Unverantwortlichkeit in den Kampfkünsten Eigentlich sollte es in den Kampfkünsten so sein, wie in allen anderen Bereichen des Lebens auch. Vorhandenes, richtiges und nachweisbares faktisches Wissen sollte konserviert und angewendet werden und gleichzeitig immer wieder falsifiziert werden. Gleichzeitig sollten die Protagonisten versuchen, neues Wissen zu erwerben und dieses in bereits vorhandenen Strukturen integrieren. Auch hier gilt, wie bereits vorher beschrieben, die Falsifikation. Doch schaut man sich in den verschiedenen Dôjôs um, so scheint dies Anforderung, sich beständig fortzubilden, bisheriges Wissen zu hinterfragen und zu prüfen, nicht ernst genommen zu werden. Statt dessen verlassen sich die verschiedensten Trainer auf jenes Wissen, welches sie vor zig Jahren einmal aus dem Munde ihrer Lehrer gehört haben und lehren nun das selbige. Eine fachliche qualitative Auseinandersetzung erfolgte offensichtlich nicht. Denn wie sonst kommt es bei der Frage, 'was denn JKA-Karate' sei zu folgenden Aussagen: "JKA-Karate ist, wenn Du mit Deinem JKA-Ausweis weltweit in allen JKA-Dojos mittrainieren kannst." Richtig. In JKA-Karate-Dojos kann ich nur mittrainieren, wenn ich Mitglied der JKA bin. Aber wurde die Frage beantwortet, was denn JKA-Karate ist? Nächstes mal frage ich, was ist denn ein Mercedes. Bestimmt bekomme ich dann die Antwort. Also ein Mercedes ist, wenn Du in sämtlichen Mercedes-Werkstätten der Welt Dein Auto reparieren lassen kannst. Eine andere Antwort von einem 4. Dan war: "JKA-Karate hat sich ja alles unter dem 'großen' Funakoshi entwickelt. Er hat ja auch den Wettkampf entwickelt und seine Schüler gehabt. Die haben sich dann mit dem Meister überworfen und dann eigene Stile wie bspw. das Uechi-Ryu, Goju-ryu, etc. entwickelt. Er hat ja auch die ganzen Kata entwickelt, wie bspw. die Heian Kata. Und die stehen alle im "großen Buch"." Es ist erstaunlich wieviel Quark in einigen wenigen Sätzen von sich gegeben wird. Und das mit felsenfester Überzeugung. Wettkampf und Funakoshi? Wer die Bücher von ihm las, wird wissen, dass es sich anders zugetragen hat. Ebenfalls mit der Entwicklung der Heian Katas. Und ganz zu schweigen, dass Goju-ryu und Uechi-ryu schon vor Funakoshi existierten und (wenn ich es richtig in Erinnerung habe) als jenes Karate von Okinawa bezeichnet werden kann. Dass es das große Buch so nicht gibt, scheint nicht bemerkt worden zu sein. Interessanterweise ist gerade für jene Leute die "Ten no Kata" kein Begriff, gerade jene Kata die Funakoshi lehrte. Von den Bo- bzw. den Kon-Kata braucht an dieser Stelle nicht gesprochen zu werden. Ein anderes negatives Erlebnis hatte ich mit einem weiteren Dan-Träger, der seit mehreren Jahrzehnten sich im Shôtôkan-ryû übt und sich nun mit seinem Verein in Richtung des JKA-Karates orientiert. Was grds. nichts schlechtes ist bzw. sein muss, möchte man sich gerade in der Basis, dem Kihon, des Karate festigen. Jedoch, so sollte man wissen, ist jenes Karate, welches die JKA heute praktiziert, nur noch ein Derivat dessen ist, was früher unter Karate bzw. unter der "Stilrichtung" Shôtôkan verstanden wurde. JKA-Karate selbst, und das hören die Mitglieder des Verbandes (welchem ich selbst angehöre) nicht wirklich gerne, konzentriert sich heute fast ausschließlich nur noch auf das Shiai. Früher übliche Techniken und Kata werden heute kaum (in Abhängigkeit von der Trainingsphilosophie des Dôjô und Trainer) noch gelehrt. Jedenfalls möchte jener Karateka ausschließlich JKA-Karate machen. Wobei ich mich frage, wenn jemand erst seit kurzem in einem Verband ist, wie kann man dann mit Bestimmtheit sagen, was JKA-Karate ist? Physiologische und biomechanische funktionale Bewegungen eines auswärtigen Trainers werden jedoch abgelehnt, da man glaubt, dass diese Form der Bewegung nichts