Karate-Lehre

Geschrieben von Gelbfüssler am 2.10.2009 um 00:13
in 4) Karate. Link.

 

Karate-Lehre
-Tradiertes Wissen vs. Fakten-

In der wissenschaftlichen Forschung gilt das Prinzip der Falsifikation (1), in der eine Theorie als solange als gültig anerkannt wird, bis diese Theorie, These oder Aussage faktisch widerlegt wird. Sobald die Widerlegung einer Theorie erfolgreich war/ist, gilt die bisherige Theorie(n) als falsch und wird i.d.R. durch die neue Erkenntnis ersetzt.

Die Kampfkunst Karate wurde nachweislich durch die „Japanese Karate Association“ nachhaltig weltweit verbreitet. Aufgrund der durch die JKA initiierten „Instructor-Class“ sollte das Wissen gebündelt werden um so eine besondere Qualität zu erhalten. Bekanntermaßen sandte die JKA kurz nach der Gründung der Organisation ihre Fachleute in alle Welt aus um in den verschiedenen Ländern Karate nach der Version der JKA zu unterrichten.

Die Problematik bei der Vermittlung des Wissens war die Übersetzung des japanischen in die jeweilige Landessprache. An dieser Stelle muss erwähnt werden, dass die Erläuterungen der diversen Japaner schwierig zu verstehen waren, da entweder die Japaner fast nur japanisch und kaum die Landessprache sprachen oder gar über ein ausreichend gutes Englisch verfügten. Auf der anderen Seite war es selbstredend genau andersrum.

Es wird somit klar, dass es bis heute noch verschiedenste Verständnisprobleme gibt, da die Erklärungen aus den 50ern und 60ern sich bis heute falsch in den Köpfen der Karatekas tummeln.

Als Beispiel kann hier das im Karate häufig verwendet Wort „Kime“ verwendet werden. Im Training oder auch auf Lehrgängen wird „Kime“ häufig mit „Anspannung“ gleichgesetzt. Jedoch hat der Begriff „Kime“ nichts damit zu tun. Vielmehr kommt „Kime“ von „Kimeru“ (極め) (2) und bedeutet vielmehr sich zu „entscheiden“.

„Kime“ hat also weniger mit Anspannung zu tun, als vielmehr mit einer Entscheidung. Und zwar mit der Entscheidung angreifen oder warten zu wollen.

Wie kommt es aber nun, dass im deutschen Karate häufig nicht von „Entscheidung“ sondern Anspannung gesprochen wird?

Hier kann es fast nur eine Antwort geben. Eine ursprüngliche falsche Übersetzung führte zu dem heutigen Irrglauben, dass am Ende der Technik eine maximale Anspannung erreicht werden muss. Durch das falsche Verständnis einiger Karatekas aus den 50er und 60er Jahren (die es nicht besser wussten) hat sich dieses falsche Verständnis bis heute gehalten und wird durch Lehrgänge weiter potenziert.

Damit es nicht falsch verstanden wird, am Ende der Ausführung einer Technik, ist durchaus eine kurze Spannung in der Muskelatur vorhanden. Jedoch darf diese "(An-)Spannung nicht übertrieben werden. Nicht desto trotz hat die kurze Kontraktion der Muskelatur mit Kime nichts zu tun.

Die Problematik scheint jedoch an einem anderen Punkt zu liegen. Und zwar an der Resistenz mancher Karatekas, bisheriges (faktisch falsches) Wissen durch korrektes (richtiges) Wissen zu ersetzen. Besonders ärgerlich wird es dann, wenn das falsche Wissen aufgrund eines falschen Traditionsverständnisses beibehalten wird und wider besseres Wissens dennoch weiter falsche Dinge gelehrt werden.*

 

An dieser Stelle kommen wir wieder zum Punkt der Falsifikation. Durch die Möglichkeit des Internets und durch ausgebildete Japanologen sowie Personen die in Japan gelebt haben, kann dieses falsche Wissen korrigiert, weil falsifiziert werden.

Warum wird das faktisch „korrigierte“ Wissen nun nicht gelehrt? Ist es Faulheit oder Unwissenheit? Unwissenheit kann es heute (fast) nicht mehr sein, da die Quellen heute doch verfügbar sind. Vielmehr scheint es so zu sein, dass es Karatekas gibt, die sich nicht mit den Hintergründen und mit dem fachspezifischen Wissen auseinander setzen wollen. Kostet dies zuviel Arbeit?

Oder ist hier die Angst, sich selbst hinterfragen zu müssen? Ja, vielleicht sein eigenes „mühsam“ erworbenes Wissen korrigieren und eingestehen zu müssen, dass das bisherige Wissen falsch war. Wäre dies eine Schande, dies zuzugeben? Wohl kaum.

Denn wie heißt es? Fehler sind immer zu verzeihen, wenn diese auch zugegeben werden. Nicht zu verzeihen, sind jene Fehler (jenes falsche Wissen), das verschleiert oder noch schlimmer, (wider besseren Wissens) weiter falsch gelehrt wird.

Quellen (Stand: 02.10.2009):
(1) de.wikipedia.org/wiki/Falsifikation
(2)
www.docoja.com/kan/kantxtd13-6.html

* EDIT vom 04.10.2009
Korrektur zum besseren Verständnis

 

Kommentare

Navigation

{ Vorherige Seite } { Seite 40 von 150 } { Nächste Seite }

Avatar