Dieser Blog beschäftigt sich (u.a.) mit den Kampfkünsten, insbesondere dem (Shôtôkan-ryû) Karate. Allerdings werden von Zeit zu Zeit auch andere Themen angesprochen.

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Gedanken - Teil II

Geschrieben von Dirk.Z am 8.03.2010 um 11:13
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Gedanken - Teil II

Die Gedanken an der persönlichen Weiterentwicklung lassen mich nicht los. In meinem letzten Beitrag versuchte ich meine losen Gedanken niederzuschreiben. Und heute, beim nochmaligen lesen, stelle ich fest, dass vieles missverständlich verstanden werden könnte.

Wie genau soll man beschreiben, wie das eigene Karate aussehen soll, wenn man es selbst nicht weiß? Betrachte ich Karate als Kampfkunst, so sehe ich darin mehr, als das von mir viel zitierte Sportkarate. Und gerade dieses Wissen um das vorhanden sein von mehr als "Distanzüberwindung" und der von vielen als "überflüssig" betrachteten Kata ist es, was mich momentan umtreibt.

Doch wie erkenne ich, wie Kata anzuwenden bzw. zu "lesen" ist? Wie erkenne ich die im Karate versteckte zerstörerische Kraft, die in den letzten Jahren mehr und mehr in Vergessenheit geraten ist?

Was mich derzeit fasziniert ist die Kampfkunstübergreifende Verbindung zwischen Karate, Jûdô und Iaidô, wenngleich ich die letzten beiden Künste nicht wirklich ausübe. Doch der geringe Einblick der mir bisher vergönnt ist, zeigt mir, dass es offensichtlich viele Prinzipien gibt, die in jeder der drei Künste zu finden ist. Ja ich möchte sogar behaupten, die in allen Künsten zu finden sind.

Ich muss zugeben, ich beneide (i.S. das möchte ich auch können und wissen) jene, die dieses Wissen und Können haben. Die das tiefere innere Verständnis für die Künste nutzen um Techniken effektiv und effizient anzuwenden.

Heute hatte ich die Gelegenheit in einem Forum mehr über das - sagen wir mal - Gravitationszentrum und der Destabilisierung der Kraftlinien zu lesen. Dinge von denen ich dachte, dass ich darüber etwas wisse. Doch statt dessen stelle ich fest, dass ein von mir sehr hoch geschätzter Jûdôka diese Dinge "neu" ausprobierte und die von ihm bisher ausgeführten Techniken noch wirksamer wurden als diese ohnehin schon waren.

Das interessante an dieser Tatsache ist, dass dieses Know-How dieses mal von einem Karateka kam, während ich zu einem anderen Zeitpunkt, der Wissenstransfer vom Jûdô zum Karate ging.

Letztlich bedeutet dies doch, dass ich für das Verständnis meines Karates noch weiter forschen muss, damit ich meine persönliche Effizienz erreiche und um ein Karate zu betreiben, bzw. betreiben zu können, das im Ernstfall wirkt!

Gedanken...

Geschrieben von Dirk.Z am 25.02.2010 um 23:59
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Gedanken

Häufig wird von vielen Trainern der 1. Dan als "die Stufe des Suchenden" bezeichnet. Eine Aussage, die zwar gut gemeint ist, aber dennoch so in der Kampfkunst Karate nicht existent ist. Wie aus diversen Quellen zu lesen ist. Gibt es solche Abstufen schlicht und ergreifend nicht. Jedenfalls ist den Historikern oder auch anderen ernsthaft Interessierten Karatekas keine schriftliche Quelle bekannt, wo exakt dies niedergeschrieben steht.

Dennoch habe ich immer wieder den Eindruck, dass ich mich gerade auf der Suche nach meinem persönlichen und richtigen Weg befinde. Wohin soll mein Karate gehen. Angeregt durch einen Beitrag (1) auf Karate-news und dem heutigen Training beim regionalen Dan-Shakai zwischen den regional ansässigen Dôjô sind mir verschiedene Gedanken durch den Kopf gegangen.

Wie soll bspw. mein Karate "aussehen"? Bzw. genauer beschrieben, was soll es beinhalten? Welche Trainingsformen?

Durch die letzten Wochen und Monate bin ich zu verschiedenen Überlegungen gekommen. Nur "hartes" Karate kann nicht richtig sein. Aber ein reines "weiches" Karate auch nicht. Aber um etwas Klarheit in die beiden Sätze zu bringen. Was ist hart und was weich. Nun unter hart verstehe ich Karate, bei dem grds. nur "geholzt" wird. Man sich also die "Knochen" grün und blau schlägt ohne Rücksicht auf Verluste. Ein Training in dem bis zum geht nicht mehr am Makiwara trainiert wird und zum Schluss die Knöchel blutig sind.

Ein reines weiches Training kann ich mir aber auch (noch?) nicht vorstellen. Nur lockere aber vor allem lasche Techniken. Also Techniken, die einem beim ersten Widerstand (theoretisch) zusammenbrechen lässt, weil man nicht gewohnt ist über eine gewisse "Härte" zu verfügen.

