Lesen macht schlau
Challenge: Ich bilde mich weiter!

7.03.2010 um 16:07 in Ich bilde mich weiter Challenge | Kommentare: [0] | Kommentieren

Soeben habe ich mich bei dieser Challenge angemeldet und werde euch hier auf dem laufenden halten!

 

Ziel: Aus 12 Genre je ein Buch lesen.

Regeln:

  • Aus folgenden Genre werden die Bücher gelesen:
  • Biographien: Friedrich II. von Hohenstaufen - Elke Bader, 150 Minuten
  • Fantasy/Science Fiction : Angelus von Danielle Trussoni; 646 Seiten
  • Horror 
  • Klassiker
  • Krimis/Thriller: Die Geisterfeger von Wendy Roberts; 352 Seiten
  • Sach/Fachbücher
  • Dramen/Lyrik
  • Historische Romane: Die Maurin von Lea Korte, 700 Seiten
  • Humor&Satire: Plötzlich Shakespeare von David Safier, 288 Seiten
  • Liebesroman: Liebesfilmriss von Jill Mansell, 400 Seiten
  • Kinder- und Jugendbücher : Little Brother von Cory Doctorow 512 Seiten
  • Romane/Erzählungen: Der Tag an dem Marilyn starb von Donna Milner, 400 Seiten

Dauer: Bis 1. Januar 2011

 

Informieren könnt ihr euch auch hier: umblaettern.wordpress.com/challenges/

 

Angelus – Danielle Trussoni

Wenn der Engel zum Teufel wird, so gibt es einen bösen Teufel.

Nephilim, die: (von naphal „fallen“) Riesenhafte Mischwesen aus der altisraelischen Mythologie. Gezeugt von göttlichen Wesen und Menschenfrauen. Die Nephilim waren größer und stärker als Menschen und laut den Berichten der Apokryphen von großer Boshaftigkeit.

Die junge Klosterbibliothekarin und Nonne Evangeline stößt nach einer privaten Anfrage von Verlaine, der im Engelskloster der hl. Rosa Nachforschungen für Grigori anstellen will, auf eine heikle Korrespondenz zwischen der verstorbenen Äbtissin Innoncenta und Abigale Rockefeller. Was Verlaine nicht weiß, sein Auftraggeber Grigori ist ein Nephilim – halb Engel, halb Mensch und auf der Suche nach dem Schlüssel zum Sieg im Kampf zwischen Gut und Böse. Dieser Schlüssel ist eine Leier, die ebenfalls von den besten Angelologen der Welt gesucht wird. Und mitten hinein in diesen spirituellen Krieg, dessen Schauplatz die menschliche Zivilisation ist, gerät Evangeline.

 

Auf jeden Fall kann man sagen das „Angelus“ eine eher anspruchsvolle Lektüre ist. Wer die Seiten beim Lesen nur so runter reißen will, hat bei diesem Roman keine Chance. Gerade die vielen theolosich-angelologischen Dispute sollte man sehr aufmerksam verfolgen, da einem sonst einiges entgehen könnte. Wenn man aber konzentriert liest, so merkt man von Anfang an wie gut die Autorin recherchiert hat. Dies fängt schon bei der gut durchdachten Namensgebung der Charaktere an. Mit vielen Bibelzitaten und Hintergrundwissen hat sie ihre Ansichten gut untermauert und glaubwürdiger gestaltet. Fast könnte man glauben dass sich dieser Krieg wirklich heimlich unter uns abspielen könnte.

Trotzdem kam ich anfangs erst etwas schleppend in die Geschichte hinein. Als es dann ging, hat der zweite Teil des Buches mich noch einmal etwas zurück geworfen und ab dem dritten Teil wurde es dann richtig spannend.

Wobei wir auch schon beim Thema wären.

Aufgeteilt ist „Angelus“ in vier Abschnitte:

 

Die erste Sphäre: Diesen Abschnitt sehe ich eher als große Einleitung an. Man lernt die Charaktere und das Kloster kennen, bekommt eine erste Einführung in die Angelologie und erste Fäden laufen zusammen.

