Berge, Seen & Schokolade
11:46, 13.02.2008. Von Dorette... na wonach klingt das? Richtig - nach der Schweiz! Aber ich bin doch in Argentinien werdet ihr euch jetzt fragen!? Komisch, ne! Das fand ich auch... Schon als ich vom chilenischen Puerto Montt ueber die Anden zurueck nach Argentinien gefahren bin, bekam ich immer staerker das Gefuehl nach Europa zu fahren. Vorbei an vielen Seen und durch schoene gruene Waelder. Und genau das gleiche Bild erwartete mich dann auch in San Carlos de Bariloche ... ein relativ kleiner, aber sehr touristischer Ort, der erst 1902 von deutsch-schweizerischen Einwanderern gegruendet wurde. Das Paradoxe ist, das so eine schweizerische Bilderbuchstadt mit vielen Holzhaeusern und unglaublich viel Verkaufsstellen von selbstproduzierter Schokolade geschaffen wurde, in einer Region, die viele Jahrhunderte oder Jahrtausende (?) zuvor von den Mapuche bevoelkert wurde. Und so tragen noch heute viele Seen und Berge indigene Namen. Der groesste See des Nationalparks, der Lago Nahuel Huapi bedeutet "Insel des Tigers / Jaguars" und der Name der Stadt Bariloche bedeutet frei uebersetzt "Menschen hinter dem Berg", da sich die Mapuche da lange erfolgreich vor den Siedlern versteckt gehalten haben...
Trotz oder vielleicht auch gerade wegen der Aehnlichkeit zur Heimat, die ja bekanntlich doch am schoensten ist :-) ... habe ich mich in der Gegend da sehr wohl gefuehlt! Ich habe mich verschiedenster Verkehrsmittel bedient und bin so zum Beispiel mit der Seilbahn auf den Cerro Otto gefahren, wo sich wie auf dem Berliner Fernsehturm ein sich um sich selbst drehendes Restaurant befindet und wo man einen unglaublich tollen Blick ueber alle umliegenden Berge und Seen geniessen kann...
(an dieser Stelle sei bemerkt, dass ich echt versucht habe, Bilder bei Studi-VZ hochzuladen, mir das aber aufgrund des Low-Speed-Internets nicht wirlich gelungen ist - also muesst ihr euch wohl noch ein bisschen gedulden mit der visuellen Unterfuetterung!)
An einem weiteren Tag habe ich mir ein doch erstaunlich gutes Mountainbike in meiner (!) Groesse samt Sturzhelm (!) ausgeliehen und bin 35 km bei ordentlich Sonne fleissig die Huegel hoch und runter geradelt.. natuerlich mit vielen Pausen und Aussichten geniessen! Total fertig kam ich abends an der Ausleihstelle wieder an ... wie deprimierend, wenn man am Ziel einen Hobbyradfahrer trifft, der das Ganze in 1,5 h absolviert hat und noch total fit und munter ist! Naja sollte dann doch mal wieder an meiner Kondition zu Hause basteln!
Mit ordentlichem Muskelkater kam es mir gerade recht, dass ich fuer den naechsten Tag sowieso schon eine Tourigondel-Busfahrt entlang der "Sieben Seen" gebucht hatte.. Leider war die Strasse grad "en construccion" und so hat man vor lauter Staub und Knochen-Durchgeschuettel nicht mehr wirklich viel von der Landschaft mitbekommen! Aber naja nachmittags gings die ueber 200 km auf der Rueckseite des Bergsattels zurueck, was das totale Kontrastprogramm war. Ploetzlich wieder alles patagonische Grasssteppe und nackte Berge ohne jegliche Vegetation... aber mindestens genauso spannend, aufgrund der abstrusen Felsformationen, in die man alles moegliche hinein interpretieren kann!
Und an meinem letzten Tag in Bariloche bin ich zusammen mit meinem Zimmernachbarn Eldad aus Israel losgezogen, um ganz entspannt ein bissl reiten und baden zu gehen. Dieser "Reisegefaehrte", der mir viel ueber die aktuelle Palaestina-Israel-Situation erzaehlt hat, soll hier besondere Erwaehnung finden, da er mich mit den israelischen Backpackern wieder etwas versoehnt hat...
