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Blog-Wechsel

Geschrieben von Gelbfüssler am 25.07.2010 um 23:38 . Link.

Blog-Wechsel

Aufgrund diverser Zugriffsprobleme sowie der einfacheren Handhabung mit Hilfe von Word, habe ich meinen Bloganbieter gewechselt.

Die alten Beiträge werden weiterhin erhalten bleiben, weitere Einträge jedoch nur noch bei meinem neuen Bloganbieter erfolgen.

shotokan-ryu-karate.blogspot.com/

oder auch wie bisher:

www.reigi.de.vu

Unverantwortlichkeit in den Kampfkünsten

Geschrieben von Gelbfüssler am 24.07.2010 um 00:27
in 4) Karate. Link.

Unverantwortlichkeit in den Kampfkünsten

Eigentlich sollte es in den Kampfkünsten so sein, wie in allen anderen Bereichen des Lebens auch. Vorhandenes, richtiges und nachweisbares faktisches Wissen sollte konserviert und angewendet werden und gleichzeitig immer wieder falsifiziert werden. Gleichzeitig sollten die Protagonisten versuchen, neues Wissen zu erwerben und dieses in bereits vorhandenen Strukturen integrieren. Auch hier gilt, wie bereits vorher beschrieben, die Falsifikation.

Doch schaut man sich in den verschiedenen Dôjôs um, so scheint dies Anforderung, sich beständig fortzubilden, bisheriges Wissen zu hinterfragen und zu prüfen, nicht ernst genommen zu werden. Statt dessen verlassen sich die verschiedensten Trainer auf jenes Wissen, welches sie vor zig Jahren einmal aus dem Munde ihrer Lehrer gehört haben und lehren nun das selbige. Eine fachliche qualitative Auseinandersetzung erfolgte offensichtlich nicht. Denn wie sonst kommt es bei der Frage, 'was denn JKA-Karate' sei zu folgenden Aussagen:

"JKA-Karate ist, wenn Du mit Deinem JKA-Ausweis weltweit in allen JKA-Dojos mittrainieren kannst."

Richtig. In JKA-Karate-Dojos kann ich nur mittrainieren, wenn ich Mitglied der JKA bin. Aber wurde die Frage beantwortet, was denn JKA-Karate ist? Nächstes mal frage ich, was ist denn ein Mercedes. Bestimmt bekomme ich dann die Antwort. Also ein Mercedes ist, wenn Du in sämtlichen Mercedes-Werkstätten der Welt Dein Auto reparieren lassen kannst.

Eine andere Antwort von einem 4. Dan war:

"JKA-Karate hat sich ja alles unter dem 'großen' Funakoshi entwickelt. Er hat ja auch den Wettkampf entwickelt und seine Schüler gehabt. Die haben sich dann mit dem Meister überworfen und dann eigene Stile wie bspw. das Uechi-Ryu, Goju-ryu, etc. entwickelt. Er hat ja auch die ganzen Kata entwickelt, wie bspw. die Heian Kata. Und die stehen alle im "großen Buch"."

Es ist erstaunlich wieviel Quark in einigen wenigen Sätzen von sich gegeben wird. Und das mit felsenfester Überzeugung. Wettkampf und Funakoshi? Wer die Bücher von ihm las, wird wissen, dass es sich anders zugetragen hat. Ebenfalls mit der Entwicklung der Heian Katas. Und ganz zu schweigen, dass Goju-ryu und Uechi-ryu schon vor Funakoshi existierten und (wenn ich es richtig in Erinnerung habe) als jenes Karate von Okinawa bezeichnet werden kann. Dass es das große Buch so nicht gibt, scheint nicht bemerkt worden zu sein.

Interessanterweise ist gerade für jene Leute die "Ten no Kata" kein Begriff, gerade jene Kata die Funakoshi lehrte. Von den Bo- bzw. den Kon-Kata braucht an dieser Stelle nicht gesprochen zu werden.

