Karate - anerkannter Gesundheitssport?

Geschrieben von Gelbfüssler am 12.11.2009 um 01:33
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Karate - anerkannter Gesundheitssport?

Würde man jedes Werbeversprechen der Marketing-Strategen glauben, so wären viele der angepriesenen Produkte von einer solch hohen Qualität, dass andere konkurrierende Produkte schon längst vom Markt hätten genommen werden müssen, da die Mitbewerber chancenlos sein müssten.

Im Karate wird häufig von einem Verband damit geworben, dass Karate durch die "World Health Organization" (WHO) als "Gesundheitssport" anerkannt sei. Dementsprechend organisiert dieser Verband mit Krankenkassen entsprechende Kurse, die zum positiven Gesundheitsempfinden der Teilnehmer beitragen und gleichzeitig die Mitgliederzahl in jenem Verband erhöhen soll. Das alleine wäre nicht kritikwürdig. Doch schaut man hinter die Fassade, so erscheinen doch deutliche Risse erkennbar zu sein.

Nach (dem derzeitigen Stand) der Anfrage äußerte sich bislang weder die WHO, noch ein Weltverband des Karatesports zur "Anerkennung" des Karates als Gesundheitssports.

In den mir vorliegenden Schreiben (, welches durch den Karate-Weltverband an eine spanische Universität gerichtet ist,) kann zum jetzigen Zeitpunkt nicht festgestellt werden, ob es sich tatsächlich um eine Anerkennung der WHO handelt, da dieses Schreiben auf spanisch verfasst ist (und ich leider über keine Spanisch-Kenntnisse verfüge).

In einem Schreiben des nationalen Karateverbands liest sich die Überschrift schon ganz anders, dort steht, dass "Karate als therapeutische Disziplin durch die WHO unterstützt" wird. (2) Von "Anerkennung als Gesundheitssport" ist somit keine Rede! Oder etwa doch?

Doch was ist eine Therapie? Eine Therapie wird doch dann veranlasst, wenn es sich um eine Maßnahme handelt die zur Heilung eines Kranken dient. Wikipedia schreibt dazu folgendes:

Die Therapie (griechisch θεραπεία therapeia „das Dienen, die Bedienung, die Dienstleistung, die Pflege der Kranken) bezeichnet in der Medizin die Maßnahmen zur Behandlung von Krankheiten und Verletzungen. Ziel des Therapeuten ist die Heilung, die Beseitigung oder Linderung der Symptome und die Wiederherstellung der körperlichen oder psychischen Funktion. Verschiedene Möglichkeiten zur Behandlung einer Krankheit werden oft als Therapieoptionen bezeichnet.

Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Therapie (Stand: 12.11.2009)

Was ist also unter einer "Karate-Therapie" zu verstehen? Anhand der mir vorliegenden Unterlagen kann dies momentan nicht abschließend geklärt werden, da darüber keine Informationen vorliegen.

An dieser Stelle muss Karate, wenn es um eine Therapieform geht, als ein "temporärer" Vorgang angesehen werden, da das Ziel die Gesundung eines Menschen sein muss. Es geht also nicht, wie im Begriff des "Gesundheitssports" unterstellt werden kann, darum, dass ein langfristiges und präventives Training vor gesunheitlichen Schäden schützen soll, sondern viel eher darum, dass mit Hilfe durch eine Therapie eine Krankheit behandelt werden soll um eine Genesung herbeizuführen.

Aber gerade eine präventive Maßnahme unter einem langfristigen Zeithorizont wird durch die Bevölkerung unter dem Aspekt "Gesundheitssport" verstanden. Gesundheitssport wird aus medizinischer Sicht wie folgt definiert:

Unter Gesundheitssport wird alle Form von Sport zusammengefasst, bei dem der Erhalt, die Verbesserung und Prävention der Gesundheit als primäres Ziel verstanden wird. Sport wird demnach instrumentalisiert und besonders in der Prävention und Rehabilitation angewandt.

Sport ist für Gesundheit elementar und stellt neben der Akutbehandlung, der Rehabilitation und der Pflege die vierte Säule im Gesundheitswesen dar.

Quelle: http://www.dr-gumpert.de/html/gesundheit.html (Stand: 12.11.2009)

Im ersten Moment kann man zwischen beiden Begrifflichkeiten eine gemeinsame Schnittmenge finden, jedoch spielt für mich u.a. der zeitliche Horizont eine wesentliche Rolle. Während die Therapie zu einem bestimmten Zeitpunkt endet, erfordern präventive Maßnahmen im Gesundheitsbereich eine längerfristige und nachhaltige Zeitachse.

Unter dem "ganzheitlichen" Aspekt des häufig propagierten "Gesundheitssport" sind somit auch Fragen zu funktionalen und biomechanischen Bewegungen zu klären. Gerade an dieser Stelle kommen wir an einen wesentlichen Punkt in der heutigen Karate-Landschaft.

Wird gerade für Personen ab 30 Jahren ein entsprechendes Trainingsangebot gemacht? Werden die Techniken nach funktionalen und biomechanischen Bewegungen ausgeführt? Kann man somit, wenn man in die heutige Form des Karate-Trainings schaut von einem Gesundheitssport Karate sprechen?