Wie soll also mein Training aussehen? Derzeit glaube ich, dass ein Training sowohl weiche Elemente aber auch harte Elemente beinhalten kann. Weich i.S. von der Aufnahme von Techniken (Uke-Waza), Durchführung von Würfen (Nage-Waza) oder auch im Bodenrandori (welches im Karate kaum trainiert wird). Sozusagen eine weiche Flexibilität um auf den Gegner einzugehen. Aber auch "weiche" Schläge i.S. von "Tsuki keage" (dieser Begriff ist nun falsch, ohne Frage, aber ich möchte damit etwas zur Geltung bringen nämlich...), daß heißt peitschenartige Faustschläge.

Hartes Training könnte bspw. Dinge beinhalten wie Trainingselemente aus dem Kyokushin-Karate. Oder aber Dinge, die bspw. im Thai-Boxen geübt werden.

Also ein fließender Übergang von weich in hart. Von Locker- und Einfachheit. Von einer dynamischen Flexibilität/Härte.

Ein Karate, welches ebenso großen Wert auf Kata, Kata-Bunkai legt, wie auch auf den kämpferischen Aspekt, der nicht im Rahmen des Wettkampfs, sondern gedanklich an der Straße orientiert ist. Also genauer gesagt, Jissen-Kumite. Karate welches ebenso den Hiza-geri als auch den Empi einsetzt. Bei dem gegriffen und geworfen werden kann. Welches sowohl die "Fern-Distanz" als auch den "Infight" lehrt. Ebenso wichtig erscheinen mir Dinge wie Atemi-Waza/Kyushu.

Denn wie Karate nur eine "weite Distanz" beinhalten, wenn ein Kampf meist nicht aus einer Distanz von 2m beginnt?

Also ein Karate, welches "komplett" und umfangreich ist und sich nicht nur auf einzelne Dinge des Wettkampfs beschränkt und somit kastriert gelehrt wird.

Auch wenn ich momentan noch nicht weiß, wohin mich mein Karate-Durst führt und welches mein Karate sein wird, so weiß ich jedoch gewiss, dass Karate in dem als wichtigster Kern die "sportliche" Distanzüberwindung gelehrt wird, kaum noch meinem Interesse entspricht. Denn ich frage mich - wie so häufig in der Vergangenheit - warum ich eine Distanz zum Angreifer überwinden soll, wenn er mich angreift (wenn ich nicht gerade einen "Präventivschlag" ausüben möchte).

Heute habe ich noch etwas gelernt. Der deutliche Unterschied im kämpferischen Denken/Handeln. In einem Handeln nach Regeln und meinem Denken in Karate als SV. Während der Partner in einem spielerischen Kampf an Regeln dachte, war meine Hand schon im Bereich der Disqualifikation (gedan). Eine interessante Erfahrung. Ebenso wie die Tatsache, dass auch jener Partner (ebenso wie ich früher) in 1-2-Kombinationen dachte und handelte. Lockerheit, Entspanntheit aber auch und vor allem kontinuierliche (kämpferische) Bewegungen ohne Stopp.

Ein Karate, jenseits der genormten Konventionen des heutigen regulierten Wettkampfs... - Jissen Kumite?

(1) www.karate-news.de/smfalt/index.php

*Diese hier niedergeschriebenen Gedanken sind nicht fixiert, sondern sollten als dynamisch betrachtet werden. Gedanken und Empfindungen können sich im Laufe der Zeit verändern und unterliegen einem Wandel.

Erfahrungen auf einem SV-Lehrgang

Geschrieben von Dirk.Z am 8.02.2010 um 20:30
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Erfahrungen auf einem SV-Lehrgang

Das Karate nicht gleich SV ist, ja das musste man in letzter Zeit öfters lesen. Damit dieser Missstand nun behoben wird und Karate endlich wieder das wird, was es sein sollte, wird in einem großen Karateverband entsprechende Fortbildungen angeboten die mit dem Zertifikat "SV-Lehrer" abschließen. Einer der SV-Beauftragten weilte vor kurzem in heimatlichen Gefilden und so bot es sich an, einen "normalen" SV-Lehrgang zu besuchen um so neues zu lernen.

Vorab etwas zum Referenten des Lehrgangs. Der Referent ist Ausbilder bei der Polizei und hält den 5. Dan im Karate. Menschlich gesehen hat der Autor den Referenten als äußerst positiv gesehen, dem die Teilnehmer am Herzen liegt und mit Spaß und Freude sein Wissen weitergeben möchte.

Der Tageslehrgang fand unter einem bekannten Trainer statt, der insgesamt 4 Einheiten á 1,5 Stunden (jeweils 2 Einheiten für Einsteiger sowie für Fortgeschrittene) anbot. In der "Einsteiger-Einheit" sollten die Teilnehmer Grundlagen erlernen um sich bspw. gegen "fassen wollende" Angreifer zu wehren. Schon bei der Vorführung der Abwehrtechnik fiel auf, dass die Bewegungen aus dem WT (Wing Tsun/Wing Chun, etc.) entnommen waren. Die komplette Körperhaltung entsprach den typischen Bewegungen aus der chinesischen Kampfkunst.