Ein anderes negatives Erlebnis hatte ich mit einem weiteren Dan-Träger, der seit mehreren Jahrzehnten sich im Shôtôkan-ryû übt und sich nun mit seinem Verein in Richtung des JKA-Karates orientiert. Was grds. nichts schlechtes ist bzw. sein muss, möchte man sich gerade in der Basis, dem Kihon, des Karate festigen. Jedoch, so sollte man wissen, ist jenes Karate, welches die JKA heute praktiziert, nur noch ein Derivat dessen ist, was früher unter Karate bzw. unter der "Stilrichtung" Shôtôkan verstanden wurde. JKA-Karate selbst, und das hören die Mitglieder des Verbandes (welchem ich selbst angehöre) nicht wirklich gerne, konzentriert sich heute fast ausschließlich nur noch auf das Shiai. Früher übliche Techniken und Kata werden heute kaum (in Abhängigkeit von der Trainingsphilosophie des Dôjô und Trainer) noch gelehrt.

Jedenfalls möchte jener Karateka ausschließlich JKA-Karate machen. Wobei ich mich frage, wenn jemand erst seit kurzem in einem Verband ist, wie kann man dann mit Bestimmtheit sagen, was JKA-Karate ist? Physiologische und biomechanische funktionale Bewegungen eines auswärtigen Trainers werden jedoch abgelehnt, da man glaubt, dass diese Form der Bewegung nichts mit dem JKA-Karate zu tun hat.

Statt dessen darf man einen Kokutsu-Dachi bewundern, der weder aus kämpferischer noch aus gesundheitlicher Sicht vernünftig ausgeführt wird. Nachfolgend ein Bild, bei dem ein Karateka (nicht die beschriebene Person) den Kokutsu Dachi in ähnlicher Form ausführt.

Quelle: wantagekarateclub.co.uk/CMS/images/stories/provence2009/PE%20Kokutsu%20Dachi%20Gyayu%20Tsuki.JPG

In obigen beispielhaften Bild sieht man den schlechten Stand, den ich meine. Das Augenmerk muss hier besonders auf dem hinteren Bein liegen. In einer ähnlichen Ausführung ist dieser "Stand" von jenem Karateka. Jeder Physiotherapheut, jeder Mediziner der etwas vom Körper versteht wird bestätigen müssen, dass dies mehr als ungesund ist, da hier sowohl das Knie als auch die Bänder der Fussfesseln unnötig belastet werden.

Was an der ganzen Geschichte noch viel unglaublicher ist, dass früher SO nie ein Kokutsu Dachi ausgeführt wurde. So spricht selbst Nakayama von einer Gewichtsverteilung von 7:3 und zeigt auf, dass der Schwerpunkt auf dem hinteren Bein liegt. (vgl. Nakayamas Karate perfekt - Einführung, Falken-Verlag 1995, S. 28). Sogar im vielgeschmähten Wikipedia wird die Fussstellung ähnlich gezeigt wie im Nakayama.

Edit: Bild wird in den nächsten Tagen aktualisiert, bis dahin bitte ich auf das hintere gebeugte Bein zu achten, welches hier verlinkt ist.
(vgl. http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/2/2a/Koukutsudachi.svg)

Es ist schon verwunderlich, wenn man solche Ausführungen wie auf dem vorstehenden Bild sieht, dass dem Protagonisten der eigene Körper doch so unwichtig erscheint, als das man auf diesen nicht achten muss.

