Nachdem ich vor einigen Tagen diesen ersten Blog eröffnet habe, möchte ich heute auf den Namen dieses Blogs und den Grund, warum ich diesen so genannt habe, eingehen.
Reigi kommt aus dem japanischen und findet sich im vierten Leitsatz der "Dôjô-Kun" wieder. Das Kanji Reigi setzt sich aus zwei Schriftzeichen dar. Rei bedeutet dabei soviel wie Höflichkeit, Gruß oder Dank. Gi, der zweite Teil von Reigi bedeutet soviel wie Zeremonie oder Angelegenheit. Zusammengefasst könnte man es als "Regeln der Etikette" oder "Anstandsregeln verstehen. (vgl. auch Dôjôkun - Die Ethik des Karate-dô von A. Albrecht, Ausgabe 2004 Seite 83)
Bereits in meinem ersten Post erläuterte ich in einem kurzen Satz, über Etikette, Werte und andere Dinge.
Höflichkeit und Anstand sind in vielen Teilen der Welt und Bestandteil der eigenen Kultur. In Japan z.B. ist es üblich sich zu verbeugen (als Zeichen des Respekts) während man an der Coventry University die ausländischen Studenten schon bei der "Welcome-Week" auf die beiden wichtigsten Wörter "please" und "thank you" hinweist.
Früher waren Umgangsformen, in diesem Fall die Höflichkeit auch in Deutschland ein wichtiger Bestandteil der Erziehung, heute frage ich mich, ob manche überhaupt noch wissen, was Umgangsformen im Allgemeinen und Höflichkeit im Besonderen bedeutet. Ein Beispiel soll dies verdeutlichen.
Nehmen wir an, wir fahren mit einem Bus durch die Stadt und eine ältere Dame, welche nicht mehr so leichtfüssig ist steigt in den Bus ein. Der Bus selbst ist gut gefüllt und die Sitzplätze sind durchweg besetzt. Man selbst hatte jedoch das Glück einen Sitzplatz zu ergattern. In früherer Zeit wurde nicht gezögert, daß der jüngere dem Älteren Platz macht und in diesem Fall der älteren Dame den Sitzplatz anbietet. Heute jedoch dreht sich ein großer Teil der Mitfahrer weg um nicht aufstehen zu müssen.
Haben sich diese Leute eigentlich schon einmal Gedanken gemacht, was passiert, wenn man selbst einmal ein höheres Alter erreicht hat?
Wenn man es genau nimmt, hat es eigentlich nicht mal mehr etwas mit Höflichkeit zu tun, sondern mit Benehmen. Doch Benehmen, Rücksichtnahme auf Andere scheint immer mehr in Vergessenheit zu geraten.
In diesem Beispiel wurde nur an sich selbst gedacht. Und diese Egomanie läßt sich auf viele Bereiche des Lebens fortführen. Anderen Helfen? Sollen doch erst die Anderen etwas tun, wieso ich zuerst? Etwas unentgeltlich für jemanden machen? Warum ich? Ich hab' keine Zeit für so etwas. Dabei ist die Hilfe sogar im Gesetz verankert (unterlassene Hilfeleistung). Klar kann man Höflichkeit, Rücksichtnahme und Hilfe nicht per Gesetz regeln und sollte dies auch tunlichst nicht machen.
Ein prägendes Ereignis war die Vorstellung des THW's an diversen Schulen. Ich werde nie vergessen, als ich von einem Schüler gefragt wurde, was ich denn für die Vorstellung bekommen würde (und er meinte finanziell). Ist es heute soweit, daß man nur noch dann hilft, wenn man etwas dafür bekommt?
Für mich persönlich ist Höflichkeit sowohl ein Teil von richtigem Verhalten (also Benehmen), Umgangsformen als auch von Rücksichtnahme und Respekt.
Wenn man heute Jugendliche fragt, was Sie von anderen erwarten, wird häufig Respekt genannt. Allerdings ist mir aufgefallen, daß viele heute nicht einmal mehr wissen, was Respekt ist. Wie oft hört man von Halbstarken, dass Sie möchten, daß der Andere Respekt vor Ihnen hat und dies der Grund sei, weshalb sie jemanden anderen verprügelt haben (damit der Andere zukünftig mehr Respekt vor dem Halbstarken hat). Doch was ist das Ergebnis? Der Verprügelte wird sicherlich kein Respekt empfinden, sondern Angst. Diese Angst vor einer erneuten Niederlage wird ihn dazu treiben, sich so zu verhalten wie der Halbstarke es erwartet. Ist dies nun Respekt? Ganz klar NEIN!
Respekt muss man sich verdienen. Verdienen kann man es meiner Meinung nach nicht mit Drohungen oder ähnlichem sondern in eigenem respektvollen Handeln gegenüber anderen. Wie heißt es so schön? "Was Du nicht willst, was man Dir tut, das füg' auch keinem Anderen zu."
Um wieder auf Reigi zurück zu kommen. Reigi bedeutet also soviel wie Anstandsregeln oder Regeln der Etikette. Knigge bietet ebenfalls nichts anderes als Regeln für den Umgang des miteinander an.
Die Dôjôkun des Karate sagen aber ebenso, daß man nach der "Vollendung der Persönlichkeit" streben soll.
Wenn ich dies also kurz zusammenfasse, so bin ich der Meinung, daß Werte, Etikette, etc. immer mehr vernachlässigt aber gleichzeitig immer mehr gefordert (z.B. in der Wirtschaft) werden, ohne daß viele (Jugendliche) überhaupt wissen, was Umgangsformen sind. Ich für meinen Teil werde versuchen, meine Persönlichkeit, meinen Charakter zu stärken und zu verbessern. Ich hoffe, daß ich Erfolg haben werde.