoenen erstrahlt und um die sich diverse Mythen ranken. Die Inka sind anno dazumal auf ihrem Weg nach Sueden ungefaehr bis auf die Hoehe Mendozas gelangt...  
Achso noch eine interessante Anektdote unserer Reiseleiterin: der Andenkondor ist wahrscheinlich eines der treuesten Tiere ueberhaupt - ganz im Gegensatz zum argentinischen Homo sapiens - wenn der Partner gestorben ist, schwingt sich der Hinterbliebene in hoechste Hoehen hinauf und begeht per Sturzflug ohne Anhalter quasi Selbstmord... eine tragische Liebe, oder!?

Nun ja, die restlichen zwei Tage habe ich dann sehr relaxt verbracht. Am Montag sind wir durch den riesigen Stadtpark gewandert, vor der Hitze in den Swimmingpool des Nachbarhostels gefluechtet und abends habe ich bei immer noch 30º C eine extra Runde auf dem Motorrad geniessen duerfen (vor dem ersten eigenen Auto werde ich mir definitiv eine Vespa zulegen! :-) ...
Gestern habe ich alle Vorbereitungen fuer meine Patagonien-Trekkingtour getroffen - und mich erstmal uebers Wetter informiert. 12ºC am Tage und 5ºC in der Nacht werden eine willkommene Abkuehlung ... nur der passende Schlafsack muss noch her! Denn sonst werden fuenf Tage Zelten kein Spass!

Heute habe ich meinen langen Weg nach Sueden mit einem kleinen Zwischenstopp in San Rafael begonnen, 3h suedlich von Mendoza... ein kleines Oertchen in einer wunderschoenen Landschaft mit vielen Stauseen und Fluessen gelegen. Morgen mache ich noch eine Exkursion durch einen Cañon mit und abends setze ich mich dann fuer 37 lange Stunden in den Langstreckenbus. Und nicht etwa, dass der Bus einfach mal gerade nach unten faehrt - nein, da gehts erst an die Ostkueste bis in den untersten Zipfel nach Rio Gallegos, wo ich mich mit Thomas treffe. Dann fahren wir nochmal 5 Stunden weiter nach Calafate im Westen, wo sich quasi unser "Basislager" fuer die Trekkingtour rund um den "Fitz Roy" befinden wird... aber dazu das naechste Mal mehr (in ca. 10-14 Tagen) !

Jahresabschied via Couchsurfing

16:15, 3.01.2008. Von Dorette

Jetzt bin ich schon ueber eine Woche auf Reisen, ein neues Jahr hat begonnen und es gibt wieder neues zu berichten!

Bevor ich losgefahren bin, war ja meine grosse Sorge fast nur noch in Kontakt mit anderen Auslaendern zu kommen und sehr viel Englisch zu sprechen. Deshalb habe ich nach anderen Formen der Unterbringung gesucht und bei Couchsurfing gefunden. Fuer alle Nichtwissenden ;) - das ist eine Community im Internet, wo Leute aus der ganzen Welt ihre "Couch" zum kostenlosen uebernachten anbieten, mit der Idee des "kulturellen Austauschs"... in jeder groesseren Stadt weltweit gibt es eigentlich immer mindestens 5 Leute, die das machen. So auch in San Juan und so bin ich im Haus eines alleinstehenden Mitte 40jaehrigen Ingenieurs namens Raul gelandet... eine gewisse Portion Vertrauen in das gute im Menschen gehoert bei solchen Aktionen natuerlich dazu, aber wie ihr seht, ich lebe noch ;). Es war das erste Mal, dass er einen Couchsurfer empfangen hat und 2 Tage nach mir kam gleich noch ein Rentnerpaerchen aus Canada an, das in Chile und Argentinien quasi ueberwintert.