 

Die zweite Sphäre:  Ja, die zweite Etappe behandelt ausschließlich die Vergangenheit Celestines in der Zeit des zweiten Weltkrieges; ihre Ausbildung zur Angelologin und die Expedition in die Rhodopen, wo gleich zwei bedeutende Funde gemacht wurden. Diese zweite Sphäre ist zwar unabdingbar für das Verständnis der ganzen Geschichte, ist aber sehr langatmig beschrieben.

 

Die dritte Sphäre spielt wieder in der Gegenwart und meines Erachtens geht die Geschichte hier erst richtig los. Ab diesem Abschnitt konnte ich das Buch dann auch nicht mehr aus der Hand legen.

 

Der himmlische Chor: Hier laufen die Fäden endgültig zusammen und es kommen einige Überraschungen zu Tage.

 

Insgesamt kann ich sagen das „Angelus“ ein wirklich detailreicher Roman ist. Und das überraschende Ende lässt vermuten dass es zumindest noch einen weiteren Teil um Evangeline geben wird. Wer sich nicht von den ersten Seiten entmutigen lässt, den erwartet ein wirklich außergewöhnliches Lesevergnügen. Ich jedenfalls bin schon sehr auf die Fortsetzung gespannt.

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Die Geisterfeger - Wendy Roberts

Sterben ist das Peinlichste, das dir passieren kann,
weil sich anschließend jemand um deinen ganzen Kram
kümmern muss.“

-Andy Warhol-


Sadie, eigentlich gelernte Grundschullehrerin, sattelt beruflich um. Nach dem Selbstmord ihres Bruders kann sie plötzlich die Geister verstorbener sehen und mit ihnen reden. Von nun an erfüllt Sadie den Toten kleine Wünsche und übermittelt letzte Botschaften, um ihnen so den Übergang ins Jenseits zu erleichtern. Dadurch gerät sie auch an ihren neuen Job – die Tatortreinigung. Trauernde Hinterbliebene engagieren Sadies Firma um die Blutreste, Knochensplitter, Hirnmasse und andere Hinterlassenschaften ihrer verstorbenen Verwandtschaft in deren Wohnungen nicht selbst wegputzen zu müssen. Hilfe bekommt Sadie dabei von ihrem einzigen Mitarbeiter und attraktiven Ex-Cop Zack. Alles läuft gut, bis Sadie die Säuberung einer Mitnahmeselbstmordwohnung zusagt. Dort scheint nämlich nicht alles so zu sein wie es scheint und schließlich gerät Sadie selbst ins Fadenkreuz des Mörders sowie der polizeilichen Ermittlungen.

„Die Geisterfeger“ ist der Auftaktband zu einer neuen Geister-Krimi-Serie. Mich hat sie in den gröbsten Zügen an die Sookie Steakhouse Vampir-Krimi Reihe von Charlaine Harris erinnert. Beide Protagonistinnen halten ihre Gabe erstmal für einen Fluch, lösen damit aber Verbrechen auf.  Beide leben alleine, haben aber attraktive Männer in ihrem Umfeld und während bei Sookie Werwölfe und Vampire auf den Plan treten wurde auch bei Sadie der erste tolle übersinnliche Charakter eingeführt: das Medium Maeva (von dem wir hoffentlich noch viel mehr lesen werden). Aber trotz der Ähnlichkeiten muss man sagen das jedes Buch seinen eigenen Charme versprüht.

Wendy Roberts Schreibstil hebt sich zwar nicht von der Masse ab, ist aber modern und offen. So das sich die gut umgesetzte Story recht schnell lesen lässt. Die Autorin hat auch oftmals eine amüsante Atmosphäre geschaffen, bei der man trotz Gerede über Leichengestank und Hirnmasse grinsen muss.

Das Frau Roberts wohl von Anfang an wusste das sie eine Serie schreiben möchte, hat sie sich viel Zeit mit der Einführung der Charakter gelassen.  So erfährt man nur nach und nach Hintergrundinformationen zu den Protagonisten.

Schön ist allerdings, das Sadie im Verlauf des Buches endlich ihre eigene Trauer bewältigen kann, was ihr ganz neue Lebensimpulse gibt. Und auch die zarte Bande, die Sadie und Zack knüpfen, lassen noch viel Spielraum für weitere Bände offen. Sehr überrascht war ich allerdings zum Schluss über Sadies beste Freundin Pam. Mit dieser Wendung der Ereignisse wird wohl kein Leser rechnen.

