Nachhaltigkeit und Ethik

Geschrieben von Gelbfüssler am 24.04.2008 um 00:06
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Nachhaltigkeit
Teil 2

Schneller als Gedacht kehren die Gedanken der Nachhaltigkeit zurück. Ein Teil von Nachhaltigkeit spiegelt sich auch in einer Unternehmenskultur wider. Die Frage ist jedoch, wie diese Unternehmenskultur und der Umgang mit ethischen und moralischen zum Einen gelebt und zu anderen nach außen getragen wird.

Am gestrigen Tag fand in einer Hochschule eine Messe für die "Maschinenbaubranche" statt. Neben großen Unternehmen fanden sich auch Mittelständler aus dem In- und Ausland ein. In erster Linie sollte den Maschinenbauern die Möglichkeit gegeben werden, sich über mögliche Jobs zu informieren und Kontakte zu knüpfen.

Doch auch Nicht-Maschinenbauer traten mit den potentiellen Arbeitgebern in Kontakt und in manchem Gespräch konnte der geneigte Zuhörer doch überrascht werden.

Während sich ein Unternehmen klar gegen Betriebswirte aussprach und argumentierte, dass alle Bereich genauso gut von Wirtschaftsingineuren geführt werden können, äußerte sich ein anderes Unternehmen aus der Rheinschiene zum Thema Wertemanagement nicht gerade positiv.

So meinte der Vertreter der "Human Resource"-Abteilung, dass es heute unumgänglich sei ohne Bestechung im asiatischen Raum an Aufträge zu kommen. Es ist wirklich erstaunlich, wie sich Firmenvertreter zum Thema Compliance und CSR (Corporate Social Responsibility) in einer Hochschule äußern, an der ethisches Verhalten von habilitierten Professoren gelehrt wird. Noch interessanter wird es allerdings, wenn der stumme Zuhörer erfahrt, das die Firma diese Vorgehensweise nach außen hin befürwortet, dieses auf der Homepage offiziell jedoch ablehnt.

So findet man auf der Homepage tatsächlich einen "Code of Conduct" also einen Unternehmenskodex in dem ganz klar Korruption geregelt wird.

Und während man dem Herren noch etwas Honig um den Bart schmiert um weitere Informationen zu diesem Thema zu erhalten ("ich sehe das ja wie sie"), erfährt man so nebenbei, dass das was scheinbar an Hochschulen gelehrt wird, jenseits von dessen ist, was in der Praxis praktizierbar ist. Es wird noch besser, habilitierte Professoren werden als Theoretiker hingestellt, die keine Ahnung von der Realität haben.

Und während in den USA Unternehmen einen (gelebten) Code of Conduct vorweisen müssen (und in Deutschland das Ethikmanagement noch in den Kinderschuhen steckt), kommt einem die Frage, ob die auf der Homepage veröffentlichten Selbstverpflichtungen nichts weiter sind als leere Worthülsen.

Hier der genaue Wortlaut der Selbstverpflichtungserklärung des Unternehmens (welches an dieser Stelle nicht genannt werden soll - weshalb eine Quellenangabe fehlt)

"Interessenkonflikte, Geschenke und Bestechungsversuche
Wir verpflichten uns, keine Geschenke anzunehmen oder zu machen, die zu einem Interessenkonflikt führen könnten. Insbesondere dürfen weder Bestechungsgelder noch andere gesetzwidrige Zahlungen an Regierungsbeamte oder andere Personen geleistet oder angeboten werden.

Verantwortung
Wir erwarten, dass sich jeder Mitarbeiter persönlich für die Einhaltung dieses Unternehmenskodexes verantwortlich fühlt und seine Kollegen dabei unterstützt, sich daran zu halten. Die Geschäftsleitung trägt die Verantwortung für die Durchsetzung dieser Grundsätze. Sie werden Bestandteil unserer Regelungen und Richtlinien."

Klingt dies nicht wie blanker Hohn, wenn Außenvertreter eines Unternehmens jenes gut heißen, was die Firma selbst in Ihren Richtlinien verweigert? Wie ernsthaft kann dann eine solche Erklärung sein und wie gut scheint das unternehmerische Betriebsklima sein, wenn scheinbar so offensichtlich potentielle Bewerber belogen werden?

Würde man nun böse sein, müsste man sogar überlegen, ob jenes Unternehmen die Mitarbeiter, trotz eines offensichtlich gelebten Unternehmenskodex, auffordert dolose Handlungen zu begehen. Ein sicherlich zweifelhafter Vorgang für ein Unternehmen, welches namhafte Kunden in der Automobilbranche hat.

Noch schlimmer ist jedoch die Außenwirkung und der Missbrauch von Vertrauen von Kunden. Gerade in einer Zeit in der die Medien und die Presse sich wie Haifische auf Unternehmen stürzen, die solche Handlungen begehen.

Für Absolventen und Studierende lautet somit die Fragestellung; Ist ein solches Unternehmen überhaupt als Arbeitgeber interessant?

Fazit:
Für mich hat sich eines nun offenbart, jenes Unternehmen wird aus der Liste der potentiellen Arbeitgebern gestrichen, denn kann man hier sicher sein, dass man seine eigenen Werte und Ansprüche leben kann, wenn man solche krassen Unterschiede in der Kommunikation nach außen sehen und hören kann? Ich denke nicht.

Eines steht fest, Unternehmen die so offensichtlich lügen (und nichts anderes ist der auf der Homepage aufgeführte Unternehmenskodex im Vergleich zur Aussage des Mitarbeiters), so scheint es mit Offenheit, Transparenz und Ehrlichkeit nicht weit her zu sein.

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