From the Blues Reservoir till Mexico Fiction

04:56, 8.02.2007 .. Geschrieben in Leben und so .. 1 Kommentare .. Link
Das letzte Wochenende habe ich auf einem Seminar in Weimar verbracht. Da es gewünscht war bis 17:00 Uhr anzureisen, musste ich also nach der Zeugnissvergabe schnell nach Hause, fertig packen und eine Kleinigkeit essen, um dann meinen Zug kurz nach 12 zu bekommen. Die meiste Zeit habe ich wohl damit verbracht, meinen MP3-Player mit Musik vollzuschauffeln, schließlich würde ich ja geraume Zeit in Zügen verbringen.

Am Bahnhof dann der erste große Schrecken. Meine Batterie ist fast leer. Die Ersatzbatterien die ich extra noch gekauft hatten, waren nicht in meiner Jackentasche. Und nicht im Aussenfach der Reisetasche. Sowieso nicht im Hauptfach. Aber ich hatte sie doch noch aus dem Wohnzimmer mit in mein Zimmer genommen. Ich habe sie doch wohl nicht auf meinem Schreibtisch liegen lassen? Über 7 Stunden ohne Berieselung. Sollte ich mir etwa ernsthafte Gedanken um die Verbesserung der Welt und meines persönlichen Lebens machen? Pfui. Und nur noch 10 Minuten bis der Zug kommt. Würde ich einen Sprint nach Hause und zurück schaffen? Wohl kaum. Mist. Die Musik setzt aus. Es herrscht trotzdem keine Stille. Der Zug kommt ja schließlich gerade angedampft. Also ohne Dampf, aber ihr kennt ja die Redewendung. Egal. Was bleibt mir anderes übrig? Wenn ich den Zug eine Stunde später nehme, schaffe ich mein Seminar nicht rechtzeitig. Oder hätte nur 10 Minuten in einer mir fremden Stadt zu dem Ort zu gelangen, an den ich gelangen will. Heute riskiere ich also nichts und steige ein.

In der Bahn teste ich dann meine Akkus und, Heureka, ich finde einen noch vollen. Dann kann die Fahrt ja losgehen.

Die bleibt dann auch relativ ereignisslos und so stieg ich am späten Nachmittag in Weimar aus. Da ich noch etwas über eine Stunde hatte um zum Seminarort zu gelangen beschloss ich noch etwas durch die Stadt zu schlendern. Den Lageplan, in dem meine Ziellokation eingezeichnet war, hatte ich natürlich zu Hause vergessen und so suchte ich nach einem Stadtplan mit der Zielstraße um wenigstens grob die Richtung zu kennen. Also losgestiefelt durch die Stadt. Sieht ja ganz nett aus, hat einen überdimensionierten grauen Klotz in der Stadmitte und zwar einen schönen Park, aber ansonsten wenig Farbkleckse in der Stadt.

Nach dem Park musste ich dann meinem Orientierungssinn nach einen steilen Berg hinauf. Bloß gut, dass ich wenig in meiner Tasche mit mir rumtrage, der Berg hatte zum Teil sicher eine Steigung von 45°. Wenn nicht sogar mehr. Irgendwann war ich dann jedenfalls oben, stand vor einer Raiffeisen-Filialle und überlegte mir wen ich wohl fragen könnte um heraus zu finden, wo mein Zielgebäude liegt. In der Bank war eine Dame mittleren Alters gerade an diversen Automaten beschäftigt. Da ich sie nicht in der Bank belästigen wollte, nahm ich mir fest vor das zu tun, wenn sie aus dem Geldinstitut kommen würde. Sie lies sich Zeit. Also lief ich ein wenig vor der Bank auf und ab in der Hoffnung nicht für einen potenziellen Bankräuber gehalten zu werden. Eine Überwachungskamera kann ja alles in meiner Reisetasche vermuten. Die war gerade so voll, dass ich eine Flinte aus- und eine Menge Geld hätte einpacken können. Während ich mir den besten Fluchtweg überlegte sah ich auf einem Haus links von mir eine Beschriftung die mir doch irg3endwie bekannt vorkam. Woher nur? Ich verglich sie mit der Beschriftung auf meiner Einladung und konnte erstaunlich viele Übereinstimmungen feststellen. Und wieder wohin gefunden, ohne jemanden zu fragen. Nein, was bin ich stolz auf meinen Orientierungssinn.

