Anfang Dezember 1983 wurde ich eine junge Frau Anfang 30 zu einer Treibjagd eingeladen, ich sage dazu das ich erst vor wenigen Tagen meiner Jägerprüfung mit Erfolg abgelegt hatte. Es war eine mittelgroße Jagdgesellschaft von ca. 80 Personen, das heißt etwa 45 Jäger der Rest bestand aus Treibern. Meine Person war pünktlich um 9:30 Uhr am Treffpunkt einem Aussiedlerhof außerhalb einer Kleinstadt in Südhessen. Die Jagd bestand aus Kessel – und Drückjagden, die der Jagdherr vor dem jeweiligen Jagdabschnitt bekannt gab. Die Jagd verlief recht erfolgreich und es war schon eine große Strecke von Fasanen, Feldhasen und Rebhühnern vorhanden und wir saßen beim Mittagessen es gab Erbsensuppe mit Würstchen sowie reichlich zu trinken. Nun gab der Jagdherr den nächsten Jagdabschnitt bekannt, es sollte eine Kesseljagd werden, das heißt es wird ein ca 200 – 400 Meter großer Kreis gebildet immer im Wechsel Jäger Treiber und nach innen Richtung Kreismittelpunkt getrieben, wobei die Vorgabe war das nur nach hinten geschossen werden durfte. Für mich als Anfängerin war dies natürlich alles Neu und ich war zudem auch noch unsicher und ausgerechnet mir passierte es das ich während dieses Jagdabschnittes einen Treiber anschoss, ich traf diesen 65 jährigen Menschen, dessen Sohn der auch als Treiber bei dieser Treibjagd dabei war und das ganze Unglück mitbekommen hatte, mit einer kompletten Schrotladung, der Mann hatte, wie später im Krankenhaus festgestellt wurde 53 Wunden am ganzen Körper. Man glaubt es kaum aber das Jagdgeschehen ging nach einer Pause in der der Rettungswagen da war, weiter als ob nichts gewesen wäre. Ich habe geglaubt die ganze Sache wäre geklärt, da die Formalitäten zwecks Versicherung und sonstigen polizeilichen Maßnahmen erledigt waren. Wie das bei einer Jagd Tradition ist traf man sich am Abend zum Kesseltreiben. Ich, der ich ahnungslos und unbefangen war habe mich sogar auf diesen Abend gefreut, doch was mich dann erwartete übertraf meine Erwartungen in einer Art wie ich es bisher nicht erlebt hatte. Im Saal einer Gaststätte war alles vorbereitet zu einem gemütlichen Abend. Wie man weis sind auch hochrangige Personen, wie Richter, Ärzte, Rechtsanwälte, Staatsanwälte bei so einer Jagd dabei und solche waren es auch die auf mich gewartet hatten. Der Saal wurde im Eiltempo proforma in einen Gerichtssaal umgewandelt, es nahmen ein Richter, 2 Ärzte als Schöffen, an der Stirnseite Platz, auf der rechten Seite nahm ein wahrhaftiger Staatsanwalt platz und auf der linken Seite nahmen zwei, im wirklichen Leben praktizierende Rechtsanwälte platz und ich wurde in der Mitte, direkt vor dem Richter platziert. Was jetzt geschah war ein Alptraum für mich, die komplette Jagdgesellschaft veranstaltete eine Gerichtsverhandlung und ich wurde angeklagt. Ich kam mir vor wie in einem falschen Film aber so war es und sie kamen sogar zu einem Urteil, ich sollte an den Treiber 1000 DM Schmerzensgeld zahlen. Ich wurde sogar dazu gedrängt das Urteil anzunehmen was ich auch mit Verbitterung tat. Der Treiber saß im „Zuschauerraum“ und hatte die ganze Zeit gegrinst, er wusste natürlich Bescheid, da ich das Urteil angenommen hatte ging ich zu dem Treiber hin um ihn nach seiner Kontonummer zu fragen um die 1000 DM zu bezahlen zu können. Auf einmal fing der Treiber an zu lachen und der ganze Saal lachte mit. Was war passiert, die Jagdgesellschaft hatte im Hintergrund die 1000 DM gesammelt und dem Treiber gegeben. Übrigens war die Begründung des Urteils damit verbunden einen etwas größeren Betrag an eine gemeinnützige Einrichtung zu spenden. Was für ein Tag aber was habe ich daraus gelernt? Wenn man unsicher und unerfahren ist sollte man 3 mal überlegen was man tut. Ich habe seither an vielen Jagden teilgenommen und das sehr gerne aus einem einzigen Grund – ich weis das Jäger gute Menschen sind.
Autor N.Krämer