Perfektionismus
Das Leben spiegelt sich in allem was man tut, ganz gleich ob man im Beruf steht, sich ehrenamtlich engagiert oder sportlich betätigt. Die Zielsetzung(en) sind häufig jedoch ähnlich gelagert. Im Beruf streben viele genauso nach Perfektion, wie Privatpersonen nach dem perfekten Glück. Dies jedenfalls könnte einem Betrachter aus der Vogelperspektive so erscheinen.
Die Japaner sind im streben nach Perfektion sicherlich die Vorbilder vieler Menschen. So zelebrieren sie die Kunst der Kalligraphie, der Teezeremonie und vielen anderen Künsten, immer bestrebt, die Rituale so genau wie möglich nachzuvollziehen.
Doch sind es nur die Japaner, die ständig auf der Suche nach Perfektion sind? Nach dem Optimun einer ständigen Verbesserung? Kaizen, KVP (kontinuierlicher Verbesserungsprozesse), o.ä. Modelle sind vielen Unternehmern ein Begriff.
Doch wo beginnt das Streben nach Perfektion? Man könnte glauben, dass das Fundament bereits in den frühen Kindheitstagen liegt. So werden Kinder langsam an die notwenigen Werte und Regeln herangeführt. Bereits in der Grundschule geht das Streben nach Perfektion los. Während früher in Deutschland noch Schönschreibwettbewerbe durchgeführt wurden, werden in den USA Vorlesewettbewerbe abgehalten. Ziel ist es den Besten und somit jenen zu ermitteln, der die Aufgaben perfekt bewältigt.
Perfektion ist überall. Während die Sportler in Ihrem Training auf den Wettkampftag hinarbeiten und nach der perfekten Technik suchen, die sie zu Sieger macht, suchen die Bewerber nach der perfekten Bewerbungsmappe für den zukünftigen Arbeitgeber. Dieser wiederum sucht den perfekten Mitarbeiter für den zu vergebenden Job.
Perfekt wäre für den Arbeitgeber natürlich ein Hochschulabsolvent mit erstklassigen Noten, mehrjährigen Auslandsaufenthalten in unterschiedlichen Ländern, hoher sozialer und emotionaler Intelligenz, ein Allroundtalent mit Manieren, einer gewissen Härte, Charme, Zielstrebigkeit und Berufserfahrung. Es gilt für den perfekten Bewerber jedoch nur eine Hürde zu überwinden. Er sollte nicht älter als 23 - 25 Jahre sein. Unmöglich? Wer das sagt, muss ein Pessimist sein und solche Leute werden von Unternehmen natürlich nicht benötigt.
Und wenn der Bewerber sich seinen Hobbies zuwendet, so könnte es sein, dass er innerhalb seines Hobbies ebenso nach Perfektion strebt. Der optimalste Löschangriff zu finden oder den perfekten Abschlag beim golfen zu finden. Oder im Karate die Technik zu perfektionieren.
Und wie sieht es in der Partnerschaft aus? Die Medien geben die Perfektion an den Partner doch bereits vor. Perfektes Aussehen, erfolgreich, dynamisch, jung, keinen Makel am Körper oder im Verhalten. Sportlich elegant. Und natürlich intelligent muss der Partner sein. Von anderen monetären Größen soll an dieser Stelle nicht gesprochen werden.
Der Traumpartner, die perfekte Person? Auch diese muss es irgendwo geben oder etwa nicht? Im Zeitalter des Internets scheinen Single-Börsen-Plattformen die beste Möglichkeit darzustellen nach den perfekten Partner zu suchen, mit dem man auf einer 'Wellenlänge' in den Sonnenuntergang surfen kann. Und wenn beim ersten potentiellen Kandidaten die Nase nicht stimmt, dann heißt es auf zum nächsten, so lange bis 'scheinbar' der perfekte Proband gefunden ist. Ob der jedoch den anderen kontaktieren möchte? Denn vielleicht ist man selbst auch nicht perfekt?
Auch die Zeit soll perfekt genutzt werden. Zeitmanagement lautet das Stichwort. Und wie sieht es mit Entspannung oder das Leben zu leben aus? Vermutlich wird für die Entspannung genauso ein Zeitplan gestaltet werden, ebenso wie für das Leben.
So gibt es Vertriebsunternehmen die Ihre Mitarbeiter auf ein komplettes Zeitmanagement für das Leben einschwören. Nur so kann man die angestreben Ziele erreichen. Erfolg um jeden Preis.
Doch wie lautet der Preis? Geht die Menschlichkeit ebenso wie empathische Kompetenzen verloren? Sind Fehler überhaupt noch erlaubt und erwünscht? Oder sind Fehler als Lernmöglichkeit ausgeschlossen? Wäre dies der Fall, so würde es heute einige wichtige Patente und Erfindungen weniger geben, wären denn nie Fehler passiert.
Wohin wird uns das Streben nach Perfektion noch führen?
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