Was ist Karate-Dô?
Viele Kampfkünstler die Karate betreiben, hören zur irgendeinem Zeitpunkt irgendwen über Karate-Dô sprechen. Dieser zwischenzeitlich in der Karate-Welt bekannte Begriff setzt sich dabei aus drei Kanji zusammen. Übersetzt bedeuten diese soviel wie "leere Hand Weg". Die Bedeutung der ersten beiden Kanji ist ziemlich jeden Karateka bekannt und führt selten zu großen philosophischen oder intellektuellen Diskussionen.

(Quelle: http://www.karate-imst.at, 01.10.2008)
Das dritte Kanji, welches für Dô - also für Weg - steht, kann jedoch bei den Ausübenden der Karate-Kampfkunst des öfteren zu Meinugsverschiedenheiten führen. Was ist Dô? Und welcher Weg ist der richtige? Über diese und ähnliche Fragen wird dann häufig stundenlang diskutiert und häufig kommt es vor, dass einer den anderen in seiner Meinung übertrumpfen möchte. Dabei sehen manche Praktizierende im "Dô" die Existenz von maximal einem möglichen Wege um eine Kunst zu trainieren und zu verstehen, ganz im Sinne des Highlanders "Es kann nur einen geben!" Doch kann es wirklich nur "einen" Weg geben?
Würde es nur einen möglichen Weg geben, so könnte diese Kunst nur auf eine ganz bestimmte Art und Weise betrieben und ausgeübt werden. Jede Abweichung würde unmittelbar zum scheitern, zu Fehlinterpretationen und zu einer falschen Charaktererziehung oder im schlimmsten Fall, zur falschen Ausübung von Techniken führen.
So gibt es Vertreter die sich explizit für ein jahrelanges feilen an der Grundtechnik äußern ebenso wie jene, die Karate als eine Möglichkeit der Selbstverteidigung sehen. Andere hingegen sehen die Möglichkeit in jungen Jahren sich sportlich zu betätigen und prüfen sich und ihr Können im Wettkampf.
Betrachtet man Karate aus einem historischen Kontext, so müsste man annehmen, dass Karate einzig und alleine der Selbstverteidigung diente. Ein Dô im Sinne einer lebensbegleitenden Kampfkunst zur Körperertüchtigung oder um ein höheres Stadium der Erleuchtung zu erreichen war sicherlich nicht das Ziel der Kampfkunst auf Okinawa. Ebenso wenig als Funakoshi Yoshitaka die japanische Armee ausbildete, die später im Krieg mit genau jenen Karatetechniken um Leben und Tod kämpften, die sie zuvor erlernten. Brauchte ein Kamikazepilot etwa eine Kunst, die auf ein lebenslanges Studium beruht, eine Kunst die sie irgendwann zur geistigen Erleuchtung des Lebens führte? Wohl kaum. Vielmehr ging es zur damaligen Zeit einzig um Effektivität und Effizienz, also ums nackte überleben, der Erfüllung des Auftrags und/oder ums sterben.
Und noch einmal stellt sich die Frage, was ist Dô? Ist Dô eine neumodische Form um die Gajin zu verwirren? Ist Dô ebenso wie Karate und Zen nichts weiter als eine romantisierte Form einer Kampfkunst? Und vor allem, gibt es in der Zeit des (relativen) Friedens überhaupt nur einen einzigen Weg? Welcher Weg sollte dies sein und was ist das Ziel des Weges?
Eine wirkliche Antwort gibt es vermutlich nicht, sind doch die Meinungen so vielfältig wie die Sterne des Universums. Und dennoch scheint es so zu sein, dass "der Weg" etwas individuelles ist. Ein Weg der scheinbar nicht planbar und nicht vorhersehbar ist sondern nur rückwärtig und somit zurückblickend betrachtet werden kann.
Spricht man hingegen von "Dô" und Zukunft, so könnte man zur Annahme gelangen, dass Menschen die sich auf ihr persönliches "Dô" berufen, dies jedoch nicht definieren können, sich entweder in einem unwissenden Zustand befinden, Ihren Weg nicht kennen oder im schlimmsten Fall (nun wird es ketzerisch), "Dô" als Entschuldigung sehen, um ggf. eine mangelnde Trainingseinstellung oder die Ernsthaftigkeit des Trainings entschuldigen zu können.
Leztlich scheint es (für den Autor) zweifelhaft zu sein, ob man den eigenen gegenwärtigen "Weg" erkennen kann. Vielmehr liegt die Vermutung nahe, dass nur ein Außenstehender wie bspw. ein Wegbegleiter erkennen kann, ob ein Kampfkünstler tatsächlich auf dem "Weg" wandelte.
Aus diesem Grund ist eine abschließende Definition des "Dô" nur schwierig möglich, muss doch ein jeder selbst seinen eigenen Weg finden und vor allem gehen, auch wenn man dabei häufig im dunkeln tappt und nicht oder nur selten weiß ob der nächste Schritt auch der richtige ist.
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