Ein weiteres negatives Erlebnis konnte ich bei einem Besuch meines alten Jiu-Jitsu-Vereins verbuchen. Dort traf ich auf eine Gruppe lieblicher Menschen, deren größte Freude es ist, sich jedesmal eine 1/2 Stunde beim Basketball aufzuwärmen und zu verausgaben um anschließen noch züchtig Gymnastik und Kräftigungsübungen zu machen. Funktionale Übungen auf die das Training später aufbauen? Fehlanzeige. Wichtig ist Breitensport und Spaß, dass hat mir zwischendurch ein 1. Dan gesteckt. Stimmt. Denn als ich die erste Technikkombination gesehen habe, wollte ich meinen Äuglein nicht trauen. Wurde doch ein Kipphandhebel als Befreiungstechnik gegen eine fassende Person (Tori) gezeigt, bei dem der Partner (Tori) überkooperativ einen "freien Fall" hinlegte. Die weiteren Techniken waren von der ähnlichen Kategorie "zweifelhaft" bis "so ein Unsinn", mit der Tori den Uke dann fadenscheinig ähm... gekonnt von der Rücken- in die Bauchlage brachte.

Und Uke war so gut! Er kooperierte auf der ganzen Linie und wartete geduldig, bis er in einem Transportgriff genommen und aus der Bodenlage aufgehoben wurde. Natürlich nur, um anschließend mit einem "Pseudo-Wurf" entledigt zu werden. Und die Schöölerlein glaubten der Show und versuchten artig diesen Unsinn nach zu machen.

Interessant an all' diesen Erlebnissen war, dass sich die wenigsten Vereine Gedanken um tatsächliche Notwehrsituationen machen. Statt dessen werden Techniken gelehrt, die maximal für den Wettkampf tauglich sind, jedoch auf der Straße versagen werden.

Hier stellt sich die Frage und auch die Kritik an den Trainern. Sind sie sich ihrer Verantwortung eigentlich bewusst? Ist es nicht unverantwortlich, zweifelhafte Techniken zu lehren? Auch müssen sich manche den Vorwurf gefallen lassen, dass offensichtlich kein Interesse besteht, sich in vernünftiger Form weiter zu bilden! Warum?

Statt dessen werden Schüler in Dingen unterrichtet, die nicht funktionieren, es wird ihnen ein Selbstbewusstsein eingebleut welches bei der ersten Auseinandersetzung den Bach runter geht.

Betrachtet man dies und noch einiges mehr, dann kann man nur von Unverantwortlichkeit sprechen!

Was ist JKA-Karate?

Geschrieben von Gelbfüssler am 29.06.2010 um 01:38
in 4) Karate. Link.

Was ist JKA-Karate?

Seit nunmehr rund 16 Jahren betreibe ich Kampfkunst, 14 davon Karate nach Version der Japanese Karate Association (JKA). Das ursprüngliche Ziel beim Erlernen einer Kampfkunst war für mich die Selbstverteidigung. Doch auch der ästhetische Aspekt hat mich beim Beginn nicht ganz ungerührt gelassen. Ich erinnere mich noch gut an Jean "The Tornado" Frenette, als er in Paris Percy seine Musikkata vorführte und wie mich die Dynamik und sein Können fesselte. Ähnliches würde ich auch gerne können.


In den folgenden Jahren führte mich mein Weg über das "Jiu-Jitsu" hin zum Karate der JKA. Einem Karate, in dem ich bei manchen Abwehrtechniken zweifelte, ob diese auch wirklich funktionieren würden. Diese Zweifel, wischte ich jedoch mit dem Gedanken weg, dass man später das notwendige Wissen erhalten würde und man bis dahin entsprechend fleißig trainieren müsse.

Heute, Jahre später, blättere ich in der Verbandszeitschrift des DJKB und lese immer wieder von JKA-Karate und ich frage mich, was denn jenes JKA-Karate nun genau sei, was ich nun seit Jahren ausübe. Der geneigte Leser mag mich nun - angesichts einer solchen Frage - für naiv halten, doch ehrlich, was macht das JKA-Karate aus, außer dem typsichen 3-geteilten Training (Kihon, Kata und Kumite).

Die JKA-Vertreter würden jetzt sicherlich recht schnell und fest sagen, das JKA-Karate sich durch harte, schnelle und präzisen Techniken auszeichne. Attribute, die sicherlich richtig sein mögen. Aber sind dies genügend Attribute, wenn man an Karate denkt. An ein Karate von dem Funakoshi Gichin schreibt, dass es nur eines gäbe? Ein Karate, welches Selbstverteidigung lehrt?

