Klage des Zorns und der Liebe von Marina Zwetajewa

01:58, 31.10.2008. Von Susan

Klage des Zorns und der Liebe!
Salz, das auf Augen ruht!
Oh, und Böhmen in Tränen!
Oh, und Spanien im Blut!

O schwarzer Berg, der du das
Licht verdunkelt hast!
Zeit ists, Zeit, dem Schöpfer
Hinzuwerfen denPass.

Ich weigre mich, zu leben
Im Tollhaus, unter Vieh.
Ich weigre mich, ich heule
Mit den Wölfen nie.

Ich weigre mich, zu schwimmen
Als Hai des Lands, stromab
Den Strom gebeugter Rücken -
Ich weigre mich, lehn ab.

Ablehn ich, dass ich höre,
Ablehn ich, dass ich seh.
Auf diese Welt des Irrsinns
Gibt es nur ein: ich geh.

Ein Gedicht von Lene Voigt

19:04, 22.10.2008. Von Susan

Hier nun mal etwas ganz anderes: Mundart und zwar Säks'sche. Lene Voigt ist eine sehr bekannte Vertreterin ihrer Art in Sachsen.

De Schnärlzche un de Lärche

De Schnärlzche meenten: "Lärche, bist du dumm,
Hast uff dein Fäld doch gar gee Bubligum!
Drum gomme liewer rein in unsre Stadt,
Weil jeder hier fier Gunst Verschtändnis hat."

"Nich in de Hand", dat froh de Lärche lachen,
"Denn ausn Bubligum du'ch mir nischt machen.
Ich diriliere niemals fier de Masse.
Das iberlass'ch eich Schnärlzchen uff dr Gasse."

Schnärlzche = Sperlinge.

Frühling übers Jahr

17:45, 22.10.2008. Von HollaBoii

Das Beet, schon lockert
Sichs in die Höh,
Da wanken Glöckchen
So weiß wie Schnee;
Safran entfaltet
Gewaltge Glut,
Smaragden keimt es
Und keimt wie Blut.
Primeln stolzieren
So naseweis,
Schalkhafte Veilchen,
Versteckt mit Fleiß;
Was auch noch alles
Da regt und webt,
Genug, der Frühling,
Er wirkt und lebt.

Doch was im Garten
Am reifsten blüht,
Das ist des Liebchens
Lieblich Gemüt.
Da glühen Blicke
Mir immerfort,
Erregend Liedchen,
Erheiternd Wort;
Ein immer offen,
Ein Blütenherz,
Im Ernste freundlich
Und rein im Scherz.
Wenn Ros und Lilie
Der Sommer bringt,
Er doch vergebens
Mit Liebchen ringt.

Früh, wenn Tal, Gebirg und Garten

17:43, 22.10.2008. Von HollaBoii

Früh, wenn Tal, Gebirg und Garten
Nebelschleiern sich enthüllen
Und dem sehnlichsten Erwarten
Blumenkelche bunt sich füllen;

Wenn der Äther, Wolken tragend,
Mit dem klaren Tage streitet,
Und ein Ostwind, sie verjagend,
Blaue Sonnenbahn bereitet,

Dankst du dann, am Blick dich weidend,
Reiner Brust der Großen, Holden,
Wird die Sonne, rötlich scheidend,
Rings den Horizont vergolden.

Demut

17:42, 22.10.2008. Von HollaBoii

Seh ich die Werke der Meister an,
So seh ich das, was sie getan;
Betracht ich meine Siebensachen,
Seh ich, was ich hätt sollen machen.

Um Mitternacht

17:35, 22.10.2008. Von HollaBoii

Um Mitternacht ging ich, nicht eben gerne,
Klein-kleiner Knabe, jenen Friedhof hin
Zu Vaters Haus, des Pfarrers; Stern am Sterne,
Sie leuchteten doch alle gar zu schön;
            Um Mitternacht.

 

Wenn ich dann ferner in des Lebens Weite
Zur Liebsten mußte, mußte, weil sie zog,
Gestirn und Nordschein über mir im Streite,
Ich gehend, kommend Seligkeiten sog;
            Um Mitternacht.