mit dem JKA-Karate zu tun hat. Statt dessen darf man einen Kokutsu-Dachi bewundern, der weder aus kämpferischer noch aus gesundheitlicher Sicht vernünftig ausgeführt wird. Nachfolgend ein Bild, bei dem ein Karateka (nicht die beschriebene Person) den Kokutsu Dachi in ähnlicher Form ausführt. Quelle: wantagekarateclub.co.uk/CMS/images/stories/provence2009/PE%20Kokutsu%20Dachi%20Gyayu%20Tsuki.JPG In obigen beispielhaften Bild sieht man den schlechten Stand, den ich meine. Das Augenmerk muss hier besonders auf dem hinteren Bein liegen. In einer ähnlichen Ausführung ist dieser "Stand" von jenem Karateka. Jeder Physiotherapheut, jeder Mediziner der etwas vom Körper versteht wird bestätigen müssen, dass dies mehr als ungesund ist, da hier sowohl das Knie als auch die Bänder der Fussfesseln unnötig belastet werden. Was an der ganzen Geschichte noch viel unglaublicher ist, dass früher SO nie ein Kokutsu Dachi ausgeführt wurde. So spricht selbst Nakayama von einer Gewichtsverteilung von 7:3 und zeigt auf, dass der Schwerpunkt auf dem hinteren Bein liegt. (vgl. Nakayamas Karate perfekt - Einführung, Falken-Verlag 1995, S. 28). Sogar im vielgeschmähten Wikipedia wird die Fussstellung ähnlich gezeigt wie im Nakayama. Edit: Bild wird in den nächsten Tagen aktualisiert, bis dahin bitte ich auf das hintere gebeugte Bein zu achten, welches hier verlinkt ist. Es ist schon verwunderlich, wenn man solche Ausführungen wie auf dem vorstehenden Bild sieht, dass dem Protagonisten der eigene Körper doch so unwichtig erscheint, als das man auf diesen nicht achten muss. Ein weiteres negatives Erlebnis konnte ich bei einem Besuch meines alten Jiu-Jitsu-Vereins verbuchen. Dort traf ich auf eine Gruppe lieblicher Menschen, deren größte Freude es ist, sich jedesmal eine 1/2 Stunde beim Basketball aufzuwärmen und zu verausgaben um anschließen noch züchtig Gymnastik und Kräftigungsübungen zu machen. Funktionale Übungen auf die das Training später aufbauen? Fehlanzeige. Wichtig ist Breitensport und Spaß, dass hat mir zwischendurch ein 1. Dan gesteckt. Stimmt. Denn als ich die erste Technikkombination gesehen habe, wollte ich meinen Äuglein nicht trauen. Wurde doch ein Kipphandhebel als Befreiungstechnik gegen eine fassende Person (Tori) gezeigt, bei dem der Partner (Tori) überkooperativ einen "freien Fall" hinlegte. Die weiteren Techniken waren von der ähnlichen Kategorie "zweifelhaft" bis "so ein Unsinn", mit der Tori den Uke dann fadenscheinig ähm... gekonnt von der Rücken- in die Bauchlage brachte. Interessant an all' diesen Erlebnissen war, dass sich die wenigsten Vereine Gedanken um tatsächliche Notwehrsituationen machen. Statt dessen werden Techniken gelehrt, die maximal für den Wettkampf tauglich sind, jedoch auf der Straße versagen werden. Hier stellt sich die Frage und auch die Kritik an den Trainern. Sind sie sich ihrer Verantwortung eigentlich bewusst? Ist es nicht unverantwortlich, zweifelhafte Techniken zu lehren? Auch müssen sich manche den Vorwurf gefallen lassen, dass offensichtlich kein Interesse besteht, sich in vernünftiger Form weiter zu bilden! Warum? Statt dessen werden Schüler in Dingen unterrichtet, die nicht funktionieren, es wird ihnen ein Selbstbewusstsein eingebleut welches bei der ersten Auseinandersetzung den Bach runter geht. Betrachtet man dies und noch einiges mehr, dann kann man nur von Unverantwortlichkeit sprechen!
(vgl. http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/2/2a/Koukutsudachi.svg)
Und Uke war so gut! Er kooperierte auf der ganzen Linie und wartete geduldig, bis er in einem Transportgriff genommen und aus der Bodenlage aufgehoben wurde. Natürlich nur, um anschließend mit einem "Pseudo-Wurf" entledigt zu werden. Und die Schöölerlein glaubten der Show und versuchten artig diesen Unsinn nach zu machen.