Viele werden nach dem letzten Satz aufschreien und argumentieren, dass doch gerade das JKA-Karate für die Selbstverteidigung geeignet sei - man denke nur an die Attribute - schnell, präzise und starke Techniken. Aber ist Selbstverteidigung, Goshin-jûtsû, nicht mehr? Mehr als "Distanzüberwindung" und den sonst so typischen "Block-Konter-Techniken"?

Was für ein Karate lehrt also die JKA? Die Grundlagen der Karate-Techniken (Kihon), die Bewegungsformen (Kata) und der freie Kampf (Kumite), der jedoch in erster Linie auf ein Reglement basiert, welches die JKA bei der Gründung entwickelt hat.

Wenn wir schon bei der geschichtlichen Betrachtung sind, so lässt sich feststellen, dass viele der heute anerkannten Meister berichten, dass früher das Augenmerk im Training nicht der Wettkampf, sondern vielmehr das Überleben im Krieg war. Für den Wettkampf habe man sich gerade einmal eine Woche unmittelbar zuvor vorbereitet.

Und heute? Heute scheint bei beim ein oder anderen Verein gerade das Kumite-Shiai die Basis des Karate zu sein. Karate welches nur auf den "berühmten" Ippon ausgerichtet ist.

Ist also das JKA-Karate wirklich nur "Kihon, Kata und Kumite" auf Basis von "starken, schnellen und präzisen Techniken"? Ist das wirklich alles oder gibt es noch mehr im Karate der JKA zu entdecken?

Erfolg kennt keine Abkürzung

Geschrieben von Gelbfüssler am 14.06.2010 um 15:26
in 4) Karate. Link.

Erfolg kennt keine Abkürzung

Es ist seltsam, je länger man sich in einer Kunst des Kampfes übt, je tiefer man in die Materie - und sei es nur auf geistiger Art - eindringt, umso mehr stellt man fest, wie wenig man doch weiß. Gleichzeitig tauchen mehr und neue Fragen auf, welche man - besonders wenn man sich abseits von den etablierten Wegen des Main-Streams befindet - immer weniger Weggefährten stellen kann.

Dave Lowry beschreibt in einem seiner Texte, dass Budoka letztlich für sich alleine trainieren und somit den Weg (des Budo) alleine gehen. Dabei spiele es keine Rolle, ob man alleine im Dôjô oder in einer Halle mit mehr als 100 gleichgesinnten stehen würde. Denn letztlich konzentriere man sich auf sich selbst. Die eigene Technik und die eigene Weiterentwicklung.

Gerade die Feststellung, dass man noch viel zu lernen hat sowie den Wunsch und den Willen, die neu entdeckten Wissenslücken zu schließen, sollten einen jeden persönlich anspornen, nach Antworten zu suchen.

Dabei sollte man sich aber nicht der Versuchung hingeben, qualitativ hochwertiges Wissen ungefragt zu übernehmen und - wie es häufig in diversen Foren zu sehen ist - nachzuplappern. Vielmehr sollte man (besonders in Foren) gelesenes Wissen mit Hilfe unterschiedlicher Quellen prüfen um dann anschließend zu einem eigenen Ergebnis zu kommen.

Im Idealfall hat der Lehrer, Sensei, Trainer oder auch Freund ein wichtiger Hinweis geliefert, ein Hinweis der mit Hilfe eigener Recherchen untermauert wurde und gleichzeitig zum eigenen Wissensfundament wurde. "Kopiertes ungeprüftes Wissen" ohne das entsprechende Verständnis ist weniger Wert, weil die erforderliche Arbeit und somit die intensive Auseinandersetzung mit dem Wissen und der Materie nicht vorgenommen wurde.

Fast möchte ich das so "kopierte Wissen" als Plagiat und Etikettenschwindel bezeichnen, besonders dann, wenn junge Kampfkünstler sich nicht die Mühe machen, in den entsprechend gekennzeichneten Quellen nachzuschlagen.

