Karate - denken in Schubladen

Geschrieben von Gelbfüssler am 26.11.2008 um 02:14
in 4) Karate. Link.

Karate - denken in Schubladen
- ein ketzerischer(?) Text -

Im weltweiten Internet gibt es viele unterschiedliche Foren die sich mit Kampfsport bzw. den Kampfkünsten auseinander setzen. Häufig gibt es dort Vertreter die meist nur einen Stil als die ultimative Kunst sehen. So liest man auch häufig in solchen Foren Überschriften wie: "Karate besser als XYZ" oder "Krav Maga vs. XYZ".

Teilweise findet man ähnliche Vergleiche auch innerhalb der Kampfkunst Karate. Hierbei versuchen Einzelne die unterschiedliche Stile und die entsprechenden Eigenarten der einzelnen Karate-Richtungen zu vergleichen, weshalb Diskussionen darauf hinauslaufen Unterschiede zu finden um sich mit dem eigenen Stil abzugrenzen.

Die Abgrenzung und diese immer fortwährende Unterscheidung ist jedoch nur bedingt hilfreich. Sicherlich sollte der Karateka (je nach Zielsetzung) wissen wo seine Stilrichtung bezogene Heimat ist aber bedeutet dies, dass nicht mehr über den Tellerrand hinaus geschaut werden darf? Dabei ist dies doch u.U. notwendig um das Gesamtverständnis zu erhöhen und so ggf. auch neues zu entdecken.

Betrachtet man die Geschichte des Karate, so wird man immer wieder auf Gemeinsamkeiten einzelner Stile treffen und letztlich entdecken, dass die unterschiedlichen Karate-Stile Ihren Ursprung im Okinawa-te haben. Aufgrund dieser Historie erscheint es folglich nur logisch, dass Gemeinsamkeiten existieren müssen. So lehnte auch Funakoshi Gichin eine Kategoriesierung in unterschiedliche Karate-Stile ab, da er der Meinung war, dass es nur "ein wahres Karate" geben könne.

Vergleicht man beispielsweise das Shôtôkan-ryû mit anderen Karate-Stilrichtungen, so entdeckt man bei näherem hinsehen, dass bspw. Kata ähnlich heißen und/oder  in ähnlicher Form ausgeführt werden. Als Beispiel sei hier wieder einmal die Kata Hangetsu erwähnt, die wie schon einmal berichtet (Hangetsu) in anderen Karate-Stilen - wie beispielsweise im Gojû-ryû-Karate - unter dem Namen "Seisan" bzw. "Seishan" bekannt ist.

Vergleich: Seisan bzw. Seishan (Gojû-ryû) mit der Hangetsu (Shôtôkan-ryû):





Ähnliches lässt sich auch aus dem Wado-ryu berichten. So sind die dortigen 15 Katas namentlich den Shôtôkan-ryû-Katas sehr ähnlich. Vergleicht man die Namen der einzelnen Katas, so wird deutlich, dass die dort trainierten Pinan-Katas den im Shôtôkan-ryû geübten Heian Katas entsprechen. Beim Vergleich wird noch etwas deutlich. Im Wado-ryû werden i.d.R. die ursprünglich gebrauchten Namen für die Katas verwendet, während im Shôtôkan-ryû neuere Namen verwendet werden. Beispiel: Naihanchi (Wado-ryu) = eiserner Reiter = Tekki (Shôtôkan-ryû). Oder auch Chintô = Gankaku (Quelle: Shôtôkan - überlieferte Texte, Wittwer, H.,)

Anhand dieser Beispiele wird deutlich, dass eine sture Ablehnung anderer Karate-Stile nicht richtig bzw. hilfreich sein kann. Vielmehr ist nach den Gemeinsamkeiten zu schauen um so das eigene Karate zu verbessern. Wie meinte Nishiyama Hidetaka doch gleich (sinngemäß): 'Vieles Wissen ist verloren gegangen.'

Bedenkt man dies, so ist es umso wichtiger über den Tellerrand hinaus zu schauen um evtl. in anderen Stilen wertvolles Wissen für das eigene Karate wieder zu finden. Hierzu muss es auch möglich sein, nicht nur über Stilgrenzen sondern auch über Verbandsgrenzen hinaus zu schauen um den Verlust von weiteren Kenntnissen zu unterbinden.

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