Ich bezweifle es. Daraus ergeben sich für mich folgende und weitere Fragen, die durch eine "Karate-Therapie" aufgeworfen werden:

1) Was beinhaltet die "Karate Therapie"?
2) Wie wurde diese entwickelt?
3) Mit was und unter welchen Gesichtspunkten wurde die Karate-Therapie verglichen?
4) Wie wurde die Therapie getestet also unter welchen "Bedingungen"?
5) Sind die Ergebnisse auf den Breitensport, die Vereine und Dôjôs übertragbar?
6) Wurde diese Untersuchung unter den gleichen Trainingsbedingungen wie in den Dôjôs durchgeführt oder unter optimalen "Laborbedingungen"?
7) Welcher Zeithorizont wird einer solchen Therapie unterstellt?

Karate, das steht unzweifelhaft fest, kann durchaus eine Sportart sein, welche einen ganzheitlichen und präventiven Charakter hat, allerdings nur dann, wenn das Training in den Dôjôs entsprechend gestaltet wird. Dazu gehört, dass im Karate auf funktionale Bewegungen geachtet wird, bei der die vorhandene Muskelatur unterstützt wird und eine Kräftigung erfährt.

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Missverständnis?

Geschrieben von Gelbfüssler am 3.11.2009 um 12:42
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Missverständnis?
-Wettkampf vs. Tradition?-

Es scheint ein weit verbreiteter Irrtum zu sein, dass Karateka, die sich intensiver mit Geschichte, Traditionen aber auch und vor allem mit Goshin-jitsu sowie der funktionellen Anwendbarkeit des Karate beschäftigen, grds. gegen jegliche Form des Wettkampfes sind.

Dabei wird der Wettkampf häufig per se nicht abgelehnt. Die jedoch häufig vertretene Meinung, dass die für den Wettkampf (an-)trainierten Techniken grds. auch für die Selbstverteidigung taugen, ernsthaft bezweifelt.

Im ersten Moment könnte man zu der Annahme geraten, dass doch gerade Wettkämpfer über besondere Fähigkeiten in der Selbstverteidigung verfügen. Werden doch gerade für den Wettkampf und somit der damit verbundenen Auseinandersetzung zwischen zwei Kontrahenten speziell jene Techniken trainiert, die im reglementierten Shiai (jap. Wettkampf) zum Erfolg führen, bzw. führen können.

Dem einher geht häufig die Meinung, dass im Wettkampf das ganze Spektrum des Karate angewendet wird. Dies ist jedoch ein Trugschluss.

Im Wettkampftraining werden zwar Schnelligkeit, Athletik, Dynamik und andere Aspekte trainiert, jedoch sind in der wirklichen SV häufig andere Elemente notwendig, die zum Erfolg führen.

Betrachten wir einmal das heutige Wettkampfgeschehen (durchaus auch verbandsübergreifend). Wesentliche Kriterien des Kumite-Shiai sind saubere, schnelle Techniken und je nach Verband auch die „mutmaßliche“ Wirkung auf den Gegner. Wäre mit dieser Technik der Gegner möglicherweise außer Gefecht gesetzt worden? Ein Kriterium im traditionellen Wettkampf ist das (hier falsch verstandene) „Kime“.

Bei der weiteren Betrachtung wird ebenfalls deutlich, dass sich die im Kumite-Shiai angewendeten Techniken auf einige wenige genutzten reduzieren (dies trifft gleichfalls für das Jiyu-Ippon-Kumite als auch das Jiyu-Sanbon-Kumite zu). So sieht man häufig Techniken wie: Kizami-Tsuki, Gyaku-Tsuki, Mae-geri, Mawashi-geri oder auch Ashi barai in der Anwendung. Techniken wie bspw. Ura-mawashi-geri, Ushiro geri werden deutlich seltener im Wettkampf (des traditionellen Sportkarate) genutzt.

Doch was ist mit den anderen Techniken? Haito-Uchi, Hiza-geri, Empi, Shuto oder anderen funktionalen und vor allem gefährlichen Techniken des Karate? Warum werden diese weniger intensiv geübt?

Sicherlich zum einen, da viele dieser Techniken (Angriff auf die Augen, den Genitalbereich u.a.) gefährlich sind und zum anderen, da diese im Kumite-Shiai zur unweigerlichen Disqualifikation führen würden. In der realen Situation hätten diese (im Shiai verbotenen Techniken) eine brachiale Wirkung.

Auch die Verwendung von Waffen im Training wird häufig nur in wenigen Dôjôs trainiert. Ganz zu schweigen von der Simulation von realen Angriffen oder Rollenspielen, wie sich Konflikte zu Gewalt hochspielen können.

Ebenfalls scheint Bunkai, Atemi-Waza, Nage Waza oder auch andere Trainingsformen in wettkampforientierten Dôjôs deutlich weniger Beachtung geschenkt zu werden als die reine Übungsform für die Tatami. Auch hier stellt sich die Frage nach dem „Warum“!

Ein weiterer Aspekt welcher beim Karate übersehen wird, ist die Tatsache, dass Karate eine lebensbegleitende Kampfkunst sein soll. Lebensbegleitend sollte dabei nicht nur in einer Lebensspanne vom 10. bis zum 30. Lebensjahr zu sehen. Was wäre denn mit jenen Karatekas, die diese Altersschwelle überschritten haben?

Gerade jene Karatekas die nicht mehr die körperlichen Voraussetzungen für das Kumite-Shiai haben würden bei einer rein sportlich orientierten Betrachtung das nachsehen haben. Karate wäre gerade für sie nicht mehr geeignet, da sie eine etwas geringere Dynamik aufweisen könnten. Die eigentliche Problematik für die älteren Karateka liegt aber in der notwendigen Regenerationsphase des Körpers um an solchen Turnieren gegen jüngere zu bestehen.

