Verbessern? Bitte später!
Ich habe derzeit das große Glück, hier in Konstanz in einem - meiner Meinung nach - sehr guten Dôjô zu trainieren. Ich persönlich kenne (bisher) kein weiteres Dôjô, in welchem ein so breites Spektrum an Know-How gebündelt ist.
Neulich, es war das letzte Training in meinem Heimat-Dôjô, übten wir verschiedene Angriff-Variationen des Kizami-Tsuki. Dabei erinnerte ich mich an die Hinweise, welche ich unter anderem von einigen Mitgliedern des Konstanzer Dôjôs bekommen habe. Mit diesen Gedanken im Kopf versuchte ich meine Techniken entsprechend auszuführen. Dies bedeutete:
- Angriff über eine möglichst weite Distanz (Distanzüberbrückung)
- Saubere, schnelle und flüssige Technik
- lockere Technik bei richtiger Atmung (keine Pressatmung)
- keine Ampeltechnik (damit ist gemeint, das sich die Technik durch bestimmte Angewohnheiten ankündigt)
Bei meinem ersten Partner, der die gleiche Graduierung hat wie ich, sah ich, wie er vor dem Kizami-Tsuki die Schulter mehr als deutlich bewegte und vorher mit dem entsprechenden Arm deutlich ausholte. Ich erinnerte mich an die Konstanzer, die mir vor einiger Zeit mitteilten, dass ich vor dem Start immer die Augenbrauen hebe, was mir bis dato noch nie aufgefallen war. Seither versuche ich jene Reaktion zu vermeiden.
Mit den Gedanken, meinem Trainingspartner zu helfen, um ihn auf seinen Fehler aufmerksam zu machen (denn schließlich nimmt er auch an Wettkämpfen teil), sprach ich ihn kurz an um ihn darauf hin zu weisen. Die Reaktion war jedoch ernüchternd. Statt sich über eine Hilfestellung zu freuen, schien er verärgert zu sein, dass man bei ihm Kritik feststellen konnte. Er muss wohl denken, dass der Dan, ihn über alle Fehler erhaben macht, denn schließlich hat er den Dan - im Vergleich zu mir - früher gemacht (also ca. ein knappes halbes Jahr).
Hier erinnere ich mich wieder an Nishiyama, der meinte, dass man auch als Dan-Träger auf seine Schüler hören könne, nein sogar müsse, da man auch von Ihnen lernen könne.
Letztlich habe ich mich nach dem Training nicht mehr an ihn gewandt, denn scheinbar möchte er sich nicht mehr verbessern.
Ich für meinen Teil hoffe, dass noch viele Fehler im Dôjô an mir entdeckt und mir mitgeteilt werden, damit ich die Chance habe, mich weiter zu entwickeln und um so ein besseres Karate praktizieren zu können.