Dieser Blog beschäftigt sich (u.a.) mit den Kampfkünsten, insbesondere dem (Shôtôkan-ryû) Karate. Allerdings werden von Zeit zu Zeit auch andere Themen angesprochen.

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Unterschiede vs. Gemeinsamkeiten

Geschrieben von Dirk.Z am 23.01.2010 um 10:58
in 4) Karate. 0 Kommentare. Link.

Unterschiede vs. Gemeinsamkeiten

Irgendwie, ja irgendwie komme ich nicht umhin, mich in den Foren der (Kampfkunst-) Welt herumzutreiben. Und es ist immer wieder erstaunlich, wie sehr in Stilen und Unterschieden gedacht wird.

So versuchte ein User den Vergleich zwischen Karate und Bruce Lee anzustellen und wollte wissen: "[...] ob ihr euch als Karateka überhaupt mit ihm vergleichen könnt [...]"

Über die Unterschiede von Kampfkünsten findet man in jenen Foren seitenlange Fäden in denen häufig von jungen, ja fast schon fanatischen Anhängern einer Kampfkunst darüber philosophiert wird, warum Kampfkunst A besser sei als B. Alleine dies wäre schon schwierig, da ein objektiver Vergleich so gut wie unmöglich ist. Aber Personen und Menschen miteinander zu vergleichen ist unweit schwerer.

Wieso wird in diesen Sphären der "Unterscheidungen" gedacht? Gerade im Karate findet dies im besonderen Maß statt. Gôju-Ryû, Uechi-ryû, Wado-ryû und natürlich das Shôtôkan-ryû wird miteinander verglichen. Gerade direkte werden weiche runde Bewegungen gegenüber gestellt.

Viele Shôtôkan-ryû-Karateka meinen, dass der betriebene Stil ausschließlich harte, direkte und weite Techniken habe und verschmähen deswegen häufig den Blick über den Tellerrand. Die Frage die sich stellt, ist doch jene, ob es in einem Stil nur harte und direkte Techniken geben darf oder gar geben kann.

Beachtet man die Aussagen von Funkakoshi Gichin, so wird der Gedanke an den Stil "Shôtôkan" ad absurdum geführt, äußerte sich doch Funkakoshi zu Stilen dahingehen, dass es nur "ein Karate" gäbe. Eine Differenzierung in viele unterschiedliche Richtung machte er nicht. Ist es da nicht nur sinnvoll, ja sogar notwendig auch über den eigenen Horizont des Stiles hinaus zu schauen?

Bedenkt man auch der Tatsache, dass die Asiaten häufig im "Ying-Yang"-Prinzip denken. Also hart UND weich. Anspannung UND Entspannung, langsam UND schnell.

Bei der ausschließlichen Betrachtung des Shôtôkan-Stiles scheint es mir, als ob die Komponenten der Weichheit und der Entspannung vergessen werden. Auch habe ich den Eindruck, dass viele meinen, dass durch die Wahl der Stilrichtung ein Blick über den Tellerrand nicht notwendig, ja sogar überflüssig sei. Denn "man habe ja alles, was man brauche".

Dieser Gedanke, den der junge Bursche den Karatekas in Bezug auf die Unterschiede zwischen Wing Chung respektive Bruce Lee und Karate unterstellte: "ach das ist doch etwas ganz anderes" brauchen wir nicht einmal bei der "Unterscheidung" zwischen Stilrichtungen wie Kung Fu, Escrima, Kobudo, etc. machen, diese findet doch tatsächlich schon innerhalb des Karate statt.

Die Frage ist doch, wieso? Ist dies überhaupt notwendig? Das soll, kann, darf und vor allem MUSS bezweifelt werden. Wenn es früher letztlich nur zwei "relevante" Stile gab, also das Shorin- und Shorei-ryû, dann ist doch vielmehr zu fragen, was sind unsere Gemeinsamkeiten!

Vor allem, wenn man bedenkt, dass viele Kampfkünste im Zusammenhang mit Waffen stehen (vgl. hierzu die verschiedenen gelehrten Stockkata im historischen Shôtôkan-Dôjô).

Ein weiterer Grund für die Suche nach den "Gemeinsamkeiten" beruht doch auch darauf, dass der Mensch nun einmal nur zwei Arme und zwei Beine hat.

Warum also nach Unterschieden suchen, die einen im Kampf einschränken könnten, wenn Gemeinsamkeiten den Horizont erweitern und befreien könn(t)en?

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