Training geben? oder Wissen verpflichtet

Geschrieben von Gelbfüssler am 7.06.2010 um 13:53
in 4) Karate. Link.

Training geben?
oder
Wissen verpflichtet!

Beim ein oder anderen kommt nach Jahren des eigenen Trainings der Wunsch auf, das erworbene Wissen nun selbst weiter zu geben. Manchmal wird einem auch angetragen, ob man denn nicht Training geben könne, aus welchen Gründen auch immer.

Doch wie weiß man, ob man selbst Training geben kann oder geben möchte? Welche Voraussetzungen - sowohl in Bezug auf Können und Wissen - sind dafür notwendig? Welche Ansprüche stellt man an sich und sein eigenes Training? Was soll es umfassen?

Ebenso ist zu fragen, ob man sich der Verantwortung bewusst ist, wenn man Training geben möchte. Eine Verantwortung, die sowohl den didaktischen Teil aber auch den menschlichen Aspekt umfasst. Darüber hinaus bezieht sich die Verantwortung des Lehrers auf den gesundheitlichen Bereich der Kunst (i.S. der Erhaltung der Gesundheit), der korreten Vermittlung des faktischen Wissens als auch des technischen Könnens sowie den Aspekt der Zeit.

Ein von mir geschätzter promovierter Karateka zweifelt derzeit gerade am zeitlichen Aspekt, da er sich für die Entwicklung seiner Schüler verantwortlich fühlt. Er fragt sich, ob er Ihnen genügend seiner eigenen Zeit widmen kann um seinen Schülern das wesentliche seiner Kunst zu vermitteln. Er zweifelt an sich. Zurecht?

Welche Ansprüche habe ich als Lehrer an mich und meine Schüler? Kann und will ich meine Schüler - wenn ich denn über das erforderliche Know-How verfüge - tief in meine Kunst einführen?

Wie ist es, wenn mein Lehrer - sollte ich denn einen haben - sein Wissen an mich vermittelt hat, in der Hoffnung, dass ich es weiter gebe? Habe ich nun oder zu einem spezifischen Zeitpunkt das Recht zu unterrichten oder vielleicht sogar die Pflicht das Wissen an die nächste Generation weiter zu geben?

Nun ich habe das "Glück" mir über diese Art der Verpflichtung weniger gedanken machen zu müssen. Dennoch stellt sich die Frage, ab wann man unterrichten darf, sollte oder gar muss!

Heute gibt es viele Trainer, die kurz nachdem sie die Prüfung zum 1. Dan absolviert haben, als Trainer im Verein eingesetzt werden. Ja, es gibt sogar Vereine/Schulen, die bereits viel früher Schüler als Trainer einsetzen, teilweise zu einem Zeitpunkt, an dem sie selbst gerade mal den 5., 4. oder gar 3. Kyû erworben haben und nun selbstständig eigene Gruppen und Einheiten leiten sollen. Wie umfangreich ist das Wissen über die Kunst, die sie nun lehren sollen?

Und wenn man sich selbst mit den Hintergründen, der Entwicklung aber auch mit anderen Künsten beschäftigt und merkt, dass man erste Schritte zum Verständnis der Zusammenhänge gemacht hat aber weiß, dass noch vieles zu lernen und zu meistern ist? Wenn man immer mehr feststellt, wie wenig man selbst weiß, je mehr man liest?

Gleichzeitig ist zu fragen, wie das Selbstverständnis jener aussieht, die zwar unterrichten, sich aber nie wirklich mit der Kunst des Te/Ti auseinander gesetzt haben? Soll also jener, der sich mit diesen Dingen befasst, nicht unterrichten obwohl er mit hoher Wahrscheinlichkeit mehr weiß und auch kann als eben jene, die dieses Know-How nicht haben? Oder ist er nun doch in einer noch größeren Verantwortung?

 

Gibt es nicht den Spruch "Wissen verpflichtet"? An dieser Stelle stellt sich die Frage, zu was man nun genau verpflichtet ist. Welche Verpflichtung gehe ich ein? Nicht zu lehren, weil man weiß, dass man selbst noch viel zu lernen hat oder doch zu lehren, weil man dennoch weiß, dass man über mehr Know-How verfügt als andere?

Es bleibt die Frage offen, ab wann darf, soll oder muss man unterrichten?

 

Edit: 08.06.2010

Kommentare

Navigation

{ Vorherige Seite } { Seite 5 von 150 } { Nächste Seite }

Avatar