Betrachtet man auf youtube jedoch Clips von einigen älteren Karatemeistern, so fällt auf, dass gerade diese alten Meister sich durchaus schnell bewegen und die Kombination aus harten und weichen Techniken beherrschen. Sie sind im „Fluss“.

Bei näherem Augenschein wird offensichtlich, dass hier die Ökonomie in der Bewegung, für weiche runde aber dennoch schnelle Bewegungen, sowie die Biomechanik eine gänzlich andere Rolle spielt als für den Wettkämpfer.

Für diese Karatekas kann ein wettkampforientiertes Training gerade auch aus gesundheitlichen Aspekten nicht wirklich eine Option sein. Vielmehr müssen auf funktionale (i.S. von gesunden) und ökonomische Bewegungen geachtet werden, die gleichfalls effektiv und effizient sind, ja vielleicht sogar, effizienter und effektiver sind als die bislang falsch ausgeführten Bewegungen im Sportkarate.

Fazit:
Karate kann, darf und soll durchaus die Möglichkeit für junge Menschen bieten, sich sportlich vergleichen zu können. Dies wird i.d.R. gerade auch von den Wettkampfkritikern so gesehen. Wettkämpfe sind durchaus attraktiv und vor allem auch lehr- und hilfreich. Hier besteht die Möglichkeit, in einem reglementierten Kampf sich seinem Adrenalin zu stellen und der Teilnehmer lernt, mit diesem umzugehen.

Dennoch darf der Wettkampf nicht überbewertet und im alleinigen Mittelpunkt des Trainings gestellt werden. Auch wenn im Training für den Wettkampf viele unterschiedliche motorische Fähigkeiten entwickelt werden, so darf man die Bewegungs- und Anwendungsprinzipien der Kata nicht vernachlässigen. Ebenso wenig wie die in den Kata enthaltenen Techniken, sind es nun Würfe, Schlag-, Tritt-, Hebel- oder Würgetechniken.

Die Gefahr die die Kritiker (in den Augen des Autors zu Recht) sehen, ist die Tatsache, dass durch eine Fokussierung auf das Kumite-Shiai die wesentlichen Prinzipien vernachlässigt werden und so das Karate weiter „beschränkt“ wird. Karate würde auf einem solchen Weg zu einer weiteren Form des „Kickboxens“ werden. Ketzerisch könnte man behaupten, dass eine solche Entwicklung in einem großen Verband zu erkennen ist.

 

 

Warum teilen?

Geschrieben von Gelbfüssler am 27.10.2009 um 22:41
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Warum teilen?

Eine bekannte Weisheit sagt, dass wenn man Wissen teilt, es mehr wird. Aus diesem Gesichtspunkt heraus ist es somit erforderlich, sein erworbenes Wissen anderen mitzuteilen, ganz in der Hoffnung, dass durch den Dialog ein Mehrwert geschaffen wird. Dies gilt dabei nicht nur für die Ökonomie und die Politik, nein, auch für die Kampfkünste.

Jedenfalls sollte es so sein. Zwar schuf der DKV eine entsprechende Institution um dieses Ziel, mehr Wissen zu generieren, zu erreichen, doch beim gemeinen Karateka ist davon nicht wirklich viel zu bemerken.

Ungefragt werden falsche Phrasen übernommen und an die Schüler weitergetragen ohne dass sich der Einzelne mit den Aussagen beschäftigt hat. Aber gerade das hinterfragen von Wissen, das prüfen und der Versuch der Falsifikation sind doch wesentliche Kernpunkte um festzustellen, ob eine Kunst so erhalten bleiben kann, modernisiert oder gar zurück entwickelt werden muss.

Viele der heutigen Karateka sehen die Effizienz der Kampfkunst Karate im Wettkampf. Hier, so eine der vielfältigen Meinungen, würde die Tradition bewahrt werden oder gar das Verständnis besonders in die Tiefe gehen. Grund sei, dass Athleten häufiger trainierten und deshalb einen besonders tiefen Einblick in die Materie bekommen würden.

Ebenso wird der Wert der Kata angezweifelt. Kata gilt nicht mehr als "Lexikon der Kampfkunst" sondern immer mehr als lästiges Überbleibsel mit einer zweifelhaften Bedeutung. Zweifelhaft deswegen, weil das Verständnis für die Kata, sowohl als Bewegungsschule als auch (möglicher) Leitfaden für das Bunkai, fehlt. Kata, sei "überflüssig". Man brauche sie, die Kata, nicht.

Das hinter jeder Kata Bewegungsprinzipien stehen aber auch Techniken für den Nah- und Bodenkampf enthalten sind, wird jedoch geflissentlich übersehen. Auch die Zusammenhänge zwischen dem Schwertkampf (Jigen-ryû) und Karate wird nicht erkannt.

Finden sich nun Kampfkünstler, die aus der vielfältigen Zahl an Missinterpretationen und falschem Verständnis logische und sinnvolle Erklärungen abgeben, so werden diese beleidigt oder denunziert. Ziel des Denunzianten ist es dabei, den faktisch "Wissenden" mundtot zu machen.

Doch die Frage ist, warum? Ist es falscher Stolz? Oder die Erkenntnis, dass man jahrelang an falsche, ggf. unfunktionales Wissen glaubte und nun feststellen muss, dass dieses Wissen in sich zusammenfällt?

Das bedauerliche ist jedoch, dass jene Menschen nicht bereit sind, altes und fehlerhaftes oder gar falsches Wissen abzulegen, sondern der Versuch, dieses falsche Wissen zu rechtfertigen. Wobei diese, nicht in Form von faktischen Quellen, wie bspw. literarischen Quellen untermauert werden, sondern vielmehr mit Aussagen wie: "Das haben wir schon immer so gemacht" belegt werden sollen.