Das Cover finde ich ja nicht so glücklich gewählt. Die gezeichnete Umschlagsgestal tung, die die untere Hälfte einer Frau und einen Staubsauger zeigt, sieht irgendwie nach einem Roman im Stil alter Doris Day Filme aus. Das passt optisch zwar, wenn man das Buch gelesen hat und weiß worum es geht, suggeriert einem aber erstmal das es sich um einen typischen Frauenroman handelt. Was ja eigentlich überhaupt nicht der Fall ist.

 „Die Geisterfeger“ ist auf jeden Fall ein viel versprechender Start für eine neue paranormale Krimiserie. Manche Beschreibungen sind gewöhnungsbedürftig. Aber man passt sich schnell an und dann stören die Haut- sowie Knochenfetzen und Blutlachen nicht mehr. Ich verspreche mir (neben einer Romanze zwischen Sadie und Zack) jedenfalls noch einiges von den Folgebänden und bin gespannt wie es weiter geht.

 

 

Plötzlich Shakespeare - David Safier

Rosa ist verzweifelt. Ihr Traummann Jan heiratet eine andere. Dabei ist er doch für sie bestimmt. Oder etwa nicht? Um ihre Seelenqual zu lindern nimmt Rosa, nur halb freiwillig, an einer Rückführung bei Prospero dem Hypnotiseur teil. Und schwups… findet sie sich 1594 in William Shakespeares Körper wieder. Dieser ist gar nicht erbaut darüber seine Körperkontrolle von nun an einer Frau zu überlassen. Denn Rosa bringt den bis dahin eher unbegnadeten Schriftsteller in noch mehr prekäre Situationen, als er ohnehin schon steckte. Doch alles Drama nützt nichts, zusammen müssen sie heraus finden was die wahre Liebe ist oder sie müssen sich für immer einen Körper teilen.

 Genau wie schon von „Mieses Karma“ und „Jesus liebt mich“ bin ich auch von David Safiers neuestem Werk begeistert. „Plötzlich Shakespeare“ startet gewohnt spritzig. Der moderne und offene Schreibstil lässt einen von Anfang an schmunzeln und auch die Charaktere sind überzogen lustig und klischeehaft dargestellt. Richtig lustig wird es natürlich als Rosa und Shakespeare sich einen Körper teilen. Beide reden in der Ich-Perspektive, was wirklich die Lachmuskeln strapaziert. Zum Glück „redet“ jeder in einer anderen Schriftart. Sonst hätte es beim Lesen Probleme geben können!

Was ich schön finde, ist, dass wie auch schon in „Jesus liebt mich“ die Protagonistin nicht perfekt ist. Rosa hat Orangenhaut und fühl sich zu fett. Sie ist halt eine ganz normale Frau, die sich wünscht nicht sie selbst zu sein. Sie will nicht mehr „so was von Klischee“ sein, sondern eher so wie die perfekte Olivia, die Jan heiraten wird. Witzigerweise ist Shakespeare auch nicht so ganz perfekt, was natürlich Anlass zu dem einen oder anderen Schlagabtausch zwischen den beiden Seelen gibt.

 Was mir sofort auffiel war dieses typische David Safier Cover: ein orangener Hintergrund mit einer Comiczeichnung. Eine Frau sieht in den Spiegel und erschreckt sich, als nicht ihr eigenes Gesicht sondern Shakespeares ihr entgegenblickt. Toll, dass David Safiers Bücher durch die gleiche Umschlagsgestaltung eine Einheit bilden.

 Ich muss sagen dass dieser Roman mir wieder gut gefallen hat. „Plötzlich Shakespeare“ ist  leichte Unterhaltung mit einem, im Witz ummantelten, typischen Frauenthema. Wirklich kurzweilig und sehr empfehlenswert!

 

 

Liebesfilmriss - Jill Mansell

Viel Witz, viel Gefühl und ein glückliches Ende.