 

Bis dann zuletzt des vollen Mondes Helle
So klar und deutlich mir ins Finstre drang.
Auch der Gedanke willig, sinnig, schnelle
Sich ums Vergangne wie ums Künftige schlang;
            Um Mitternacht.

Nachtgedanken

17:33, 22.10.2008. Von HollaBoii

Euch bedaur' ich, unglücksel'ge Sterne,
Die ihr schön seid und so herrlich scheinet,
Dem bedrängten Schiffer gerne leuchtet,
Unbelohnt von Göttern und von Menschen:
Denn ihr liebt nicht, kanntet nie die Liebe!
Unaufhaltsam führen ew'ge Stunden
Eure Reihen durch den weiten Himmel.
Welche Reise habt ihr schon vollendet,
Seit ich, weilend in dem Arm der Liebsten,
Euer und der Mitternacht vergessen!

Der Becher

17:28, 22.10.2008. Von HollaBoii

Einen wohlgeschnitzten vollen Becher
Hielt ich drückend in den beiden Händen,
Sog begierig süßen Wein vom Rande,
Gram und Sorg' auf einmal zu vertrinken.

Amor trat herein und fand mich sitzen,
Und er lächelte bescheidenweise,
Als den Unverständigen bedauernd:

"Freund, ich kenn' ein schöneres Gefäße,
Wert, die ganze Seele drein zu senken;
Was gelobst du, wenn ich dir es gönne,
Es mit anderm Nektar dir erfülle?"

O wie freundlich hat er Wort gehalten,
Da er, Lida, dich mit sanfter Neigung
Mir, dem lange Sehnenden, geeignet!

Wenn ich deinen lieben Leib umfasse
Und von deinen einzig treuen Lippen
Langbewahrter Liebe Balsam koste,
Selig sprech' ich dann zu meinem Geiste:

"Nein, ein solch Gefäß hat, außer Amorn,
Nie ein Gott gebildet noch besessen!
Solche Formen treibet nicht Vulkanus
Mit den sinnbegabten, feinen Hämmern!
Auf belaubten Hügeln mag Lyäus
Durch die ältsten, klügsten seiner Faunen
Ausgesuchte Trauben keltern lassen,
Selbst geheimnisvoller Gärung vorsteh'n:
Solchen Trank verschafft ihm keine Sorgfalt

Geheime Liebe

17:22, 22.10.2008. Von HollaBoii

Unbeglückt muss ich durchs Leben gehen,
Meine Rechte sind nicht anerkannt;
Aus der Liebe schönem Reich verbannt,
Muss ich dennoch stets ihr Schönstes sehen!

Nicht die schwache Zunge darf's gestehen,
Nicht der Blick verstohlen zugesandt,
Was sich eigen hat das Herz ernannt,
Nicht im Seufzer darf's der Brust entwehen!

Tröstung such' ich bei der fremden Nacht,
Wenn der leere lange Tag vergangen,
Ihr vertrau' ich mein geheim Verlangen;
Ist in Tränen meine Nacht durchwacht,
Und der lange leere Tag kommt wieder,
Still ins Herz steigt meine Liebe nieder.

Clemens Brentano

Willst du dein Herz mir schenken

17:22, 22.10.2008. Von HollaBoii

Willst du dein Herz mir schenken,
So fang es heimlich an,
Dass unser beider Denken
Niemand erraten kann.
Die Liebe muss uns beiden
Allzeit verschwiegen sein,
Drum schließ die größten Freuden
Im innern Herzen ein.

Behutsam sei und schweige
Und traue keiner Wand,
Lieb innerlich und zeige
Dich außen unbekannt.
Kein Argwohn musst du geben,
Verstellung nötig ist,
Genug, dass du, mein Leben,
Der Treu versichert bist.

