Schwarzgurt - und nun?
Ich erinnere mich. Vor einigen Jahren, ein Karlsruher Karateka hatte gerade die Prüfung zum Shodan (1. Dan) abgelegt, las ich auf seiner Homepage, daß er nun endlich die Meisterschaft erreicht hätte und er nun "Sensei" sei.
Damals fragte ich mich, ob dieser "Sportler" wirklich verstanden hätte, was diese Stufe denn nun bedeute. Ich vertrat die Meinung, daß mit dem schwarzen Gürtel nicht automatisch die Bezeichnung "Sensei" einhergehen kann.
Unabhängig davon, daß das Wort "Sensei" eigentlich nur erläutert, wer schon länger eine Kunst betreibt, bin ich doch der Meinung, daß derjenige, der sich unbedingt "Meister" nennen möchte, auch noch andere "Qualifikationen" haben sollte. Bescheidenheit, Toleranz und Höflichkeit sind nur einige die hier zu nennen wären.
Andere dagegen vertreten die Meinung, daß sie mit dem Erreichen des schwarzen Gürtels das "Ziel" erreicht haben. Hier frage ich mich jedoch, welches Ziel?
Vor kurzem habe auch ich mich der Prüfung zum Shodan gestellt und diese bestanden. Hat sich nun etwas für mich geändert?
Ja, es hat sich etwas geändert. Und zwar jene Verantwortung die man gegenüber seinen Mittrainierenden hat. Diese werden einen nun noch kritischer beäugen und auf die Techniken schauen.
Wie war es früher, als ich angefangen habe, diese Kunst zu trainieren. Ich schaute "ehrfurchtsvoll" zu den Schwarzgurten um von Ihrem Training zu lernen. Später schaute ich mir Ihre Techniken kritischer an und forderte nicht nur mehr Qualität von Ihnen, sondern auch von mir.
Als 1. Kyu hatte ich immer den Anspruch ein gutes Karate zu machen, an meinen Schwächen zu arbeiten, Schwachstellen oder falsche Bewegungen zu korrigieren und Stärken zu verbessern. Hat sich seit der Prüfung diesbezüglich etwas geändert? Nein!
Ich stehe nun in der Verantwortung, noch stärker und besser zu trainieren, mich zu verbessern und meine Techniken positiv zu korrigieren. Mehr zu lernen, mehr Wissen anzuhäufen und nicht auf der Stelle stehen zu bleiben. Ich habe diese Verantwortung nicht nur gegenüber jenen, die mir bei den Übungen zusehen oder mich auf die Shodan-Prüfung vorbereiteten und nach Hennef schickten, sondern auch gegenüber der Kunst welche ich betreibe. Die gleiche Verantwortung habe ich auch mir gegenüber.
Wie oft kritisierte ich jene Schwarzgurte, bei denen man glauben könnte, sie haben den Gurt bei einem Versandhaus bestellt und den Eintrag im Ausweis gleich mitgeliefert bekommen.
Hier sehe ich die Verpflichtung, mich noch stärker meinem Training und meinem weiterkommen zu widmen um meinen Ansprüchen an einen 1. Dan zu genügen. Dies bedeutet gleichzeitig auch, über den Tellerrand hinaus zu schauen und ggf. Wissen welches für meinen persönlichen Stil relevant sein könnte zu adaptieren.
Auch wenn Sensei Stan Schmidt sagte, daß der 1. Dan nur aussage, daß man nun die Basistechniken beherrsche, so denke ich oft, daß ich noch nichts beherrsche und mich auch täglich an der Basis üben sollte.
Dies 1. Stufe habe ich nun erklommen. Und um die Worte von Dieter Ruh sinngemäß zu verwenden, muss ich nun lernen, den ersten Dan auszufüllen.