Erfahrungen auf einem SV-Lehrgang Das Karate nicht gleich SV ist, ja das musste man in letzter Zeit öfters lesen. Damit dieser Missstand nun behoben wird und Karate endlich wieder das wird, was es sein sollte, wird in einem großen Karateverband entsprechende Fortbildungen angeboten die mit dem Zertifikat "SV-Lehrer" abschließen. Einer der SV-Beauftragten weilte vor kurzem in heimatlichen Gefilden und so bot es sich an, einen "normalen" SV-Lehrgang zu besuchen um so neues zu lernen. Vorab etwas zum Referenten des Lehrgangs. Der Referent ist Ausbilder bei der Polizei und hält den 5. Dan im Karate. Menschlich gesehen hat der Autor den Referenten als äußerst positiv gesehen, dem die Teilnehmer am Herzen liegt und mit Spaß und Freude sein Wissen weitergeben möchte. Der Tageslehrgang fand unter einem bekannten Trainer statt, der insgesamt 4 Einheiten á 1,5 Stunden (jeweils 2 Einheiten für Einsteiger sowie für Fortgeschrittene) anbot. In der "Einsteiger-Einheit" sollten die Teilnehmer Grundlagen erlernen um sich bspw. gegen "fassen wollende" Angreifer zu wehren. Schon bei der Vorführung der Abwehrtechnik fiel auf, dass die Bewegungen aus dem WT (Wing Tsun/Wing Chun, etc.) entnommen waren. Die komplette Körperhaltung entsprach den typischen Bewegungen aus der chinesischen Kampfkunst. Auch bei den späteren Techniken konnte man als Basis deutlich weniger Karate-Techniken ausmachen, als vielmehr die Bewegungen des Kung-Fu-Stiles. Infolge dessen waren die Bewegungen für manch' einen Karateka weniger einfach auszuführen, da man sich zuerst an die "neuen Grundlagen" einer anderen Kampfkunst gewöhnen musste. Der Referent zeigte auf, wo und in welcher Kata einzelne Bewegungen zu finden sind, jedoch konnte man fast immer erkennen, dass die Basis beim Referenten nicht (mehr) im (Gôjû-Ryû/Shôtôkan-ryû) Karate lag, sondern im WT. Als Beispiel sei hier das typisches Merkmal des WT genannt, bei der die Faust vertikal verwendet wird und im Karate als Tate-Tsuki bekannt ist. Auch die Beinarbeit unterscheidet sich deutlich von der des "typischen" Shôtôkan-ryû-Karateka. Was jedoch verwunderlich ist, dass, wenngleich es auch viele ähnliche Techniken in anderen Kampfkünsten gibt, als Basis nicht die bisherigen erlernten Bewegungsformen genutzt werden um aufzuzeigen, wie Karatetechniken in einer SV-Situation anzuwenden sind. Vielmehr wird auf einem "Karate-Lehrgang" zu 80% Techniken aus einer anderen Kampfkunst gezeigt. Aus diesem Grund ist es auch nicht verwunderlich, dass sich auf diesem Lehrgang auch Kampfkünstler aus dem WT einfanden um vom Referenten zu lernen. Worüber man sich jedoch wundern kann, ist die Tatsache, dass auch auf einem solchen Lehrgang weder Wurftechniken, Hebel- und Würge- bzw. Würgebefreiungstechniken gezeigt werden! Statt dessen wird auf Basis vom WT unterrichtet. Fazit:
Der Referent ist fachlich durchaus qualifiziert, jedoch zeigt er zu 80-90% Techniken aus dem WT, kaum Anwendungen aus Kata und deren Prinzipien, die zur SV nutzbar sind. Für einen Blick über den Tellerrand ist das Seminar durchaus empfehlenswert. Für Teilnehmer die SV auf Basis des Karate suchen jedoch nur bedingt empfehlenswert.