Mendoza - Adventurehauptstadt Argentiniens
22:15, 9.01.2008. Von DoretteSo jetzt wirds wieder mal Zeit nen Reisebericht abzugeben! Die vergangenen 7 Tage war ich ja in Mendoza und folglich gibts auch wieder was zu erzaehlen :-)
Allen besorgten Familienmitgliedern sei erstmal mitgeteilt, dass sich der Magenvirus in Fast-Wohlgefallen aufgeloest hat und ich nicht den Onkel Doc aufgesucht hab, obwohl ich doch sehr kurz davor war ... waere sicherlich auch eine interessante Geschichte fuer diese Kolumne geworden, aber muss ja nicht sein, ne!
Nachdem ich also 2 Tage Zeit hatte meine Schmerzen zu pflegen, habe ich Donnerstag Abend gleich meinen ersten Besuch empfangen. Der Valentin, der mit seinem kleinen Moto von Cordoba 1500 Kilometer durch die Wueste, ueber die Anden bis nach Valparaiso an der chilenischen Kueste und zurueck in 5 Tagen gefahren ist... und in Mendoza halt gemacht hat. War schoen, Besuch aus meiner "argentinischen Heimat" zu haben!
Aber auch so haette ich wahrscheinlich nicht unter Einsamkeit gelitten, da ich in dem kleinen suessen Hostel auf jede Menge interessanter Leute getroffen bin. So habe u.a. Leute aus Brasilien, Kolumbien und Israel kennengelernt (und schoneinmal fleissig Adressen fuer die naechsten Reisen gesammelt ;) ... interessante Gegensaetze: mit 22 Jahren hat man in Brasilien und Kolumbien schon einen Uniabschluss in der Tasche und arbeitet beispielsweise schon als Rechtsanwalt (Ursache: bereits mit 4 Jahren wird die Schulbank gedrueckt) - waehrend man als FRAU in Israel gerade einmal seinen 2jaehrigen Militaerdienst hinter sich gebracht hat!
Den Freitag habe ich dazu genutzt bissl durch das Stadtzentrum zu schlendern, was wirklich unendlich gruen ist. Man sagt Mendoza hat mehr Baeume als Einwohner - was auch dringend noetig ist, denn sonst wuerde man das heisse und trockenen wuestenaehnliche Klima wohl kaum aushalten. Aber gerade diese Bedingungen scheinen fuer den Weinanbau perfekt zu sein, denn rund um die Stadt steht eine Weinsiedlung neben der anderen... aber nicht etwa, dass da so suesse kleine Haenge wie in Radebeul stehen, nene das wird richtig im Massenformat betrieben ... platte Felder, so gross wie Kartoffelplantagen! Aufgrund oben genannter Problemchen habe ich mir eine Weinverkostungstour allerdings geschenkt... :-(
Noch eine kleine interessante historische Begebenheit: 1861 wurde die Stadt komplett von einem Erdbeben zerstoert, das einzige historische Ueberbleibsel, die Rathausmauern, sind heute in einem Museum unterm Glasboden konserviert...
Am Samstag morgen ist dann die Claudia, auch aus Cordoba, angekommen und wir haben uns gleich auf die Socken gemacht, sind mit dem Bus in die Vorkordilleren gefahren bis zu einem klasklaren Stausee, noch ein Stueck den Rio Mendoza entlang gelaufen ... bis wir an der Rafting-Station angekommen sind! Da hatten wir auch gleich Glueck, denn die Tour mit sieben 8er-Booten wollte gerade starten... aber erstaunlicherweise erst nach einer 15minuetigen Sicherheitsinstruktion - haett ich ja nicht erwartet!
Kleiner Einschub zum Autofahrverhalten der Argentinier: Sicherheitsgurte benutzen nur Schlappschwaenze, die Fahrschule besteht aus 3 Stunden um den Block fahren oder gleich einfach den Lappen kaufen, Babys werde vorne auf dem Schoss transportiert ... ach und auf einer etwas groesseren Vespa fahren ganze Familien mit 2 Erwachsenen und 2 Kindern - geht alles - Unfallrate ist entsprechend angemessen....
