Warum teilen?

Geschrieben von Gelbfüssler am 27.10.2009 um 22:41
in 4) Karate. Link.

Warum teilen?

Eine bekannte Weisheit sagt, dass wenn man Wissen teilt, es mehr wird. Aus diesem Gesichtspunkt heraus ist es somit erforderlich, sein erworbenes Wissen anderen mitzuteilen, ganz in der Hoffnung, dass durch den Dialog ein Mehrwert geschaffen wird. Dies gilt dabei nicht nur für die Ökonomie und die Politik, nein, auch für die Kampfkünste.

Jedenfalls sollte es so sein. Zwar schuf der DKV eine entsprechende Institution um dieses Ziel, mehr Wissen zu generieren, zu erreichen, doch beim gemeinen Karateka ist davon nicht wirklich viel zu bemerken.

Ungefragt werden falsche Phrasen übernommen und an die Schüler weitergetragen ohne dass sich der Einzelne mit den Aussagen beschäftigt hat. Aber gerade das hinterfragen von Wissen, das prüfen und der Versuch der Falsifikation sind doch wesentliche Kernpunkte um festzustellen, ob eine Kunst so erhalten bleiben kann, modernisiert oder gar zurück entwickelt werden muss.

Viele der heutigen Karateka sehen die Effizienz der Kampfkunst Karate im Wettkampf. Hier, so eine der vielfältigen Meinungen, würde die Tradition bewahrt werden oder gar das Verständnis besonders in die Tiefe gehen. Grund sei, dass Athleten häufiger trainierten und deshalb einen besonders tiefen Einblick in die Materie bekommen würden.

Ebenso wird der Wert der Kata angezweifelt. Kata gilt nicht mehr als "Lexikon der Kampfkunst" sondern immer mehr als lästiges Überbleibsel mit einer zweifelhaften Bedeutung. Zweifelhaft deswegen, weil das Verständnis für die Kata, sowohl als Bewegungsschule als auch (möglicher) Leitfaden für das Bunkai, fehlt. Kata, sei "überflüssig". Man brauche sie, die Kata, nicht.

Das hinter jeder Kata Bewegungsprinzipien stehen aber auch Techniken für den Nah- und Bodenkampf enthalten sind, wird jedoch geflissentlich übersehen. Auch die Zusammenhänge zwischen dem Schwertkampf (Jigen-ryû) und Karate wird nicht erkannt.

Finden sich nun Kampfkünstler, die aus der vielfältigen Zahl an Missinterpretationen und falschem Verständnis logische und sinnvolle Erklärungen abgeben, so werden diese beleidigt oder denunziert. Ziel des Denunzianten ist es dabei, den faktisch "Wissenden" mundtot zu machen.

Doch die Frage ist, warum? Ist es falscher Stolz? Oder die Erkenntnis, dass man jahrelang an falsche, ggf. unfunktionales Wissen glaubte und nun feststellen muss, dass dieses Wissen in sich zusammenfällt?

Das bedauerliche ist jedoch, dass jene Menschen nicht bereit sind, altes und fehlerhaftes oder gar falsches Wissen abzulegen, sondern der Versuch, dieses falsche Wissen zu rechtfertigen. Wobei diese, nicht in Form von faktischen Quellen, wie bspw. literarischen Quellen untermauert werden, sondern vielmehr mit Aussagen wie: "Das haben wir schon immer so gemacht" belegt werden sollen.

Weisen nun die Fachleute mit Hilfe von unterschiedlichen gut recherchierten Quellen auf Irrtümer der selbst ernannten Experten hin, so wird dieses Wissen weiterhin abgelehnt.

Irgendwann erkennen die Experten, dass die eigene Kampfkunst Schwächen hat. Doch statt sich den Rat in der eigenen Kunst mit Hilfe von faktischen Wissen wie Büchern zu holen, greifen diese auf andere Kampfkünste zurück. Grund: Die eigene Kunst scheint mangelhaft und nicht komplett durchdacht zu sein. Welch fataler Irrtum, liegt es doch weniger an der Kunst, als am faktisch fehlenden Know-How des Experten.

Aber warum sollte denn ein Fachmann sein Wissen auch teilen, wenn er doch für sein mühsam erworbenes Wissen, beleidigt und diskreditiert wird?

Würden Sie jemanden helfen wollen, der sich Ihrer Hilfe vehement verweigert?

 

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