Durch die Fijorde auf die Insel

23:32, 2.02.2008. Von Dorette

So fuhr ich also vorletzten Donnerstag weg von der Magellanstrasse und meinen Pinguinen in das kleine Fischerstaedtchen Puerto Natales, wo mich die "Navimag-Faehre" in aller Groesse und Breite empfangen hat ... Doch bevor wir schaetzungsweise 150 Passagiere das Schiff gegen 22 Uhr endlich betreten konnten, habe ich den "dramatischsten" Sonnenuntergang meines kurzen Lebens geniessen duerfen - ein wirklich unglaubliches Farbenspiel zwischen Bergen und Wolken.
Meine unterste Klasse C-Kabine habe ich mir mit 3 SchweizerInnen geteilt ... aber eigentlich noch mit ungefaehr 50 anderen, denn die echt gemuetlichen  Kojen mit Vorhang waren in einem mehr oder weniger undurchsichtigen Gangsystem wie Schraenke nebeneinander gestellt, sehr lustiger Anblick.

Tja am naechsten Morgen 5.30 Uhr hat es dann 3x gegongt wie im Theater, die Leinen und der Anker wurden geloest und es ging los! 1500 Kilometer durch die Fijorde, vorbei an einem Gletscher und schneebedeckten Vulkanen, 12 Stunden durch den "Golf des Leidens" und ueber den Ozean mit ordentlichem Seegang, bis wir schliesslich wieder ueber etwas ruhigere Kanaele sicher am Montag morgen 4 Uhr in den Hafen von Puerto Montt einsegelten!

Zu den visuellen Hoehepunkten fuer mich gehoerten definitiv der Wechsel zwischen Nebellandschaften und sagenhaftem Kreuzfahrtwetter, das Sternenmeer, vor uns her schwimmende und springende Delfine, sowie zwei Walfischflossen in weiter Entfernung! Ach und an einem vor ueber hundert Jahren auf einem Fels gestrandeten Segelschiff aus England sind wir auch vorbeigekommen! Ein echtes Geisterschiff, das da immer noch genau so rumsteht! Ach und weiter noerdlich in den Fijorden schleppen die Fischer ihr kleines Haeuschen auf einem Boot einfach bis zum naechsten Ort, wo es wieder was zu fischen gibt!

Ansonsten waren die Tage gepraegt von Essen, lesen, schlafen, faul rumliegen und die Leute kennen lernen. Letztendlich gab es nicht sehr viele Aufenthaltsmoeglichkeiten und so ist man schnell uebereinander gestolpert. Zu meinem grossen Glueck war ich eine unter vielen alleinreisenden Backpackern, die sich dann auch schnell alle gefunden haben! War am Ende eine richtig nette Ferienlager-Stimmung! :-)

Und so stand ich am Montag morgen mit einem Hamburger Paerchen, jer einem Berliner, Schweizer, Italiener, Waliser und Australier auf der Pier und keiner wusste so richtig wohin. Also beschlossen wir kurzerhand uns einen Minibus zu mieten und auf Chiles groesste Insel Chiloé zu fahren, von der uns in den letzten Tagen aus allen Ecken vorgeschwaermt wurde!

Am Hafen beging ich dann eine der groessten Dummheiten, die man in Suedamerika so begehen kann - naemlich fritiertes Essen von einem Strassenverkaeufer zu kaufen - eine Empanada und auch noch mit Meeresfruechten. Die Quittung folgte recht schnell in Form von fuenf Stunden intensivsten Magenkraempfen... eine Fischvergiftung oder weitere nette Krankheiten blieben gottseidank aus.

