Kata und Selbstverteidigung Dass in Kata mehr steckt, als die sinnlose Aneinanderreihung von Techniken, konnte man bereits in einem der vorherigen Beiträge lesen. Bei der Recherche nach weiteren interessanten Artikeln, was Karate, die Bunkai, Oyo und Selbstverteidigung angeht, kann man auf der Seite von www.Karate-archiv.de einen recht interessanten und aufschlussreichen Beitrag finden. Der Autor, Heero Miketta, beschreibt, dass Kata mehr ist, als eine Aneinanderreihung von einzelnen Techniken, sondern die Kata Prinzipien lehrt um möglichst unversehrt aus einem Kampf zu entkommen. Ebenso erläutert er, dass auch "Hebel, Würfe, Kontrollgriffe, Würger und auch Bewegungen am Boden zum Karate" und somit zum Shôtôkan-Stil gehören. (1) Kata beinhaltet also mehr, als nur die vielfach gelehrten "Block - Konter" Techniken. Vielmehr sieht der Autor die Kata als Lesebuch, in der kämpferische Botschaften übermittelt werden. So enthält diese: − Körperschule, Athletik, Bewegungs- und Techniktraining. Eine solche bzw. ähnliche Aussage, dass man Kata als eine Art Lexikon betrachten könnte, konnte man bereits auch vor geraumer Zeit in einem Karate-Forum lesen. Die Karateka des Shôtôkan-ryû haben jedoch, seiner Meinung nach, ein ernsthaftes Problem. Die Kata der Karate-Stilrichtung, hätten eine lange Reise hinter sich und sollen während dieser Zeit mehrfach verändert worden sein, so dass man sich immer weiter vom Ursprung entfernt habe. Auch die 'Verwestlichung' sowie die Einführung des 'Shiai' hat dazu beigetragen. (3) Auch bzgl. dieser Aussage kann man festhalten, dass ähnliche Aussagen in letzter Zeit vermehrt von ernsthaft interessierten Karateka getroffen wurden, diese Statements aber penetrant ignoriert werden. Dennoch stellt sich die Frage, ob der Autor sich nicht auf dünnes Eis begibt, wenn er davon spricht, dass derjenige, der die Botschaften der Kata entschlüsseln will, auf "Mutmaßungen und Kreativität" angewiesen ist. (4) Gerade die "Kreativität" erleben wir auf Wettkämpfen des Sportkarate, bei denen diverse Bunkai vorgeführt werden. Hierzu äußert sich auch Matthias Golinski, der konstatiert: "Heute versuchen sich viele Trainer durch die Entwicklung eigener Anwendungen abzuheben oder in der Karateszene zu profilieren. Dementsprechend gibt es auch eine Vielzahl von Bunkai-Varianten und Anwendungsbeispielen ‚auf dem Markt’. Nimmt man die ursprüngliche Idee des Karate, nämlich die praktische Anwendbarkeit in der Selbstverteidigung, als Maßstab, sind manche Anwendungen auffallend gut, die meisten aber eher schlecht." (5) In der weiteren Argumentationskette, "Zugang zur Kata" im Text "Kata und Selbstverteidigung" wandern die Autoren (Heero Miketta et al.) in eine philosophischere, ja man möchte meinen esoterische Art der Betrachtung von Kata ab. Es ist sicherlich richtig und wichtig, dass man als Karateka einen Blick über den Tellerrand der eigenen Stilrichtung werfen sollte um ggf. so neue Impulse für die eigene Kampfkunst zu erhalten bzw. das Verständnis zu erhöhen. Dennoch ist es fraglich ob es Sinn macht vom "Geist des Anfängers" zu reden, wenngleich auch die Gedanken nachzuvollziehen sind. In der Folge versuchen sich die Autoren der Kata zu nähern und betrachten zuerst einmal den Namen der Kata (hier die Bassai dai), die - wie üblich - mit "Festung erstürmen" übersetzt wird. Mit dieser Bezeichnung wird auch begründet, warum die Techniken "hart" sein müssen. (6) Bei einem Gespräch mit einem Karateka aus dem Shito-ryû wurde jedoch eine andere Übersetzung "angeboten". "Die Festung erschleichen". Bei der Vorführung der Kata konnte man erkennen, wie die Festung durch ein "schleichendes eindringen" erobert wurde. Es bleibt also festzuhalten, dass der Name der Kata nur bedingt eine Bedeutung haben kann, besonders wenn man betrachtet, dass Kata im Laufe der Zeit umbenannt wurden (s. auch Wittwer). Im Text von Heero Miketta et al. scheint dies auch in einer Zwischenzeile anzuklingen (S. 3). Was jedoch dann unverständlich ist, ist die Frage, wieso die Autoren nun wieder den gleichen Fehler machen und sich ebenfalls auf den Namen der Kata versteifen, wenn sie doch unmittelbar vorher festgestellt hatten, dass der Name nur eine bedingte Aussagekraft hat? Im folgenden Verlauf wird auf die immer wieder zitierten 5 Elemente eingegangen und einer der Autoren als Experte genannt. Doch was haben diese Elemente mit der Analyse und der Funktionalität der Kata und somit mit Selbstverteidigung zu tun? Ebenso wie die erwähnten Tierformen die im Shôtôkan-ryû zu finden sein sollen? (Persönliches) Fazit: Quellen:
(Eine Textbetrachtung)
− Systematische Weitergabe von Prinzipien, Strategien und Ideen für den Kampf.
− Bunkai: Aus der Analyse der Kata lassen sich einfache Kampfformen (Omote-Bunkai) und tiefergehende, kompliziertere Formen (Okuden-Bunkai) ableiten und üben. (2)
Der Beginn des vorliegenden Texte von Heero Miketta et al. ist sicherlich interessant und macht Lust auf mehr. Schade ist deshalb, dass sich die Autoren wieder jenen esoterischen und philosophischen Gedanken widmen, die man immer wieder in Büchern liest und mit hoher Wahrscheinlichkeit nichts mit dem Shôtôkan-ryû oder einem anderen Karate-Stil zu tun haben. Besonders bedauerlich ist, dass relativ schnell von der Überschrift abgewichen wird, das Thema Selbstverteidigung und Kata somit zum Randthema verkommt.
(1) http://www.karate-archiv.de/Artikel/kata_und_selbstverteidigung.pdf , S. 1, Stand: 11.04.2010
(2) ebd., S. 2
(3) ebd., S. 2
(4) ebd., S. 2
(5) Kata no Bunkai, Stand: 11.04.2010
(6) vgl. http://www.karate-archiv.de/Artikel/kata_und_selbstverteidigung.pdf, S. 3 ff.