Aber naja wenigstens beim Rafting kommt man in Argentinien nicht so schnell ums Leben und unser Boot ist auch nicht gekentert - dafuer haben wir die Abgetriebenen eines anderen aufgelesen. Ich waere da auch nicht so scharf drauf gewesen - da der Fluss doch schon seeeehr schokaladenbraun war. Aber alles nur Erde - Beweis: der Fluss muendet in oben erwaehnten Stausee, wo sich aller Dreck absenkt...
Hat also Spass gemacht - aber eine Stunde ist leider viel zu schnell vorbei!
Alle anderen Risikosportarten habe ich allerdings respektvoll gemieden - wie zum Beispiel Paragliding, Klettern oder sich am Seil wie Tarzan uebers Tal schwingen! (keine Provocacione, ne Frau Schmiedel ;-) (kleiner Insider am Rande)
Am Sonntag haben wir uns dann gemueltich einer kleinen Exkursion angeschlossen und sind im Minibus ueber den Andenstrasse, durch die hohen Berge bis zum Aconcagua (mit 6959m der hoechste Berg der westlichen Hemisphaere) an der chilenischen Grenze gekutscht ... und auf 4200 Metern war die Luft dann doch schon recht duenn fuer mich. Die ueber 3000 Meter Hoehendifferenz in wenigen Stunden haben sich bei mir sehr schoen mit Kopfschmerzen und Schwindel bemerkbar gemacht! Aber dafuer war dann der Ausblick auch entsprechend gigantisch und lohnenswert.
Aber auch der Weg war das Ziel: so sind wir durch das Tal gefahren, wo u.a. "Sieben Jahre in Tibet" und "Die Reise des jungen Che" gedreht wurden und haben die "Puente de la Inca" gesehen - eine steinerne Naturbruecke, die durch das sulfathaltige Wasser in allen moeglichen Gelbtoenen erstrahlt und um die sich diverse Mythen ranken. Die Inka sind anno dazumal auf ihrem Weg nach Sueden ungefaehr bis auf die Hoehe Mendozas gelangt...
Achso noch eine interessante Anektdote unserer Reiseleiterin: der Andenkondor ist wahrscheinlich eines der treuesten Tiere ueberhaupt - ganz im Gegensatz zum argentinischen Homo sapiens - wenn der Partner gestorben ist, schwingt sich der Hinterbliebene in hoechste Hoehen hinauf und begeht per Sturzflug ohne Anhalter quasi Selbstmord... eine tragische Liebe, oder!?
Nun ja, die restlichen zwei Tage habe ich dann sehr relaxt verbracht. Am Montag sind wir durch den riesigen Stadtpark gewandert, vor der Hitze in den Swimmingpool des Nachbarhostels gefluechtet und abends habe ich bei immer noch 30º C eine extra Runde auf dem Motorrad geniessen duerfen (vor dem ersten eigenen Auto werde ich mir definitiv eine Vespa zulegen! :-) ...
Gestern habe ich alle Vorbereitungen fuer meine Patagonien-Trekkingtour getroffen - und mich erstmal uebers Wetter informiert. 12ºC am Tage und 5ºC in der Nacht werden eine willkommene Abkuehlung ... nur der passende Schlafsack muss noch her! Denn sonst werden fuenf Tage Zelten kein Spass!
Heute habe ich meinen langen Weg nach Sueden mit einem kleinen Zwischenstopp in San Rafael begonnen, 3h suedlich von Mendoza... ein kleines Oertchen in einer wunderschoenen Landschaft mit vielen Stauseen und Fluessen gelegen. Morgen mache ich noch eine Exkursion durch einen Cañon mit und abends setze ich mich dann fuer 37 lange Stunden in den Langstreckenbus. Und nicht etwa, dass der Bus einfach mal gerade nach unten faehrt - nein, da gehts erst an die Ostkueste bis in den untersten Zipfel nach Rio Gallegos, wo ich mich mit Thomas treffe. Dann fahren wir nochmal 5 Stunden weiter nach Calafate im Westen, wo sich quasi unser "Basislager" fuer die Trekkingtour rund um den "Fitz Roy" befinden wird... aber dazu das naechste Mal mehr (in ca. 10-14 Tagen) !
Doritchen, dann bist du wohl gerade mitten in der besagten Trekkingtour... Na da bin ich ja echt gespannt, was du erzählen wirst!! :-) Und, sag mal, wer hat denn den Ausdruck der "westlichen Hemisphäre" geprägt? Alles Gute und schreib bald wieder. Dagmar
10:19, 19.01.2008. |