Karate und Kommerz
Wer in den letzten Tagen bzw. Wochen etwas aufmerksamer in einer Karate-Community mitgelesen hatte, konnte dort eine angeregte Diskussion über die Verkommerzialisierung der Kampfkunst "Karate" in Form von Systematisierung und Standardisierung lesen.
Ein Unternehmen hat sich dabei (lt. Homepage) das Ziel gesetzt Vereine in Bezug auf Werbung und der Steigerung von Mitgliedszahlen zu unterstützen und präsentiert dabei Steigerungsquoten in zweistelligen Prozentbereichen. Ziel soll es sein, dass der "Betreiber" einer solch unterstützten "Karateschule" von seiner Kunst leben kann. Hierzu soll Karate einer noch breiteren Masse zugänglich gemacht werden.
Sicherlich ein Ziel, was jene freuen wird, die sich mit dem Gedanken anfreunden können, dass Karate einmal olympisch werden soll.
Doch helfen solche unternehmerischen Initiativen der Kampfkunst "Karate" wirklich weiter?
Hier entsteht eine äußerst heikle Situation. Für Trainer, Lehrer oder Sensei wird aus dem "Hobby" Karate ein Beruf und somit eine Tätigkeit bei der die Gefahr besteht, dass zukünftig (noch) weniger an die Kunst, als an die Verdienstmöglichkeit gedacht wird. Hier kommt man unweigerlich zu einem Dilemma.
Wird aus der Kampfkunst Karate, dem bisherigen Hobby ein Beruf, so steigt die finanzielle Abhängigkeit an. Denn mit den Einnahmen aus aus dieser Tätigkeit müssen alle finanziellen Ausgaben und Verpflichtungen getätigt werden. Nicht nur jene, die das "Unternehmen" Karate betreffen, sondern auch gleichfalls die privaten Ausgaben.
Die Steigerung der Einnahmen kann durch zwei Maßnahmen geschehen. Der Preisführerschaft oder Leistungsführerschaft. Im ersten Fall somit ein niedriger Preis mit möglichst vielen Schülern oder in diesem Fall potentiellen Zahlern von Mitgliedsbeiträgen. Im zweiten Fall - der Leistungsführerschaft - steigt der Beitrag an, wodurch weniger zahlende Mitglieder benötigt werden.
Betrachtet man die potentiellen Ausgaben, so fällt auf, dass neben Strom, Wasser und Heizung noch viele weitere wesentliche Kosten entstehen, die von seitens des Betreibers gedeckt werden müssen. Und je höher der Preis für die Mitgliedschaft ist, umso mehr steigen auch die Ansprüche der Mitglieder an. Meist wird somit auch ein eigenes Dôjô benötigt, da die Mitglieder des "professionellen Vereins" in einem professionellen Umfeld trainieren möchten. Schulhallen können hier nicht mehr dem Zweck dienlich sein.
Betrachtet man dies, so wird deutlich, dass weder das eine (also übermäßig viele Mitglieder) noch hohe Beiträge für das Karate hilfreich sein können. Besonders wenn man sich die Aussage eines japanischen Meisters zu Augen führt.
"Karate ist für Arme gemacht".
Können somit weniger finanziell betuchte Menschen die Kampfkunst Karate überhaupt noch betreiben?
Dies bringt einen unmittelbar zu den nächsten Fragen. Welche ZIelsetzungen werden in solchen Schulen verfolgt? Welche Zielgruppen werden angesprochen?
Es besteht die Gefahr, dass sich das Karate, als Kampfkunst immer weiter von den ursprünglichen Wurzeln entfernt und sich zu einer Freizeit und Wellness-Sportart mit einem esoterischen Flair entwickelt. Spiel, Spaß und Freude stehen im Vordergrund, die Ernsthaftigkeit der Kampfkunst, die (vielleicht vorhandenen) philosophischen Aspekte, die Suche nach dem eigenen Weg zur persönlichen Reife könnten verloren gehen.
Karate wird mehr und mehr zu einem Konsum-Produkt in einer Fast-Food-Gesellschaft bei der auch die Karate-Welt in arm und reich geteilt wird. Ein Trend der in der "Weg-werf-Gesellschaft" sicherlich nicht hilfreich ist und sein kann.
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