Weisen nun die Fachleute mit Hilfe von unterschiedlichen gut recherchierten Quellen auf Irrtümer der selbst ernannten Experten hin, so wird dieses Wissen weiterhin abgelehnt.

Irgendwann erkennen die Experten, dass die eigene Kampfkunst Schwächen hat. Doch statt sich den Rat in der eigenen Kunst mit Hilfe von faktischen Wissen wie Büchern zu holen, greifen diese auf andere Kampfkünste zurück. Grund: Die eigene Kunst scheint mangelhaft und nicht komplett durchdacht zu sein. Welch fataler Irrtum, liegt es doch weniger an der Kunst, als am faktisch fehlenden Know-How des Experten.

Aber warum sollte denn ein Fachmann sein Wissen auch teilen, wenn er doch für sein mühsam erworbenes Wissen, beleidigt und diskreditiert wird?

Würden Sie jemanden helfen wollen, der sich Ihrer Hilfe vehement verweigert?

 

5. Tag des Karate

Geschrieben von Gelbfüssler am 25.10.2009 um 15:10
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5. Tag des Karate

Der Begriff „Kara-te“, so wie wir diesen heute kennen, wurde erst im Jahre 1936 reformiert und in eine moderne Schreibweise gebracht. „Am 25. Oktober 1936 fand die so genannte “Versammlung der Karate-Meister” statt.“ (1)

Bei diesem Treffen einigten sich die anwesenden Meister, das bereits 1929 gewählte Schriftzeichen für Kara (=Himmel, Leere )zukünftig zu verwenden und somit den Begriff „Karate (Tōdî) 唐手 in Karate 空手“ (2) zu ändern.

Seit dieser formellen Änderung hat sich Karate weltweit verbreitet. So geht man heute von ca. 50 Millionen aktiven Karateka aus, die unabhängig von Landesgrenzen, Sprache, Religion, Kultur oder anderen Unterschieden in rund 150 Länder dieser Erde, diese Kunst betreiben.

Nun, gute 7 Jahrzehnte später, am 29. März 2005 entschied „das Parlament der Präfektur Okinawa mit der Resolution bezüglich des Karate“ (3), zukünftig den 25. Oktober zum Tag des Karate zu ernennen, in der Hoffnung, dass „das traditionelle Karate von Okinawa in Zukunft mehr und mehr […] zu[m] Weltfrieden und zum Wohlergehen aller Menschen beiträgt." (4)

Quelle (1-4):
ryukyu-bugei.com/blog/ Stand: 25.10.2009

S. Takamiyagi et al.: Okinawa Karate Kobudō Jiten (Lexikon des okinawanischen Karate und Kobudō), Tōkyō 2008

Karate-Lehre

Geschrieben von Gelbfüssler am 2.10.2009 um 00:13
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Karate-Lehre
-Tradiertes Wissen vs. Fakten-

In der wissenschaftlichen Forschung gilt das Prinzip der Falsifikation (1), in der eine Theorie als solange als gültig anerkannt wird, bis diese Theorie, These oder Aussage faktisch widerlegt wird. Sobald die Widerlegung einer Theorie erfolgreich war/ist, gilt die bisherige Theorie(n) als falsch und wird i.d.R. durch die neue Erkenntnis ersetzt.

Die Kampfkunst Karate wurde nachweislich durch die „Japanese Karate Association“ nachhaltig weltweit verbreitet. Aufgrund der durch die JKA initiierten „Instructor-Class“ sollte das Wissen gebündelt werden um so eine besondere Qualität zu erhalten. Bekanntermaßen sandte die JKA kurz nach der Gründung der Organisation ihre Fachleute in alle Welt aus um in den verschiedenen Ländern Karate nach der Version der JKA zu unterrichten.

Die Problematik bei der Vermittlung des Wissens war die Übersetzung des japanischen in die jeweilige Landessprache. An dieser Stelle muss erwähnt werden, dass die Erläuterungen der diversen Japaner schwierig zu verstehen waren, da entweder die Japaner fast nur japanisch und kaum die Landessprache sprachen oder gar über ein ausreichend gutes Englisch verfügten. Auf der anderen Seite war es selbstredend genau andersrum.

Es wird somit klar, dass es bis heute noch verschiedenste Verständnisprobleme gibt, da die Erklärungen aus den 50ern und 60ern sich bis heute falsch in den Köpfen der Karatekas tummeln.

Als Beispiel kann hier das im Karate häufig verwendet Wort „Kime“ verwendet werden. Im Training oder auch auf Lehrgängen wird „Kime“ häufig mit „Anspannung“ gleichgesetzt. Jedoch hat der Begriff „Kime“ nichts damit zu tun. Vielmehr kommt „Kime“ von „Kimeru“ (極め) (2) und bedeutet vielmehr sich zu „entscheiden“.

„Kime“ hat also weniger mit Anspannung zu tun, als vielmehr mit einer Entscheidung. Und zwar mit der Entscheidung angreifen oder warten zu wollen.

Wie kommt es aber nun, dass im deutschen Karate häufig nicht von „Entscheidung“ sondern Anspannung gesprochen wird?

Hier kann es fast nur eine Antwort geben. Eine ursprüngliche falsche Übersetzung führte zu dem heutigen Irrglauben, dass am Ende der Technik eine maximale Anspannung erreicht werden muss. Durch das falsche Verständnis einiger Karatekas aus den 50er und 60er Jahren (die es nicht besser wussten) hat sich dieses falsche Verständnis bis heute gehalten und wird durch Lehrgänge weiter potenziert.

