Analyse

00:01, 1.09.2006 .. 0 Kommentare .. Link
Das ist ja mal ein Kommentar. Zu dem hier vor geraumer Zeit veröffentlichten Gedicht "Sie/Rückweg" hat uns unser Leser Archangel eine Analyse geschickt. Ist ja fast wie Schule hier. Da der Link zu dem Gedicht leider nicht funktioniert poste ich es hier gleich als ersten Kommentar. Und hier Archangel Analyse dazu:

 

Erste Zeile:

 

Schon hier deutet sich eine gewisse Spannung an, denn was ist aufregender als eine tiefe dunkle Nacht. Deutlich wird der Kontrast  zur vorletzten Zeile des Gedichts: ???Früh ist es am schönsten“. Es deutet sich schon hier ein Wechsel der Gefühle an. Wie in einem Leben, welches durch ständige Gefühlsschwankungen durchaus beeinflusst wird, denn bei guter Laune trifft mensch  eher positive Entscheidungen als bei Wut. Was die Nacht so schön macht hoffet jeder Leser nun in deinen Zeilen herauslesen zu können...vermutlich ein Liebesgedicht oder doch nicht?!

 

Strophe1:

 

Alle Hoffnungen auf eine schöne Nacht werden schon hier genommen, denn ???Die Sonne schickt die ersten Farben an den Rand des Himmels“ (Z.2). Es scheint als beginne nun eine lange Reise ohne Ziel. Der Autor  machst deutlich, dass das lyrische ich von Freunden kommt ???Du hättest mit den anderen fahren können“ (Z.6). Vier mal hintereinander beginnt eine Zeile mit ???Du“, dabei ist natürlich vom Autor die Rede, da ich dieses Gedicht unter dem Gesichtspunkt betrachte dass das  lyrische Ich= dem Autor ist(Er=Autor). Eine versteckte Autobiografie sozusagen.

Ganz allein fährt er  im Morgengrauen(wird durch die ersten Sonnenstrahlen deutlich) durch die Gegend...ganz alleine ohne die anderen, denn er hat diesen Weg gewählt alleine zu fahren. ???...du bist nicht einsam“ (Z.8) deutet jetzt zum ersten mal auf die Überschrift hin, auf ???Sie“ wer auch immer diese Sie sein mag. Er muss ständig an sie denken während der Fahrt ???Sie ist bei dir Deine Gedanken sind bei ihr“ (Z.9) Vermutlich handelt es sich hier um eine verschmähte Liebe, eine Geliebte, die Frau in seinem Leben die ihm noch immer den Kopf verdreht.

 

Strophe2:

 

Das ist der Übergang von seinen Gedanken an Sie in die letzte Erinnerung die er an Sie hat, der Abschied. Nun kommt ein schöner Gegensatz:

???War je ein Abschied trauriger?

  War je ein Abschied schöner?“ (Z.11f.)

???Du hättest mit den anderen fahren können“ (Z.6) fällt mir da ganz spontan ein, denn Sie scheint ja unter den anderen gewesen zu sein, vielleicht auf dem Schulhof oder so, ich weis es nicht. Er selbst hat diese Entscheidung getroffen diesen Weg zu gehen, ganz alleine. Niemand hat ihn davon abgehalten. Nun fühlt er sich traurig und glücklich zugleich, traurig das er sie eine Weile oder vielleicht nie wieder siehst? Glücklich das er einen Abschiedskuss oder wenigstens eine vertraute Umarmung genießen durfte? Es gehört im Leben zu den größten Herausforderungen ???den richtigen“ Partner zu finden, unbestritten. In den ersten Zeilen deines Gedichts kommt die auch zum Ausdruck, vor allem bringt er seine Gefühle für diese ???Sie“ zum Ausdruck. Er kannst nicht aufhören an Sie zu denken, schon gar nicht wenn er ganz alleine unterwegs bist...

