Billig um jeden Preis
Angefangen hat alles vor einigen Jahren mit der Discountkette Aldi. Sie waren die Vorreiter für günstige Produkte die qualitativ dennoch hochwertig sind. Zwischenzeitlich sind Anbieterketten von billigen bzw. günstigen Produkten nur so aus den Boden geschossen. Sei es die Konkurrenz namens Lidl oder Norma im Lebensmittelbereich oder Saturn und Media-Markt, die beide dem Metro-Konzern angehören.
Im textilen Bereich hat sich nun ein Händler gefunden, der mit Billigangeboten die Textilbranche überziehen möchte. Und die Preise sind wirklich unverschämt niedrig. So bietet diese Kette aktuell ein Unterwäsche-Set für Damen von unter 5 Euro an. Ein Preis bei dem viele Kunden nicht lange überlegen und kaufen werden, kosten doch vergleichbare Kleidungsstücke bei Karstadt & Co. ein vielfaches mehr.
Doch sind diese niedrigen Preise für die Wirtschaft, die Nachhaltigkeit und den fairen Umgang mit den Stakeholdern wirklich vorteilhaft?
Produziert werden die von dem "Textil-Diskont" verkauften Produkte in Asien. Jedoch unter welchen Produktions-Bedingungen? Nach Recherche von Spiegel-Online gibt ein geschäftsführender Geschäftsführer zu, dass Kinderarbeit nicht gänzlich ausgeschlossen werden kann (Quelle: Spiegel-online v. 08.05.2008 - Stand: 27.11.2008).
Eine Aussage die nachdenklich stimmen muss. Denn immerhin verweist der Textilhändler auf seiner Homepage auf die ethische und moralische Integrität sowie den vorhandenen Code of Conduct (Quelle: Textil-Händler). Sicherlich, die Produktionssituation kann sich innerhalb des halben Jahres durchaus geändert haben. Doch ob dies tatsächlich so ist, kann durchaus bezweifelt werden.
Denn wie kann ein Unternehmen mit Kampfpreisen von 5 Euro die unternehmerischen Kosten decken? Selbst wenn in den Produktionsstätten keine Kinderarbeit statt findet, wovon an dieser Stelle ausgegangen werden soll, ist die Frage, wo die Marge verdient wird. Ein anderes Feld wäre der Stundenlohn der Mitarbeiter. Auch hier hat jenes Textilunternehmen in der Vergangenheit Probleme gehabt (s. die Welt - 29.05.2008). So wurden den Mitarbeitern niedrigste Löhne von 5,20 Euro bezahlt, was einem Brutto-Lohn von ca. 900 Euro pro Monat entspricht. Ein Gehalt von dem kaum zu leben ist.
Die beschriebenen Werte sind durchaus lobenswert, steckt dahinter doch
"...die Überzeugung und der Wille, sich als Mensch, Unternehmen und Gemeinschaft für die Belange unserer Umwelt und unserer Gesellschaft einzusetzen."
Im Sinne von Werten, Corporate Social Responsibility - also der unternehmerischen Verantwortung ggü. der Gesellschaft liegt kongruentes handeln zwischen dem gedruckten Code of Conduct und der Realität nicht vor. Ganz im Gegenteil. Bei den niedrigen Löhnen werden die Mitarbeiter weder fair noch ehrlich behandelt sondern vielmehr ausgebeutet.
(Quelle: Kik)
Eine gesellschaftliche Verantwortung besteht nicht einzig darin günstige Produkte anzubieten, sondern Löhne und Gehälter zu zahlen von denen Menschen leben können. Wir sprechen hier von leben und nicht überleben.
Betrachtet man die Preise aus der Vogelperspektive, so muss doch jedem klar sein, dass bei solchen niedrigen Preisen irgendjemand auf jeden Fall den Preis bezahlen muss. Sei es irgendwelche Kinder in Asien, die Umwelt oder der Verkäufer im Laden.
Billig um jeden Preis zu sein, hat seinen Preis. Kaufen Sie nicht jedes günstige Produkt, sondern hinterfragen Sie, warum ein Produkt so günstig sein kann. Übrigens, Qualität hat seinen Preis und erhält Arbeitsplätze. Vielleicht auch Ihren!
Ausgehend davon, dass die verlinkten Artikel vom Mai 2008 stammen, wird davon ausgegangen, dass das Unternehmen sich entsprechend ethisch verhält und den Mitarbeitern angemessene Löhne zahlt und sich auch sonst korrekt verhält.
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