Derjenige, der sich ernsthaft mit jenem Wissen auseinander setzt, liest, fragt und versucht zu verstehen, ist auf einem anderen Weg, wenngleich er vielleicht nun feststellt, dass es viel mehr Dinge gibt, die er bisher noch nicht wusste und er sich selbst als Anfänger auf jenem Wege sieht. Einem Weg auf dem er hofft, noch viele Dinge zu lernen.

Unglücklicherweise ist gerade jener Weg, ein Pfad, den viele Karateka nicht beschreiten wollen oder vielleicht nur oberflächlich gehen. Denn die Arbeit welche hinter der Suche nach dem eigenen Weg steckt, scheint zu anstrengend zu sein.

Doch gerade diese Anstrengung ist notwenig um - wie auch im Berufsleben - seinem Ziel Stück für Stück näher zu kommen. Wie äußerte sich Tanaka Masahiko Sensei?

"Erfolg kennt keine Abkürzung".

Training geben? oder Wissen verpflichtet

Geschrieben von Gelbfüssler am 7.06.2010 um 14:53
in 4) Karate. Link.

Training geben?
oder
Wissen verpflichtet!

Beim ein oder anderen kommt nach Jahren des eigenen Trainings der Wunsch auf, das erworbene Wissen nun selbst weiter zu geben. Manchmal wird einem auch angetragen, ob man denn nicht Training geben könne, aus welchen Gründen auch immer.

Doch wie weiß man, ob man selbst Training geben kann oder geben möchte? Welche Voraussetzungen - sowohl in Bezug auf Können und Wissen - sind dafür notwendig? Welche Ansprüche stellt man an sich und sein eigenes Training? Was soll es umfassen?

Ebenso ist zu fragen, ob man sich der Verantwortung bewusst ist, wenn man Training geben möchte. Eine Verantwortung, die sowohl den didaktischen Teil aber auch den menschlichen Aspekt umfasst. Darüber hinaus bezieht sich die Verantwortung des Lehrers auf den gesundheitlichen Bereich der Kunst (i.S. der Erhaltung der Gesundheit), der korreten Vermittlung des faktischen Wissens als auch des technischen Könnens sowie den Aspekt der Zeit.

Ein von mir geschätzter promovierter Karateka zweifelt derzeit gerade am zeitlichen Aspekt, da er sich für die Entwicklung seiner Schüler verantwortlich fühlt. Er fragt sich, ob er Ihnen genügend seiner eigenen Zeit widmen kann um seinen Schülern das wesentliche seiner Kunst zu vermitteln. Er zweifelt an sich. Zurecht?

Welche Ansprüche habe ich als Lehrer an mich und meine Schüler? Kann und will ich meine Schüler - wenn ich denn über das erforderliche Know-How verfüge - tief in meine Kunst einführen?

Wie ist es, wenn mein Lehrer - sollte ich denn einen haben - sein Wissen an mich vermittelt hat, in der Hoffnung, dass ich es weiter gebe? Habe ich nun oder zu einem spezifischen Zeitpunkt das Recht zu unterrichten oder vielleicht sogar die Pflicht das Wissen an die nächste Generation weiter zu geben?

Nun ich habe das "Glück" mir über diese Art der Verpflichtung weniger gedanken machen zu müssen. Dennoch stellt sich die Frage, ab wann man unterrichten darf, sollte oder gar muss!

Heute gibt es viele Trainer, die kurz nachdem sie die Prüfung zum 1. Dan absolviert haben, als Trainer im Verein eingesetzt werden. Ja, es gibt sogar Vereine/Schulen, die bereits viel früher Schüler als Trainer einsetzen, teilweise zu einem Zeitpunkt, an dem sie selbst gerade mal den 5., 4. oder gar 3. Kyû erworben haben und nun selbstständig eigene Gruppen und Einheiten leiten sollen. Wie umfangreich ist das Wissen über die Kunst, die sie nun lehren sollen?

