Traditionskarate?
Es ist faszinierend, wie schnell etwas zu einer Tradition werden kann. Bei manchen Personen beginnt Tradition schon da, wenn im dritten Jahr ein Lehrgang ausgerichtet wird, bei dem ein bestimmter Trainer zum dritten mal sein Know-How beginnt. Ist dies wirklich schon Tradition? Nun darüber lässt sich sicherlich streiten und soll auch im Moment nicht Gegenstand dieses Eintrags sein. Wurde doch auf diesem Blog schon über Tradition im Karate geschrieben.
Statt dessen konnten Forumsleser einer Karate-Community folgenden Satz lesen:
"Bei uns im Verein wird der Uraken zurückgeschnappt. Unser Trainer hat bei einem alten Japaner gelernt, deshalb Traditionskarate.".
Was impliziert dieser Satz? Jeder ältere Japaner der Karate betreibt, betreibt per se traditionelles Karate. Eine sehr fragwürdige Gleichung. So müsste, wenn Nakayama noch leben würde, auch traditionelles Shôtôkan-ryû Karate betreiben. Und würde diese Aussage stimmen? Nun es hängt von der Definition des Begriffs "traditionelles Karate" ab.
Der geneigte Leser meiner Beiträge wird jedoch klar sein, dass Nakayama sicherlich kein "reines" traditionelles Karate übte. Von Tradition kann heute im Shôtôkan-ryû sicherlich nur noch sehr bedingt eine Rede sein.
Schlimm wird es, wenn grundsätzlich jegliches Karate, welches von Japanern betrieben und/oder gelehrt wird, als originales und/oder traditionelles Karate angesehen wird und so Techniken nicht mehr hinterfragt werden, sondern fraglos übernommen und geübt werden.
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