Karate - eine "ernste" Sache?!

Geschrieben von Gelbfüssler am 27.10.2008 um 21:54
in 4) Karate. Link.

Karate - eine "ernste" Sache?!

Lachen ist gesund. So lautet eine bekannte Volksweisheit. Und wenn lachen gesund ist, dann wäre es doch wichtig, dass wir Menschen häufiger aus ganzem Herzen lachen und das Leben genießen, oder etwa nicht?

Im Karate scheint die Botschaft, dass Lachen gesund ist, noch nicht angekommen zu sein. Stopp! Trifft diese Aussage wirklich auf alle Karatekas zu? Hört und liest man doch immer wieder von Japanreisenden, dass die Einwohner Nippons häufiger lachen und das Training entspannter angehen als wir hier in Deutschland.

Und irgendwie scheint dies auch logisch zu sein. Betrachtet man die Kampfkunst Karate als eine lebensbegleitende Kunst, so darf trotz aller Ernsthaftigkeit der Humor und die Lockerheit nicht verloren gehen. Spielt doch gerade die entspannte Haltung in der Technik und die Entspannung die Möglichkeit sich technisch zu entwickeln. Aber warum sind dann wir, also die, die Trainieren, häufig angespannt und verkrampft?

Könnte dies an der starken Leistungsgesellschaft und Ihrer Zielorientierung liegen? So schicken beispielsweise die Eltern Ihre Kinder in die Karatevereine und erwarten innerhalb einer bestimmten Zeit quantifizierbare Ergebnisse. Diese drücken sich einerseits über die Gürtelfarbe andererseits über Pokale und Medaillen aus.

Werden Kinder älter und sind evtl. sogar noch besonders talentiert, so steigt häufig sowohl die intrinsische als auch die extrinsische Erwartungshaltung an. Turniererfolge könnten als ein Kritierium angeführt werden. Hier würde man wieder auf die Pokale und Medaillen verweisen können.

Zeit für die persönliche Entwicklung, an dem ein junger Mensch an sich arbeiten kann ohne einem Erfolgsdruck von außen ausgesetzt zu sein, scheint es nicht zu geben, weder im Training, noch in der Schule oder bei anderen Freizeitaktivitäten.

Und wie sieht es im "Erwachsenen-" Training aus? Immerhin wird hier doch etwas weniger auf Titel geachtet. Hier müsste es doch in den Trainingseinheiten locker und entspannt zugehen, oder etwa nicht? Dennoch scheint auch hier die lockere Atmosphäre zu fehlen. Humor scheint hier ebenfalls ein Fremdwort zu sein.

Schließen sich Humor und ernsthaftes Streben sowie der Wille zur Verbesserung aus? Lachen, so äußert sich die Wissenschaft, hilft die Muskelatur zu entspannen. Gerade jene Entspannung ist aber notwendig um die erforderliche Lockerheit in der Technik zu erreichen.

Ist dies nun ein Plädoyer für viele überflüssige Witze? Sicherlich nicht. Jedoch ist zu hinterfragen, ob es Sinn macht, mit den Körper jedesmal an die Leistungsgrenzen zu gehen ohne dabei Spaß und Freude am Training zu verspüren.

Ich höre schon den Aufschrei, einiger Karateka. Karate muss ernsthaft betrieben werden. Dazu gehört, dass man an die persönliche Leistungsgrenze oder darüber hinaus gehen muss. Dies ist sicherlich alles richtig. Aber muss dies immer mit grimmiger Miene geschehen oder kann dazwischen nicht auch ein Lächeln auf die Lippen gezaubert werden? Wie heißt ein anderer Spruch sinngemäß? Mit einem Lächeln geht alles leichter.

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