Auch bei den späteren Techniken konnte man als Basis deutlich weniger Karate-Techniken ausmachen, als vielmehr die Bewegungen des Kung-Fu-Stiles. Infolge dessen waren die Bewegungen für manch' einen Karateka weniger einfach auszuführen, da man sich zuerst an die "neuen Grundlagen" einer anderen Kampfkunst gewöhnen musste.

Der Referent zeigte auf, wo und in welcher Kata einzelne Bewegungen zu finden sind, jedoch konnte man fast immer erkennen, dass die Basis beim Referenten nicht (mehr) im (Gôjû-Ryû/Shôtôkan-ryû) Karate lag, sondern im WT. Als Beispiel sei hier das typisches Merkmal des WT genannt, bei der die Faust vertikal verwendet wird und im Karate als Tate-Tsuki bekannt ist. Auch die Beinarbeit unterscheidet sich deutlich von der des "typischen" Shôtôkan-ryû-Karateka.

Was jedoch verwunderlich ist, dass, wenngleich es auch viele ähnliche Techniken in anderen Kampfkünsten gibt, als Basis nicht die bisherigen erlernten Bewegungsformen genutzt werden um aufzuzeigen, wie Karatetechniken in einer SV-Situation anzuwenden sind. Vielmehr wird auf einem "Karate-Lehrgang" zu 80% Techniken aus einer anderen Kampfkunst gezeigt.

Aus diesem Grund ist es auch nicht verwunderlich, dass sich auf diesem Lehrgang auch Kampfkünstler aus dem WT einfanden um vom Referenten zu lernen. Worüber man sich jedoch wundern kann, ist die Tatsache, dass auch auf einem solchen Lehrgang weder Wurftechniken, Hebel- und Würge- bzw. Würgebefreiungstechniken gezeigt werden! Statt dessen wird auf Basis vom WT unterrichtet.

Fazit:
Der Referent ist fachlich durchaus qualifiziert, jedoch zeigt er zu 80-90% Techniken aus dem WT, kaum Anwendungen aus Kata und deren Prinzipien, die zur SV nutzbar sind. Für einen Blick über den Tellerrand ist das Seminar durchaus empfehlenswert. Für Teilnehmer die SV auf Basis des Karate suchen jedoch nur bedingt empfehlenswert.

 

Unterschiede vs. Gemeinsamkeiten

Geschrieben von Dirk.Z am 23.01.2010 um 10:58
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Unterschiede vs. Gemeinsamkeiten

Irgendwie, ja irgendwie komme ich nicht umhin, mich in den Foren der (Kampfkunst-) Welt herumzutreiben. Und es ist immer wieder erstaunlich, wie sehr in Stilen und Unterschieden gedacht wird.

So versuchte ein User den Vergleich zwischen Karate und Bruce Lee anzustellen und wollte wissen: "[...] ob ihr euch als Karateka überhaupt mit ihm vergleichen könnt [...]"

Über die Unterschiede von Kampfkünsten findet man in jenen Foren seitenlange Fäden in denen häufig von jungen, ja fast schon fanatischen Anhängern einer Kampfkunst darüber philosophiert wird, warum Kampfkunst A besser sei als B. Alleine dies wäre schon schwierig, da ein objektiver Vergleich so gut wie unmöglich ist. Aber Personen und Menschen miteinander zu vergleichen ist unweit schwerer.

Wieso wird in diesen Sphären der "Unterscheidungen" gedacht? Gerade im Karate findet dies im besonderen Maß statt. Gôju-Ryû, Uechi-ryû, Wado-ryû und natürlich das Shôtôkan-ryû wird miteinander verglichen. Gerade direkte werden weiche runde Bewegungen gegenüber gestellt.

Viele Shôtôkan-ryû-Karateka meinen, dass der betriebene Stil ausschließlich harte, direkte und weite Techniken habe und verschmähen deswegen häufig den Blick über den Tellerrand. Die Frage die sich stellt, ist doch jene, ob es in einem Stil nur harte und direkte Techniken geben darf oder gar geben kann.

Beachtet man die Aussagen von Funkakoshi Gichin, so wird der Gedanke an den Stil "Shôtôkan" ad absurdum geführt, äußerte sich doch Funkakoshi zu Stilen dahingehen, dass es nur "ein Karate" gäbe. Eine Differenzierung in viele unterschiedliche Richtung machte er nicht. Ist es da nicht nur sinnvoll, ja sogar notwendig auch über den eigenen Horizont des Stiles hinaus zu schauen?

Bedenkt man auch der Tatsache, dass die Asiaten häufig im "Ying-Yang"-Prinzip denken. Also hart UND weich. Anspannung UND Entspannung, langsam UND schnell.

Bei der ausschließlichen Betrachtung des Shôtôkan-Stiles scheint es mir, als ob die Komponenten der Weichheit und der Entspannung vergessen werden. Auch habe ich den Eindruck, dass viele meinen, dass durch die Wahl der Stilrichtung ein Blick über den Tellerrand nicht notwendig, ja sogar überflüssig sei. Denn "man habe ja alles, was man brauche".

