Turniererfolg(e)
Karate wurde von Funakoshi Gichin als edle Kunst beschrieben, als Kunst die es zu bewahren gilt. Für Funakoshi stand immer der geistige Aspekt der Kunst im Vordergrund, weshalb er den Wettkampf Zeit seines Lebens immer ablehnte. Dies ist bekannt und bedarf auch keiner Erklärung.
Ich selbst sehe mich als Vertreter einer traditionellen Linie der Kampfkunst Karate. Wie ich dabei die Tradition sehe, habe ich bereits versucht zu erläutern. Karate ist für mich grds. eine Kampfkunst mit der es auch möglich sein muss sich zu verteidigen. Dies ist der einzige und alleinige Zweck einer 'Kampf'-Kunst. Wird dieser Aspekt vernachlässigt oder nicht berücksichtigt, so dass die Kunst nicht mehr zu Verteidigung taugt, so ist die Kunst unnütz geworden.
Aus diesem Grund ist mein Anliegen immer gewesen, die Kunst zu bewahren. Aufgabe ist es somit, diesen Aspekt nie aus dem Auge zu verlieren, weshalb jedes Training einzig und alleine auf diese Zielsetzungen ausgerichtet sein sollten.
Gleichfalls darf der geistige und sonstige Hintergrund der Kunst nicht vernachlässigt werden, kann man doch hier viele verschieden Teilaspekte unterschiedlich beleuchten. Aspekte die einen auch außerhalb des Dôjô nutzen können. Man denke an Respekt, Höflichkeit, Anstand, Etikette, etc.
Ist es mir bei diesen Gedankengängen überhaupt gestattet, mich mit dem Thema 'Kampfsport' auseinander zu setzen oder ist dies ein 'Verrat' an den Überzeugungen?
Als Verrat oder Frevel würde ich die nun folgenden Aspekt nicht betrachten, sondern eher den Versuch die Künste aus einer Vogel-Perspektive zu sehen.
Es ist bekannt, dass es in Deutschland mehrere Verbände gibt. So besteht neben dem größten Verband, dem DKV auch etliche kleinere Verbände, die sich oftmals auf eine Stilrichtung beschränken. Im Grunde kann festgestellt werden, dass der DKV in erster Linie nur Wettkämpfe der WKF besucht, während der DJKB seine Athleten zu JKA und WKC-Wettkämpfen schickt.
Bei den jeweiligen Wettkämpfen treffen die Kaderathleten des DKV und des DJKB nie aufeinander, da die Regelungen der Veranstaltungen der Politk der jeweiligen Verbände widersprechen. So kämpft der DKV hauptsächlich in einer Art 'Sanbon-Kumite' während der DJKB 'Ippon-Kumite' vorzieht.
Beide Wettkampfarten haben sicherlich Ihre Vor- und Nachteile. Ich selbst tendiere eher zum 'Ippon-Kumite', da dies für mich realisitischer ist als ein taktieren auf der Wettkampffläche.
Warum nun DKV und DJKB getrennte Wege und unterschiedliche Vorstellungen von der Wettkampfform haben, soll hier nicht das Thema sein.
Interessant wird es jedoch, wenn man sich die Erfolgsbilanzen beider Verbände der letzten Jahre ansieht. Weder der DKV noch der DJKB konnten in den letzten Jahren maßgebliche und kontinuierliche Erfolge auf großen Meisterschaften im Bereich der Senioren vorweisen. Hierbei beziehe ich mich in erster Linie auf Einzel- und nicht auf Mannschaftswettbewerbe. Die Frage die sich hier einem stellen könnte, ist folgende: Warum ist dies so?
Betrachten wir einmal die Karateverbände anderer Nationen. So kämpfen u.a. die Athleten der JKA England sowohl in der WKF als auch bei der JKA bzw. in der WKC. Ebenso die Schweizer oder Italiener. Von den Japanern brauchen wir überhaupt nicht zu reden.
Nimmt man nun an, dass die WKF und die JKA [gemeinsam mit der WKC (WKF = JKA + WKC)] eine ähnliche Anzahl von Turnieren anbieten, so kann bestimmt festgestellt werden, dass sich die Turnieranzahl verdoppelt. Andere Nationen, die keine gespaltene Karateverbände haben, können Ihren Mitgliedern somit die doppelte Anzahl an Turnieren anbieten, wodurch die Erfahrungskurve deutlich positiver ausgeprägt ist.
Auch die Turnierangebote sind dadurch anders ausgeprägt als im Vergleich zu Deutschland. Wie heißt es für Kämpfer so schön? 'Kämpfen lernt man nur durch kämpfen'. Es wäre so, als wenn die deutsche Fussballnationalmannschaft nur zu Weltmeisterschaften fahren und auf mögliche Erfahrungswerte durch eine EM verzichten würde.
Ist dies nun eine Aufforderung für eine Fusion zweier unterschiedlicher Verbände? Nein, sicherlich nicht. Dazu sind viele Ansichten zu unterschiedlich. Und nicht nur das, auch die Verbandspolitk würde vermutlich ein Problem werden. Nicht nur, dass der DKV dezentralisiert und der DJKB zentralisiert organisiert ist, auch die vergebenen 'Pöstchen' müssten neu vergeben werden. Nicht auszudenken wenn machthungrige Menschen Ihren Posten aufgeben müssten.
Die Aufforderung wäre eher, den Athleten die Möglichkeit zu geben, neue Erfahrungen auch auf anderen Turnieren zu sammeln. So wäre es für den DJKB sicherlich auch hilfreich, wenn er die Athleten auch auf offene Turniere anderer Verbände senden würde um so das Wissenspotential und den Erfahrungsschatz aller zu erhöhen. Dass man später beim 'Ippon-Kumite' bleibt wäre doch zu vertreten. Doch die Erfahrung die jedem zu gute kommen würde, wäre Gold wert.
Oder etwa nicht?