Und wenn man sich selbst mit den Hintergründen, der Entwicklung aber auch mit anderen Künsten beschäftigt und merkt, dass man erste Schritte zum Verständnis der Zusammenhänge gemacht hat aber weiß, dass noch vieles zu lernen und zu meistern ist? Wenn man immer mehr feststellt, wie wenig man selbst weiß, je mehr man liest?

Gleichzeitig ist zu fragen, wie das Selbstverständnis jener aussieht, die zwar unterrichten, sich aber nie wirklich mit der Kunst des Te/Ti auseinander gesetzt haben? Soll also jener, der sich mit diesen Dingen befasst, nicht unterrichten obwohl er mit hoher Wahrscheinlichkeit mehr weiß und auch kann als eben jene, die dieses Know-How nicht haben? Oder ist er nun doch in einer noch größeren Verantwortung?

 

Gibt es nicht den Spruch "Wissen verpflichtet"? An dieser Stelle stellt sich die Frage, zu was man nun genau verpflichtet ist. Welche Verpflichtung gehe ich ein? Nicht zu lehren, weil man weiß, dass man selbst noch viel zu lernen hat oder doch zu lehren, weil man dennoch weiß, dass man über mehr Know-How verfügt als andere?

Es bleibt die Frage offen, ab wann darf, soll oder muss man unterrichten?

 

Edit: 08.06.2010

Karate eine komplexe Kampfkunst

Geschrieben von Gelbfüssler am 29.05.2010 um 23:58
in 4) Karate. Link.

Karate eine komplexe Kampfkunst

Karate scheint wie ein Puzzle zu sein, ein Puzzle dessen Gesamtheit aller Teile sowie die vielen einzelnen Facetten man nicht zu erkennen vermag. Ein Puzzle bei dem weder das Bild noch die Anzahl der Teile bekannt ist. Wieviel Teile mag es geben, welche Teile gehören wie zusammen?

Am Beginn meines Trainings waren mir nur sehr, sehr wenige Teile bekannt und bewusst. Kihon, Kata und Kumite sollen die drei Säulen des Karate sein. Doch die Säulen scheinen komplexer ineinander verwoben zu sein, als es mir bis vor kurzem erschien.

Betrachtet man die Aussagen unterschiedlicher und ohne Zweifel anerkannter Groß-Meister des Karate (im Buch "Masters", so äußern sich jene in Bezug auf Karate, Kata und Kumite immer wieder ähnlich.

Basis des Karate ist die Kata. Genauer gesagt, die Analyse (Bunkai) und die Anwendung (Oyo). Auch das Kihon basiert auf Kata ebenso wie das Kumite.

Betrachtet man nun Karate als komplexe Kunst, so finden wir viel mehr, als die typischen "Block-Konter"-Techniken - Dinge die ich teilweise schon in diesem Blog beschrieben habe - Nage-Waza (Wurftechniken), Tanto-jûtsu bzw. Tanto-Dori [1] (welches man weitgehend als Verteidigung gegen Angriffe mit einem Messer verstehen kann), Tachi-Dori [2] (Verteidigung gegen das Schwert), Bô-Dori (Verteidigung gegen den Langstock) [3], Kyûsho (Vitalpunkte), sowie des Goshin-jûtsu (Selbstverteidigung) sowie die des Bûjûtsu (Kriegskunst). Gerade die letzten beiden Punkte erwähnen die Meister aus Okinawa, Japan und anderen Ländern immer wieder. Auch der Bodenkampf findet immer wieder Erwähnung. So sprechen sich sowohl Henry Plee als auch Stan Schmidt für ein entsprechendes Training aus. Henry Plee geht sogar noch einen Schritt weiter und äußert sich dezidiert, dass in den Kata Techniken enthalten sind, die im Bodenkampf eingesetzt werden können.