 

Strophe 3-5:

 

Ich fasse diese drei Strophen mal zusammen, da ich denke dass man ihren Inhalt gut miteinander verknüpfen kann. Die Fahrt geht nun nach einem kurzen Gedankenausflug wieder weiter. ???Du fährst über offenes Feld“ (Z.13) seine Blicke schweifen weit in die Ferne, er denkt an Sie und fährst ganz unbetrübt, könnte die Fortsetzung lauten...

Der nächste Gegensatz macht sich breit, diesmal ist es nicht Freude und Trauer sondern Licht und Dunkel (Z.14f) wobei Licht für Freude stehen könnte und Dunkelheit für Trauer. Auffällig ist das dunkel zuerst steht genau wie die Trauer in Zeile 11. Er fährt dann weiter auf einer Straße, was auf eine städtische Region hindeutet. Dann wiederum kommt eine ???Allee“ ins Spiel (Z.17). Wie gewohnt wieder ein Gegensatz, Allee in der kein Licht ist und eine hell erleuchtete Straße. Weiterhin kann er nichts erkennen, aber andersherum sieht er ein klares Bild vor sich. Es scheint langsam als würde er etwas abwägen...Also immer ein hin und her zwischen ja und nein, vielleicht die große Liebe oder doch eine Illusion?

In Strophe fünf wird deutlich dass es sich um einen ???neuen Anfang“ (Z.22) handelt. Frisch duftende Felder und ein Sommergeruch sind sehr positive Zeichen und machen den Neuanfang deutlich. Vielleicht ein Wendepunkt in diesem Gedicht.

 

Ich mache hier mal einen kurzen Einschub, da mit etwas auffällt, denn meine Vermutung des Wendepunktes könnten wirklich stimmen. Ich will damit sagen das viele deiner ersten Zeilen mit ???Du fährst“ (Z.3, 8, 13,16) beginnen bzw. es dabei immer um die Fahrt geht. Den Übergang stellt Zeile 23 dar, dort fährt er, aber es kommt der nächste Aspekt hinzu, ich meine damit den ???weiten Weg“ der vor ihm liegt (Z.23,29,31,37). Wie im ersten Abschnitt benutzt er diese Wort vier mal, vermutlich nicht mit Absicht aber schon sehr auffällig. Da ich schon etwas weiter gelesen habe, ist ja normal, weiß ich das später noch ein weiterer Wendepunkt kommen wird.

 

Strophe 6-9

 

Nun kommen die Strophen des langen WegesJ. Er hat noch ein ganzes Stück der Strecke vor sich, aber ???Du steigst ab“ (Z.24), genießt die Ruhe um sich (Z.25). Der Weg wird länger, da er langsamer wird und schiebt, genießt es sogar so langsam zu sein. Seine Gedanken scheinen viel weiter zu schweifen als man bisher hätte annehmen können. Das schließe ich daraus, da er ja extra absteigt um den Weg zu verlängern um weiter seine Gedanken schweifen zu lassen. Er scheint auch sehr allein zu sein momentan auf seinem Weg, daher die Ruhe um ihn.

Der Weg wird nicht weiter konkretisiert, es bleibt einfach ein langer Weg, aber er ist ???beschwerlich“ (Z.30). Er legt also einen beschwerlichen Weg zurück aber es macht ihm nichts aus, das wird deutlich durch die rhetorische Frage in (Z.32) ???Spielt es eine Rolle?“.

Ein weiterer Aspekt wird angefügt, seine Müdigkeit. Da er wenig Schlaf hatte (Z.34) ist er nun Müde von der Fahrt. Der  Gegensatz hier ist deine Frage: ???Warst du je wacher?“ (Z36). Im Vergleich zu den ersten Strophen kommt der erste Gegensatz hier relativ spät zu tragen.

