Was ist JKA-Karate? Seit nunmehr rund 16 Jahren betreibe ich Kampfkunst, 14 davon Karate nach Version der Japanese Karate Association (JKA). Das ursprüngliche Ziel beim Erlernen einer Kampfkunst war für mich die Selbstverteidigung. Doch auch der ästhetische Aspekt hat mich beim Beginn nicht ganz ungerührt gelassen. Ich erinnere mich noch gut an Jean "The Tornado" Frenette, als er in Paris Percy seine Musikkata vorführte und wie mich die Dynamik und sein Können fesselte. Ähnliches würde ich auch gerne können. Heute, Jahre später, blättere ich in der Verbandszeitschrift des DJKB und lese immer wieder von JKA-Karate und ich frage mich, was denn jenes JKA-Karate nun genau sei, was ich nun seit Jahren ausübe. Der geneigte Leser mag mich nun - angesichts einer solchen Frage - für naiv halten, doch ehrlich, was macht das JKA-Karate aus, außer dem typsichen 3-geteilten Training (Kihon, Kata und Kumite). Die JKA-Vertreter würden jetzt sicherlich recht schnell und fest sagen, das JKA-Karate sich durch harte, schnelle und präzisen Techniken auszeichne. Attribute, die sicherlich richtig sein mögen. Aber sind dies genügend Attribute, wenn man an Karate denkt. An ein Karate von dem Funakoshi Gichin schreibt, dass es nur eines gäbe? Ein Karate, welches Selbstverteidigung lehrt? Viele werden nach dem letzten Satz aufschreien und argumentieren, dass doch gerade das JKA-Karate für die Selbstverteidigung geeignet sei - man denke nur an die Attribute - schnell, präzise und starke Techniken. Aber ist Selbstverteidigung, Goshin-jûtsû, nicht mehr? Mehr als "Distanzüberwindung" und den sonst so typischen "Block-Konter-Techniken"? Was für ein Karate lehrt also die JKA? Die Grundlagen der Karate-Techniken (Kihon), die Bewegungsformen (Kata) und der freie Kampf (Kumite), der jedoch in erster Linie auf ein Reglement basiert, welches die JKA bei der Gründung entwickelt hat. Wenn wir schon bei der geschichtlichen Betrachtung sind, so lässt sich feststellen, dass viele der heute anerkannten Meister berichten, dass früher das Augenmerk im Training nicht der Wettkampf, sondern vielmehr das Überleben im Krieg war. Für den Wettkampf habe man sich gerade einmal eine Woche unmittelbar zuvor vorbereitet. Und heute? Heute scheint bei beim ein oder anderen Verein gerade das Kumite-Shiai die Basis des Karate zu sein. Karate welches nur auf den "berühmten" Ippon ausgerichtet ist. Ist also das JKA-Karate wirklich nur "Kihon, Kata und Kumite" auf Basis von "starken, schnellen und präzisen Techniken"? Ist das wirklich alles oder gibt es noch mehr im Karate der JKA zu entdecken?
In den folgenden Jahren führte mich mein Weg über das "Jiu-Jitsu" hin zum Karate der JKA. Einem Karate, in dem ich bei manchen Abwehrtechniken zweifelte, ob diese auch wirklich funktionieren würden. Diese Zweifel, wischte ich jedoch mit dem Gedanken weg, dass man später das notwendige Wissen erhalten würde und man bis dahin entsprechend fleißig trainieren müsse.