Betrachtet man diese Punkte, so erscheint die Kampfkunst deutlich komplexer als es häufig in den Dôjô (die ich kenne) bislang geübt wird.

Wie sollte also ein Training für fortgeschrittene Schüler (ab 1. Kyû) aussehen? Neben dem üblichen Standardtraining, dem Kihon - die der Verbesserung und zur Verfeinerung der Technik dient - sollte das Augenmerk einerseits dem Kata-Training gehören. Hierunter ist zu verstehen, das zuerst die Form gelernt werden muss, so dass ein gutes Verständnis vorherrscht. Im nächsten Schritt geht es an die Analyse der Bewegung, ggf. unter Berücksichtigung von Waffenkünsten, wie dem Kobudo, welche zum Teil sehr eng mit dem Karate verwoben sind [4]. Nach der Analyse bzw. durch die Analyse erfolgt die Kenntnis des Bunkai, welches nun in Kumite-Form erstmalig geübt werden kann.

An diesem Punkt könnte man fragen, ob hier schon die erste Schnittstellen zum Goshin-jûtsu zu finden sind und in der Erweiterung der Übung nun auch Nage-Waza, Kyûsho, Tanto-Dori, etc. geübt werden können bzw. müssen.

In diesem Spannungsbogen zum Kumite (welches sich nun eindeutig vom Kumite-Shiai unterscheidet) ist ebenfalls eine Erweiterung zu sehen. Wurden in der Vergangenheit Techniken geübt, die zum Erfolg auf der Wettkampffläche führten, sollte hier die Übung zum Jissen-Kumite übergehen.

Nage Waza, Kyûshu sowie viele andere Techniken sollten nun Teil des technischen Repertoire des Jissen-Kumite sein, welches sich in Richtung Bûjûtsu entwickelt.

Eines wurde in dieser kurzen und mehr als komplexen Auflistung jedoch vergessen. Als weitere Elemente der natürlichen Kampfkunst Karate fließen neben ebenso funktionale Bewegungen und Techniken als auch Übungen des Qi-Gong und der Atmung mit ein, die das Training aber vor allem das eigene Karate unterstützen. [5]

Wenn ich all' jene Punkte betrachte, die es zu erforschen, zu verstehen und vor allem zu üben gilt, so ist klar, dass Karate wahrlich eine komplexe Kampfkunst ist, die mehr beinhaltet als jenes, was uns häufig in Verbänden suggeriert wird.

Aus diesem Grund verabschiede ich mich für heute und widme mich meinem Training, in der Hoffnung, auch hier einen weiteren Schritt nach vorne zu machen.

[1] vgl. Wittwer, Henning, Shôtôkan - überlieferte Texte, S. 160
[2] ebd.
[3] ebd.
[4] vgl. Masters, Schlatt, Sake-Verlag
[5] hierzu möchte ich ebenfalls auf das Buch "Masters" sowie den Autor von "Dôjôkun" verweisen.

Katja Ebstein - Theater

Geschrieben von Gelbfüssler am 29.05.2010 um 16:14
in 5) sonstiges. Link.

Katja Ebstein - Theater

 

 

Und wie sieht es in Deinem/Ihrem Gegenüber aus?

Heinz Rühmann - Der Clown

Geschrieben von Gelbfüssler am 29.05.2010 um 16:12
in 5) sonstiges. Link.

Heinz Rühmann - Der Clown

 

Nachdenken und hinterfragen

Geschrieben von Gelbfüssler am 24.05.2010 um 17:41
in 4) Karate. Link.

Nachdenken und hinterfragen

Wenn Sie eine akademische Ausbildung an einer Hochschule beginnen, kann es sein, dass Sie beim Beginn Ihres Studiums vom Präsidenten, einem Professor oder einem Dozenten darauf hingewiesen werden, dass Sie Dinge bzw. Wahrheiten hinterfragen sollen. Damit ist gemeint, dass man erzähltes und auch bereits vorhandenes Wissen in Zweifel ziehen und dieses Wissen der Falsifikation unterziehen soll. Dieses "Verfahren" der Falsifikation sollte eigentlich in allen wissenschaftlichen Disziplinen angewendet werden. Könnte man die Falsifikation auch im Karate anwenden oder müsste man dies sogar tun?

