Vor einigen Wochen war eine Ausgabe des Focus der deutschen Sprache gewidmet. Dabei ging es den Schreibern darum, daß die deutsche Sprache immer mehr verkümmert. Und in der Tat, es ist tatsächlich so. Gerade eben, konnte ich wieder eine Werbung, dieses mal die eines Tschechischen Autobauers bewundern, der seine Autos mit "simply clever" anpries.
Wenn man sich heute einmal die Städte, Unternehmen und auch die Werbung anschaut, so stellt man fest, das die Anglizismen (also deutsch-englische Wortschöpfungen bzw. reine englische Wörter) immer mehr in den Sprachgebrauch des alltäglichen Lebens einfließen. Ist ja auch kein Problem, versteht ja jeder, oder?
Allerdings vergisst man die Tatsache, daß die potentiellen Käufer, also die die wirklich das Geld haben, meist in einem höheren Alter sind und solche Wortschöpfungen nicht verstehen. Welcher gutbetuchte Renter weiß schon, was eine Flatrate ist?
Sicherlich, man kann nicht alle englischen Wörter ins Deutsche übersetzen. Dies gilt ganz besonders für den Computerbereich. Aber auch hier wäre es zum Teil möglich. Während man früher noch von der Hauptplatine und von der Tastatur gesprochen hat, redet man heute vom Motherboard und vom Keyboard.
Es gilt als schick, wenn man sich mit möglichst vielen englischen Wörtern brüsten kann, auch wenn man diese selbst nicht versteht oder gar erklären kann.
Beeindruckt hat mich mein Praktikum bei einem Unternehmen, in welchem gesagt wurde: "Schicken Sie mir das proposal zu." Es wäre ja zu akzeptieren, wenn man die englische Sprache verwenden würde, wenn es alle im Unternehmen tun. Aber so, ist es in meinen Augen nur noch peinlich.
Ich muss zugeben, daß auch ich mir manchmal Gedanken machen muss, was eigentlich nun gemeint ist. Und das nach 10 Monaten Studium in England. Heute geht es soweit, daß die Jugend zum Teil noch nicht einmal mehr bestimmte deutsche Begriffe kennt und fragend schaut, wenn man diese Worte benutzt. Beispiel gefällig? Was zum Beispiel ist Schuhwichse? Fragt man einen unter 18jährigen, wird dieser verschämt schauen und etwas ganz anderes denken. Dabei handelt es sich hier um eine Mischung aus Fetten (Öl, Talg, Wachs, Harz) mit Ruß. Diese Material erhält Leder in einem geschmeidigen und wasserdichten Zustand.
Es ist ja nicht nur so, daß die Sprache bei der Jugend verfällt, nein, diese verfällt auch in den Unternehmen in ein zunehmendes "denglisch" welches dann weder ein vernünftiges Englisch noch Deutsch ist. Aber Hauptsache man gehört dazu und ist wichtig.
Am besten man geht nach dem Lunch zu einem Meeting und hinterher zu einer Kick-off-Veranstaltung um sich am Feierabend ein Wellness-drink zu gönnen, während die Kids am weekend zu einer Flatrate-Party gehen. Aber vielleicht geht der Managing Director auch zur fashion week. Soll er nun seinem Assistent Manager den Auftrag geben einen Flug zu buchen oder doch lieber mit dem SUV anreisen?
Besser wäre ja, wenn er noch schnell Window-Dressing für seinen Fonds betreibt, damit die Shareholder satisfied sind, wenn diese zum diesjährigen Main-Event erscheinen.
Alles klar?
Mir stellt sich jetzt nur die Frage, wie schreibe ich die eigentlich im englischen kleingeschriebenen Hauptwörter im Deutschen? Korrekt wäre es ja, klein zu schreiben aber im deutschen Sprachgebrauch müssten diese (aus grammatikalischer Sicht) wohl groß geschrieben werden.
Jetzt aufzuschreien und zu sagen, daß man es doch mit internationalen Gepflogenheiten zu tun hat irrt meiner Meinung nach gewaltig. Selbstverständlich ist ist in Zeiten der Globalisierung die englische Sprache ein wichtiges Instrument der Kommunikation. Wenn aber Unternehmen (also auch neu gegründete Unternehmen) schon zu Beginn mit englischen Begrifflichkeiten um sich werfen, obwohl das Geschäft innerhalb von Deutschland stattfindet, der muss sich fragen lassen ob ihm bewusst ist, daß diese sprachliche Barriere bei älteren potentiellen Kunden klar ist.
Ich persönlich würde nie mit einem Geschäftspartner ins Geschäft kommen, der nicht in der Lage ist, sich klar, deutlich aber auch verständlich auszudrücken.
Meine Meinung hat auch nichts mit einer politischen Richtung zu tun. Auch wenn es bestimmt einige gibt, die diese Ansicht als rechts oder konservativ ansehen.
Letztlich gibt die Sprache einen Teil der eigenen Kultur wieder. Doch die Kultur in diesem Land verkümmert immer mehr zu einer ungewollten Randerscheinung. Hier frage ich mich, was hat unser Land kulturell zu bieten und was soll ich in England erzählen, wenn man gefragt wird, was Leibgericht der Deutschen sei? Ich weiß darauf keine Antwort. Weder auf der kulturellen Ebene noch auf der Ebene des Genusses.
Wer jetzt mit Beethoven, Hadyn, Schubert, Schiller, Brecht und anderen Herren der Kultur kommt, vergisst, daß diese Herren in der Vergangenheit gelebt haben. Was ist aber mit der Gegenwart?
Kultur ist sicherlich nicht die Ausdrucksweise der heutigen Jugendlichen. Da frage ich mich manchmal, wie diese sich wohl in 10 Jahren auszudrücken gedenken, wird dann an der Kinokasse immer noch gefragt werden: "Hast Du Ticket, konkret?"