Begehre keine Blicke
Von meiner Liebe nicht.
Der Neid hat viele Tücke
Auf unsern Bund gericht!
Du musst die Brust verschließen,
Halt deine Neigung ein,
Die Lust, die wir genießen,
Muss ein Geheimnis sein.

Zu frei sein, sich ergehen,
Hat oft Gefahr gebracht.
Man muss sich wohl verstehen,
weil ein falsch Auge wacht.
Du musst den Spruch bedenken,
Den ich vorher getan:
Willst du dein Herz mir schenken,
So fang es heimlich an.

Simon Dach

Ich liebe dich, weil ich lieben muss

17:20, 22.10.2008. Von HollaBoii

Ich liebe dich, weil ich dich lieben muss;
Ich liebe dich, weil ich nichts anders kann;
Ich liebe dich nach einem Himmelsschluß;
Ich liebe dich durch einen Zauberbann.
Dich lieb' ich, wie die Rose ihren Strauch;
Dich lieb' ich, wie die Sonne ihren Schein;
Dich lieb' ich, weil du bist mein Lebenshauch;
Dich lieb' ich, weil dich lieben ist mein Sein.

Friedrich Rückert

Liebesflämmchen

17:19, 22.10.2008. Von HollaBoii

Ich will's dem blauen Himmel sagen,
Ich will's der dunklen Nacht vertrau'n,
Ich will's als frohe Botschaft tragen
Auf Bergeshöh'n, durch Heid und Au'n.
Die ganze Welt soll Zeuge sein:
Ja, du bist mein!
Und ewig mein!

In meinem Herzen sollst du leben,
Sollst haben, was sein Liebstes ist,
Du sollst, von Lieb und Lust umgeben,
Ganz fühlen, dass du glücklich bist!
Schließ' mich in deine Arme ein!
Ja, du bist mein!
Und ewig mein!

Hoffmann von Fallersleben

Kinderzeichnung von Reiner Kunze

17:56, 21.10.2008. Von Susan

Du hattes ein viereck gemalt,
darüber ein dreieck,
darauf (an die Seite) zwei striche mit rauch -
fertig war
DAS HAUS

Man glaubt gar nicht,
was man alles
nicht braucht.

Kindergedichte

17:05, 15.10.2008. Von HollaBoii

IA macht der Esel,
Mäh macht das Schaf,
Muh macht die Kuh
und wie machst du?

Und noch einmal ein Christian Morgenstern

17:10, 13.10.2008. Von Susan

Die Trichter

Zwei Trichter wandeln durch die Nacht.
Durch ihres Rumpf verengten Schacht
fließt weißes Mondlicht
still und heiter
auf ihren
Waldweg
u. s.
w.

Christian Morgenstern

17:08, 9.10.2008. Von Susan

Vielleicht wäre es auch mal ganz schön, etwas Poesie hier hineinzustellen, die sich nicht ganz so ernst nimmt. Christian Morgenstern erscheint mir da sehr passend:

Es war einmal ein Lattenzaun,
mit Zwischenraum, hindurchzuschaun.

ein Architekt, der dieses sah,
stand eines Abends plötzlich da -

und nahm den Zwischenraum heraus
und baute draus ein großes Haus

Der Zaun indessen stand ganz dumm,
mit Latten ohne was herum.

Ein Anblick gräßlich und gemein.
Drum zog ihn der Senat auch ein.

Der Architekt jedoch entfloh
nach Afri - od - Ameriko


Vorstellung

18:24, 8.10.2008. Von Susan

Der Poesieblog hat einen Co-Moderator gesucht. Ich bin sie. Guten Tag. Bin schon etwas angegraut, sollte deshalb ein schöner Gegensatz sein. Ich schreibe selbst, mehr Geschichten. Habe bisher Kurzgeschichten geschrieben und bin jetzt in einem Kreis von Autoren dem Perryversum nahestehend. Mein erster eigenständiger Heftroman ist gerade in Arbeit. Ansonsten habe ich "nur" Kapitel geschrieben.

