Karate in München Als vor knapp vier Jahren von zwei Karateka aus Bayern eine Community aus der Taufe gehoben wurde, konnte man noch nicht ahnen, dass diese Gemeinschaft bis heute bereits drei 'Community-Lehrgänge' veranstaltet haben wird. Jedoch bei keiner dieser 'Events' konnte ich bisher teilnehmen. Nun bot sich aufgrund der in München stattfindenden Absolventenmesse 'Talents' die Möglichkeit mit einem der Gründer der Community und gleichzeitigem 'Referenten' der Lehrgänge endlich in einen 'realen Kontakt' zu kommen. So hatte ich die Möglichkeit mein Karate-Wissen zu erweitern. Michael, bei dem ich zweimal nächtigen konnte, besuchte im Frühjahr Stephan in Japan und trainierte dort im Shushukan-Dôjô, weshalb ich ganz besonders auf die verschiedenen Aspekte des Karate gespannt war. Im ersten Teil des Trainings ging Michael auf die Bassai Dai ein. Die Bassai Dai gilt innerhalb des DJKB als eine der ersten Sentei-Kata die später für die Prüfung zum 1. Dan 'notwendig' ist. Dieses mal sollte die Kata jedoch ohne des Einsatzes von Armen ausgeführt werden. Der Sinn und Zweck sollte ich kurz darauf schnell erschließen. Bewegt sich der Körper doch meist auf den Impuls der Arme und weniger auf jenen der Hüfte. Aber gerade die Hüfte stellt das zentrale Element im Shôtôkan-ryû dar. Durch das "weglassen" der Armbewegungen wurde der Geist in eine andere Bahn gelenkt und aufgefordert die Hüfte korrekt einzusetzen. Erst durch dieses Training wurde deutlich, dass die Hüfte häufig zu wenig oder an manchen Stellen (aus Faulheit?) überhaupt nicht eingesetzt wird. Ein weiterer Aspekt des Trainings war die Locker- und Schnelligkeit der Techniken. Wie meinte neulich ein Trainer aus Baden-Baden. Durch das älter werden ist man geneigt mehr der körperlichen Kraft in die Technik zu stecken. Statt Kraft ist eigentlich mehr auf die Schnelligkeit und die lockere Ausführung zu achten. Doch gerade hier passieren die Fehler innerhalb mancher Trainings. So konnte ich in Konstanz wieder die Aufforderung vernehmen die Techniken 'stark' zu machen. Ich möchte behaupten, dass gerade diese Aufforderung von vielen Karateka häufig falsch verstanden wird. Unter 'stark' verstehen die meisten 'kräftig' und/oder 'hart'. Also mit dem Einsatz der ganzen Muskelkraft. Dies ist jedoch m.E. falsch. Die Aufforderung dürfte nicht lauten 'stark' sondern vielmehr 'schnell' oder 'schneller' Für das Üben dieser Schnelligkeit nutzte Michael verschiedene Hilfsmittel. Ziel war es, die Technik nicht nur 'schnell' sondern auch möglichst 'ansatzlos' auszuführen. Dies bedeutet, dass eine Technik nicht durch eine spezielle Körperhaltung oder Körperzuckung vorher angedeutet wird. Sensei Hanskarl Rotzinger nennt dies u.a. 'Telefonanruf'. Ein weiterer Punkt im Training war die Schwerpunktverlagerung bei der Ausführung der Technik am Beispiel der Bassai Dai. Hier zeigte Michael wie der Übersetzschritt vom Kokutso-Dachi mit Shuto-Uke zur letzten Technik optimal ausgeführt werden kann. Eine Ausführung die man so vermutlich nie im Wettkampf sehen wird. Auch außerhalb des 'privaten' Trainings hatte ich die Möglichkeit mit Michael über die unterschiedlichen Ausführungen von Techniken zu fachsimpeln. So u.a. über die verschiedenen gängigen Interpretation von Abwehrtechniken in den Katas. Ebenso interessant war die Aussage über den Hangetsu-Dachi. So erfuhr ich, dass der Sensei aus Japan erläuterte, dass die meisten Shôtôkan-ryû Karateka den Stand des Hangetsu-Dachi falsch ausführen. 'Traditionelles' Karate kann, so wurde mir vor Augen geführt, u.U. durchaus auch etwas aus dem Lager des Wettkampfes mitnehmen, jedoch ist nie zu vergessen, dass Wettkampf nur der kleinste Teil des Karate darstellt und bis ins hohe Alter betrieben werden kann. Ein angepasstes Training für ältere Mitmenschen ist dabei jedoch nicht notwendig, wenn, ja wenn Karate richtig gelehrt wird. Für die Gastfreundschaft und die interessanten Gespräche möchte ich mich auf diesem Wege bei Dir Michael und Deiner Familie bedanken! Ich hebe das Glas und proste Euch mit einem Almdudler zu! .