Dieser Gedanke, den der junge Bursche den Karatekas in Bezug auf die Unterschiede zwischen Wing Chung respektive Bruce Lee und Karate unterstellte: "ach das ist doch etwas ganz anderes" brauchen wir nicht einmal bei der "Unterscheidung" zwischen Stilrichtungen wie Kung Fu, Escrima, Kobudo, etc. machen, diese findet doch tatsächlich schon innerhalb des Karate statt.

Die Frage ist doch, wieso? Ist dies überhaupt notwendig? Das soll, kann, darf und vor allem MUSS bezweifelt werden. Wenn es früher letztlich nur zwei "relevante" Stile gab, also das Shorin- und Shorei-ryû, dann ist doch vielmehr zu fragen, was sind unsere Gemeinsamkeiten!

Vor allem, wenn man bedenkt, dass viele Kampfkünste im Zusammenhang mit Waffen stehen (vgl. hierzu die verschiedenen gelehrten Stockkata im historischen Shôtôkan-Dôjô).

Ein weiterer Grund für die Suche nach den "Gemeinsamkeiten" beruht doch auch darauf, dass der Mensch nun einmal nur zwei Arme und zwei Beine hat.

Warum also nach Unterschieden suchen, die einen im Kampf einschränken könnten, wenn Gemeinsamkeiten den Horizont erweitern und befreien könn(t)en?

Pause

Geschrieben von Dirk.Z am 7.01.2010 um 20:49
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Pause

Liebe Leser,

aufgrund positiver beruflicher Entwicklung, werde ich in den nächsten Wochen weniger Zeit haben, meine Erfahrungen, neuerliches Wissen und vor allem Gedanken hier nieder zu schreiben.

Auch wenn ich nun, für einige Zeit etwas kürzer treten und ich mit viel Freude und Enthusiasmus meiner neuen beruflichen Aufgaben entgegenschaue, werde ich von Zeit zu Zeit einige Zeilen niederschreiben oder aber andere inspirierende Texte bzw. Video-Clips verlinken/veröffentlichen.

Ich hoffe, dass Ihr zwischenzeitlich neue Erfahrungen sammeln könnt und Euch dieser Blog einen kleinen Blick über den Tellerrand bringen konnte.

Euch allen wünsche ich ein wunderschönes Jahr, viele neue Inspirationen.

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Heian Shodan Bunkai?

Geschrieben von Dirk.Z am 1.01.2010 um 15:52
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Heian Shodan Bunkai?

Die Kata Heian Shodan ist eine der ersten Kata die im Shôtôkan-ryû unterrichtet wird. Sie gehört zu den "Basis" Kata und wurde aus der Kanku (Kushanku) entwickelt. Als eine der ersten Grundkata enthält diese, oberflächlich betrachtet, "Abwehrbewegungen" wie beispielsweise den Gedan Barai, Age Uke und Shuto Uke und die Angriffs-"technik" Oi-Tsuki. 

An dieser Stelle soll aber nicht auf die einzelnen Techniken der Kata eingegangen werden, sondern vielmehr einmal der Blick über den Tellerrand werfen. Vor einigen Tagen stellte ein User folgenden Clip in einem Karate-Forum vor. Schauen Sie sich mal diesen Clip an und vergleichen Sie einmal die hier flüssigen Bewegungen des hier gezeigten Kung-Fu mit der Kata Heian Shodan. 

Zuerst einmal die Heian Shodan aus dem Shôtôkan-ryû Karate: 

Quelle: youtube - 01.01.2010
Heian Shodan

 

Nun die Bewegungen des vorgestellten Kung-Fu-Clips:

Quelle: youtube - 01.01.2010

Was meinen Sie (für sich), gibt es nicht verblüffende Ähnlichkeiten? Lassen Sie sich inspirieren, vielleicht, ja vielleicht entdecken Sie ja etwas neues für sich.

Bassai Dai vs. Matsumura Passai

Geschrieben von Dirk.Z am 31.12.2009 um 01:36
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Bassai Dai vs. Matsumura Passai

Die Kata "Bassai Dai" wird häufig als eine der ersten Sentei Kata in der Strömung des "Shôtôkan-ryû" gelehrt und wird, so die Meinung vieler, mit "die Festung erstürmen" übersetzt. Laut Lehrmeinung (die durch die JKA verbreitet wurde) ist diese Kata geprägt durch starke und harte Techniken. Heute wird die Kata i.d.R. wie folgt vorgeführt: 

Shôtôkan-ryû - Bassai Dai
Quelle: youtube

Entgegen der Lehrmeinung im Shôtôkan-ryû Karate wird der Name der Kata "Bassai Dai" im Shito-ryû Karate nicht mit erstürmen, sondern vielmehr mit "erschleichen" übersetzt. Damit ist gemeint, dass die Festung leise eingenommen wird. Entsprechend wird die Kata auch ausgeführt: 

