Karate beginnt ab der Hüfte!

Geschrieben von Gelbfüssler am 6.11.2008 um 10:48
in 4) Karate. Link.

"Karate beginnt ab der Hüfte!" (Uwe Rupp)

Kizami Tsuki, Gyaku Tsuki oder auch Age-Uke gefolgt von Gyaku Tsuki. Hüfte abdrehen und danach eindrehen. Ein wesentliches Kritierium des Shôtôkan-ryû stellt der Hüfteinsatz innerhalb dieser Stilrichtung da. Dabei wird in der Grundschule viel Zeit darauf verwendet gerade diesen Einsatz zu trainieren und zu verfeinern.

Während meines kurzen Privat-Trainings in München hatte ich die Möglichkeit, die Bassai Dai einmal anders zu "laufen". Bei dieser Form sollte ich die Kata ohne den Einsatz von Arme ausüben. Einzig die Hüfte sollte die Bewegungen der Kata folgen. Ein Erlebnis der besonderen Art.

Bei der Ausführung wurde deutlich, wie sehr der Körper sich von den Armbewegungen abhängig macht und die Hüfte den Armen folgt, statt umgekehrt. Folgt der Technik der Hüfte, so fällt auf, dass sich die Technik verändert. Es scheint so zu sein, dass die gleiche Effizienz und Effektivität mit weniger Kraft erreicht werden kann. Nochmal, die Technik folgt der Hüfte, statt dass die Hüfte den Armtechniken folgt.

Wirft man einen Blick zum Vollkontaktkarate und holt sich die Ausführung des Mawashi-geri ins Gedächtnis, so kann erkannt werden, dass hier dieses Prinzip besonders gut zu erkennen ist.

Doch es geht noch weiter. Nicht nur die Hüfte ist für die Karatetechnik entscheident. Auch die Fähigkeit die Beine proaktiv zur Kampfsituation einzusetzen ist von entscheidender Bedeutung. Und gerade hier haben einige Shôtôkan-ryû-Vertreter Probleme. Häufig werden Bewegungen abgehackt ausgeführt.

Ein Grund könnte sein, dass sich der einzelne mehr auf die Armbewegungen und -techniken konzentriert und die Beinarbeit vergisst. Eine andere Möglichkeit wäre jedoch, dass durch häufiges Kihon-Training die Beinarbeit falsch geschult wird. Weiche, lockere, schnelle und angepasste Bewegungen kommen zu kurz. Könnten solche Fehlentwicklungen auf das Gohon-Kumite zurück zu führen sein?

Und wie sieht es bei der Kata aus? Kata ist, so durfte ich in den vergangenen Tagen lesen, eine Vor-Form des späteren Kumite. Hier sollen die unterschiedlichen Prinzipien des spezifischen Stiles trainiert und verfeinert werden. So könnte man in der Bassai Dai die besondere Fähigkeit des Hüfteinsatzes betrachten, während beispielsweise die Hangetsu mehr auf die Prinzipien der Atmung und eines engeren Standes beruht.

Könnte man die Bassai Dai somit als eine Kata mit weiten und ausholenden Bewegungen sehen, während die Hangetsu hingegen kürzere und engere Techniken (inkl. der Wendungen) beinhaltet?

Beiden gemein ist hingegen wieder der Einsatz der Hüfte. Während in der Bassai Dai vornehmlich die Armtechniken (relativ) weite Wege (man denke an die Ausholbewegungen der Soto-Uke und Uchi-Uke) zurücklegen, scheinen die Bewegungen in der Hangetsu deutlich kleiner zu sein. Die zweite Kata scheint somit für einen engeren Raum oder besser, für die Verteidigung in einer kompakten Situation geeignet zu sein.

Doch zurück zum Karate, welches unterhalb der Hüfte beginnt. Betrachten wir beide Katas einmal von dem Standpunkt aus, dass zuerst die Hüfte, dann die Armtechnik eingesetzt wird, so wird deutlich, dass jeweils die Hüfte die Initialzündung für den Start der Armtechnik gibt.

Doch wie sieht es bei den Beintechniken aus? Derzeit kann angenommen werden, dass gleiches was für die Hüfte und Armtechniken gilt, auch für die Hüfte und den Beintechniken gelten muss. Doch dies gilt es noch zu testen und zu prüfen.

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