Aber egal, von der schoenen Landschaft, die der Lueneburger Heide gar nicht mal so unaehnlich war, habe ich doch noch einiges mitbekommen.... und ich war das erste Mal am Pazifik! Wirklich unglaublich weiter breiter Strand! Und da ich ja jetzt sehr Pinguin-verliebt bin, konnte ich eine kurze Bootstour rund um 3 inselchen mit Magellan- und Humboldt-Pinguinen natuerlich nicht auslassen!
Den Rest des Tages fuhren wir gen Sueden der 250 Kilometer langen Insel und suchten verzweifelt nach einem im Lonely-Planet beschriebenen Zeltplatz und wurden von Pontius zu Pilatus geschickt... irgendwann haben wirs dann aufgegeben und sind erstmal was essen gegangen - eine riesige Platte mit Austern und Miesmuscheln (fuer Kenner: ca. 15cm im Durchmesser) - ausser fuer mich natuerlich!
Naja irgendwann nach Mitternacht haben wir dann auch noch ein Plaetzchen zum Schlafen gefunden!

Den zweiten Tag sind wir wieder durch die Gegend gekurvt, haben uns ein paar fuer die Insel typische 300 Jahre alte Holzkirchen angeguckt (diesmal sehr im Norwegen-Style)... ach und im Fischhafen haben wir noch nen Lachs und riesige Koenigskrabben eingekauft, die wir dann abends zusammen mit lecker Steack auf den Grill gehauen haben... lecker!!!!

Dieser Morgen barg dann noch eine kleine Abwechslung im naturnahen Zeltplatz-Leben: Aufgrund von menschlichen Beduerfnissen war ich gerade kurz nach halb acht munter geworden, als es irgendwie wackelte - komisch dachte ich, ich bin doch gar nicht mehr auf dem Schiff! - aber tatsaechlich hat ca. 1 Sekunde die Erde gebebt!

An diesem dritten und im Prinzip auch schon wieder letzten Tag sind die Jungs - allesamt fleissige Patagonien-Trekker - insgesamt fast 30 Kilometer den Strand hoch und runter gewandert, waehrend ich es vorgezogen habe, mich einfach in den Sand zu packen und Wellen zu gucken und hab mich sogar ins doch recht frische Wasser reingewagt, das konnt ich mir einfach nicht entgehen lassen!

Ja und am naechsten Morgen sind wir dann bei suppenkuechen-wetter (so wie es eigentlich in der Gegend ueblich ist - 6000 mm Niederschlag pro Jahr) aus dem Zelt gekrabbelt und mussten feststellen, dass gleich vier von uns die Magen-Darm-Grippe erwischt hat... dank meiner Empanada war ich selbst wohl schon resistent ;) Naja so ging es mehr schlecht als recht fast 5 Stunden nach Puerto Montt zurueck und ich hab 5 Minuten vor Abfahrt noch eins der letzten Bustickets nach Bariloche ergattert! Zum Glueck, denn ich hab mich echt schon wahnsinnig doll nach meinem Argentinien gesehnt!

Und damit ihr wieder den Durchblick bekommt, wo ich mich nach zig mal Routenaenderung eigentlich befinde, hier nochmal ne Karte...

Und als ich dann am Donnerstag abend endlich wieder in der Zivilisation angekommen bin, habe ich gleich meine Mails gecheckt, denn schon seit einer Woche hatte ich auf Nachricht aus Dresden gewartet - und tatsaechlich genau an dem Tag ein paar Stunden zuvor bin ich Tante einer kleinen gesunden Marie geworden!!!

 

Kommentare Hinterlassen.

Kommentare

  1. Tu viaje von (Anonymous)

    Guapa, klingt nach ner interessanten Reise - aber ohne Bilder doch schwer vorstellbar! Bist du jetzt auf dem Weg zurück nach Cordoba?

    Allen Beteiligten herzlichen Glückwunsch zu Marie! :)

    LG, Dagmar

  2. Unbenannter Kommentar von (Dorit)

    jaja ich merk schon, bist ganz ungeduldig! :-)))
    ich werd mich dann in den naechsten Tagen wohl doch mal bemuehen ein paar Bilder bei Studi-VZ hochzuladen!

  3. Marie von (Anonymous)

    Ja Deiner Nichte Marie geht es super! Sie kann es kaum erwarten Dich kennenzulernen!