Bis jetzt habe ich davon noch nicht erzaehlt gehabt, aber ein was, was im Sueden WIRKLICH nervig war, waren die Israelis! Wirklich jedes Hostel war zu 70% von Israelis bevoelkert, die alle in riesigen Gruppen von 10-15 Leuten reisen, alles in Beschlag nehmen und dabei nicht gerade leise sind... mal ganz abgesehen davon, dass sie sich regelrecht abkapseln, sich froehlich in Hebraeisch anschreien und der Grossteil nicht wirklich daran interessiert ist, Leute aus anderen Laendern kennen zu lernen...
Als Hintergrundinformation muss man wissen, dass alle jungen Leute in Israel nach der Schule dem Militaer dienen muessen, aber danach sozusagen als Entschaedigung von der Regierung eine Art Reisezuschuss bekommen, der reicht um 6-12 Monate durch BILLIGE Laender zu reisen, was mittlerweile zu einer Art Tradition geworden ist. Und so findet man sie ueberall in ganz Suedamerika, Asien und Afrika ... niemals jedoch in Europa, den USA oder Australien.
Das Anliegen dieser Weltreise finde ich durchaus verstaendlich... denn es ist nichts anderes, als der Wunsch nach Vergessen. Denn nach einem Jahr Ausbildung dienen die Jungs 2 Jahre an der Grenze und die Maedels 1 Jahr... mit allem Schrecklichen, was man sich so vorstellen kann... Gerne haette ich mich eigentlich mehr mit den Israelis ueber das Thema unterhalten, aber ich hatte immer das Gefuehl, das man das nicht einfach so mit jedem x-beliebigen ansprechen kann. Und so war ich ganz froh, dann doch noch einen alleinreisenden Israel etwas naehr kennen zu lernen, der mir das alles mal ein bisschen naeher erklaert und erzaehlt hat... vor allem wer da eigentlich mit wem und warum ein Problem hat. Irgendwie hoert man ja staendig davon im Fernsehen, aber ich persoenlich habe da total den Ueberblick verloren... Interessant fand ich auch, das man im alltaeglichen Leben gar nicht soviel von den ganzen Konfliktherden mitbekommen wuerde, im Gegensatz zu dem Bild, das von den Medien gezeichnet wird. Dennoch sei die politische Lage wohl so angespannt, das ein Krieg nur noch eine Frage der Zeit sei, da alle Kompromissangebote Israels von den Extremisten unter den Palestinaensern permanent unterlaufen und abgeblockt wuerden...
...so und wie bekomme ich jetzt die Kurve? Schwieriges Thema!
Aber ein was muss unbedingt noch Erwaehnung finden! Die Schokolade!!!! In allen Geschmacksrichtungen und garantiert handgefertigt! Ein Traum...!!!!! Wie gerne haette ich euch was mitgebracht, aber ich glaube, das wuerde als Schokaldensuppe in Deutschland ankommen! Deshalb bleibt mir nur uebrig euch den Mund waessrig zu machen ;)
Und um den zeitlichen Bogen noch zu schliessen: Die vergangenen 7 Tage habe ich Córdoba verbracht, sozusagen als kleine "Ferien von den Ferien"! Den so wochenlanges Rumreisen ist schon ganz schoen anstrengend! Und so habe ich hier ein paar meiner Freunde und meine Tandempartner wiedergetroffen, habe Tango getanzt und zwei Ausfluege in die Sierras gemacht ... also alles das, was ich in den letzten Wochen schon vermisst hatte!
So und heute Abend setze ich mich mal wieder fuer 15 Stunden in den Bus und komme morgen mittag in Santiago de Chile an, wo ich mich mit der Jule treffe!!! Gemeinsam werden wir dann den Norden von Chile und Argentinien unsicher machen... mal sehen, wo es uns so hintreibt!