Und so hat es sich irgendwie ziemlich spontan ergeben gehabt, dass er uns alle eingeladen hat, mit ihm nach Barreal - ein kleines Staedtchen zwischen Vorkordilleren und Anden - zu fahren und da Silvester mit der gesamten Familie zu verbringen.
Da meine Chile-Valparaiso-Plaene gescheitert waren, habe ich gar nicht lange ueberlegt und vor allem die Chance in das Leben einer einheimischen Familie einzutauchen, wollte ich mir nicht entgehen lassen.
Also sind wir am 31.12. drei Stunden durch die Vorkordilleren gekurvt und relativ durchgeschuettelt am fruehen Nachmittag angekommen. Schnell haben wir unsere Sachen in einem kleinen suessen Bungalow abgeworfen und sind gleich weiter in das Haus der Familie, wo sich bereits Schwester samt Familie und Bruder des Schwagers samt Family zum Asado grillen eingefunden haben.
Vielleicht ganz interessant zu erwaehnen ist, dass die ganze Familie schon seit 2 Generationen sehr erfolgreich international Volleyball spielt und der Bruder des Schwagers, Raul Quiroga, bis vor 10 Jahren in Italien gespielt hat und eine Zeit lang auf der weltweiten Liste der Topspieler ganz oben stand... heute ist er Trainer in Buenos Aires und sein Sohn ist schon auf dem Sprung in die argentinische Nationalmannschaft!

Nachdem wir 17 (!) Uhr dann mit Mittag essen fertig waren, wurden wir als special guests bissl mit dem Auto rumgefahren und spaeter haben wir noch einen Reitausflug gemacht... ich auf ner hochschwangeren Stute, die abging wie ne Rakete! Im Ernst! :-)
Entsprechend des hitzebedingten verschobenen Tagesablaufes war dann bis 22.30 Uhr Siesta angesagt und quasi kurz vor Mitternacht haben wir uns dann alle wieder in einer kleinen Gaststaette zum Essen und Feiern getroffen.... natuerlich mit den weltweit obligatorischen Boellern und Raketen!

Den Neujahrstag haben wir dann zu viert nochmal genutzt um mit dem Auto einen Ausflug in die Steinwueste und zu einem "Lago Seco" (trockener See) zu machen... unglaublich aber wahr: am Horizont dachte man stets Wasser zu sehen - ist man dahin gefahren - nichts!!!!!!

So habe ich also wieder einen kleinen Teil Argentiniens kennengelernt, den ich ohne Couchsurfing wohl nie entdeckt haette... Leider klappt das natuerlich nicht in jeder Stadt und zu jeder Zeit so gut.
Jetzt bin ich in Mendoza und hatte vorher 4 Leute angeschrieben, doch keine Antwort erhalten. Also bin ich in einem Hostel abgestiegen, wo zu meinem Glueck auch einige Suedamerikaner sind, sodass ich weiter fleissig Spanisch sprechen kann. :-)

Gestern hat mich das erste Mal in den ganzen Monaten so richtig schlimm ein Magen-Darm-Virus erwischt, sodass ich gleich zur Genuege das Hostel-Bett erproben konnte... also mache ich jetzt erstmal Schongang, damit ich am Wochenende wieder fit fuer einige schon geplante Exkursionen bin... denn die Claudia von Pasantia kommt mich besuchen!
Besonders freut mich auch, dass ich hier in Mendoza gleich noch zwei andere Freunde aus Córdoba, Valentin und Alberto, treffe... denn der Abschied von allen da ist mir echt nicht leichtgefallen!

Aber alles hat ein Ende (nur die Wurst hat zwei jaja)

Auf dem Mond

20:43, 30.12.2007. Von Dorette

Vor ein paar Stunden bin ich von meiner zweitaegigen Exkursion in die Wueste Argentiniens zurueckgekehrt... was das totale Kontrasterlebnis zu allem dem war, was ich bisher hier gesehen habe und auch noch sehen werde. Langsam begreife ich was vier verschiedene Vegeationszonen in EINEM Land bedeuten!

Am Freitag bin ich ins sogenannte "Valle Fertil" (fruchtbares Tal) abgefahren und habe die 4 Stunden Fahrt immer parallel zu den Vor-Kordilleren voll genossen (und mal nicht geschlafen ;) ... da am Abend angekommen dachte ich, ich muss mir erstmal muehsam ein zimmerchen und die exkursion fuer den naechsten Tag besorgen - aber da wurde mir gezeigt, was echtes Tourismus-Marketing ist. Gleich vor der Bustuer wurde man 3 verschiedenen Personen mit Flyern und dem jeweils "besten und preisguenstigsten" Angebot ueberfallen. Die Entscheidung habe ich dann relativ spontan und wahllos getroffen, hatte aber Glueck und bin in einer netten Hosteria gelandet, zusammen mit einem Franzosen. Ansonsten leeres Haus... mal abgesehen von 10000 Muecken und irgendwelchen raschelnden Tieren, die Nachts durchs Zimmer durch die Tuerritze durchgeschlichen sind - mein Schlaf war dementsprechend duerftig.