Shito-ryû - Bassai Dai
Quelle: youtube

Eine noch viel interessantere Version der Bassai Dai zeigt Yuchoku Higa. Genauer gesagt, zeigt er die Matsumura Bassai. Bei der Betrachtung und Gegenüberstellung der "modernen" Bassai Dai und jener alten Form, die (wenn mich nicht alles täuscht) aus Okinawa kommt, fällt auf, dass sich die "Haltungen" deutlich unterscheiden. Der Oberkörper ist nicht gerade sondern vielmehr häufig gebeugt. Ähnlich, als würde ein Iaidoka die Klinge zum finalen Schlag ausführen. Doch betrachten Sie selbst die Kata (die leider hier nicht eingebettet werden kann und somit leider nur verlinkt ist):

www.youtube.com/watch

Matsumura Passai
Quelle: youtube

Es fällt auf, dass die Kata von Matsumura ggü. der heutigen, modernen Form mehr Techniken und Richtungswechsel enthält. Doch das ist nicht das wichtigste oder entscheidende. Interessant ist doch die Tatsache, dass die Grundzüge der "alten" Kata auch heute noch in der Kata zu finden sind. Die Behauptungen, dass die Meister nicht alles weiter erzählten könnte somit stimmen (woran ich persönlich keine Zweifel habe).

Die Frage die sich an dieser Stelle (wieder einmal) stellt ist die, ob man diese Unterschiede ignorieren darf. Warum wurden Kata früher anders als heute ausgeführt? Hat sich durch die Veränderung etwas in der Effizienz und Effektivität verändert?

 

Karate als Selbstverteidigung

Geschrieben von Dirk.Z am 9.12.2009 um 11:25
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Karate als Selbstverteidigung

Die Überschrift dieses Beitrags ist an und für sich schon paradox, denn für was anderes als Selbstverteidigung wurde Karate ursprünglich entwickelt. Doch in der heutigen Zeit, so scheint es, ist dieses Wissen um die Wurzeln des Karate soweit in Vergessenheit geraten. Denn wie sonst kommt es nun dazu,  dass ein großer Sportfachverband nun damit wirbt, dass man sich als "SV-Lehrer" ausbilden lassen kann?

Hierzu entwickelte der "anerkannte" Sportfachverband ein Konzept, welches "hohen Ansprüchen einer solchen Thematik" genügen soll. Nachdem das Konzept entwickelt und vorgestellt wurde, ist sich der Verband sicher, "eine Lücke in seinem Angebot geschlossen" habe.

Inhalte des neuen Konzepts sollen dabei folgende Inhalte umfassen:

P r a x i s ( c a . 70%)
Selbstbehauptung
Psychologie
Pädagogik
Methodik
Fitness
Anatomie, Erste Hilfe
Rechtsgrundlagen
Berufsgruppenausbildung
Logistik, Planung
Management

Auf dem ersten Blick eine schöne Idee. Auf dem zweiten verwundert es doch jene Karateka, die Karate schon immer als Selbstverteidigungs-Kampfkunst sahen. Die Aussage, dass nun eine "Lücke im Angebot" geschlossen wurde, zeigt doch deutlich, dass Karate in den vergangenen Jahren mehr als Wettkampfsport als etwas anderes gesehen wurde. Dementsprechend gestaltete sich in vielen Dôjôs das Training.

Doch nun ein plötzlicher Sinneswandel? Dabei stellt sich schon die Frage, ob - wenn man von Karate und Selbstverteidigung spricht - dies nicht schon immer der Kern und der Wettkampf eine Ausprägung ist. Doch das Wissen um das "Goshin Jutsu" wurde offensichtlich verdrängt, abgelehnt und/oder vergessen oder sind die Verantwortlichen für solche Fragen gar inkompetent?

Schaut man sich die Inhalte näher an, so ist zu fragen, ob das (tägliche) Karatetraining nicht nur Praxis sondern auch Fitness lehrt bzw. lehren sollte? Ebenso wie Anatomische Kenntnisse? Warum wird zur Prüfung zum 1. Dan nicht verlangt, dass ein 1. Hilfe Kurs absolviert werden muss?

Und wenn Karate unterrichtet wird, gehörend da nicht ebenso die Rechtsgrundlagen dazu? Warum wird, wenn Karate eine Kunst zu Selbstverteidigung ist, gerade die Themengebiete der Selbstbehauptung und der Psychologie unterschlagen?

Diese Dinge sollten ebenso, wie ein Oi-Tsuki als Grundlagen verstanden werden und nicht nur und ausschließlich auf sogenannten SV-Lehrgängen oder ähnlich gelagerten Seminaren - wie hier die Fortbildung zum zertifizierten "SV-Lehrer" gelehrt werden. Eine Vernachlässigung dieser Themen durch Vereinstrainer grenzt in der heutigen Zeit an Fahrlässigkeit.

Doch warum wird dieses Wissen nicht gelehrt? Die Antwort darauf kann doch nur lauten, weil viele Trainer nicht über die notwendigen Kenntnisse verfügen und zum großen Teil (noch immer) glauben, dass das geübte und gezeigte Wettkampfkarate zur Selbstverteidigung taugt.