Damit es nicht falsch verstanden wird, am Ende der Ausführung einer Technik, ist durchaus eine kurze Spannung in der Muskelatur vorhanden. Jedoch darf diese "(An-)Spannung nicht übertrieben werden. Nicht desto trotz hat die kurze Kontraktion der Muskelatur mit Kime nichts zu tun.

Die Problematik scheint jedoch an einem anderen Punkt zu liegen. Und zwar an der Resistenz mancher Karatekas, bisheriges (faktisch falsches) Wissen durch korrektes (richtiges) Wissen zu ersetzen. Besonders ärgerlich wird es dann, wenn das falsche Wissen aufgrund eines falschen Traditionsverständnisses beibehalten wird und wider besseres Wissens dennoch weiter falsche Dinge gelehrt werden.*

 

An dieser Stelle kommen wir wieder zum Punkt der Falsifikation. Durch die Möglichkeit des Internets und durch ausgebildete Japanologen sowie Personen die in Japan gelebt haben, kann dieses falsche Wissen korrigiert, weil falsifiziert werden.

Warum wird das faktisch „korrigierte“ Wissen nun nicht gelehrt? Ist es Faulheit oder Unwissenheit? Unwissenheit kann es heute (fast) nicht mehr sein, da die Quellen heute doch verfügbar sind. Vielmehr scheint es so zu sein, dass es Karatekas gibt, die sich nicht mit den Hintergründen und mit dem fachspezifischen Wissen auseinander setzen wollen. Kostet dies zuviel Arbeit?

Oder ist hier die Angst, sich selbst hinterfragen zu müssen? Ja, vielleicht sein eigenes „mühsam“ erworbenes Wissen korrigieren und eingestehen zu müssen, dass das bisherige Wissen falsch war. Wäre dies eine Schande, dies zuzugeben? Wohl kaum.

Denn wie heißt es? Fehler sind immer zu verzeihen, wenn diese auch zugegeben werden. Nicht zu verzeihen, sind jene Fehler (jenes falsche Wissen), das verschleiert oder noch schlimmer, (wider besseren Wissens) weiter falsch gelehrt wird.

Quellen (Stand: 02.10.2009):
(1) de.wikipedia.org/wiki/Falsifikation
(2)
www.docoja.com/kan/kantxtd13-6.html

* EDIT vom 04.10.2009
Korrektur zum besseren Verständnis

 

Karate - "leere Hand"?

Geschrieben von Gelbfüssler am 26.08.2009 um 00:04
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Karate - "leere Hand"?

Schlägt man in einigen der vielfältigen deutschen Fachliteratur zum Thema Karate nach, so fällt auf, dass Karate häufig mit "leere Hand" übersetzt wird (vgl. Nakayama, Pflüger, Weinmann). Mit dieser Übersetzung versuchen die Autoren bzw. die Übersetzer den Leser aber auch Kampfkünstler davon zu überzeugen, dass das Wort "kara" für eine "waffenlose" Kampfkunst steht. Bei dieser Erläuterung wird jedoch unterschlagen, dass diese Übersetzung alleine aus historischer Sicht, nur die halbe Wahrheit darstellt.

Auf den ersten Blick scheint die Erläuterung, dass "Kara-te" eine Kampfkunst welche ohne Waffen trainiert wird auch einleuchtend zu sein. Denn schaut man sich in den Vereinen und Dôjôs um, so wird man selten Waffen finden und noch seltener Karateka die mit Waffen trainieren.

Auch die philosophische Betrachtung des Karate scheint diese Übersetzung zu stärken. So wird häufig gelehrt, dass der Begriff "kara" auch für das "leeren des Geistes" stehe. So soll der Kampfkünstler vor dem Kampf sich von Gedanken frei machen um so besser agieren zu können.

Eine Betrachtungsweise die sicherlich interessant aber in einem solchen Zusammenhang (vermutlich) kaum sinnvoll ist. Denn ist es nicht grds. immer ratsam, sich in einem Kampf auf das kommende zu konzentrieren und sich NICHT von den Gedanken, Ängsten und Sorgen einengen, ja fesseln zu lassen? Wieder einmal scheint es so zu sein, dass philosophische Esoterik mit einer Romantisierung der asiatischen Kampfkünste einher gehen soll, welche jedoch so nicht existent und anhand von qualitativ hochwertiger Literatur belegbar sind.

An dieser Stelle muss der Blick auf die historische Entwicklung der Kampfkunst Karate sowie auf die Kanji des Wortes "kara" gemacht werden, um die ursprüngliche und spätere Bedeutung zu verstehen.

Bevor Karate nach Japan kam, entwickelte sich auf Okinawa das "Te", welches auch "To-te" genannt wurde. Das Kanji für "To" kann auch als "kara" ausgesprochen werden (vgl. Schlatt). In beiden Fällen behält der Begriff die Bedeutung von "China Hand". Es wird somit erkennbar, dass es eine Zeit in Okinawa gab, in der der chinesische Einfluss sich auch auf den Namen der Kampfkünste auswirkte.