Aber was solls - am Naechsten morgen um 7Uhr (nachdem ichs fast verschlafen haette) gings zusammen mit 2 anderen deutschen Maedels im Minibus samt argentinischen Privatfahrer los auf die Reise. Zuerst gings in den 100km entfernten Nationalpark Talampaya, der mit seinem roten Gestein und tiefen Schluchten sehr an die einschlaegig bekannten Canyons der USA erinnern soll... Ausgestattet mit einem Parkranger sind wir dann bei "nur" 35º drei Stunden zwischen den Felsen durchgewandert und haben einzigartige Ein- und Ausblicke genossen. Der Name Talampaya steht uebrigens fuer "Baum im trockenen Tal"... benannt nach einem ca. 700 Jahre alten Baum.

Das alleine haette eigentlich schon gereicht an Eindruecken fuer diesen Tag, aber wir hatten ja noch einen zweiten Nationalpark, ebenfalls UNESCO-Weltkulturerbe seit 2000, vor uns - das Valle de la Luna, oder auch Ischingualasto (Tal ohne Leben) genannt... Tatsaechlich ist eine Tour durch dieses Tal wie eine Fahrt in die Erdzeitgeschichte! Die Gesteinsformationen beider Parks sind ungefaehr 200 Millionen Jahre alt und somit ca 130 Millionen Jahre aelter als die Anden gleich um die Ecke, wer haette das gedacht! Und was mir vorher auch nicht bewusst war, dass hier in den letzten 60 Jahren unglaublich viele Ueberreste von Dinosauriern entdeckt wurden - wer fleissig die ZDF-Sonntagsdoku guckt, der weiss das vielleicht ;)))) ... aus den vielen Knochenfunden hat man dann verschiedene Dinosaurier-Arten rekonstruieren koennen.
Ich muss ja ehrlich gestehen, dass ich Dinosaurier lange fuer ein Maerchen gehalten habe - wahrscheinlich, weil ich in Bio auch ni so aufgepasst habe jaja - aber jetzt kann ich es mir echt bildhaft vorstellen!
Den visuellen Eindruck dieser Landschaft - in der am Tage bis zu 50º und in der Nacht bis zu -10º herrschen - kann ich euch beschreibend nur sehr schwer wiedergeben.... aber die Bilder spaeter werden fuer sich sprechen!

Nach 12 Stunden sind wir dann voellig fertig und verbrannt wieder ins Pueblo San Augustin zurueckgekehrt und da der letzte Bus schon 17 Uhr fuhr, blieben wir gleich noch eine Nacht laenger, was aber in dieser schoenen Umgebung nicht weiter schwer fiel.

Heute morgen haben wir dann spontan mitbekommen, dass den Argentiniern am 30.12. einfaellt bis Maerz ihre Uhr um eine Stunde auf Sommerzeit vorzustellen, sodass jetzt nur noch unglaublich wenige 3 Stunden Zeitunterschied zu Deutschland sind!

Die Spezie Argentinier

11:55, 27.12.2007. Von Dorette

Heute will ich mal etwas schreiben ueber das spezielle Seins des Argentiniers. Warum gerade heute? Weil ich seitdem ich noch nicht einmal 48 Stunden auf Reisen bin, bereits wieder mehrere sehr typische Begegnungen hatte.

Gestern habe ich aus lauter Sehnsucht gleich einmal eines der wenigen Tangomuseen im Lande besucht (in Cordoba gabs keins) und wurde von dem Besitzer Amin, ein ca. 70jaehriger Mediziner mit Vorfahren irgendwo aus dem Orient, und seiner Mitarbeiterin Estella als einzige Besucherin gleich freundlichst aufgenommen und persoenlich herumgefuehrt. Nachdem ich 2 Stunden herumgestoebert und die Nacht schon hereingebrochen war, bot mir Amin an mich doch unbedingt zu meiner Unterkunft zurueckbringen zu wollen...

Heute nachmittag habe ich eine ueber 100 Jahre Weinkelterei besichtigt - San Juan ist nach Mendoza die zweitwichtigste Weinanbauregion Argentiniens - und habe nach dem Rundgang von dem Fuerher seine Visitenkarte in die Hand gedrueckt bekommen, mit der Aufforderung mich doch gerne bei ihm zu melden, wenn ich noch andere Orte in der Umgebung kennen lernen moechte.