Die Aussage des Sportverbands, dass man nun eine Lücke im Angebot geschlossen habe, offenbart doch die Ignoranz sowie die Inkompetenz ggü. dem notwenigen Wissen um die Kampfkunst Karate. Es scheint so zu sein, als ob man nun, ganz plötzlich feststellt, das sich Karate auch zur Selbstverteidigung eigne. Das muss eine faszinierende Erkenntnis sein...

Oder liegt der Hund woanders begraben? Schaut man sich die Ausschreibung an, so kann man feststellen, dass der Kurs mit einer späteren Lizenzvergabe einhergeht, so dass sich der Teilnehmer später als "lizenzierter SV-Lehrer" verkaufen darf. Dass der Weg dorthin vier Seminare umfasst und jedes einzelne (so jedenfalls ist es aus der Beschreibung herauszulesen) 450 Euro kostet, lassen einen noch andere Motive vermuten.

Zusammenfassend möchte man ketzerisch sagen, dass der "anerkannte Sportfachverband" nun Seminare anbietet um Dinge zu lehren, die bereits seit Jahren Teil des Trainingsbetriebs und des Curriculums sein müssten. Für dieses Seminar mit scheinbar "neuem" Wissen - welches so oder so von den Trainern gelehrt werden müsste - wird eine fürstliche Gebühr erhoben, damit der zukünftige "zertifizierte SV-Lehrer" ein weiteres Dokument in den Händen hält, was ihn als vermeintlichen Experten qualifiziert.

Gleichzeitig zeigt es sich, dass gerade durch den Fokus auf den Wettkampfsport gerade die wichtigen Inhalte der Selbstverteidigung nicht gelehrt werden. Erschreckend, wenn man bedenkt, dass viele Menschen mit den Kampfkünsten beginnen, um zu lernen, wie man sich selbst verteidigt.

 

Karate - anerkannter Gesundheitssport?

Geschrieben von Dirk.Z am 12.11.2009 um 01:33
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Karate - anerkannter Gesundheitssport?

Würde man jedes Werbeversprechen der Marketing-Strategen glauben, so wären viele der angepriesenen Produkte von einer solch hohen Qualität, dass andere konkurrierende Produkte schon längst vom Markt hätten genommen werden müssen, da die Mitbewerber chancenlos sein müssten.

Im Karate wird häufig von einem Verband damit geworben, dass Karate durch die "World Health Organization" (WHO) als "Gesundheitssport" anerkannt sei. Dementsprechend organisiert dieser Verband mit Krankenkassen entsprechende Kurse, die zum positiven Gesundheitsempfinden der Teilnehmer beitragen und gleichzeitig die Mitgliederzahl in jenem Verband erhöhen soll. Das alleine wäre nicht kritikwürdig. Doch schaut man hinter die Fassade, so erscheinen doch deutliche Risse erkennbar zu sein.

Nach (dem derzeitigen Stand) der Anfrage äußerte sich bislang weder die WHO, noch ein Weltverband des Karatesports zur "Anerkennung" des Karates als Gesundheitssports.

In den mir vorliegenden Schreiben (, welches durch den Karate-Weltverband an eine spanische Universität gerichtet ist,) kann zum jetzigen Zeitpunkt nicht festgestellt werden, ob es sich tatsächlich um eine Anerkennung der WHO handelt, da dieses Schreiben auf spanisch verfasst ist (und ich leider über keine Spanisch-Kenntnisse verfüge).

In einem Schreiben des nationalen Karateverbands liest sich die Überschrift schon ganz anders, dort steht, dass "Karate als therapeutische Disziplin durch die WHO unterstützt" wird. (2) Von "Anerkennung als Gesundheitssport" ist somit keine Rede! Oder etwa doch?

Doch was ist eine Therapie? Eine Therapie wird doch dann veranlasst, wenn es sich um eine Maßnahme handelt die zur Heilung eines Kranken dient. Wikipedia schreibt dazu folgendes:

Die Therapie (griechisch θεραπεία therapeia „das Dienen, die Bedienung, die Dienstleistung, die Pflege der Kranken) bezeichnet in der Medizin die Maßnahmen zur Behandlung von Krankheiten und Verletzungen. Ziel des Therapeuten ist die Heilung, die Beseitigung oder Linderung der Symptome und die Wiederherstellung der körperlichen oder psychischen Funktion. Verschiedene Möglichkeiten zur Behandlung einer Krankheit werden oft als Therapieoptionen bezeichnet.

Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Therapie (Stand: 12.11.2009)

Was ist also unter einer "Karate-Therapie" zu verstehen? Anhand der mir vorliegenden Unterlagen kann dies momentan nicht abschließend geklärt werden, da darüber keine Informationen vorliegen.

An dieser Stelle muss Karate, wenn es um eine Therapieform geht, als ein "temporärer" Vorgang angesehen werden, da das Ziel die Gesundung eines Menschen sein muss. Es geht also nicht, wie im Begriff des "Gesundheitssports" unterstellt werden kann, darum, dass ein langfristiges und präventives Training vor gesunheitlichen Schäden schützen soll, sondern viel eher darum, dass mit Hilfe durch eine Therapie eine Krankheit behandelt werden soll um eine Genesung herbeizuführen.

