Fast am Ende der Welt
18:44, 22.01.2008. Von DoretteSeit nunmehr 10 Tagen befinde ich mich nun schon in Patagonien, im Land der kalten Winde und habe insgesamt 6 Naechte kurz ueber 0º C im Zelt ueberlebt, was uebrigens meinen Zeltrekord darstellen duerfte. Lasch, ich weiss! :-)
Doch von vorne. Erstmal musste ich mich ja 20 Breitengrade und knapp 3000 Kilometer nach Sueden bewegen. Die Hoehepunkte dieser am Ende doch recht kurzweiligen Fahrt waren ein dauerhaft kotzendes Kind direkt hinter mir, Hollywood-Schmachtfetzen in der Dauerschleife und eine Einladung zum Mate-Trinken ins Busfahrercockpit auf den letzten 300 Kilometern... als Auslaenderin ist man doch immer wieder interessant!
Am vorletzten Samstag mittag bin ich dann schliesslich wankend aus dem Bus gestiegen und wurde auch gleich von Thomas (auch ein Dresdner, den ich in Cordoba kennen gelernt habe) in Empfang genommen. Kurzerhand beschlossen wir gleich mal das neu erstandene Zelt auf nem Minicampingplatz der oertlichen Tankstelle auszuprobieren... Der Rest des Tages bestand dann in muehseliger Suche nach allen noetigen Ausruestungsgegenstaenden fuer unser kleines Campingabenteuer, was bei Naesse und Kaelte nicht wirklich viel Spass machte... und so hatte ich mir auch gleich eine nette kleine Erkaeltung als Begleiter eingeladen.
Nun ja, am naechsten Tag gings 5 Stunden weiter gen Westen nach El Calafate, wo wir alles noetige Essen fuer die naechsten 5 Tage besorgt haben und am Montag folgte dann die letzte Etappe der Anreise - die Fahrt nach El Chalten, das juengste Dorf Argentiniens und Ausgangspunkt fuer alle Trekker ins Bergmassiv rund um den Fitz Roy...
Jetzt konnte es endlich losgehen! Von 400m stiegen wir an diesem Tag hinauf auf 1100m - aber das bemerkte ich kaum, da ich von Anfang an von der wunderschoenen Landschaft in den Bann gezogen wurde. Zunaechst wirkte alles sehr wie in den Alpen. Doch mit den Tagen zeigte sich mir vor allem die von Europa sehr verschiedene Vegetation. So liefen wir durch eine Landschaft mit sehr viel Wald, Baeume von den Winden gekruemmt, Suempfe und Flusstaeler mit riesigen Gesteinsbrocken. Ein Bild, was sich nur schwer beschreiben laesst... Und der Blick auf die Berge war natuerlich unser staendiger Begleiter. Nachdem die vergangenen Tage wohl von sehr sehr schlechtem Wetter gepraegt sein mussten, hatten wir richtig Glueck, es klarte auf und die folgenden Tage hatten wir fast konstant stahlblauen Himmel mit Zuckerwattewolken.
Ziel diesen ersten Tages war ein Gletschersee, eingerahmt von viel Eis und dem Cerro Torre - neben dem Fitz Roy der markanteste Berg der Region mit mehreren "Nadelspitzen" ... eine unvergessliche Szenerie!
Ach ja, besonders eindrucksvoll finde ich auch, dass es in diesen Breitengraden fast bis Mitternacht hell ist! Gegen 22 Uhr hat man das Gefuehl noch gut 4 Stunden Zeit zu haben bis es mal angebracht waere schlafen zu gehen! Sobald dann jedoch die Sonne verschwunden ist, sinken die Temperaturen rapide! Und so habe ich diese erste Nacht auch kaum geschlafen vor lauter Froestlichkeit... erst gegen 6 Uhr, als es langsam wieder hell wurde, fiel ich in Tiefschlaf und so habe ich leider auch einen wohl wunderschoenen Sonnenaufgang verpasst...
