Gedanken...

Geschrieben von Gelbfüssler am 25.02.2010 um 23:59
in 4) Karate. Link.

Gedanken

Häufig wird von vielen Trainern der 1. Dan als "die Stufe des Suchenden" bezeichnet. Eine Aussage, die zwar gut gemeint ist, aber dennoch so in der Kampfkunst Karate nicht existent ist. Wie aus diversen Quellen zu lesen ist. Gibt es solche Abstufen schlicht und ergreifend nicht. Jedenfalls ist den Historikern oder auch anderen ernsthaft Interessierten Karatekas keine schriftliche Quelle bekannt, wo exakt dies niedergeschrieben steht.

Dennoch habe ich immer wieder den Eindruck, dass ich mich gerade auf der Suche nach meinem persönlichen und richtigen Weg befinde. Wohin soll mein Karate gehen. Angeregt durch einen Beitrag (1) auf Karate-news und dem heutigen Training beim regionalen Dan-Shakai zwischen den regional ansässigen Dôjô sind mir verschiedene Gedanken durch den Kopf gegangen.

Wie soll bspw. mein Karate "aussehen"? Bzw. genauer beschrieben, was soll es beinhalten? Welche Trainingsformen?

Durch die letzten Wochen und Monate bin ich zu verschiedenen Überlegungen gekommen. Nur "hartes" Karate kann nicht richtig sein. Aber ein reines "weiches" Karate auch nicht. Aber um etwas Klarheit in die beiden Sätze zu bringen. Was ist hart und was weich. Nun unter hart verstehe ich Karate, bei dem grds. nur "geholzt" wird. Man sich also die "Knochen" grün und blau schlägt ohne Rücksicht auf Verluste. Ein Training in dem bis zum geht nicht mehr am Makiwara trainiert wird und zum Schluss die Knöchel blutig sind.

Ein reines weiches Training kann ich mir aber auch (noch?) nicht vorstellen. Nur lockere aber vor allem lasche Techniken. Also Techniken, die einem beim ersten Widerstand (theoretisch) zusammenbrechen lässt, weil man nicht gewohnt ist über eine gewisse "Härte" zu verfügen.

Wie soll also mein Training aussehen? Derzeit glaube ich, dass ein Training sowohl weiche Elemente aber auch harte Elemente beinhalten kann. Weich i.S. von der Aufnahme von Techniken (Uke-Waza), Durchführung von Würfen (Nage-Waza) oder auch im Bodenrandori (welches im Karate kaum trainiert wird). Sozusagen eine weiche Flexibilität um auf den Gegner einzugehen. Aber auch "weiche" Schläge i.S. von "Tsuki keage" (dieser Begriff ist nun falsch, ohne Frage, aber ich möchte damit etwas zur Geltung bringen nämlich...), daß heißt peitschenartige Faustschläge.

Hartes Training könnte bspw. Dinge beinhalten wie Trainingselemente aus dem Kyokushin-Karate. Oder aber Dinge, die bspw. im Thai-Boxen geübt werden.

Also ein fließender Übergang von weich in hart. Von Locker- und Einfachheit. Von einer dynamischen Flexibilität/Härte.

Ein Karate, welches ebenso großen Wert auf Kata, Kata-Bunkai legt, wie auch auf den kämpferischen Aspekt, der nicht im Rahmen des Wettkampfs, sondern gedanklich an der Straße orientiert ist. Also genauer gesagt, Jissen-Kumite. Karate welches ebenso den Hiza-geri als auch den Empi einsetzt. Bei dem gegriffen und geworfen werden kann. Welches sowohl die "Fern-Distanz" als auch den "Infight" lehrt. Ebenso wichtig erscheinen mir Dinge wie Atemi-Waza/Kyushu.

Denn wie Karate nur eine "weite Distanz" beinhalten, wenn ein Kampf meist nicht aus einer Distanz von 2m beginnt?

Also ein Karate, welches "komplett" und umfangreich ist und sich nicht nur auf einzelne Dinge des Wettkampfs beschränkt und somit kastriert gelehrt wird.

Auch wenn ich momentan noch nicht weiß, wohin mich mein Karate-Durst führt und welches mein Karate sein wird, so weiß ich jedoch gewiss, dass Karate in dem als wichtigster Kern die "sportliche" Distanzüberwindung gelehrt wird, kaum noch meinem Interesse entspricht. Denn ich frage mich - wie so häufig in der Vergangenheit - warum ich eine Distanz zum Angreifer überwinden soll, wenn er mich angreift (wenn ich nicht gerade einen "Präventivschlag" ausüben möchte).

Heute habe ich noch etwas gelernt. Der deutliche Unterschied im kämpferischen Denken/Handeln. In einem Handeln nach Regeln und meinem Denken in Karate als SV. Während der Partner in einem spielerischen Kampf an Regeln dachte, war meine Hand schon im Bereich der Disqualifikation (gedan). Eine interessante Erfahrung. Ebenso wie die Tatsache, dass auch jener Partner (ebenso wie ich früher) in 1-2-Kombinationen dachte und handelte. Lockerheit, Entspanntheit aber auch und vor allem kontinuierliche (kämpferische) Bewegungen ohne Stopp.

Ein Karate, jenseits der genormten Konventionen des heutigen regulierten Wettkampfs... - Jissen Kumite?

(1) www.karate-news.de/smfalt/index.php

*Diese hier niedergeschriebenen Gedanken sind nicht fixiert, sondern sollten als dynamisch betrachtet werden. Gedanken und Empfindungen können sich im Laufe der Zeit verändern und unterliegen einem Wandel.

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