Als Jem für ihr Studium nach Bristol zieht, bricht für Mutter Ginny innerlich eine Welt zusammen. Sie ist so tief in ihre grüblerischen Gedanken versunken das sie mit unbezahlter Ware aus einem Laden läuft. Als wäre das nicht peinlich genug wird sie dabei auch noch vom attraktiven Finn erwischt. Ginny merkt dass es so nicht weiter gehen kann und möchte endlich ihre Männerlose Zeit hinter sich lassen. Die Frage ist nur: „Mit wem?“. Ihre beste Freundin Carla, die ein sehr ausgefülltes Sexleben hat, ist davon sehr angetan. Unterdessen hat Tochter Jem ihr ganz eigenes Päckchen zu tragen. Sie ist mit dem beliebtesten Jungen der Uni zusammen. Doch leider will dieser ihre Liebe geheim halten. Für alle drei Frauen, Ginny, Carla und Jem beginnt eine aufregende Odyssee durch die männlichen Gefilde!

 

Der moderne Schreibstil von Frau Mansell lässt sich flüssig lesen, wenn man sich einmal an den Perspektivwechsel gewöhnt hat. Denn obwohl die ganze Geschichte aus der Sicht eines Erzählers geschrieben wurde, gibt es immer wieder kurze Momentaufnahmen von Ginnys Gedanken, als würde sie die Geschichte aus der Ich-Perspektive erzählen. Auf den ersten Seiten ist dies etwas verwirrend, da diese Gedanken weder durch eine andere Schriftart noch durch einen Absatz getrennt sind.

Die Autorin schreibt die ganze Handlung mit viel Witz und viel Gefühl. Einige Dialoge sind so voller schlagfertigem Humor, das sie tatsächlich an die Gilmore Girls“ erinnern. So sagt Jams Mitbewohner Rupert zum Beispiel über seine Ex: „ Sie hatte so viel Charisma wie ein Stück Seife an einer Kordel“. Also bitte, auf solche Vergleiche muss man erstmal kommen.

 

Die Charaktere dieses Frauenromans finde ich gut gezeichnet. Jeder ist einzigartig und alle Frauen im Buch machen eine lehrreiche Männererfahrung.  So bricht für die bodenständige Ginny beispielsweise eine Welt zusammen, als Tochter Jem zum studieren auszieht. Und sie beschließt ihr Leben endlich neu auszurichten. Freundin Carla begrüßt dies sehr, dann Ginnys Männerloser Zustand hatte sie wahnsinnig gemacht. Im Gegensatz zu Ginny ist Carla nämlich eher der offene, Männerfressende, Typ. Auch Jem macht ihre eigenen Fehler und muss lernen damit umzugehen. Zum Glück wird am Schluss aber alles wieder, wie war es anders zu erwarten, gut.

 

Zum Cover muss ich schreiben das ich es einfach bezaubernd finde. Die Umschlagsgestaltung ist umlaufend im verträumten Rosaton gehalten, mit vielen romantischen Tuschezeichnungen in pink, weiß, grün und blau. Mal ist es ein Boot, dann eine Wäscheleine, dann Pflanzen. Und in der rechten oberen Ecke strahlt eine Sonne. Der Titel „Liebesfilmriss“ sieht aus wie mit einem breiteren Füller geschrieben. Also typisch fraulich und optisch absolut passend zu Frau Mansells anderen Büchern.

 

Ich muss gestehen das die Werbung „Für alle Fans der Gilmore Girls“ mich gelockt hat, da ich jede Folge um Rory, Lorelai, Emily & Co. gesehen habe. Die Dialoge sind teilweise wirklich so schnell und witzreich wie bei den Gilmore Girls, aber ob es jetzt wirklich etwas für alle Serienfans ist wage ich zu bezweifeln. Ein Minuspunkt für diesen Frauenroman gibt es von mir auch, weil mal wieder schnell vorhersehbar war wie es zum Schluss ausgeht. Schon in der Mitte des Buches wusste ich wie das dicke Ende sein würde.

 

 

Der Tag an dem Marilyn starb - Donna Milner

„Der Krieg hat einen langen Arm. Noch lange, nachdem er vorbei ist, holt er sich seine Opfer.“

 

-Martin Kessel-

 

Am selben Tag wie Marilyn Monroe stirbt auch Lucy; Mutter der elfjährigen Ethie und zweier Söhne. Sie lässt eine große Leere und viele offene Fragen zurück. Jahre später erinnert sich Ethie an die erste Zeit nach dem Tod ihrer Mutter. Wie schwer es für sie und ihre beiden größeren Brüder war. Der eine verzichtete auf ein Studium, der andere wird von vielen wegen des Down-Syndroms nicht ernst genommen. Howard, der Vater, kann sich nicht um die Kinder kümmern. Er ist Kriegsveteran, Alkoholiker und lebt in seiner eigenen Welt aus der er ausbrechen muss um seine Familie zusammen zu halten. Und dann ist da noch dieses asiatische Mädchen, das immer wieder auftaucht und das Haus von Ethie und ihrer Familie betrachtet.

