DAN oder nicht DAN

Geschrieben von Gelbfüssler am 30.06.2007 um 10:57
in 4) Karate. Link.

Schaltet man heutzutage einmal die "Verdummungskiste" an, so kann man vermehrt in amerikanischen aber auch in immer mehr deutschen Produktionen Menschen entdecken, die eine Art von Kampfakrobatik zeigen. Dies soll in der Regel die Kampfkunst Karate zeigen, ist aber alles andere als irgendeine Kampfkunst. Noch weniger hat das gezeigte allerdings mit Karate zu tun. Das begreifen jedoch die wenigsten. Und immer haben die tollen Helden und bösen Buben natürlich einen "schwarzen Gürtel". Wie sagte Pat Morita bei Karate-Kid einmal, als er gefragt wurde ob er einen schwarzen Gürtel habe? "Ja, aus Leder, gibt es für $3.99 im Supermarkt". Einen solchen haben die Schauspieler bestimmt.

Was sagt nun überhaupt ein schwarzer Gurt aus? Jedenfalls weniger als es uns die Filmindustrie glauben machen möchte. Wenn es nach Ihnen geht, ist der Träger des "schwarzen Gürtels" die mystifizierte Person selbst. Fliegt über 10 Dächer und macht 50 Saltos. Ob ich das auch mal können werde? Ich bin schon gespannt, die Geheimnisse erfahren zu dürfen.

In der Kampfkunst Karate (und auch in anderen Künsten) steht der "schwarze Gurt", also genauer gesagt, der 1. DAN für nichts anderes als dafür, daß man nun die Grundtechniken beherrscht und anfängt die Kunst tatsächlich zu lernen.

Schaut man sich heute einmal um, so sieht man oft fortgeschrittene Karateka, die zwar diesen Gürtel tragen, allerdings sehen die gezeigten Techniken manchmal so schlecht aus, daß dies sogar einem Anfänger auffällt.

Was sind also die Voraussetzungen um sich einer Prüfung zum Sho-dan zu unterziehen? Sind es saubere Techniken? Ist es die Kondition oder / und Schnelligkeit? Der Kampfgeist oder die Atmung? Oder ist es die richtige Mischung aus allem?

Für mich persönlich ist es eine Mischung aus allem sowie einem Grundverständnis über die Historie und der Offenheit gegenüber Neuem und Alten. Unter "Neuem" verstehe ich allerdings, daß man sich anderen Ansichten und Meinungen nicht verschließen sollte, sondern überlegt, in wie weit andere Thesen stimmen könnten.

Doch noch einmal zur "Mischung". Wenn ich auf mich selbst schaue und überlege ob ich den Sho-dan in diesem Jahr angehen soll, so fangt der Zwiespalt an. Auf der einen Seite denke ich, daß es wirklich an der Zeit wäre und ich mit der Ausführung meiner Techniken soweit bin. Auf der anderen Seite stelle ich dann aber fest, daß mir sogleich viele Dinge fehlen. Zum einen werde ich immer wieder (aus verschiedenen Gründen) zurückgeworfen und zum anderen Fehlen mir noch Bereiche aus der Mischung. Ich denke da in erster Linie an die Kondition und an die Atmung. Und gerade an der Atmung hapert es am Meisten. Zwar arbeite ich daran (und es ist auch schon besser geworden), allerdings passt es noch nicht so, wie es sein sollte.

Was meine ich mit "Atmung". Bei Techniken ist es so, daß die Techniken ohne "Pressatmung", also ohne angehaltener Luft, ausgeführt werden sollen. Hat man sich die sog. Pressatmung allerdings erst einmal angewöhnt, so ist es schwer, sich diese wieder abzugewöhnen.

Unglücklicherweise habe ich mir in der Vergangenheit diese Art der Atmung angewöhnt und nun arbeite ich daran wieder lockerer zu werden. Diese Lockerheit führt zu schnelleren Techniken und einer längerer Kondition.

Ich stelle mir die Frage, wie diese Pressatmung entstanden ist. Letztlich habe ich derzeit nur eine Erklärung. Während meinen Karateanfängen war es üblich, daß Bahnen gelaufen wurden, die möglichst schnell und stark gemacht werden mussten. Im ersten Moment klingt es widersprüchlich. Wie kann ich eine Technik schnell machen und gleichzeitig stark. Zwischenzeitlich glaube ich, daß die Stärke von alleine kommt. Wichtiger ist es, die Technik schnell und möglichst sauber zu machen. Dies heißt, richtiger Einsatz der Hüfte, sauber Arbeit im und am Körper. Am wichtigsten finde ich jedoch, daß man gleich von Anfang an auf die Atmung achten sollte. Das Ergebnis aus saubere und korrekte Technik, Schnelligkeit und Atmung ergibt die starke Technik.

Klar, jetzt werden einige aufschreien und sagen:
"Stopp! Kraft = Masse * Beschleunigung".
Das ist sicherlich richtig und dagegen habe ich auch nichts gesagt. Allerdings bin ich der Meinung, daß man durch falsche Atmung die maximale Beschleunigung nicht erreichen kann. Somit reduziere ich meine potentielle Kraft innerhalb der Technik.

Für mich gehört somit die Atmung mit zu den Techniken. Und wenn man es genau nehmen möchte, zu den Grundtechniken. Ebenso wie ein Stand sauber und korrekt sein sollte, sollte die Atmung sein. Schaue ich mir jedoch meinen Stand an (der für meine Begriffe zu hoch ist) und meine Atmung an (die meiner Meinung nach falsch ist), so komme ich zu dem Ergebnis, daß es bis zum DAN noch eine ganze Ecke Arbeit ist.

Also zusammengefasst sehe ich meine gröbsten Fehler in den Bereichen: Stände, Atmung, Schnelligkeit, Hüftarbeit, Wendungen und Beinarbeit.

Während mich diese Gedanken von einer Prüfung zum Sho-dan abhalten, werde ich von anderer Seite zur Ablegung des Sho-dans ermutigt.

Kaum spreche ich dies aus, so sehe ich Vereinskameraden, die den Sho-dan in diesem Jahr abgelegt haben, denen ich mich irgendwo gleichwertig fühle aber gleichzeitig meine vorhandenen Schwächen sehe. Irgendwie steigt dann doch das Ideal des perfekten "Schwarz-Gurtes" hoch. Und von meinen Ansprüchen an Perfektion bin ich noch weit entfernt.

Ursprünglich setzte ich mir ein bestimmtes Ziel, dann wenn ich ein bestimmtes Körpergewicht erreicht habe, dann bereite ich mich in den letzten Zügen auf den DAN vor. Wenn ich mir dieses Ziel vor Augen führe, dann wird es noch lange dauern.

Und doch habe ich zwei Zieltermine für die Prüfung zum Sho-dan ins Auge gefasst. Einmal im September und einmal im Dezember. Mal sehen ob es einer der beiden wird oder überhaupt keiner.

Da müss' 'ma mal luaga.

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