Warum sind diese Begegnungen also so typisch? Augenscheinlich sprechen sie natuerlich fuer die Offenheit der Menschen hier und der geringen Scheu auf andere, besonders Auslaender zuzugehen und sie nach allen Regeln der Kunst auszufragen - was sich meist auf die typischen Fragen "Was machst du hier, Woher kommst du, Wie lange bist du schon da?" belaeuft. Und da liegt auch schon der erste Schwachpunkt im Kommunikationsverhalten: An dieser Stelle ist dann meist auch schon Schluss. Soll heissen, viel mehr wissen sie nicht zu fragen. Deutschland! Ach wie schoen! ... Pause. Auch mit Menschen, die man schon laenger kennt (wie es zum Beispiel auf meiner Praktikumsstelle der Fall war) bleibt die Konversation eigentlich fast immer an der Oberflaeche und mehr wollen sie nicht ueber einen wissen...  aber ich denke so ist es nicht nur mit Auslaendern der Fall, sondern so begegnen sich die Argentinier auch untereinander. Am symbolichsten dafuer ist fuer mich das Begruessungsritual. "Hola, cómo estas?" (Wie gehts) wird man 100x am Tag gefragt und genauso automatisch ist die Antwort "Muy bien" (Sehr gut) ... unter wenig Bekannten finde ich es auch sehr in Ordnung nicht immer gleich sein Leben auszubreiten - aber auch unter Freunden und mit meinen Patientinnen habe ich sehr haeufig beobachten koennen, dass es einer Person augenscheinlich nicht gut ging und sie dennoch ein wenig ueberzeugendes "Muy bien" zurueckgegeben hat... was ein anknuepfendes Gespraech natuerlich fast unmoeglich macht... Zum Vergleich: bei uns antwortet man in der Regel "Es geht so" und der Andere fragt nach "Warum denn?". 

Ein zweites typisches Merkmal der zwei Begegnungen ist das Geschlecht. Ich glaube nicht mehr daran, dass zufaellig 80% meiner Freunde und Bekannten, die ich in Cordoba kennen gelernt habe, Maenner sind. Die Kultur Argentiniens ist eine sogennante "Machista-Kultur", und das sagen sie auch von sich selbst. Soll heissen, dass der Balztanz ein bestaendiges und alltaegliches Ritual ist. Natuerlich ist das nicht immer sehr offensichtlich, aber wieviel schneller wird man von einem Mann angesprochen, als wie man mit einer Frau ins Gespraech kommt. Die Maenner sind es einfach gewohnt staendig Ausschau zu halten, und - ALLEN Frauen egal welchen Aussehens und welcher Tagesform hinterherzupfeifen und Komplimente jedweder Art hinterherzurufen. Bei einer halben Stunde Fussweg ins Zentrum bin ich in der Regel auf einen Schnitt von 10 gekommen.
Frauen sind fuer argentinische Maenner so eine Art Hobby, etwas womit man sich gerne die Zeit vertreibt. Alles faengt immer erstmal sehr unverfaenglich an, es ist nie so, dass man sich bedraengt oder unangenehm beruehrt fuehlt, auch wenn ich mich erstmal an die viel hoehere Intensitaet des Koerperkontaktes beim Sprechen gewoehnen musste. Aber irgendwann ist fast immer der Punkt erreicht, wo der Mann wenigstens sein Glueck versucht und die Grenzen austestet. Ist das dann aber ersteinmal geklaert, dann steht einer Freundschaft auch nichts mehr im Wege.
Wohlgemerkt spielt es dabei fuer den argentinischen Mann keine Rolle, inwiefern man selbst einen Freund hat bzw. er eine Freundin (das merkt man vor allem beim Weggehen). Infolgedessen erzaehlen auch alle, dass das Fremdgehen hier wirklich weit verbreitet ist, aber sowohl unter Maennern als auch unter Frauen. Und im Bewusstsein dessens sind die Beziehungen in der Regel auch wirklich sehr eifersuechtig, mit wenig Toleranz fuer gegenseitigen Freiraum. Soll heissen man verbringt moeglichst 25 Stunden miteinander und die Partner haben seltenst gegengeschlechtige Freunde. Natuerlich nimmt sich jedoch der Mann heraus mit seinen Freunden durch die Diskos zu ziehen, was die Freundin aber nach Moeglichkeit zu unterlassen hat.
Natuerlich sind diese Darstellung ueberspitzt und bedienen viele Klischees, dennoch spiegeln sie die Realitaet so wieder, wie ich sie selbst erlebt bzw. erzaehlt bekommen habe.