 

In zwei Handlungsstränge wird in „Der Tag, an dem Marilyn starb“ eine tragische Familiengeschichte erzählt. Der eine Handlungsstrang erzählt von Howards Jahren im Krieg und seiner Kriegsgefangenschaft zwischen 1941-1945. Der andere Erzählstrang handelt von Ethies Erinnerungen an die Zeit nach dem Tod ihrer Mutter.

Der gefühlvolle Schreibstil von Donna Milner hat mich dabei sehr berührt und manchmal wollte ich mich regelrecht in das Buch vergraben und mich verstecken, weil ich so mit gelitten habe. Die Charaktere waren so authentisch dargestellt das man meinen könnte eine Biographie zu lesen. Obwohl man Howard besser verstehen lernt, nachdem man nach und nach das Drama seiner Kriegsgefangenschaft kennen lernt, möchte man ihm zurufen aus seiner Lethargie zu erwachen. Frankie, der große Bruder, ist so aufopferungsvoll das man seine Liebe durch die Seiten spürt. Ethie, die größte Bezugsperson für ihren besonderen Bruder fehlt einfach die Mutter. Wie es bei jedem anderen Kind auch wäre. Man möchte trösten, helfen, Tante Mildred für ihre Unverfrorenheit schütteln…  und vergisst darüber dass man doch nur ein Buch liest.

 

Da ich Donna Milners Werk erst so kritisch gegenüber stand, weil es so überhaupt nicht in mein Beuteschema passte, war ich fasziniert davon, wie sehr mich diese Geschichte gefesselt hat. Ihr bedeutsamer Roman berührt einen ganz tief innen drin und lässt einen auch nachhaltig nicht so schnell wieder los. „Der Tag, an dem Marilyn“ starb ist wirklich eine emotionale Achterbahnfahrt, die ich nur empfehlen kann.

 

 

Friedrich II: von Hohenstaufen. Kaiser des römischen Reichs (Elke Bader)

 

"Der letzte große Staufer"

 

Eine öffentliche Geburt am 2. Weihnachtsfeiertag 1194 in Jesi, Italien. Die Eltern: Heinrich VI., der einen Tag vorher zum König von Sizilien gekrönt wurde, und die bereits vierzigjährige, bisher kinderlose, Konstanze von Sizilien. Das Kind Friedrich Roger wird später der größte und letzte Kaiser des Staufergeschlechts sein. Eine Hochgebildete, schillernde Ausnahmeerscheinung aus einem der bedeutendsten Herrschergeschlechter des Mittelalters. Über Leben und Wirken des weltoffenen römisch-deutschen Kaisers erzählt Heiner Heusinger in diesem Hörbuch eindringlich. Angefangen von seiner Geburt, über seine Frauen, den schon frühen Machtkampf um den Thron, sein Weg zum Kaiser, seine Kindheit, seine moderne Regentschaft, die ewig schwelenden Konflikten mit der Kirche, dem Kreuzzug und seiner Fortschrittlichkeit.

 

Der Griot-Verlag hat mit dem Hörbuch „Friedrich II. von Hohenstaufen“ pünktlich zum Stauferjahr 2010 ein Hörbuch über den letzten großen Staufer heraus gebracht.

Heiner  Heusinger macht es dabei dem Hörer leicht, dem gesprochenen Werk zu folgen. Er liest auf beiden CDs ruhig und andächtig, lässt einen ohne Hektik das gehörte verdauen und bringt einem geschichtliche Ereignisse näher. Seiner Stimme hört man einfach gerne zu. Und oft vergaß ich regelrecht, dass ich Tatsachen höre und nicht einem historischen Roman lausche. Allerdings hätte ich es noch besser gefunden, wenn zwischendurch vielleicht noch ein paar Hintergrundgeräusche zu hören gewesen wären. Pferdegetrampel, Marktgeräusche, Musik einer Zither etc. hätte das ganze Werk noch fesselnder gestaltet.

