
„Sieh dir die Menschen an – Ignoranz! Und betrachte die Gargoyles – Furcht! Das sind ihre Götter, uns sie selbst sind die Geschwüre, nicht mehr, ein widerwärtiges Ekzem, das schon viel zu lange auf und in der Erde wuchert und alles im Keim erstickt, was jenseits seiner Götter leben will. Ja, sie sind ein Geschwür – und ich werde die Welt von ihnen befreiten! Sie werden zu meinen Füßen liegen und um ihr Leben betteln – diejenigen, die übrig bleiben…“
Grim, ein Gargoyle, sorgt für die Einhaltung des steinernen Gesetzes. Nach dem Zauber des Vergessens darf kein Mensch je von der Existenz übernatürlichen Lebens erfahren. Doch dann zieht plötzlich eine unbekannte Gefahr über Paris auf und droht die Bemühungen der vergangenen Jahrzehnte zunichte zu machen. Da begegnet Grim der Hartidin Mia. Sie ist ein Mensch der übernatürliches wahrnimmt und sollte eigentlich von Grim vernichtet werden. Doch Grim rettet Mia das Leben als sie von Hybriden, halb Mensch-halb Gargoyle, verfolgt wird. Denn Mia hat ein geheimes Pergament mit dem Siegel des Feuers in ihrem Besitz. Und dieses Pergament kann den Lauf der Welt verändern. Zum Guten wie zum Bösen…
Schon auf der ersten Seite wird man in das Geschehen hineingeworfen und möchte gar nicht mehr aufhören zu lesen. Denn der fantastische Schreibstil von Gesa Schwartz fesselt von Anfang an, während sich die Handlung schnell weiter entwickelt. Die besten Voraussetzungen also um beim Lesen am Ball bzw. an den Seiten zu bleiben.
Auch von den Ideen zur Gesellschaft der Anderswesen bin ich begeistert. Mann könnte das Leben in Ghrogonia durchaus mit dem indischen Kastensystem vergleichen. Während die Gargoyles an der Spitze stehen geht es weiter hinab bis zu den Unantastbaren, zu denen beispielsweise die Waldschrate gehören könnten. Der König von Ghrogonia ist ein Gargoyle, der wiederum über einen Polizeistaat gebietet. Denn die OGP (Oberste Gargoyle Polizei) wacht über alle Gesetze! Natürlich gefällt das nicht jedem und so gibt es natürlich auch eine Rebellengruppe und die Freien. Beide bestehen aus Mischwesen und Gargoyles, die sich nach der Nähe von Menschen sehnen. Dazu noch eine Prise Magie, Hoffnung und Schuld – und fertig ist der Stoff für eine ergreifende Story. Interessant ist es noch, das die Gargoyles zwar die Menschen verachten aber dennoch nicht ohne sie leben können. Denn zum Überleben benötigen sie die Träume der Menschen
Der Sturkopf Grim war mir vom ersten Moment an sympathisch. Oft werden die Gargoyles als eherne Engel, Helden auf Flügeln aus Stein beschrieben. Und zu keinem passt dies besser als zu Grim. Zudem merkt man von Anfang an dass er anders ist als die anderen Gargoyles, obwohl er das natürlich zu überspielen versucht. Remis, sein Koboldartiger Begleiter, ist die gute Seele Grims und lockert die ganze Atmosphäre immer wieder auf.
Mia hat mich im Roman überrascht. Denn sie wandelt sich schnell von einer Gothic-Göre zur sturen Kämpferin. Und sie zeigt Grim das man über alle Grenzen hinaus Hoffnung haben und lieben kann.
Das Cover ist einfach fantastisch. Man sieht den Gargoyle Grim mit ausgebreiteten Flügeln auf einem Dachfirst knien. Er sieht aus wie ein schwarzer Schatten, da er von hinten angeleuchtet wird. Der Hintergrund zeigt Paris bei Sonnenaufgang. Der Schriftzug des Titels glänzt richtig golden und das absolute Highlight hat man dann immer noch nicht gesehen. Schlägt man das Buch auf erblickt man direkt eine doppelseitige schwarz-weiß Zeichnung – das Reich der Schattenflügler!
Übrigens gibt es auch ein farblich passendes Lesebändchen. Lesebändchen begrüße ich immer und finde es toll, das es auch hier eines gibt. Meine eigenen bibliophilen Vergissmeinnicht verliere ich aus unempfindlichen Gründen nämlich immer.
Der Gargoylekopf, der vor jedem Kapitelanfang abgedruckt ist, passt sehr gut zum Thema. Er hat mich übrigens sofort an den Gargoyle des Covers von „Der Schattenseher“ von Joseph Nassise erinnert.
„Grim – Das Siegel des Feuers“ hat meine Erwartungen bei weitem übertroffen. Die Autorin hat ein Erstlingswerk geschrieben das es in sich hat. Man versinkt regelrecht in ihre fantastische Geschichte und möchte am liebsten selbst einmal nach Ghrogonia reisen um sich diese lebhaft beschriebene Welt anzuschauen. Unbedingt lesen!