Ein drittes Merkmal meiner typischen Begegnungen ist die Nationalitaet der Argentinier. Argentinien ist zu 100% ein Einwanderland und ich habe quasi niemanden getroffen, dessen Gross- oder Urgrosseltern nicht zumindest zu einem Teil aus irgendeinem Land Europas stammen. Da kommt dann hauefig eine wilde Mischung wie zum Beispiel Kroatien - Deutschland - Ukraine heraus, weshalb man dem typischen Argentinier nie seine suedamerikanische Herkunft ansieht. Der groesste Teil der Vorfahren stammt jedoch aus Spanien oder Italien. Sehr viele versuchen durch den Nachweis der Geburtsurkunden der Grosseltern die spanische oder italienische Staatsbuergerschaft zu bekommen, um ungehindert "ins gelobte Land" Europa zu Reisen oder arbeiten zu koennen... von Argentiniern sagt man, dass sie staendig nach Europa schielen, dass das grosse Vorbild ist, und sie sich aufgrund ihrer Vorfahren gegenueber dem "Rest" Suedamerikas als etwas besseres fuehlen. Peruaner und Bolivianer werden regelrecht diskriminiert, aehnlich dem deutschen Stil gegenueber den Polen und Tuerken. Von daher ist es nicht verwunderlich, dass den Argentiniern nachgesagt wird, dass sie versnobt und arrogant seien. Wobei hier nochmal ein klarer Unterschied zwischen den "Porteños" (die Einwohner Buenos Aires) und dem Rest Argentiniens gemacht werden muss. Aufgrund einer sehr zentralistischen Politik fliesst alles Geld und alle Macht in die Hauptstadt und der Rest des Landes wird regelrecht vernachlaessigt. Dementsprechend gut geht es Buenos Aires im Vergleich zu den anderen Provinzen. Und dieser Umstand spiegelt sich vor allem in der gegenseitigen Abneigung wieder.

Interessant ist auch, dass sosehr Europa im Allgemeinen verehrt wird, sosehr werden die Englaender und Nordamerikaner (Yankees) verachtet. Die Englaender aufgrund des Krieges um die Falklandinseln in den 80er Jahren und die Amerikaner aufgrund des "imperialistischen Einflusses" ... man sagt hier, dass Argentinien unter anderem noch deshalb ein "Dritte Welt Land" ist, weil sich die Regierung an die USA verkauft und dominieren laesst, obwohl es von den natuerlichen Ressourcen eigentlich das Zeut haette, sich selbststaendig viel weiter nach oben zu arbeiten.... dieses Thema reicht aber schon wieder sehr weit in den Bereich Politik, Wirtschaft, internationale Beziehungen und vor allem Korruption hinein, wovon ich leider sehr wenig Ahnung habe.

Ich hoffe ein moeglichst authentisches Bild gezeichnet zu haben. Fuer mich haben die Bewohner dieses Landes sehr viel positive und liebenswerte Seiten, nicht zuletzt die Freundlichkeit und Offenheit, dennoch ist nicht alles Gold was glaenzt. Und wirklich gut finde ich, dass alle negativen Seiten, die ich aufgezeigt habe, dem Selbstbild der Argentinier entspricht. Ich habe mit vielen geredet, die sich der Eigenheiten ihres Volkes sehr bewusst sind... Machismo, Oberflaechlichkeit, Luegen, Unverbindlichkeit. Wie schnell wird man zu etwas eingeladen, was dann aber am Ende doch nie realisiert wird!
Aber immer wieder wurde ich gefragt, ob wir in Europa nicht alle viel kaelter seien als hier in Suedamerika - denn wenn man auf etwas hier stolz ist, dann ist das die Geselligkeit und Kontaktfreudigkeit.
Ich habe dann immer versucht zu erklaeren, dass man das so nicht verallgemeinern kann. Ich stimme zu, dass man in Deutschland beispielsweise viel schwerfaelliger auf neue und fremde Menschen zugeht, aber das Verhaeltnis unter Freunden und in der Familie genau dem argentinischen gleicht.
Ich finde es sehr wichtig diese Unterscheidung zu machen, da viele Deutsche dazu neigen diese sogenannte Verschlossenheit anzuprangern. Fuer mich ist das nicht so - seitdem ich hier bin, merke ich, dass es fuer mich viel wichtiger ist gute Freundschaften und Rueckhalt zu haben, als von aller (unbekannter) Welt auf der Strasse gegruesst zu werden.