Ob auf Okinawa auch Waffenkünsten im "To-te" gelehrt wurden, kann an dieser Stelle literarisch noch nicht belegt werden. Sicher jedoch ist, dass das es erste Einflüsse des Schwertkampfes auf die Kampfkunst von Okinawa bereits um das Jahr 1700 durch Matsumura Sôkon gegeben haben soll. Er, Matsumura Sôkon, war ein anerkannter Meister des Jigen-Ryu, der Schwertschule der Satsuma-Krieger. Sein Schüler war kein geringerer als Asato Ankô, der später einer der zwei Lehrer von Funakoshi Gichin war (Wittwer, S. 95 ff.). Es kann davon ausgegangen werden, das die Matsumuras Kenntnisse im Jigen-ryû sich auch auf sein Karate und sein Lehre auswirkten, weshalb dies durchaus als Beleg für die Verknüpfung zwischen Karate und Waffenkünste angesehen werden kann.

Ein noch deutlicher Beleg das Karate eben keine "waffenlose" Kampfkunst war und ist, lässt sich durch die von Funakoshis Sohn, Yoshitaka, geschaffene Stockkata erkennen, die er unter dem Namen "Matsukaze no Kon" geschaffen hat und auch trainierte.

Fazit:
Es bleibt festzuhalten, dass Karate massiv durch den "Schwertkampf" beeinflusst wurde. Dies lässt sich in vielfältiger Weise belegen. Alleine der Ausspruch, sich Hände und Füße als Schwerter vorzustellen, ist nur ein Indiz dafür.

Wenn nun das Karate früherer Tage mit den Waffenkünsten in Berührung stand, so ist es sinnvoll, die Bewegungs- und Anwendungs-Prinzipien des Karate aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten und es wird klar, dass Karate heute zwar als "waffenlose" Kunst gelehrt wird, die Prinzipien sich aber nicht verändert haben. Die Unkenntnis zwischen diesen Zusammenhängen führt somit zu häufigen Fehlinterpretationen der Prinzipien und Anwendungsmöglichkeiten und somit zu einer ineffektiven Kampfkunst.

In der Verantwortung der betriebenen Kampfkunst, der effektiven Selbstverteidigung aber auch und vor allem einer wahrheitsgerechten Lehre, sind gerade diese Prinzipien zu erforschen und zu verstehen, damit wieder von einer effektiven und effizienten Kampfkunst gesprochen werden kann. Dazu kann es durchaus hilfreich sein, sich mit den Schwertkünsten (Iai-do, Ken-jutsu, etc.) auseinander zu setzen.

Literatur:
Nakayamas Karate perfekt - Einführung, Nakayama M., Falken-Verlag, Niedernhausen/Ts. 1995
Karate 1 - Einführung - Grundtechniken, Pflüger A., Falken-Verlag, Niedernhausen/Ts. 1992
Enzyklopädie des Shôtôkan-Karate, Schlatt, Götzelmann, Lauda 1999
Das Kampfsportlexikon von Aikido bis Zen, Weinmann W., Weinmann, Berlin 1992
Shôtôkan überlieferte Texte - historische Untersuchungen, Wittwer H., Eigenverlag 2007

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Tellerrand-Training: Jûdô

Geschrieben von Gelbfüssler am 14.07.2009 um 00:25
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Tellerrand-Training: Jûdô

Am 11. Juli bestand für den interessierten Kampfkünstler die Möglichkeit, einen Blick über den Tellerrand zu riskieren und bei Tom Herold (7. Dan) Einblicke in die tradionelle Kunst des Jûdô zu bekommen.

Tom Herold, Schüler von Frank Thile (9. Dan), gilt in den Kreisen der traditionellen Kampfkünsten als der Fachmann für die von J. Kano gelehrten Kunst. So beschäftigt er sich neben der im Kodokan ursprünglich gelehrten Technikvielfalt ebenso mit historischen Fragen und realistischen Anwendungsmöglichkeiten um so noch tiefer in die Materie des "Kodokan Jûdô" einzudringen.

In den verschiedenen Texten und Beiträgen legt Tom auf die Differenzierung zwischen dem heute gelehrten "Sportjudo", nach Lehrmeinung des Deutschen Judobundes, und seinem "Jûdô" wert. Ebenso wie im Karate und anderen vom Wettkampf beeinflussten Kampfkünsten ist eine Reduktion von wirksamen, zu weniger wirksamen "Sport-"Techniken festzustellen. Weiter ist festzustellen, dass effiziente und effektive Techniken aus Gründen der "Gefährlichkeit" aus den Lehrplänen bzw. der Lehrmethodik mehr und mehr verschwinden, bzw. nur jene Techniken trainiert werden, die auf Turnieren erfolgversprechend (weil punkterelevant) sind.

Auf dem vom MTV Urberach ausgerichteten Lehrgang sollte jedoch der Weg zurück zu den Wurzeln gefunden werden, bei dem die Technik über die Kraft siegen wird.

Das Tom Herold unkonventionellere Trainingsmethodiken nutzt, konnten die "fachfremden" Teilnehmer bereits im Aufwärmtraining beobachten. Statt dem üblichen strecken und dehnen griff Tom tief in seine Wissenstrickkiste. So nutzte er die verschiedenen Möglichkeiten der Feldenkrais- und Yoga-Übungen um die Teilnehmer innerhalb kürzester Zeit auf eine gesunde Art und Weise zum Schwitzen zu bringen.

Der erste Teil des Lehrgangs befasste sich mit grundlegenden Bewegungen am Boden, wie beispielsweise dem "Krebs". Diese Form dient dazu, sich im Bodenkampf "leichtfüßig" bewegen zu können bzw. um sich aus einer drohenden Festlegetechnik schnellstmöglichst zu befreien. Im weiteren Verlauf des "Bodenkampftrainings" wurde diese Bewegung weiter vertieft und mit anderen Festhaltetechniken und deren Befreiungsmöglichkeiten geübt.

