König Kunde?
Immer wieder liest man in Zeitschriften (Focus, Spiegel, Stern) aber auch großen Wirtschaftszeitschriften, daß die Kundenorientierung sehr zu wünschen übrig ließe. Kurze Zeit später hört oder sieht man, daß dies nun doch nicht so der Fall sei. Wie auch immer. Ich habe in den vergangenen Jahren meine eigenen z.T. sehr unterschiedliche Erfahrungen gemacht. Doch immer wieder bin ich über eine Thematik gestolpert. Die Kundentoilette. Jener Ort an dem der Kunde seine Notdurft entrichtet und in vielen Fällen auch noch Kunde jenes Unternehmens ist, welcher der Besitzer jener Toilette ist.
Gerade neulich, ich war in meiner Heimatstadt, schlenderte ich durch die Stadt als mich eben jenes dringende Gefühl übermannte, eine Toilette aufsuchen zu wollen. Nicht das ich es gewollte hätte, doch wie es eben so ist. Und als ich mich in jenem Städtchen umsah und überlegte welches Geschäft denn nun für mich zum "Retter in der Not" werden könnte, so stellte ich fest, daß es keines gab. Schließlich verließ ich die Stadt und fuhr nach Hause um mich an meinem heimischen Ort zu erleichtern.
Was will uns diese Erfahrung nun sagen?
Eigentlich ist es ganz einfach. Viele Unternehmen bieten heutzutage Ihren Kunden nicht die Möglichkeit Ihr menschliches Bedürfnis nachkommen zu können. Doch gleichzeitig erwarten eben jene Geschäfte, daß die Laufkundschaft in Ihren Laden kommt und Ware kauft.
Überlegt man sich nun, daß ein Kunde u.U. eben aus jenem Grund nicht in den Laden kommt, weil es eine sogenannte "Hemmschwelle" gibt, so wird das ganze paradox, wenn man sich weiter überlegt, daß diese Hemmschwelle u.U. dadurch gemildert werden könnte, wenn ein Geschäft eine Toilette für Ihre Kunden hätte. Als Ergebnis würde ich dieses Geschäft betreten (aus einem "inneren Zwang" heraus") und u.U. sogar ein Produkt kaufen. Doch zumindest könnte ich mir das Warenangebot ansehen und ggf. würde ich per "Mund-zu-Mund-Propaganda" von jenem phantastischen Geschäft erzählen, welches tolle Produkte im Angebot hat. Und selbst, wenn ich nicht sofort kaufen würde, so würde ich dennoch wissen, was mir dieses Unternehmen bieten kann und mich somit zu einem späteren Zeitpunkt wieder darauf zurückbesinnen und dieses Geschäft aufsuchen.
Ist die Marge des Geschäfts so klein, daß sich Unternehmer es nicht leisten können / wollen, daß Ihre Kunden bei Ihnen auf Toilette gehen?
Betrachte ich nun große Kaufhäuser, die seit neustem Schälchen aufstellen, damit die Kunden eine Münze dort hineinwerfen so wundere ich mich noch mehr.
Ich als Kunde bin bereit u.U. mehrere hundert Euro im Jahr in diesem Unternehmen auszugeben und soll für den Toilettengang weiteres Geld bezahlen? Das Unternehmen hat doch an mir verdient? Und vermutlich nicht zu schlecht, wenn man bedenkt, daß die Ware u.U. in China produziert wird und steuer optimiert mit einer Zwischengesellschaft über Shanghai nach Deutschland verschickt (während der Gewinn in einer Tochter-Gesellschaft in Shanghai ist) wird.