 
Das zugehörige Booklet ist übrigens besonders schön und lädt dazu ein, die Geschichtskenntnisse während des Zuhörens aufzufrischen. Neben den wichtigsten Daten des Lebens von Friedrich II. enthält das Begleitheft auch den herrschaftliche n Stammbaum, die wichtigsten Gefolgschaften, Farbfotos, Bilder und die bedeutsamsten Ereignisse aus des Ausnahmekaisers Leben. Ich habe tatsächlich des Öfteren die verwandtschaftlichen Verhältnisse nachgeblättert um mir die Zusammenhänge besser merken zu können.

Mir hat dieses geschichtliche Hörbuch sehr gut gefallen. Friedrich II. von Hohenstaufen ist eine interessante Persönlichkeit und war seiner Zeit weit voraus. Das merkt man nicht nur daran das dieser gebildete Mann schon im Mittelalter nach dem aufgeklärten Absolutismus regierte, sondern auch daran, dass er ein begnadeter Ornithologe war, dessen Erkenntnisse bis zur heutigen Zeit gelten. Allen denjenigen, die ihre Allgemeinbildung erweitern wollen kann ich dieses Hörbuch nur ans Herz legen. Kochen oder Auto fahren und dabei noch lernen, wie könnte es einfacher sein?

 

Die Maurin - Lea Korte

„Die Maurin“ erzählt über das Leben der Hofdame Zahra, zwischen ihrem dreizehnten und siebenundzwanzigsten Lebensjahr. Während Mauren und Kastilier im ständigen Krieg leben, versucht sie ihre Bestimmung zu finden. Als Vertraute Aischas, der Sultanin, spioniert Zahra für sie und begibt sich auf mehr als eine gefährliche Reise. Dabei läuft sie immer wieder dem Kastilier Gonzalo über den Weg, den sie schon früh am maurischen Hof kennen gelernt hat und nicht vergessen konnte. Sie verliebt sich in ihn, soll aber nach den Sitten und Gebräuchen der Mauren einen Mann heiraten, den ihr Vater bestimmt hat. Doch dies ist nicht die einzige Schwierigkeit. Denn jeder der beiden kämpft mit seinen Mitteln für sein Volk.


„Die Maurin“ ist ein historischer Roman, der im 15. Jahrhundert in Andalusien spielt. Frau Korte hat wunderbar fiktive und wahre Begebenheiten gemixt und aufgezeigt, wie es durchaus in ähnlicher Weise gewesen sein könnte. Und schon im Personenverzeichnis wird klar gemacht, welche Charaktere historisch belegt sind.

Es ist erschreckend zu lesen, wie grausam die kastilischen Landsleute derzeit waren. Während Mauren mit Juden und Christen friedlich zusammen leben, verurteilen die Kastilier alle Nicht-Christen, verfolgen sie und nahmen ihnen auf  erbarmungslose Art ihr Land ab. Aber eigentlich noch erschreckender ist, dass viele dieser Vorurteile heute immer noch in uns weiter leben. Und das nur wegen einer anderen Religion, die man nicht versteht!

 

Der schöne bildliche Schreibstil erweckt während des Lesens Zahras Kultur und Umgebung zum Leben. Man wird an vergangene Orte geführt und sieht sie regelrecht vor seinem geistigen Auge entstehen. Sehr gut hat mir gefallen, dass oftmals in Büchern langwierige Prozesse, wie Kriege und Reisen kurz und knapp erzählt werden. Denn oft nerven mich seitenlange Erzählungen wie jemand zum Beispiel von A nach B kommt. Die Befürchtung dass es bei Zahras Wegen auch so sein wird, hat sich zum Glück nicht bestätigt.

Die Verschiedenartigkeit der Charaktere fördern das bunte Bild der Handlung noch.

Besonders Zahra schließt man sehr schnell ins Herz. Die Autorin mutet ihrer Figur viel zu und nur Dank ihres Mutes zerbricht Zahra nicht an ihren Aufgaben. Ihre Zwickmühlen sind wundervoll geschildert, wenn ihr Glaube und ihr Herz ihr nicht dasselbe raten.  