In Asien wird in der Regel beim Lehrer nicht hinterfragt, was und wie er unterrichtet. Der Unterrichtsstil und -art wird ohne zu fragen akzeptiert und hingenommen. Im Westen - so äußern sich japanische Meister - würde mehr gefragt werden, im Vergleich zu den asiatischen Schülern (vgl. hierzu die div. Interviews im Buch "Masters", Schlatt-books.de).

Dennoch frage ich mich mehr und mehr, ob heute die jungen Karatekas die richtigen und wesentlichen Fragen stellen oder ob sie lediglich auf den Konsum von Informationen des Lehrers vertrauen. Meist scheint es so zu sein, dass lediglich die Anweisungen konsumiert werden, das nachdenken um das Warum und der Anwendung der Technik vernachlässigt, ja sogar ignoriert wird. Der Lehrer wird als Dienstleister gesehen, der einem die notwendigen Informationen bestimmt auf einem Silbertablett liefern wird. Selbst im "Stufenbereich" findet dies scheinbar kaum Anwendung. Denn wie sonst kann es sein, dass manche Dan-Träger Kata nicht analysieren und nach sinnvollen Anwendungen forschen?

Viel eher wird Kata als ein überflüssiges Beiwerk gesehen, welches ein notwendiges übel ist und zum Karate dazu gehört. Viel eher, so hört man, ist der Wettkampfsport die Basis der Selbstverteidigung. Ein fataler Irrtum?

Hierzu möchte ich an dieser Stelle nicht meine Ansicht niederschreiben, habe ich dies doch oft genug getan. Jedoch möchte ich eine Passage zitieren:

Frage: Wie wirkt sich der Einfluss des Sports auf Karate aus?
Minobu Miki Sensei (Shitô-ryû): Viele der effizienten Techniken, die im Kata-Bunkai zu finden waren, sind verloren gegangen. Das ist darauf zurückzuführen, dass man die Kunst einfach zu sportlich betrachtet. Wirksame Selbstverteidigungstechniken können im Rahmen des Wettkampfs nicht angewandt werden, daher übt sie praktisch niemand mehr. Sportliches Kumite ist gut, aber das andere sollte auch im Gedächtnis bewahrt werden. Freikampf ist gut für den Sport, aber es besteht die Gefahr, dass man durch den Freikampf von anderen wichtigen Aspekten der Kampfkünste abkommt. Früher war Budô in Japan etwas sehr Blutiges. [...]
(Masters, Schlatt-books, S. 297)

Frage: Karate wird heute oft nur als Sport betrachtet. Wie stehen Sie zu dieser Ansicht?
William Dometrich (Chito-ryû): Wir haben mit dem Karate etwas aus dem fernen Osten übernommen, das nie dazu bestimmt war, eine Sportart zu werden. Nun haben wir es aber in einen Sport umgewandelt. Soweit dies der Fall ist, müssen wir Karate als Sportart bezeichnen. Und damit ist klar: Karate hat sich also in zwei Fraktionen gespalten, in die Fraktion des Budô und die des Sports.
(ebd., S. 106-107)

Frage: Haben Sie einen guten Rat für Karateka?
Teruo Hayashi (u.a. Shitô-ryû): Immer die Grundlagen trainieren. [...] Es ist nicht falsch, die einfachen Wettkampftechniken zu trainieren und ein Champion zu werden, aber die Kunst des Karate ist kein Sport. Sie dient der Selbstverteidigung, und das ist eine völlig andere Sache. [...]
Ich rate jedem, nach wirklichem Verständnis zu streben.

 

Nostalgie III

Geschrieben von Gelbfüssler am 27.04.2010 um 01:12
in 5) sonstiges. Link.

Nostalgie III

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