Nuancen

Geschrieben von Gelbfüssler am 6.06.2008 um 16:35
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Nuancen
-Bewerbungsphase Teil I-

Als Student hat man es nicht schwer, als Bewerber dagegen sehr. So oder so ähnlich könnte man ein bekanntes Sprichwort abwandeln, wenn es heute darum geht, sich bei Unternehmen zu bewerben.

Tipps wie man eine Bewerbung gestalten und an den potentiellen Arbeitgeber herantreten sollte, gibt es genügend. Auch die Zeitschrift Karriere (ehemals Junge Karriere) macht sich so ihre Gedanken. Jedes Unternehmen sucht für sich die Top-Absolventen, jene Menschen, die die Bestnoten haben, von Menschen oder Menschenführung keine Ahnung haben.

Voraussetzungen für Jobs sind Praktikas. Berufserfahrung scheint kaum zu zählen. Die Folge sind Absagen. Eine Absage hinnehmen? Ja schon, doch um zukünftig besser zu werden, hakt der ein oder andere auf schriftliche Online-Absagen nach, was die Gründe für die Absage sind.

Die Aussagen der Firmen fallen recht unterschiedlich aus. So reden sich die einen über die Qualifikation, die anderen über die vermeintlich mangelnde Berufserfahrung raus. Im Hinterkopf schwebt dabei das AGG (Allgemeine Gleichstellungs Gesetz), dass die Unternehmen vor einer Klagewut von abgelehnten Bewerbern erzittern lässt. Könnte dies in Zukunft doch viel Geld kosten.

Hilfreich für den Bewerber ist es jedoch nicht, wenn er nicht erfahrt, was der ausschlaggebende Punkt war, dass er abgelehnt wurde. Vielleicht, ja vielleicht lag es "nur" an einer Kleinigkeit. Ein falsches Wort, ein vergessener Satz.

Schlimmer jedoch ist, dass auch im Personal das Outsourcing um sich greift. So werden Bewerbungsverfahren in die Hände von 'professionellen' Unternehmen gelegt, die sich darum kümmern sollen, das gefälligst der richtige Bewerber eingestellt wird. Und was sind die vermutlichen Kritierien? Schnörkelloser Lebenslauf, sehr gute Noten, die richtigen Praktika und am Besten noch jung. Sehr jung. Maximal 25 Jahre, 5 Jahre Berufserfahrung und selbstredend Auslandserfahrung. Mindestens in England oder USA + eine weitere Fremdsprache. Die Welt ist global und der Absolvent von heute muss dies schon lange sein.

Gleichzeitig wird der Mensch als Produktionsfaktor noch stärker auf den Kostenfaktor reduziert. Wie sonst könnte es sein, dass man die 'Beschaffung' der wichtigsten Ressource in fremde Hände legt. Ob das Ergebnis (welche Person nun eingestellt wird) besser ist, sei dahin gestellt.

Die Person mit dem eckigen und kantigen Lebenslauf, die über den Tellerrand hinaus geschaut hat, wird kaum berücksichtigt. Vermutlich ist der Mensch zu sprunghaft. Andere würden einen solchen Lebenslauf mit Flexibilität charakterisieren.

Der Kampf der Personalabteilungen (oder der outgesourcten 'Menschen-Makler') erreicht dabei eine neue Dimension, einer Illusion zwischen dem perfekten Angestellten und der Realität, Absolventen mit Ecken und Kanten.

Und während die Unternehmen auf kreative Bewerbungen hoffen, die aus dem Einheitsbrei des täglichen Allerlei herausstechen, schicken Sie selbst die üblichen Standardfloskeln per Mail raus, bei dem die fachliche und qualitative Kompetenz des Bewerbers gewürdigt wird, jedoch 'nur' Nuancen zwischen ihm und einem anderen entschieden haben. Die Angst vor dem AGG lässt (leider teilweise zurecht) grüßen.

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