Aber gerade eine präventive Maßnahme unter einem langfristigen Zeithorizont wird durch die Bevölkerung unter dem Aspekt "Gesundheitssport" verstanden. Gesundheitssport wird aus medizinischer Sicht wie folgt definiert:

Unter Gesundheitssport wird alle Form von Sport zusammengefasst, bei dem der Erhalt, die Verbesserung und Prävention der Gesundheit als primäres Ziel verstanden wird. Sport wird demnach instrumentalisiert und besonders in der Prävention und Rehabilitation angewandt.

Sport ist für Gesundheit elementar und stellt neben der Akutbehandlung, der Rehabilitation und der Pflege die vierte Säule im Gesundheitswesen dar.

Quelle: http://www.dr-gumpert.de/html/gesundheit.html (Stand: 12.11.2009)

Im ersten Moment kann man zwischen beiden Begrifflichkeiten eine gemeinsame Schnittmenge finden, jedoch spielt für mich u.a. der zeitliche Horizont eine wesentliche Rolle. Während die Therapie zu einem bestimmten Zeitpunkt endet, erfordern präventive Maßnahmen im Gesundheitsbereich eine längerfristige und nachhaltige Zeitachse.

Unter dem "ganzheitlichen" Aspekt des häufig propagierten "Gesundheitssport" sind somit auch Fragen zu funktionalen und biomechanischen Bewegungen zu klären. Gerade an dieser Stelle kommen wir an einen wesentlichen Punkt in der heutigen Karate-Landschaft.

Wird gerade für Personen ab 30 Jahren ein entsprechendes Trainingsangebot gemacht? Werden die Techniken nach funktionalen und biomechanischen Bewegungen ausgeführt? Kann man somit, wenn man in die heutige Form des Karate-Trainings schaut von einem Gesundheitssport Karate sprechen?

Ich bezweifle es. Daraus ergeben sich für mich folgende und weitere Fragen, die durch eine "Karate-Therapie" aufgeworfen werden:

1) Was beinhaltet die "Karate Therapie"?
2) Wie wurde diese entwickelt?
3) Mit was und unter welchen Gesichtspunkten wurde die Karate-Therapie verglichen?
4) Wie wurde die Therapie getestet also unter welchen "Bedingungen"?
5) Sind die Ergebnisse auf den Breitensport, die Vereine und Dôjôs übertragbar?
6) Wurde diese Untersuchung unter den gleichen Trainingsbedingungen wie in den Dôjôs durchgeführt oder unter optimalen "Laborbedingungen"?
7) Welcher Zeithorizont wird einer solchen Therapie unterstellt?

Karate, das steht unzweifelhaft fest, kann durchaus eine Sportart sein, welche einen ganzheitlichen und präventiven Charakter hat, allerdings nur dann, wenn das Training in den Dôjôs entsprechend gestaltet wird. Dazu gehört, dass im Karate auf funktionale Bewegungen geachtet wird, bei der die vorhandene Muskelatur unterstützt wird und eine Kräftigung erfährt.

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Missverständnis?

Geschrieben von Dirk.Z am 3.11.2009 um 12:42
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Missverständnis?
-Wettkampf vs. Tradition?-

Es scheint ein weit verbreiteter Irrtum zu sein, dass Karateka, die sich intensiver mit Geschichte, Traditionen aber auch und vor allem mit Goshin-jitsu sowie der funktionellen Anwendbarkeit des Karate beschäftigen, grds. gegen jegliche Form des Wettkampfes sind.

Dabei wird der Wettkampf häufig per se nicht abgelehnt. Die jedoch häufig vertretene Meinung, dass die für den Wettkampf (an-)trainierten Techniken grds. auch für die Selbstverteidigung taugen, ernsthaft bezweifelt.

Im ersten Moment könnte man zu der Annahme geraten, dass doch gerade Wettkämpfer über besondere Fähigkeiten in der Selbstverteidigung verfügen. Werden doch gerade für den Wettkampf und somit der damit verbundenen Auseinandersetzung zwischen zwei Kontrahenten speziell jene Techniken trainiert, die im reglementierten Shiai (jap. Wettkampf) zum Erfolg führen, bzw. führen können.

Dem einher geht häufig die Meinung, dass im Wettkampf das ganze Spektrum des Karate angewendet wird. Dies ist jedoch ein Trugschluss.

Im Wettkampftraining werden zwar Schnelligkeit, Athletik, Dynamik und andere Aspekte trainiert, jedoch sind in der wirklichen SV häufig andere Elemente notwendig, die zum Erfolg führen.

Betrachten wir einmal das heutige Wettkampfgeschehen (durchaus auch verbandsübergreifend). Wesentliche Kriterien des Kumite-Shiai sind saubere, schnelle Techniken und je nach Verband auch die „mutmaßliche“ Wirkung auf den Gegner. Wäre mit dieser Technik der Gegner möglicherweise außer Gefecht gesetzt worden? Ein Kriterium im traditionellen Wettkampf ist das (hier falsch verstandene) „Kime“.

