Respekt?
Heute war ich wieder in einem Karate-Forum unterwegs. Seit längerem kritisiere ich den dort herrschenden Umgangston von manchen Teilnehmern. Als Moderator des Forum hatte ich in der Vergangenheit versucht regulierend einzugreifen. Dies ist mir manchmal mehr und manchmal weniger gelungen.
Diese Problematik wurde von mir und einem weiteren respektierten Karateka schon öfters angesprochen. Doch wie so oft, die Wahrheit möchten manche nicht hören und prügeln statt dessen lieber auf jene ein, die Missstände erkennen und sich äußern.
Währenddessen äußerte sich eine Forumsteilnehmerin und bemängelte den nicht vorhandenen Respekt.
Respekt, was für ein Wort. Noch dazu in einem Forum! Einem Ort an dem man sich hinter der Anonymität verstecken kann um sich wie ein Elefant im Porzellanladen zu benehmen, in dem man andere scheinbar unbestraft beleidigen kann und die "guten Sitten des Umgangs" beim Login ablegen kann.
Schaut man sich die Definition von Respekt an (mal wieder bei meinem Onlinenachschlagewerk Wikipedia), so kann man dort folgendes lesen:
"Respekt... ...bezeichnet eine Form der Achtung und Ehrerbietung gegenüber einer anderen Person".
Ich finde es immer wieder faszinierend, wann dieses Wort aus einer Schublade gezogen wird. Zum Beispiel bei der Neugewinnung von Mitgliedern. "Im Karate lernt man Respekt vor dem Anderen". Ja, was die Eltern nicht zu leisten vermögen, soll schnell mal ein "Verein" zustande bringen. Es ist ja nicht so, als ob die Eltern diese Verantwortung hätten.
Doch zurück zum Karate. Respekt dient dort u.a. als Mittel zum Zweck um neue Mitglieder zu gewinnen um so den Erhalt des Vereins zu sichern. Dies Vereinen vorzuwerfen liegt mir jedoch fern.
Umso ärgerlicher ist es, wenn mit Tugenden bzw. Werten wie Respekt geworben wird, jener Respekt aber im Umgang mit anderen fehlt, man aber wie selbstverständlich auf die "Dôjôkun" verweist, wenn einem selbst nicht genügend Respekt entgegengebracht wird. Paradox aber wahr.
Ein Beispiel des oft missverstandenen Respekts ist jenes welches aus der Jugend kommt. Wie oft hört man nach einer Schlägerei, dass ein Jugendlicher deswegen seinen Kontrahenten niedergeschlagen hat, weil dem Kontrahenten der Respekt gefehlt hätte und er (der Schläger) sich nun diesen Respekt verschafft hätte. Ist dies tatsächlich Respekt oder zeigt dieses Beispiel vielmehr, dass die Bedeutung des Wortes unbekannt ist.
Wie viele fordern Respekt im höchsten Maße ein, sehen dieses Wort aber nicht als Grundlage für das eigene Verhalten. Beispiele gibt es doch genügend, die mangelnden Respekt zeigen. Ob ich nun die Türe jemand anderes vor der Nase zu werfe, Menschen nicht aus dem Bus aussteigen lasse oder mich schlicht und ergreifend nicht an Regeln eines Forumsbetreibers halte. Alle diese Verhaltensweisen zeigen die Missachtung des Mitmenschen.
Ist diese Respektlosigkeit ein Ausdruck des "Sportkarates"? Oder ist dieses Verhalten auf die heutige Gesellschaft und der weiteren Verflachung einer (fast) nicht mehr vorhandenen Wertegesellschaft zurückzuführen? Sind somit die "Verbeugungen", das Rei, nur noch hohle Phrasen einer nicht verstandenen Tradition? Wenn es so wäre, so wäre dies ebenso heuchlerisch, wie eine Verbeugung als Sportkarateka vor Funakoshi Gichin.
Sollte Respekt im Kontext mit dem vielgepriesenen "Karate-Dô" auch gelebt werden? Oder gilt Respekt immer nur dann wenn man sich einen persönlichen Vorteil verspricht?