Mein Eindruck dieses historischen Romans ist durchweg  positiv. Die Autorin hat gut recherchiert und die Geschichte ist eine bunte Mischung aus Liebe, Leid, Hoffnung, Krieg und Herzschmerz. Und das Beste ist, man lernt bei diesem Roman noch etwas über die muslimische Kultur! Toll!

 

Little Brother - Cory Doctorow

„Wer die Freiheit aufgibt, um Sicherheit zu gewinnen, wird am Ende beides verlieren“

-Benjamin Franklin-

Als Marcus und seine Freunde wegen einem Alternat Reality Game  die Schule schwänzen, sind sie ganz in der Nähe der Oakland Bay Bridge in San Francisco, die Terroristen in die Luft sprengen. Hunderte Leute sterben bei diesem Anschlag. Der Heimatschutz ist sofort zur Stelle und nimmt Marcus mitsamt seinen Freunden als Verdächtige fest. Sie werden in Gefangenschaft erniedrigt, gequält und vor allem Marcus versuchen sie mit subtilen Methoden zu zermürben. Die Bewohner San Franciscos ahnen indessen nichts von der geheimen Insel, wo ihre Nachbarn, Bekannten und Kinder ohne jegliches Menschenrecht festgehalten werden. Als Marcus schließlich frei kommt hat seine Stadt sich in einen Überwachungsstaat verwandelt. Die Verfassung gilt nicht mehr und an jeder Straßenecke gibt es Kontrollstellen. Der gläserne Mensch ist geboren. Doch Marcus gibt sich damit nicht zufrieden, zu tief sitzt die Demütigung der Heimatschutzbehörde. Er startet ein geheimes Netzwerk und immer mehr Gamer schließen sich ihm zur Sabotage der „Maßnahmen zum Schutz des Lebens“ an.  Die Kids entdecken so manche Überwachungslücke und bringen das DHS zum schwitzen. Die so genannten Xnetter glauben an die Verfassung und die Freiheit – und sie wollen sie zurück!

Die sehr jugendliche und manchmal technische Sprache des Autors passt sehr gut zum Thema des Buches und zur Xnetter Generation. Jedoch waren gerade diese technischen Erklärungen manchmal recht schwierig für mich. Da ich selbst gerade mal Word, Excel und das Internet bedienen kann, musste ich viele Begriffe (wie z. B. RFID) erstmal nachschlagen. Zum Buch passt es aber unabdingbar, da sich die Handlung sonst gar nicht hätte weiterentwickeln können.

Sehr schön finde ich, dass die Geschichte aus der Ich-Perspektive erzählt wird. So kann man richtig tief in die Gedankengänge, in die Scham und den Kampfgeist von Marcus eintauchen. Das Marcus, alias W1n5t0n, alias M1ck3y, den Leser dabei noch öfter persönlich anspricht, finde ich sehr gelungen.

Das enorme technische Hintergrundwissen des Autors verlangt mir echt Respekt ab. Er muss wirklich tief in die Materie abgetaucht sein, um so detailliert schreiben zu können.

 

Es ist erschreckend zu lesen, wie einfach die Verfassung eigentlich außer Kraft gesetzt werden kann um die Menschen zu überwachen. Gerade in der heutigen Zeit, wo es viele Grundsatzdiskussionen über Datenschutz gibt. Es werden doch  immer mehr Informationen über uns Menschen gesammelt, aggregiert und ausgewertet. Wieso sollte es also nicht irgendwann zu einem Szenario a la „Little Brother“ kommen. Eine wirklich beängstigende Vorstellung. Und als Marcus das False Positive Paradox erläutert hat, da bin ich wirklich ins grübeln gekommen.

Das Cover mit dem riesigen orangenen X, dem grünen digitalen Fingerabdruck und dem Schatten von Marcus passt perfekt zum Buch. Vor der Lektüre von „Little Brother“ konnte ich mit der Umschlagsgestaltung nur bedingt etwas anfangen und fand sie auch nicht ansprechend. Nun aber, nach der Lektüre, passt das Cover zum Inhalt einfach wie die Faust aufs Auge.

Nach den ganzen guten Kritiken zu diesem Buch war ich natürlich sehr neugierig auf „Little Brother“.  Und ich muss sagen, das mich dieses Buch wirklich zum nachdenken angeregt hat. Ich werde es auf jeden Fall weiter empfehlen und bin froh „Little Brother“ gelesen zu haben.