Der zweite Teil befasste sich mit den verschiedensten Formen von Würfen, laienhaft ausgedrückt mit Hüft- und Handwürfen. Hier wurde besonders auf den Wurfeingang, dem natürlichen Bewegungsfluss sowie die Körperhaltung beim Wurf eingegangen.

Bereits zu diesem Zeitpunkt konnte der interessierte Karateka Ähnlichkeiten zu bestehenden Kata des Shôtôkan-ryû entdecken. So sind beispielsweise mögliche Würfe in den Kata der Heian Sandan oder auch der Bassai Sho erkennbar.

Am Nachmittag wechselte das Programm noch einmal zum Boden. Dieses mal erläuterte der Referent Tom Herold wie man am Partner in die verschiedensten Festlegetechniken einsteigen kann und welche Anwendungsmöglichkeiten sich daraus ergeben.

Die darauffolgende Zeit hatten die Teilnehmer die Möglichkeit die hier gezeigten Techniken mit den unterschiedlichen Partnern intensivst zu trainieren und so zu vertiefen, bevor Stephan Yamamoto einen kleinen Abstecher in die Welt des Karate wagte.

Fazit:
Für einen "fachfremden" Karateka war der vom MTV Urberach ausgerichtete Lehrgang mit Tom Herold und dessen Sensei Frank Thiele mehr als ein Blick über den Tellerrand. Er macht Lust auf mehr.

Die einzige Bedauerlichkeit für den Autor lag darin, dass er a) nur Zeit für den Trainingssamstag mitbringen konnte und b) es viel zu viele Dinge gab um diese ausreichend vertiefen zu können. Dennoch, beim nächsten Lehrgang im Süden der Republik sehen wir uns wieder!

Kakie I

Geschrieben von Gelbfüssler am 5.07.2009 um 21:29
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Kakie I

Wird in den Kampfkünsten von den "klebenden Händen" gesprochen, so ist den meisten Kampfkünstlern klar, dass es sich hierbei um eine spezielle Trainingsform des Wing-Chun-Kung-Fu, dem "Chi Sao" handelt. Durch die Verbreitung des Wing Chun bzw. des WT in Deutschland haben die "klebenden Hände" mehr und mehr Einzug in die Köpfe der Kampfkünstler erhalten und werden automatisch dem Kung-Fu zugeordnet.

Eine grundsätzliche Zuordnung zur chinesischen Kampfkunst ist jedoch nur die halbe Wahrheit. Eine ähnliche Form der "klebenden Hände" ist auch im Karate, genauer im Gôjû-Ryû Karate zu finden. Die japanische Bezeichnung lautet dabei "Kakie" und unterscheidet sich in einer ersten Betrachtung (auf youtube) deutlich von der chinesischen Variante.

Im Kung-Fu stehen sich die Partner parallel gegenüber und verwenden beide Unterarme die das Handgelenk des Gegners berühren. Im (Gôjû-Ryû) Karate scheint es so zu sein, dass jeweils nur eine Hand den Gegenüber überkreuz berührt.

Durch die Anwendungsform der "klebenden Hände" wird erkennbar, dass das Chi Sao bzw. Kakie eine besondere (Vor-(?)) Übung für den Nahkampf darstellt, da hier bereits ein direkter Kontakt zum Gegner besteht und eine Distanzüberwindung (fast) zu vernachlässigen ist.

Diese Vorübung stellt dabei die Grundlage für später folgende Techniken wie Hebel, Würfe, Atemi-Waza-Techniken dar.

Während Kakie beim "Gôjû-Ryû Karate" nachweislich vorhanden ist, stellt sich die Frage, ob diese Form auch in anderen Stilrichtungen vertreten sein müsste, dies aber aus Vergessenheit oder aber aus Unkenntnis nicht überliefert wurde.

In einem Text des "Karate Dôjô Speyer" beschreibt der dortige (unbekannte) Autor folgende:

Die Kakie beinhalten ein komplettes Konzept für den Nahkampf mit vielen variantenreichen Techniken. In den Kata des Karate werden die Nahkampfkonzepte oft symbolisch als Kakiwake uke dargestellt.

Kakiwake uke bezeichnet zunächst ein beidhändiges Auseinanderdrücken eines gegnerischen Greif- oder Umklammerungsangriffs. Doch diese Interpretation ist Teil des elementaren Bunkai in einer Kata. Keilabwehrtechniken in den Kata symbolisieren im komplexen Bunkai den Eintritt in die Techniken der nahen Distanz.

Das Grundprinzip dieser Techniken besteht darin, einen weichen Kontakt zu den Angriffsarmen des Gegners herzustellen und dadurch seine Absichten zu spüren. Die eigenen Hände werden zu Antennen und passen sich den Bewegungen des Gegners perfekt an. Anfangs in Standardbewegungen (Kakie kata), später in freien Bewegungen (Jiyu kakie) "kleben" die eigenen Hände buchstäblich an den Armen des Gegners und verhindern dadurch jede seiner Angriffsabsichten. In vielen Systemen bilden die Kakie die Grundlage des gesamten Stils (z.B. im Wing chun).

Das Folgesystem aus den Kakie ist sehr komplex und umfangreich. Es werden Befreiungen gegen Haltegriffe (Kumi) des Gegners einstudiert, Schlagtechniken (Atemi) auf kurze Distanz werden abgeleitet, Greif- und Drucktechniken (Tuite) werden angewendet, Gelenkhebel (Kansetsu), Vitalpunktstimulationen (Kyushojutsu) und vieles mehr, was die Inhalte der Komplexen Kata-Bunkai ausmacht, gehen daraus hervor. Die Kakie sind das Grundlagensystem der Nahdistanz in den Kampfkünsten, ohne dessen Beherrschung jedes Bunkai an der Oberfläche bleibt.