Doch der Weg bleibt weit, anscheinend ist er wieder auf seinem Rad, denn er schaltet und behält seinen Gang bei, was für ein Gegensatz. (Z.37ff.). Als nächstes fragt er seinen Körper ob es anstrengend ist, sogar zwei Mal, das deutet auf eine zentrale Rolle hin. Kann alles spüren wie nie...aber der wohl wichtigste Aspekt ist zu finden ???Ist es anstrengend für deinen Körper? Ist es wichtig? Du weißt, dass nicht.“ (Z45f.) Analysiert man diesen Aspekt unter dem Punkt, dass es sich hier wirklich um eine gewollte Aussage von ???dass nicht“ und nicht von ???es nicht“ handelt, stellt man schnell fest das ihm alles egal zu sein scheint. Ob der Weg nun lang und beschwerlich ist oder er schiebt, fährt oder sein Körper unter Belastung steht...nur eins ist ihm wichtig, ???Du denkst daran. Du denkst an Sie“ (Z.47). Eigentlich könnte das Gedicht hier schon fast enden, wäre da nicht noch der Aspekt der Nacht, also ???Nachts ist es am schönsten.“

 

Strophe 10-14

 

Nun kommt das letzte Drittel des Gedichts, in welchem der Autor zum ersten Mal dem Leser seine Gefühle offenbart. Dies tut er anhand eines Vergleichs ???Es ist als würdest du durch einen See schwimmen [...] Dir ist nicht so warm wie bei ihr“ (Z.48-52). Erstaunlich, wie er deine Zuneigung jetzt völlig offen darstellt ohne in Rätseln zu sprechen...Es ist erstaunlich wie er den vertrauten Eindruck von ihr vermittelt anhand eines Simplen Beispiels des Sees. Dann die warme Siedlung am See, an welcher ihm nicht so warm ist wie bei ihr. Erinnert mich unweigerlich an AoE nun ja wie auch immer, ihm ist jedenfalls äußerst warm und das liegt eindeutig an der Tatsache, dass er seine Gedanken nicht von Ihr abwenden kann. Sie geht ihm  über alles, egal in welcher Situation er sich befindet, sein Leben beginnt sich nach Ihr auszurichten...Alles um ihn herum Spielt keine Rolle mehr, selbst als ihm ein Spinnennetz ins Gesicht fliegt macht er sich keine Gedanken darum, denn es spielt keine Rolle, nur Sie spielt noch eine Rolle. Selbst als der MP3-Player einen Aussetzer hat, fährt er unbekümmert seinen Weg weiter ohne einen Gedanken daran zu verschwenden, denn eigentlich merkt er es gar nicht das die Musik aufhört, aber lasst mal solche Momente sind mir sehr wohl bekannt. Nun ist er fast an deinem Ziel angekommen, sein Zuhause ist fast erreicht nur noch ein kleines Stück, doch plötzlich wählt er einen anderen Weg, einen viel längeren. Er will dass der Gedanke an Sie nicht verloren geht, positive Energie durchströmt seinen ganzen Körper. Er hat jeglichen Sinn für Raum und Zeit verloren, nur Sie ist noch wichtig, wichtiger als je zuvor. Er ist sich selbst nicht bewusst was mit ihm passiert.

Er sieht die Sonne aufgehen ???Die Sonne geht auf“ (Z.65) Es spielt keine Rolle, es sei denn Sie wäre dabei dann wäre es der schönste Sonnenaufgang überhaupt, denn er himmelt Sie an!

 

Wendepunkt zwei ist erreicht. ???Früh ist es am schönsten“ (Z.68) mach deutlich darauf aufmerksam, dass seine Gedanken an Sie ihn von seiner ursprünglichen Meinung, nachts sei es am schönsten, abgebracht haben. Er findet sich in einem Wechselbad der Gefühle wider.

Es ist ein unbeschreiblich schönes Gefühl in Gedanken bei ihr zu sein, andererseits aber sehr schmerzhaft zu wissen, dass er gar nicht bei ihr ist. Nimmt sie ihn überhaupt wahr? Will Sie ihn nur als Notknecht? Schon mal darüber nachgedacht? In seinem Gedicht ist er so positiv gestimmt, es findet sich kein Hinweis auf eine negative Energie Ihr gegenüber, die ihn aus der Bahn werfen könnte. Ganz verlässt er sich auf seine Gefühle und Gedanken an Sie...

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