Abgesehen davon, dass es natürlich eine Menge interessante Leute kennen zu lernen und einiges wichtiges zu hören gab, war dann an dem Tag aber nicht mehr so richtig viel los. Oder ich will es euch nicht sagen. Sucht euch das aus, was eurer Ego mehr aufbaut.

Schon beim Einchecken hatte ich ein Plakat entdeckt, dass schnell meine Idee für die Gestaltung des Samstag Abends stark bestimmte. Und zwar dieses:

Daran hat mir besonders die rechte Seite gefallen. Hab ich schon mal erwähnt, dass ich ,,Reservoir Dogs", Quentin Tarantino's ersten Film, mag? Falls nicht: Ich mag ,,Reservoir Dogs", Quentin Tarantino's ersten Film. Und an diesen Film haben mich hier sowohl die Silhouette der netten jungen Männer hinter der roten Schrift, als auch der DJ namens Mr. Blonde erinnert. Ich denke jeder der schon mal einen Tarantino-Film gesehen hat, egal ob er ihn gut oder schlecht fand, wird doch wohl wenigstens die Musik mögen. Die von ,,Reservoir Dogs" hat mir sogar so gut gefallen, dass ich mir die CD gekauft habe. Und ich kaufe wirklich selten CDs. Also habe ich mir gedacht, dass eine Party auf der solche Musik läuft, ja nur gut laufen kann.
Erwartet habe ich also ungefähr so etwas.

Als dann unser offizielles am Samstag gegen 22:30 abgeschlossen war, fand sich auch ungefähr ein Viertel, wohl mehr, aber ich bin nicht so gut im Schätzen, die in die Stadt gehen wollten. Zwischendurch erläuterte ich die Möglichkeit der MovieKiller-Feier oder des meiner Meinung nach nicht sonderlich einfallsreichen Herumsitzens in einer Kneipe. Die wenigen die anfänglich meiner Idee nachhingen ließen sich dann doch durch die Massen leiten und so machte sich letztlich nur ein tapferer Mitstreiter mit mir auf den Weg zum Studentenclub. Da wir durch eine Karte nur grob wussten, wo sich dieser befinden sollte kostete es noch einige Zeit und Halbkreislaufen bis wir endlich dort ankamen. Diesmal haben wir sogar Passanten nach dem Weg befragt, aber die meisten waren dann doch nur Touristen, die selbst wenig mehr als ihren Heimweg kannten.

Als wir dann endlich ankamen, war die erste freudige Überraschung, der Eintrittspreis von 3€. Mein Versuch auf 2€ herrunter zu handeln, schlug leider fehl. Aber der Spaß war es wert. Im Club selbst war allerdings noch nicht wirklich viel los. 2 Typen saßen auf Barhockern vor einer etwa 2,5 Meter hohen und 5 Meter breiten Leinwand und spielten Tekken 5. Habe ich schon erwähnt, dass ich schlecht im schätzen bin? Neben ihnen legte ein Mr.Blonde wirklich ähnlicher junger Mann Musik auf und die übrigen Leute die nicht auf der Tanzfläche waren saßen an ihren Tischen. Also alle Übrigen. Die Tanzfläche war absolut leer, obwohl die Feier ja schon eine Weile lief und jetzt eigentlich hätte im vollen Gange sein müssen. Was soll's? Wir suchten uns den einzigen freien Ecktisch, hängend lässig unsere Jacken über die Stuhllehnen und setzten uns. Normalerweise brauche ich etwas Zeit und andere Leute auf der Tanzfläche, um diese dann auch zu betreten. Aber diesmal hatte ich einfach keine Chance. Vielleicht hätte ich noch eine Weile an unserem Tisch zugebracht und etwas getrunken, aber gerade als wir uns gesetzt hatten, erklang ,,Misirlou" von Dick Dale & His Del-Tones. Also der Song der wohl am ehesten mit ,,Pulp Fiction" verbunden wird. Mal ganz nebenbei, eigentlich handelt es sich bei ,,Misirlou“ um ein altes grieschiches Volkslied, aber ich versuche mal kurz nicht abzuschweifen, wird auch so lang genug alles hier. Wer mehr wissen will, kann ja einfach mal hier nachhören. Da gibt es zum Beispiel auch eine jüdische Variante.