Post Weihnachten!

12:36, 26.12.2007. Von Dorette

... und jetzt ist es schon wieder vorbei, mein sonderbares Weihnachten! Und ich muss sagen es glich mehr Silvester als allem anderen. Zu Mitternacht ist quasi die ganze Stadt explodiert. Ueberall schoss es wortwoertlich in die Luft, denn ich wage zu behaupten, dass die Feuerwerkskoerper nicht gerade den europaeischen Standards entsprechen... schon die Tage zuvor wusste ich nie, ob es sich in meinem Stadtviertel um Boeller oder Gewehrschuesse handelte. Natuerlich um ersteres, aber erschrocken habe ich mich dennoch jedes mal. Der Gerauschpegel war so laut, das bei jeder Miniexplosion die Alarmanlagen der Autos angegangen ist... eine weitere Besonderheit am naechtlichen Weihnachtshimmel war das Aufsteigen von grossen Papierballons mit einer Kerze darin - sehr schoen anzusehen, aber der Effekt von brennendem Ascheregen ist auch nicht zu verachten.

Die Frage, ob es in Argentinien irgendeine Art von Weihnachtstradition gibt, muss ich ganz klar mit Nein beantworten. Es ist nicht so wie in Deutschland, dass sich alles einen Monat auf die Festtage vorbereitet z.B. in Form von Weihnachtsmaerkten etc. und die Feiertage dann den Hoehepunkt darstellen. Nein, es ist eher so, dass es ein Datum wie fast jedes andere auch ist und man sich abends mit der Familie zum Essen trifft, Mitternacht rumknallt, dann die Geschenke verteilt werden und dann JEDER schnellstmoeglichst versucht sich wieder aus dem Staub zu machen und auf irgendeine Party mit Freunden zu gehen. Die Nacht endet dann wie jede andere auch zum Fruehstueck und dementsprechend besteht der folgende Weihnachtsfeiertag aus kollektivem Absacken (ich habe die Stadt noch nie so leer wie gestern gesehen), anstatt von familiaerem Beisammensein...
Natuerlich gibt es auch einen grossen Anteil, die zur Messe in eine der unzaehligen katholischen Kirchen gehen, aber das war es dann auch schon mit der Besinnlichkeit.

Somit ist Weihnachten dieses Jahr fuer mich komplett ausgefallen, aber mal keinen Geschenkestress zu haben, war auch einmal schoen! :-)

Weihnachten!

15:30, 24.12.2007. Von Dorette

Heute ist Weihnachten... und es fuehlt sich ueberhaupt gar nicht so an! Bei bewoelktem Himmel und schwuelen 30º...!

Gestern bin ich aus meiner Wohnung ausgezogen, nachdem ich 2 Tage gebraucht habe, um alle meine Sachen zu sortieren, Mails zu schreiben und die schwierige Entscheidung zu treffen, was alles in den Rucksack soll. Am Ende ist es trotzdem bei unter anderem 4 Hosen, 2 Roecken und 4 Paar Schuhen geblieben - ich konnt mich einfach nicht entscheiden! Aber gut, wenn ich nicht mehr kann, wird aussortiert!

Meine letzten 2 Tage hier in Cordoba verbringe ich mit Jana, einer Freundin aus Berlin... passenderweise waren wir heute im "Casa Berlin" schoen deutsch fruehstuecken, damit an diesem Tag wenigstens so ein bisschwen Heimatgefuehl aufkommt.
Heute abend treffen wir uns mit allen deutschen Freunden im Haus von Sabine auf der Terrasse und veranstalten ein argentinisches Asado - zu deutsch grillen. Und es gibt sogar Geschenke :-) Jeder hat einen Namen zum Wichteln gezogen...

Ich denke dieses Weihnachten werde ich in ganz spezieller Erinnerung behalten, da es doch so anders ist...
An dieser Stelle moechte ich mich auch gleich fuer Eure Weihnachtsgruesse bedanken... Ich freue mich immer sehr, von euch zu hoeren, wie es euch geht, was ihr so macht....
Damit ihr auch ueber mein turbulentes Leben in den naechsten 12 Wochen informiert seid, habe ich beschlossen dieses Internettagebuch zu schreiben... Ich hoffe, ihr werdet Freude daran haben und so einen Eindruck bekommen, wo ich gerade bin und was ich mache!