Quelle: Karate-Dôjô Speyer Stand: 05.07.2009


Ob nun im klassischen Shôtôkan-Ryû Karate tatsächlich Kakie-Formen existent sind, ist derzeit noch unklar, da (momentan) literarische Belege fehlen. Würde man jedoch davon ausgehen, dass die obige Aussage richtig ist, so stellen sich Fragen wie:

Wurde im historischen Shôtôkan Dôjô Kakie überhaupt geübt? Kannten die Lehrer Funakoshi G. Kakie? Wenn nicht, warum gibt es in den Katas die Technik des Kakiwake Uke? Oder ist die Übersetzung von Kakiwake Uke falsch?

Fakt für den Moment bleibt, dass die "klebenden Hände" auch im Karate existent sind. Welche historische Rolle Kakie spielt und wie es trainiert und angewendet wurde/wird bleibt für den jetzigen Zeitpunkt offen. Vielleicht kann die Frage bald gelöst werden.

Quellen (Stand 05.07.2009):

Kakie - die Technik der klebenden Hände

Kakie - die klebenden Hände des Karate

Klebende Hände - Wikipedia



Karate und Nahkampf

Geschrieben von Gelbfüssler am 5.06.2009 um 22:20
in 4) Karate. Link.

Karate und Nahkampf

Viele Karateka unterliegen der Vorstellung, dass die Kampfkunst Karate nicht zur Selbstverteidigung tauge, da dieser Kunst essentielle Techniken, wie Würfe, Hebel oder gar Atemi-Waza (Nervendruck-Techniken) fehlen würden. Karate, so die oft einhellige Meinung, bestehe einzig und alleine aus "Schlag- und Tritttechniken". Nage-Waza (Würfe), Bodenkampf oder Goshin-Jitsu (Selbstverteidigung) sei im Karate nicht enthalten.

Betrachtet man die Kampfkünst Karate näher und schlägt Funakoshis "Karate-Dô Kyôhan" auf, so ist zu lesen, dass das Karate sehr wohl zur Selbstverteidigung gedacht war und dass das Karate ebenso auch Wurftechniken beinhalten würde "Finally, although karate does have throwing techniques[...]'" (Karate-Dô Kyôhan: The Master Text, Kodansha International, 1973, Seite 13)

Insgesamt soll es 9 verschiedene Wurftechniken geben, darüber hinaus 5 Techniken zum "Erhaschen des Dolches", verschiedene Verteidigungstechniken gegen den Stock (6 Stück) sowie Techniken auf die Vitalpunkte des Menschen (40).
(vgl.: Shôtôkan überlieferte Texte - historische Untersuchungen, Henning Wittwer)

Betrachtet man die heutige Trainingsmethodik, bei der eine Zielsetzung die Distanzüberwindung ist, so stellt sich die Frage, warum dies so notwendig ist, wenn die Selbstverteidigung in einer Nahdistanz bzw. maximal einer Halbdistanz stattfindet? Eine Überwindung von 1,50 bis 2 Metern scheint weniger notwendig zu sein, wenn KEINE Waffe im Spiel ist.

Im Karate also einzig die Distanzen zu trainieren die auf lange und weite Techniken abzielen scheint für den Nahkampf und die reale Selbstverteidigung fast überflüssig. Sicherlich, dieses Können ist von Vorteil, jedoch muss ebenso Karate im Nahkampfbereich trainiert werden. Denn wozu wurden früher sonst Nage-Waza oder Atemi-Waza trainiert?

Heute wird Karate sehr oft nur noch auf sportlicher Ebene trainiert, weshalb das Wissen und Können um Würfe sowie Nervendruckpunkte zu Gunsten von sportlich wertbaren Techniken vernachlässigt wird und wurde. Hierdurch ist teilweise ein wesentliches Kernelement des Karate verloren gegangen, da beides immer weniger wenn überhaupt - häufig auch aufgrund von Unwissenheit - gelehrt wird.

Letztlich bleibt eines festzuhalten, Karate ist Nahkampf!



Guter Karateka?

Geschrieben von Gelbfüssler am 5.06.2009 um 17:51
in 4) Karate. Link.

Guter Karateka?

Eine Diskussion welche Anfänger, Fortgeschrittene manchmal aber auch den ein oder anderen "jungen" Schwarzgurt beschäftigt - mich bereits zum zweiten Mal innerhalb kurzer Zeit, ist die Frage was einen "guten Karateka" ausmacht.

In den Foren des Internets findet man jenseits der Diskussion zwischen Sport-Karate und traditionellem Karate häufig Äußerungen, die sich an der Technik, der Ästhetik, Schnelligkeit und Athletik des Karateka orientieren. Nach diesen Definitionen ist ein guter Karateka nur dann gut, wenn er die gelehrten Techniken aus der Kihon auch anderweitig optimal ausführen kann. Kraftvoll und elegant könnten hier nocheinmal als Stichwörter genannt werden. All dies führte ich bereits im März 2009 aus (Gute und schlechte Karateka).

In meiner Zeit in Konstanz fragte ich den dortigen Sensei, was ein "guter Karateka" sei. Dabei hatte ich die oben beschriebenen Gedanken im Hinterkopf. Die Antwort war überraschend einfach, denn er meinte:

"Ein guter Karateka, ist ein guter Mensch."
(Hanskarl Rotzinger - 6. Dan)

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