So, genug abgestriffen. Jedenfalls hatte ich bei diesem Lied keine Chance, musste meine üblichen Verhaltensweisen abstreifen und auf die Tanzfläche. Einsam wie ich mir da vorkam schaffte ich es dann doch nach ein paar Sekunden meinen Mitstreiter zu überzeugen mitzumachen und er wiederum ging noch während des Liedes von einem Tisch zum nächsten um die dort sitzenden zu animieren mitzumachen. Was soll ich viel erzählen? 5 Minuten nachdem wir in den Laden gekommen waren, war die Stimmung da und genug Leute tanzten um gut Spaß zu haben.

Die Musik war glücklicherweise genau, die ich auch erwartet hatte. Wer einen groben Überblick darüber haben möchte, kann sich ja einfach mal den Titel dieses Eintrages genauer ansehen. Außerdem gab es auch noch einiges an Vietnammusik wie ,,The Letter".

Zwischendurch erwähnte der DJ, das es ja ein Tekken-Turnier gebe und noch die Möglichkeit bestehe sich dafür anzumelden. Gut gelaunt wie wir waren, schrieben wir uns sofort ein. Eine kleine Proberunde ist ja auch eine gute Entschuldigung um mal ein kleine Abgehpause einzulegen. Nicht dass ich Übung nötig hätte oder so, wenn ich ein Gamepad in der Hand halte, ist der andere eigentlich schon verloren. Ich sollte am besten nur noch mit Pads spielen bei denen die Hälfte der Tasten fehlt, dann hat der Andere wenigstens eine Chance. Aber so einfach ist das gar nicht, halb kaputte Eingabegeräte für jede Konsole zu finden. Muss ich halt weiter gewinnen, Muhahahaha  ( dunkle Wolken und Blitze im Hintergrund).

Also mal schnell eine Runde gespielt um einen groben Einblick in die Steuerung zu bekommen. Zum Glück hatte ich mal Tekken 3, am Prinzip hat sich kaum was geändert, also wird mir die eine Runde zum warm sein wohl reichen. Kurz bevor der erste Kampf losgeht erfahre ich dann, dass es eine Flasche Sekt oder Champagner oder so zu gewinnen gibt.
Vielleicht hätte ich mich doch richtig warm spielen sollen.

Egal, für die erste Runde reicht es locker. Die Beschreibung durch unseren Freund Mr.Pink als ,,klarer Durchmarsch"  trifft es eigentlich ganz gut. Eine kleine Fangemeinde aus lauter netten Mädchen konnte ich anscheinend über den Abend auch ansammeln. Immerhin haben sie mich angefeuert und meinen Namen gerufen. Wie schnell sowas manchmal geht. Muss daran liegen, dass sie mich nicht näher kennen. In der zweiten Runde musste ich dann leider meinen Kumpel aus dem Turnier werfen. Schade, Schade. Dafür musste ich mich dann im Finale aber wirklich anstrengen. Mit 3:2 habe ich denkbar knapp gewonnen. Immerhin war an diesem Abend die schrecklich viele Zeit meines Lebens die ich vor Monitoren verschwendet habe, mal für etwas gut. Natürlich habe ich es nur spannend gemacht, wer will schon einen Boxkampf sehen, der nur eine Runde dauert?

Natürlich habe ich die Flasche dann mit meinem Genossen geteilt. Und nicht nur mit ihm. Wäre ja auch blöd nur zu zweit in einer chilligen Ecke zu sitzen, in die locker noch ein paar andere Leute passen. Einige waren aber anscheinend mit Freund da. Die fanden das wohl nicht so witzig. Tja, selber Schuld.

Alles in allem war es doch ein sehr gelungener Abend. Leider hatte mein Kamerad am Sonntag noch eine Rückreise von über 4 Stunden vor sich, deshalb haben wir dann ein paar Stunden nach Mitternacht Schluss gemacht und sind fröhlich in unsere Herberge zurück gelaufen.

Es waren 3 informative, anstrengende Tage während derer ich eine Menge netter Leute kennen gelernt habe und die auch noch eine nette Feierei enthielten. Wieder scheint es sich bewahrheitet zu haben, dass man dann die interessanten Sachen sieht und erlebt wenn man genau die andere Richtung als die der Masse wählt. Und ich konnte mal wieder was längeres bloggen. Ja, mein Freund, so muss ein Wochenende laufen.

Kenix

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11:02, 9.02.2007 .. Geschrieben von Beff
hehe, super. glückwunsch zum sieg. du solltest öfter nach weimar fahren und die jugend dort aufmischen.

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