Gedichte, die sich reimen, kann ich nicht. Ich werde es auch gar nicht versuchen. Viele schreiben Gedichte unter dem Motto "Reim oder ich fress dich". Mit solchen Gedichten kann ich immer nichts anfangen. Meine Spezialität sind Haiku - Senryu - Tanka. Da muss sich nichts reimen, da gilt es "nur" Ideen einzufangen, entweder entsprechend der Jahreszeit oder Seelenzustände im weitesten Sinne einzufangen.

Weinreben im Tal
Die Burg auf der Bergkuppe
Rotwein im Glase

Ach übrigens. Ich habe hier auch eine Homepage: http://www.free-blog.in/petrashomepage/

Ältere Sprüche in die heutige Zeit gesetzt

19:10, 6.10.2008. Von HollaBoii

Damals: Wer den Penny nicht ehrt ist des Talers nicht wert.
Heute:    Geiz ist geil!

Damals: Alte Bäume behämmert der Specht am meisten.
Heute: Auf alten Schiffen lernt man das segeln.

Damals: Was du heute kannst besorgen verschiebe nicht auf Morgen.
Heute: Es gibt viel zu tun, sehen wir es uns an.


Damals:
Es muss Hand in Hand gearbeitet werden.
Heute: Was der eine nicht schafft, lässt der andere liegen.

Damals: Ich denke, also bin ich.
Heute: Ich denke, also bin ich hier falsch.


Damals: Der beste Freund des Menschen ist der Hund.
Heute: Das beliebteste Haustier der Deutschen ist und bleibt das halbe Hähnchen.


Damals: Lieber stehend sterben als kriechend zu leben.
Heute: Kriecher sind schwer zu Fall zu bringen.


Damals: Jeder Mensch ist ein Individium.
Heute: Ich nicht!


Erlkönig

17:07, 6.10.2008. Von HollaBoii

Wer reitet so spät durch Nacht und Wind?
Es ist der Vater mit seinem Kind.
Er hat den Knaben wohl in dem Arm,
Er faßt ihn sicher, er hält ihn warm.

Mein Sohn, was birgst du so bang dein Gesicht?
Siehst Vater, du den Erlkönig nicht!
Den Erlenkönig mit Kron' und Schweif?
Mein Sohn, es ist ein Nebelstreif.

Du liebes Kind, komm geh' mit mir!
Gar schöne Spiele, spiel ich mit dir,
Manch bunte Blumen sind an dem Strand,
Meine Mutter hat manch gülden Gewand.

Mein Vater, mein Vater, und hörest du nicht,
Was Erlenkönig mir leise verspricht?
Sei ruhig, bleibe ruhig, mein Kind,
In dürren Blättern säuselt der Wind.

Willst feiner Knabe du mit mir geh'n?
Meine Töchter sollen dich warten schön,
Meine Töchter führen den nächtlichen Reihn
Und wiegen und tanzen und singen dich ein.

Mein Vater, mein Vater, und siehst du nicht dort
Erlkönigs Töchter am düsteren Ort?
Mein Sohn, mein Sohn, ich seh'es genau:
Es scheinen die alten Weiden so grau.

Ich lieb dich, mich reizt deine schöne Gestalt,
Und bist du nicht willig, so brauch ich Gewalt!
Mein Vater, mein Vater, jetzt faßt er mich an,
Erlkönig hat mir ein Leids getan.

Dem Vater grauset's, er reitet geschwind,
Er hält in den Armen das ächzende Kind,
Erreicht den Hof mit Mühe und Not,
In seinen Armen das Kind war tot.

Eines der wohl bekanntesten Gedichte von Goethe.

Suche Co-Autor

16:44, 6.10.2008. Von HollaBoii

Da ich im moment viel mit meinen Blogs zu tun habe, bin ich auf der Suche nach einem Co-Autor.
Dieser würde dann hier im Blog Poesie schreiben, über das was er möchte. Dabei muss er sich natürlich nicht nur auf die vorhandenen Kategorien einschränken.

Davon mal ganz abgesehn was er macht, sollte er sicher in Wort und Schrift sein.

Einfach mal per Kommentar oder Mail fragen.