Bei der weiteren Betrachtung wird ebenfalls deutlich, dass sich die im Kumite-Shiai angewendeten Techniken auf einige wenige genutzten reduzieren (dies trifft gleichfalls für das Jiyu-Ippon-Kumite als auch das Jiyu-Sanbon-Kumite zu). So sieht man häufig Techniken wie: Kizami-Tsuki, Gyaku-Tsuki, Mae-geri, Mawashi-geri oder auch Ashi barai in der Anwendung. Techniken wie bspw. Ura-mawashi-geri, Ushiro geri werden deutlich seltener im Wettkampf (des traditionellen Sportkarate) genutzt.

Doch was ist mit den anderen Techniken? Haito-Uchi, Hiza-geri, Empi, Shuto oder anderen funktionalen und vor allem gefährlichen Techniken des Karate? Warum werden diese weniger intensiv geübt?

Sicherlich zum einen, da viele dieser Techniken (Angriff auf die Augen, den Genitalbereich u.a.) gefährlich sind und zum anderen, da diese im Kumite-Shiai zur unweigerlichen Disqualifikation führen würden. In der realen Situation hätten diese (im Shiai verbotenen Techniken) eine brachiale Wirkung.

Auch die Verwendung von Waffen im Training wird häufig nur in wenigen Dôjôs trainiert. Ganz zu schweigen von der Simulation von realen Angriffen oder Rollenspielen, wie sich Konflikte zu Gewalt hochspielen können.

Ebenfalls scheint Bunkai, Atemi-Waza, Nage Waza oder auch andere Trainingsformen in wettkampforientierten Dôjôs deutlich weniger Beachtung geschenkt zu werden als die reine Übungsform für die Tatami. Auch hier stellt sich die Frage nach dem „Warum“!

Ein weiterer Aspekt welcher beim Karate übersehen wird, ist die Tatsache, dass Karate eine lebensbegleitende Kampfkunst sein soll. Lebensbegleitend sollte dabei nicht nur in einer Lebensspanne vom 10. bis zum 30. Lebensjahr zu sehen. Was wäre denn mit jenen Karatekas, die diese Altersschwelle überschritten haben?

Gerade jene Karatekas die nicht mehr die körperlichen Voraussetzungen für das Kumite-Shiai haben würden bei einer rein sportlich orientierten Betrachtung das nachsehen haben. Karate wäre gerade für sie nicht mehr geeignet, da sie eine etwas geringere Dynamik aufweisen könnten. Die eigentliche Problematik für die älteren Karateka liegt aber in der notwendigen Regenerationsphase des Körpers um an solchen Turnieren gegen jüngere zu bestehen.

Betrachtet man auf youtube jedoch Clips von einigen älteren Karatemeistern, so fällt auf, dass gerade diese alten Meister sich durchaus schnell bewegen und die Kombination aus harten und weichen Techniken beherrschen. Sie sind im „Fluss“.

Bei näherem Augenschein wird offensichtlich, dass hier die Ökonomie in der Bewegung, für weiche runde aber dennoch schnelle Bewegungen, sowie die Biomechanik eine gänzlich andere Rolle spielt als für den Wettkämpfer.

Für diese Karatekas kann ein wettkampforientiertes Training gerade auch aus gesundheitlichen Aspekten nicht wirklich eine Option sein. Vielmehr müssen auf funktionale (i.S. von gesunden) und ökonomische Bewegungen geachtet werden, die gleichfalls effektiv und effizient sind, ja vielleicht sogar, effizienter und effektiver sind als die bislang falsch ausgeführten Bewegungen im Sportkarate.

Fazit:
Karate kann, darf und soll durchaus die Möglichkeit für junge Menschen bieten, sich sportlich vergleichen zu können. Dies wird i.d.R. gerade auch von den Wettkampfkritikern so gesehen. Wettkämpfe sind durchaus attraktiv und vor allem auch lehr- und hilfreich. Hier besteht die Möglichkeit, in einem reglementierten Kampf sich seinem Adrenalin zu stellen und der Teilnehmer lernt, mit diesem umzugehen.

Dennoch darf der Wettkampf nicht überbewertet und im alleinigen Mittelpunkt des Trainings gestellt werden. Auch wenn im Training für den Wettkampf viele unterschiedliche motorische Fähigkeiten entwickelt werden, so darf man die Bewegungs- und Anwendungsprinzipien der Kata nicht vernachlässigen. Ebenso wenig wie die in den Kata enthaltenen Techniken, sind es nun Würfe, Schlag-, Tritt-, Hebel- oder Würgetechniken.

Die Gefahr die die Kritiker (in den Augen des Autors zu Recht) sehen, ist die Tatsache, dass durch eine Fokussierung auf das Kumite-Shiai die wesentlichen Prinzipien vernachlässigt werden und so das Karate weiter „beschränkt“ wird. Karate würde auf einem solchen Weg zu einer weiteren Form des „Kickboxens“ werden. Ketzerisch könnte man behaupten, dass eine solche Entwicklung in einem großen Verband zu erkennen ist.

 

 

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