Himmel & Hoelle

12:40, 28.02.2008. Von Dorette

...und ja meine wurden Erwartungen erfuellt! Quechua-Indianer, Vorsicht mit jeglichem Obst, Gemuese & Trinkwasser und diverse Krankheiten... im Lonely Planet steht zwar eine kurze Randbemerkung: "Aufgrund der Hoehenlage sollte man sehr viel Wasser trinken" - aber welche Auswirkungen diese Hoehenlage von 4000 bis knapp 5000 Meter auf den Organismus hat,  davon hatten wir keine Vorstellung!

Doch von vorne. Am Samstag vormittag sind wir zunaechst mit einem Kleinbus von San Pedro de Atacama auf den Grenzpass zu Bolivien hochgefahren. Der wohl einsamste Grenzposten weit und breit... ein Haeuschen im Nirgendwo, mit einer Schranke, die man ohne Probleme links und rechts weitraeumig haette  umfahren koennen!
Gemeinsam mit unseren Mitreisenden, einem franzoesischen Paerchen, einem Japaner und einem weiteren deutschen Maedel haben wir bei dem letzten leckeren Fruehstueck fuer die naechsten Tage auf unseren Jeep gewartet. Der kam dann auch mit einiger Verspaetung und spuckte seine mehr als kranken Passagiere aus, die von da kamen wo wir hinwollten - so bekamen wir schonmal den ersten Eindruck, was uns erwarten wuerde! Gegen Mittag ging es dann los, mit unserem Fahrer José, 21 Jahre alt, der an diesem Tag schon 6 Stunden Fahrt ueber Stock und Stein hinter sich hatte und mehr schlief als wach war am Steuer ... nun ja, wir leben noch.

An diesem ersten Tag erwartete uns dann auch schon eine faszinierende Landschaft nach der naechsten. Vorbei ging es Vulkanen, an der "Laguna blanca" und "Laguna verde", zu den heissen Thermen (wo ich auch mal reingesprungen bin) bis zu unserem hoechsten Punkt (ca. 4850 m), den Geysieren "Sol de Mañana", wo nach Schwefel stinkender Schlamm aus dem Boden brodelte - sehr beeindruckend und auch etwas furchteinfloessend! Denn vor einigen Jahren soll wohl mal ein Tourist zu nah rangegangen, eingebrochen und in der ueber 100º heissen Fluessigkeit verbrannt sein... von da aus fehlte dann nicht mehr viel und wir sind an unserer ersten Unterkunft, eine Siedlung von Refugios fuer die unzaehlichen Jeeptouristen, wiederum im Nirgendwo angekommen... nach einer Staerkung mit salzigem Tuetenkartoffelbrei und fritierten Wuerstchen, haben wir noch den letzten Abstecher des Tages zur "Laguna Colorada" gemacht... diese fand ich am beeindruckendsten, da sie ihrem Namen "Vielfarbigkeit" alle Ehre macht.... Die Lagune ist ganz rot, da sie von Algen durchzogen ist, die gleichzeitig die Nahrungsgrundlage fuer die unzaehligen Flamingos sind!

Naja und um nochmal auf die Symptome dieser Hoehenlage zurueckzukommen - dieser Tag war gepraegt von stechenden Kopfschmerzen, Schwindel, Uebelkeit, Durchfall und Schnellatmigkeit... Schon nach 10m Gehen hatte man das Gefuehl einen 100m-Sprint hingelegt zu haben!
Dementsprechend war die Nacht dann auch relativ schlaflos, mal abgesehen davon, dass es ECHT kalt war (ich glaube ihr in Deutschland hattet es vergangenes Wochenende definitiv waermer als wir :-)...

Am naechsten Tag ging es dann weiter durch die Steinwueste, vorbei an bizarren Felslandschaften, die durch die Erruptionen der umliegenden Vulkane in den letzten Jahrtausenden entstanden sind, und wiederrum vorbei an einigen Lagunen... Am Nachmittag kamen wir dann im ersten Dorf weit und breit an, wo eigentlich nur Minenarbeiter und deren Familien wohnen... wir fanden dann unsere Unterkunft im mehr oder weniger komfortablsten Haus, was wohl extra fuer die Touristen mit viel Kitsch eingerichtet worden war. Sogar einen Fernseher und eine Dusche gab es :-) ... und hier kamen wir auch das erste Mal in Kontakt mit der indigenen Bevoelkerung von Bolivien. Frauen, die ihre Kinder im Tuch auf den Ruecken tragen, eine Schuerze, ganz lange schwarze Zoepfe und einen "Charly-Chaplin-Hut" tragen, praegen das Strassenbild...

Nun ja, nachdem wir diese Nacht um einiges besser verbrachten als die erste, wartete am naechsten Morgen eine boese Ueberraschung auf uns. Nachdem Mugy, der Japaner, am vergangenen Tag immer noch ueber Kurzatmigkeit geklagt hatte, hatte er diesen Morgen boesen Husten und Wasser in der Lunge (auch Lungenoedem genannt)... da hiess es wirklich schnell handeln. Wir haben den einzigen "Sanitaeter" (nicht Arzt) im Dorf gerufen, der hat im eine Spritze verpasst und so war er zumindest in der Lage weiter zu reisen... naja diese letzte Etappe bis zu unserem Endziel, der Salzwueste von Uyuni, haben wir dann relativ stillschweigend verbracht, da wir alle ziemlich geschockt waren...

Aber dennoch konnten wir alle dann noch am Nachmittag dieses einzigartige Naturschauspiel erleben ... ein 12.000km2 grosser "See" nur aus Salz ... umgeben von einer Kulisse aus Bergen mit dunklen Wolken in der einen Richtung und ein Nichts bis zum Horizont mit azurblauen Himmel in die andere Richtung! Da aufgrund der Regenzeit im Januar, die Salzwueste zum Grossteil mit Wasser ueberzogen war, konnten wir nur ein kleines Stueck bis zum "Hotel de Sal" (ein Haus nur aus Salzbloecken gebaut) fahren... aber das hat auch schon gereicht, um einen unausloeschlichen Eindruck zu hinterlassen!
Auch hier gilt natuerlich, dass man das nur mit Worten kaum beschreiben kann ... Bilder werden folgen!

Vollgestopft mit Eindruecken sind wir dann zurueckgekehrt nach Uyuni, die groesste Stadt der Umgebung... letztendlich auch nicht mehr als ein Dorf aus Huetten, wo der Muell im Zentrum der Strassenkreuzungen gesammelt wird und nur die drei Strassen im Zentrum asphaltiert sind... dort war auch Endstation fuer die Franzosen und den Japaner (der sich auf zum naechsten richtigen Arzt gemacht hat), und so haben wir 3 Maedels plus ein Chilene noch am Nachmittag die Rueckreise inklusive Zwischenuebernachtung angetreten.. natuerlich wiederum ueber Pisten ohne Worte, wo der 4x4-Jeep seinem Namen alle Ehre machen konnte...

Und so sind wir am Dienstag gluecklich, zufrieden und erschoepft wieder in San Pedro angekommen! ... wo wir allerdings das gemacht haben, was wir die Tage zuvor so erfolgreich vermieden haben, naemlich Obst zu essen... natuerlich prompt mit dem Ergebnis, dass wir gestern morgen mit nem kurzen Weg zur Toilette aufwachten und quasi bis heute kaum bis gar nicht aus dem Bett aufgestanden sind! Aber auch das gehoert wohl dazu, wenn man mal in Suedamerika gewesen ist...

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