An diesem zweiten Tag haben wir dann wieder unsere ca. 12kg schweren Ruecksaecke geschultert und uns zum naechsten Campingplatz aufgemacht, erneut durch einen wunderschoenen Maerchenwald und vorbei an zwei Lagunen ("Mutter und Tochter" genannt). Allerdings brauchten wir erneut das doppelte der angegebenen Zeit und es war klar, das wir die angegebenen Strecken in den naechsten Tagen so nicht schaffen wuerden. Also beschlossen wir auf dem zweiten Campingplatz zu bleiben und von da aus Tagestouren zu machen - und da war ich auch gar nicht boese drueber! :-)
Am naechsten Morgen habe ich mich dann auch schon morgens um 7Uhr aus meinem warmen Nest geschaelt und ins kalte gewagt, um doch nochmal diesen einzigartigen und sehr kurzen Moment zu erleben, wenn die Sonne aufgeht und die Berge in tiefrotes Licht taucht... einmal wach, bin ich dann auch gleich aufgestiegen zu einem Gletschersee direkt unterhalb des Fitz Roy ... blaueres Wasser habe ich noch nie gesehen! Und so sass ich da fast 4 Stunden einfach nur rum und habe den Anblick genossen!
Der folgende Tag war dann doch etwas grauer, aber das hat uns nicht davon abgehalten, das Flusstal hinab zu wandern, durch eine "Endmoraene" (jaja Geographie-Unterricht laesst gruessen) ueber riesige Gesteinsbrocken zu klettern und wiedermal vor einem Gletscher zu stehen und Baukloetzer zu staunen... Auf dem Rueckweg sind wir an einer schoenen Hosteria vorbeigekommen (wie eine Art Alpenhuette) und ich war total gluecklich nach 4 Tagen mal wieder in einem warmen Zimmer auf nem bequemen Sessel zu sitzen, einen Kaffee zu trinken und Apfelkuchen zu essen! Mehr braucht der Mensch manchmal gar nicht um gluecklich zu sein!
Und dann waren die Tage auch schon wieder gezaehlt, am Freitag sind wir ins Tal abgestiegen und nach Calafate zurueckgefahren - wo ich seeeeehr gluecklich war wieder einmal eine Dusche von unten zu sehen!!!! Denn im Nationalpark waren die Campingplaetze natur pur - EINZIGER Luxus war ein Plumpsklo! Von daher war ich eigentlich ganz froh erkaeltet zu sein - denn so musste ich nicht den Gestank im Zelt ertragen, jaja :-)
Aber der Hoehepunkte noch nicht genug! Am vergangenen Samstag habe ich dann gleich noch die Tour zum fuer Argentinien sehr beruehmten Gletscher "Perito Moreno" gemacht - gigantisch!!!! Mit 5 km Breite und 60 m Hoehe ist er wirklich beeindruckend riesig... und vor allem die Geraeuschkulisse! Staendig knackt und kracht es und Eisbrocken fallen mit lautem Getoese ins Wasser...
Nun bin ich seit 2 Tagen auf der chilenischen Seite von Patagonien, um genau zu sein in Punta Arenas ("Sandspitze") an der Magellanstrasse ... und habe somit den suedlichsten Punkt meiner Reise (und auch fast das sogenannte Ende der Welt in Feuerland) erreicht!
Hier gibt es eigentlich nicht sehr viel zu sehen, ausser Wasser - und PINGUINE! Heute habe ich mich mal wieder einem Touri-Ausflug angeschlossen und mit dem Motorboot ging es rasant auf die eine halbe Stunde entfernte Isla Magdalena - auf der wirklich nur Pinguine leben!!! Man steigt aus und alles bis zum Horizont ist voller schwarz-weisser Punkte!!! Und wie sueessss die sind! Gerade vor einer Woche sind die Baby-Pinguine aus ihren Erdloechern hervorgekrochen und die haben noch ganz wuschliges graues Fell! Hach, schwaerm....! Und auf der Rueckfahrt haben wir noch an einer ganz kleinen Insel gestoppt, wo es eine Kolonie von Seeloewen gibt... die tuemmeln sich da alle am Steinstrand und machen echt unglaublich viel Laerm!
So jetzt habt ihr es geschafft ! Noch ein kleiner Ausblick: Uebermorgen gehts (endlich) wieder in waermere Gefielde gen Norden - aber diesmal nicht so langweilig mit dem Bus, sondern mit dem Faehrschiff ca. 1000 km an der chilenischen Kueste hinauf nach Puerto Montt... drei schoene lange Tage auf dem Pazifik und durch die Fijorde! Ich hoffe sehr nicht seekrank zu werden! :-)
Cool Dorit! Und wo sind die Fotos der "nicht zu beschreibenden Szenerien"?
20:29, 27.01.2008. |